
ANDREA CAMILLERI – Von A bis Z
Aufgeteilt zwischen Alf Mayer und Georg Seesslen
Achthundert – tausend – achthundert – tausend Zeichen und so weiter lautet die Taktung beim „freitag“, wo dieses schöne Format regelmäßig erscheint. Alf Mayer und Georg Seesslen hatten sich so das Alphabet für Andrea Camilleri aufgeteilt. Ihr A-Z für diesen Autor erschien Anfang September zu seinem hundersten Geburtstag. Wir präsentieren Ihnen die ungekürzte Ur-Fassung. Teils deutlich mehr als tausend oder achthundert…
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AUTODFESA DI CAINO
Das erste Buch von Andrea Camilleri, das nach seinem Tod veröffentlicht wurde, ein Bühnen-Monolog, der ursprünglich am 15. Juli 2019 in den Caracalla-Thermen von Rom, die wir von Federico Fellini kennen, uraufgeführt werden sollte. Aber das Vorhaben wurde gestoppt, weil sich der gesundheitliche Zustand Camilleris verschlechterte. Er starb am 17. Juli. Es ist das Ende, das an den Anfang zurück führt: eine typisch camillerische Relektüre des ersten Mordes in der Geschichte der Menschheit, von dem möglicherweise alle anderen Morde nur Varianten und Spiegelungen sind. Dass ein Mensch in der Lage ist, einen anderen Menschen zu töten, auf so viele verschiedene Arten, mit so vielen verschiedenen Gründen, und mit so vielen unterschiedlichen Folgen, das ist der Skandal, der den einen zum Commissario und den anderen zum Schriftsteller macht. Auf der endlosen Suche nach Aufklärung.

Wir begreifen anhand dieses Monologes, dass Vigáta, der Lebens- und Arbeitsort des Commuisario Montalbano, dessen Fälle wir in 28 Bänden verfolgen dürfen, imgrunde nichts anderes ist als das Paradies. Der Garten Eden – nach dem Sündenfall. Kain, der Ackerbauer (der Landbesitzer) erschlägt seinen Bruder, den Hirten (den insulären Nomaden), und im Prozess, den ein gewisser Andrea Camilleri begleitet, zeigt sich einmal mehr, dass die Dinge nicht so einfach sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Und Camilleri verabschiedet sich von der Bühne herab: „Ihr könnt euch nicht vorstellen, was Generationen und Generationen über mich erzählt haben, und was sie dann geschrieben haben, und ich, Andrea Camilleri, bin zu alt, um noch alles das zu ermessen“. Genug ist es dennoch geworden: Andrea Camilleri hat in seinen Büchern das Fortwirken der antiken Mythen, der biblischen Gleichnisse und der Märchenstoffe in der modernen Gesellschaft beobachtet. Und am Ende war er da angelangt, wo er immer hinwollte: Am Anfang. Beinahe.
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BERLUSCONI
Bei uns in Deutschland ist die Berlusconi-Holding MFE-Media For Europe gerade dabei, den TV-Konzern ProSieben Sat 1 zu übernehmen, das regt kaum jemanden auf. Andrea Camilleri hingegen wäre alarmiert gewesen. Er war zu Berlusconi-Zeiten einer seiner schärfsten Kritiker, empfand die Politik der italienischen Rechten als Triumph des schlechten Geschmacks. „Die Schäden des Systems Berlusconi werden jahrzehntelang wirken“, warnte er zum Beispiel 2010 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Jeder zweite Italiener könne nicht lesen und informiere sich nur übers Fernsehen, das aber kontrolliere der „Verfassungsfeind“ Berlusconi.
Camilleri verabscheute den gockelhaften Trump-Vorläufer und den ihm nachfolgenden Salvini, und er verkündete das lautstark: „Salvini con il rosario mi dà un senso di vomito.“ (Wenn ich Salvini mit dem Rosenkranz sehe, bekomme ich einen Brechreiz.) Noch auf dem Totenbett revanchierten sich die Salvini-Anhänger. „Ein Kommunist weniger“, hiess es in den sozialen Netzwerken.
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CANNOLI
Das erste, was der Commissario auf dem Schreibtisch von Pasquano bemerkt, inmitten von Papier und Fotografien von Ermordeten ist eine „guantera di cannoli Giganti con allato ‚na buttiglia die passito di Pantelleria“. So geht das los, nicht nur in „Il Campo del Vasaio“. Das Essen ist für unseren Commissario Mantalbano nicht bloß ein ein sinnliches Vergnügen – sagen wir, neben der Liebe das Mittel, den täglichen Umgang mit dem Tod erträglich zu machen – es ist auch ein Code, die Welt zu entschlüsseln, und unter anderem die Möglichkeit, Sizilianer zu bleiben und trotzdem Polizist zu sein. Die Cannoli sind bei Camilleri ein kulinarisches Leitmotiv, das nicht nur beim Montalbano stets an einer genau richtigen Stelle aufscheint.
Wie so viele italienische Gerichte nämlich stehen auch diese mit Riccotta und verschiedenem süßen Zeug gefüllten Teigtaschen für eine bestimmte Fest-Gelegenheit, nämlich die Fastnachtszeit, also die Vorbereitung auf Ostern. Der Passito di Pantelleria ist der in jeder Hinsicht schwere sizilianische Weißwein, mit dem man sich in Nullkommanichts in die Antike zurück versetzen kann, gefährliche Meeresüberquerungen inklusive. Die zum Strauß geordneten gigantischen Cannoli und die Flasche Passito di Pantelleria gehören also zu einer Geschichte, wie sie nur Camilleri erzählen kann: Essen – Mythos – Psyche – Politik.
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EMPEDOKLES
Camilleris Geburtsort Porto Empedocle, der in seinen Romanen und Geschichten kaum verhüllt zum fiktiven Vigáta camoufliert, ist nach dem griechischen Naturforscher, Philosophen, Redner und Dichter Empedokles benannt, der um 495 bis 435 v. Chr. in sizilianischen Agrigent lebte. Dessen Lehre von den vier Urstoffen oder »Elementen« prägte das naturwissenschaftliche Weltbild der Antike maßgeblich. Die Naturidee von Erde, Wasser, Luft und Feuer stand am Anfang des chemischen und chemisch-biologischen Denkens, es beeinflusste auch die westliche Medizin bis in 19. Jahrhundert hinein.
Friedrich Hölderlins Trauerspiel „Der Tod des Empedokles“ blieb mit drei Entwürfen unvollendet. Sigmund Freud vertrat 1937 in seinem Aufsatz »Die endliche und die unendliche Analyse« die These, der vorsokratische Philosoph habe, indem er das Prinzip des Streits als eigenständige Naturkraft einführte, den Todestrieb entdeckt – und sei damit ein Vorläufer der Psychoanalyse.
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INSTITUTION
Andrea Camilleri wurde, nach langen Jahren emsiger Tätigkeit als Regisseur, als Lehrerender und Leitender (unter anderem das Centro Sperimentale di Cinema) und als Autor zur kulturellen Institution in Italien, als er bereits die 70 überschritten hatte. Das lässt sich nur einerseits an den Positionen seiner Bücher auf den Bestsellerlisten erkennen, wie im denkwürdigen Sommer 1998. Da dominierte Andrea Camilleri die italienischen Bestsellerlisten wie noch niemand vor ihm, auch ein Umberto Eco nicht. Das sah so aus: Platz 1: Andrea Camilleri; Platz 2: Camilleri; Platz 3: Camilleri; Platz 4: Camilleri – und weitere vier der ersten zehn Plätzen ebenfalls von ihm belegt. Es waren vier Kriminalromane, alle mit dem gleichen Commissario aus Sizilien, aber auch vier Bücher, in denen etwa Akten aus dem vergangenen Jahrhundert einen neuen Blick erfuhren. Camilleris Erfolg war eine literarische Sensation.
»Eine Verschwörung der Leser«, nannte er es selbst, nicht ohne Stolz. »Wir Sizilianer fahren jahrzehntelang herum wie ein Unterseeboot mit ausgefahrenem Periskop, und plötzlich erscheint uns die Lage günstig, und wir tauchen auf.« Er hatte bereits die Fünfzig überschritten, als er sein erstes Buch veröffentlichen konnte, es wurde von gut einem Dutzend Verlagen abgelehnt, ehe Leonardo Sciascia ihn zum Verlag Sellerio holte. Und da wurde er zu jener Institution, auf die sich alle, wirklich alle nicht-faschistischen und nicht vollständig berlusconifizierten Italienerinnen und Italiener einigen konnten. Und mittlerweile träumen sie vielleicht mit Camilleri-Büchern von den schönen Zeiten dieser Einheit.
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LEGGEREZZA
Problematisch, das Prinzip der Legerezza für eine Gesellschaft zu beschreiben, die bei „leicht“ an minderwertig und.anstrengungslos denkt, an Artilleriebeschuss oder Schlagermusik. Legerezza ist einerseits eine Geisteshaltung. Andrerseits aber vor allem eine artistische Methode, die es in der Poesie ebenso wie in der bildenden Kunst gibt, die Art, wie man Dinge miteinander verbindet, das Komische mit dem Dramatischen zum Beispiel, die Wissenschaft mit dem Alltag, die Odyssee Mmit den Fernsehnachrichten. Mit der Legerezza macht man es sich ja nicht leicht; man denke nur, wieviel Puste man braucht, um eine Feder in der Luft zu halten.
Italo Calvini hat den Wert der Legerezza anhand von Perseus erklärt, dem einzigen Menschen, der das Medusenhaupt bezwingen konnte, weil er im wahrsten Sinne des Wortes leichtfüßig der Versteinerung entkam. Es war die Leichtigkeit der Verbindungen von Politik, Kultur, Moral und Unterhaltung, mit der uns dieser Autor vor den Versteinerungen bewahren wollte. Kein plumpes Nebeneinander, sondern ein elegantes ineinander. Der Polizist Catarella in den Montalbano-Romanen: Ein komischer Sidekick nach den Genre-Regeln gewiss, in seinen Sprach- und Namensverdrehungen aber auch ein reiner Poet, und schließlich ein italienischer Archetyp: L’uomo con il cuore del bambino“ – der Mann mit dem Herzen eines Kindes, und als solcher im Besitz einer tieferen Wahrheit. Oder nehmen wir die Idee, das Märchen der Meerjungfrau mit der sizilianischen Wirklichkeit der Zeit der Auswanderungswelle mit dem Maler Lyonel Feininger und dem deutschen Bauhaus zu verknüpfen.
Man bewegt sich frei zwischen den Sphären der klassischen Literatur, der Philosphie und Kunst, der sozialen Beobachtung, der moralischen Diskurse, des Alltags und der Natur. Kein Gedanke, je zwischen high und low zu unterscheiden, kein Widerspruch zwischen „elitär“ und „volkstümlich“, nur der zwischen leicht und versteinert.
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MONTALBANO
Montalbano ist erst einmal eine Hommage, nämlich für den spanischen Kommunisten und Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán, der den Privatdetektiv Pepe Carvallho erfand, eine Figur, die sozusagen am eigenen Leib die Transformationen der spanischen Gesellschaft nach der Franco-Diktatur erlebt. Der Commissario Montalbana in Sizilien ist nicht minder ein Zeitzeuge der Transformationen der italienischen Gesellschaft und ihres sizilianischen Gegenübers. Die vielen Charaktere, denen er begegnet, lassen sich stets als Figuren einer antiken Tragödie wie als Repräsentanten diverser sozialer Konflikte ansehen.
Montalbanos sprichwörtliche schlechte Laune ist häufig politisch motiviert. Er ist zweifellos ein „Linker“, wenn auch einer von der eher eigenbrötlerischen Sorte; er ist nicht vorstellbar ohne das Meer, der „dottori“ verfügt über eine vielseitige Bildung, kann aber auch bei Gelegenheit recht grob werden. Seiner Erdung dienen eine Fernbeziehung, die relative Stabilität mit relativer mir relativer Freiheit verbindet. Und eine Crew mit ausgeprägten Charakteren und Hintergründen. Perfekt ist Montalbano weder als Mensch noch als Polizist. Aber er hat seine Grundsätze, und einmal, als es darum geht, die Mörder eines kleinen Migrantenjungen zu finden, erinnert er sich an den Kommissar von Friedrich Dürrenmatt, der gegen alle Widerstände sein Versprechen halten will, den Mörder eines Kindes zu fassen. Salvo Montalbano ist ein Idealist mit Schwächen, der sich nicht nur körperlich manchmal auch überschätzt. Und der schließlich auch älter wird, wie auch nicht. Er ist ein Zeitgenosse, einer, der uns begleitet in den Romanen und in der durchaus kultigen Fernsehserie mit Luca Zingaretti, die von 1999 bis 2021 in 37 Filmen lief. Montalbano stammt aus Catania, und wenn er etwas verstehen will, dann wird er es früher oder später auch verstehen, heißt es einmal von ihm.
„Montalbano sono!“ Ach ja, auf die Frage, ob viel von ihm selbst in seinem Montalbano steckte, antwortete Andrea Camilleri: „Nein… aber es steckt viel von meinem Vater in Montalbano. Das habe ich selbst gar nicht gemerkt, das hat meine Frau entdeckt“.
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QUALITÄT
Camilleri über seinen Kommissar: „Ich will einen bürgerlichen Kriminalisten, einen, der mir und jedwedem Leser gleicht, mit der Fähigkeit, Sachverhalte mit einander zu verknüpfen. Selten gestatte ich es ihm, sich auf seine Eingebung zu verlassen, eine, die davon abgesehen auch der Leser haben könnte. Dieser Kriminalist darf keine außerordentlichen Fähigkeiten haben, die ihn auf raffinierten Wegen der Meditation dazu bringen, weiter zu sehen, als die anderen. Er muss die Wahrheit auf normale Weise herausfinden. Also muss ich ihn vieler Qualitäten und Attribute entkleiden. Und je sorgfältiger ich das im Verlauf des Schreibens tue, desto klarer wird mir, dass die einzige wirkliche Waffe, die ich ihm übrig lasse, eine genaue Kenntnis der Verhaltens-Muster derer ist, die ihn umgeben. Es hat etwas damit zu tun, sich in den Ermordeten hineinzudenken.“
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SELLERIO
Camillieris italienischer Hausverlag war und blieb Sellerio Editore aus Palermo, 1969 von Elvira Giorgianni und ihrem Ehemann, dem Fotografen Enzo Sellerio, gegründet, dabei ermuntert und unterstützt vom sizilianischen Schriftsteller Leonardo Sciascia und dem Volkskundler Antonino Buttitta. Im Programm war und ist der Verlag (Markenzeichen: dunkles Blau, rauer Buchschnitt, Kunstwerk eines sizilianischen Künstlers auf dem Cover, innen hochwertiges Papier aus den Papiermühlen von Fabriano) wohl am ehesten mit Suhrkamp zu vergleichen: anspruchsvolle Autoren, Klassiker, Reihen, Essays, Philosophie, aktueller Diskurs und Politisches. Und schon immer mit dabei: die »Gialli Sellerio« – Kriminalromane, eng mit dem Verlagsnamen assoziiert.
Leonardo Sciascia war es, der Andrea Camilleri ins Haus holte. Dort befand er sich dann in Gesellschaft von Robert Bolano, Friedrich Glauser, Santo Piazzese, Per Wahlöö und Manuel Vázquez Montalbán (sic). Bei Suhrkamp übrigens erschienen die ersten Kriminalromane erst im Mai 2009, das deutsche Feuilleton begriff es als Untergang des Abendlandes. Die von Thomas Wörtche herausgegebene Krimireihe existiert sei Mai 2016 (siehe auch: Interview von Alf Mayer mit Winfried Hörnig, Leiter der Suhrkamp-Taschenbuchabteilung: »Ungeheure Neugierde und Lust auf das Neue, das Überraschende…«)

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SIZILIEN
„Zwischen Fest und Massaker“ überschrieb der Waschzettel des Klaus Wagenbach Verlags den 2018 neu aufgelegten SALTO-Band „Sizilien und Palermo – Eine literarische Einladung“. Die 144 Seiten (Herausgeberin Katharina Bürgi) mit Kurzprosa, Roman-Auszügen, Essays und Gedichten sind das wohl prägnanteste Kompendium dieser Insel im Süden Europas. Ein Sizilianer, hieß es darin, wird niemals von sich sagen, er sei Italiener, das müsse Italien sich abschminken, denn der Stolz der Menschen auf ihre Insel-Heimat zwischen Messina und Selinunte, Trapani und Siracusa, Agrigento und Taormina, Palermo und Ragusa sei groß.
„Wir sind unsympathisch“, deklamierte Leonardo Sciascia. Gesualdo Bufalino nannte Sizilien „Das Land der Exzesse“. Andrea Camilleri macht es uns liebenswert.
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VIGÀTA
Der fiktive Schauplatz Vigàta in Sizilien, an dem Camilleri nicht nur seine Kriminalromane mit Kommissar Montalbano spielen lässt und mit viel Lokalkolorit ausstattet, ähnelt sehr seinem Heimatort Porto Empedocle südwestlich von Agrigent. Die Stadt ist nach dem griechischen Philosophen Empedokles benannt, war im 15. Jahrhundert ein Kornverladeplatz. Der Nobel-Literaturpreisträger Luigi Pirandello, auf den sich Camilleri immer wieder spielerisch und alle Meta-Ebenen jonglierend bezieht, wurde im Vorort Caos geboren.
In die internationalen Schlagzeilen geriet die Stadt im Juli 2004, als das deutsche Rettungsschiff Cap Anamur mit 37 afrikanischen Flüchtlingen an Bord in den Hafen einlief. Das Schiff wurde beschlagnahmt und Teile der Besatzung in polizeilichen Gewahrsam genommen. Im Erzählband „Romeo und Julia in Vigàta“ transferiert Camilleri nicht nur Shakespeare nach Sizilien, auch ein Esel namens Mussolini taucht auf und ein provisorisches „Königreich von Pommern“, das im Meer verschwindet.
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ZINGARETTI, LUCA
Es ist immer schwierig, einen Charakter darzustellen, der sich auf sehr verschiedene Weise in den Köpfen eines großen Leserkreises geformt hat. „Den Commissario habe ich mir ganz anders vorgestellt“, ist eine klassische Reaktion. Aber Zingaretti konnte in diese Rolle vielleicht doch so perfekt hinein wachsen, weil er auf seine Art selbst eine Art Montalbano ist. Ein linker Politiker wie sein jüngerer Bruder Nicola Zingaretti, der alle Wandlungen von der Kommunistischen Partei Italiens PCI über die PDS und die DS in die jetzige PD, die verbliebene demokratische Opposition zur „post-faschistischen“ Allianz der Regierung Meloni miterlebte. Luca Zingarette war vor seiner Schauspiel-Karriere in der Unità Proletaria per il Comunismo. Er hat ein Faible für „reale“ Figuren aus der italienischen Geschichte, spielte etwa Pietro Nenni in „Der junge Mussolini“ oder einen Mafia-Boss in „La Piovra“ und drehte 2003 selbst den Dokumentarfilm „Gulu“ über den Bürgerkrieg in Uganda, die Rekrutierung von Kindersoldaten und die Massaker an der Zivilbevölkerung.
Luca Zingaretti ist der Camilleri-Darsteller par excellence, Er ist einer, der an der Wirklichkeit interessiert ist, mehr als an sich selbst, und der Charaktere entwirft, von denen er vieles, aber nicht alles preisgibt. Luca Zingaretti ist übrigens in Rom geboren und aufgewachsen. Aber das verzeihen wir ihm. „Es gibt keinen Sizilianer, dem Sizilien nicht fehlt“, sagte Andrea Camilleri. Es gibt sogar Leute, denen Sizilien fehlt, obwohl sie gar keine Sizilianer sind.
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Von Dietrich Leder kam der Hinweis: Las gerade im zweiten Montalbano-Roman „Der Hund aus Terrakotta“ (1996 in Italien, 199 in Deutschland), in dem – nebenbei gesagt – der Protagonist in der Freizeit einen Krimi von Manuel Vázquez Montalbán liest, nach dem er ja, was er aber nicht weiß, benannt ist, den Satz „Er fand, daß er in punkto Geschmack Maigret näher war als Pepe Carvalho.“, was sich selbstverständlich auf das Essen bezieht.
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