Eine ethnologische Satire Was, fragt man sich, kann einen Wissenschaftler, der sich intensiv mit den Gebräuchen der bayrischen Ureinwohner beschäftigt hat – „Tief in Bayern. Eine Ethnographie“ – überhaupt noch schrecken? Die Antwort ist, na klar: Amerika! Der „große Ethnologe“ (Klappentext) R.W.B. McCormack ist eine schillernde Figur: Geboren in Texas, Studium absolviert in Harvard und Heidelberg, Experte auf dem Gebiet der Verwandtschaftsbeziehungen kenyattischer Nomaden und des Schamanismus in polyethnischen Kulturen. Er war Professor für Ethnolinguistik an der Simon Suggs Universität und lebt auf Guam und in München (vermutlich gleichzeitig). Diverse
Read More Posted On November 8, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Der Schrecken des Nichts Welche Orientierungsmarken und Grenzen gibt es noch in einer Welt, die den „Tod Gottes“ und das Ende der großen Erzählungen zu verkraften hat und in der Recht und Moral durch die universelle Tauschkraft des Geldes ersetzt worden sind? Diese Frage thematisiert Juli Zeh auf packende Art und Weise. In ihrem neuen großen Roman nach dem hochgelobten „Adler und Engel“ stellt sich die erst 30jährige Juli Zeh der „conditione postmoderne“ in all ihren Verwerfungen – von der zermürbenden Wiederkehr des ewig Gleichen bis zum apokalyptischen Gewaltausbruch. Sie
Read More Posted On November 1, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Children of the Revolution Wenn sich Jungautoren literarisch mit den Umbrüchen von 68 befassen, begeben sie sich auf sehr dünnes Eis – Sophie Dannenberg versucht es mit einem satirischen Blick, hinter dem der bittere Ernst lauert. Schon Leander Scholz („Rosenfest“) wurde vom Feuilleton vorgeworfen, nicht berufen zu sein, um Baader und Ensslin zu Romanfiguren zu machen. Die 1971 geborene Sophie Dannenberg geht mit ihrem Debüt „Das bleiche Herz der Revolution“ ein ähnliches Risiko ein, wenn sie zwar die Lebensgeschichte eines Kindes der 68er Generation schildert, sich aber in einer Parallelgeschichte
Read More Posted On Oktober 28, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Das ‚andere Amerika‘ Studs Terkel, der große alte Mann der amerikanischen ‚Oral history’, führt Gespräche mit Amerikanern über die Hoffnung und den ‚American dream‘. Bist Du für oder gegen Amerika? In regelmäßigen Abständen wird man Politikern, Journalisten und sogar im eigenen Freundeskreis aufgefordert, sich entweder als Freund oder als Gegner Amerikas zu bekennen. Ein ‚Anti-Amerikaner‘ zu sein gehört zu den schlimmsten Vorwürfen, die man sich in der vorherrschenden politischen Kultur Deutschlands gefallen lassen muß. Wer mit den Songs von Pete Seeger und Woody Guthrie im Ohr, mit den Fernsehbildern von
Read More Posted On Oktober 27, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Von Potsdam nach Palermo Klaus Wagenbach kreuzt wieder durch ‚sein Italien‘. „Ceravamo tanto amati“, wir waren so sehr verliebt, lautete der Titel eines in den siebziger Jahren in Italien sehr erfolgreichen Filmes mit Nino Manfredi. Und um diese Zeit herum entstand auch eine neue Welle von Italien-Begeisterung nördlich der Alpen. Und umso ferner man von Rom, Venedig und Florenz lebte, umso leidenschaftlicher funkte es besonders bei den der ewigen Universitätsquerelen müden Deutschen, ganz besonders den Berliner Intellektuellen. Statt Buletten wollte man endlich ‚una polpettina di carne‘ – was zwar ungefähr
Read More Posted On Oktober 25, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Im Olymp angekommen Wovon der Held in seinem Roman – zu einer Zeit, als er noch eine Heldin ist – träumt, hat der Autor Eugenides bereits erreicht: ein wahrhaft phänomenales Buch. Geschrieben mit einer einzigartigen Dreifaltigkeit aus Hirn, Herz und Humor. Als routinierter Leser glaubt man allzu leicht, den Überblick über den Buchmarkt behalten zu können und Autoren, die einen beeindruckt haben, nicht aus den Augen zu verlieren. Doch wenn sich ein Schriftsteller allzu viel Zeit mit seinem zweiten Buch lässt, kann es durchaus passieren, dass man ihn schon nicht
Read More Posted On Oktober 21, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Lyrik
Die Zärtlichkeit des Nashorns Letzte Gedichte des wenig bekannten deutschen Lyrikers Rainer Malkowski, der kaum beachtet von der Öffentlichkeit vor einem Jahr gestorben ist. So müssen die Cover von Büchern gemacht werden. Was soll ein überdimensionierter Kopf eines Nashorns und dann noch ein scheinbar überhaupt nicht passender Titel „Die Herkunft der Uhr“? Welche Beziehungen bestehen zwischen dem schweren gepanzerten Tier und der Feinmechanik einer Uhr? Und Rainer Malkowski, der Autor, ist ja auch nur wenigen Lyrikkennern ein Begriff. Alles zusammen reizt im besten Sinne zum Aufschlagen des schmalen Bändchens. In
Read More Posted On Oktober 14, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Lyrik
Durchs Zahnloch ziehts Über den alten und modernen Lyriker Kurt Marti, einen der letzten noch lebenden und sich in den Gang der Welt noch einmischenden Schüler des großen Theologen Karl Barth, ein Meister der kleinen Form, der klugen Aphorismen und der räsonierenden Betrachtungen über „Gott und die Welt“. Warum eigentlich erwartet man älteren Lyrikern immer beschauliche, konservative Werke und von jungen Autoren immer provokante, moderne Gedichte? Gibt es doch Autoren um die Dreissig, die fürchterlich betuliche, langweilige, mit der Welt zufriedene Gedichte schreiben. Und es gibt ältere Lyriker, die auch
Read More Posted On Oktober 4, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Rock gegen Blähungen Kann man über die Liebe zur Musik, zu einer ganz bestimmten Musik überzeugend schreiben? Man kann, und wie – das beweist Navid Kermani in seinem „Buch der von Neil Young Getöteten“. Die neugeborene Tochter des Erzählers leidet unter furchtbaren Bauchkrämpfen – und die Eltern leiden naturgemäß mit. Einem eigenwilligen Impuls folgend legt der Vater, erklärter Neil Young-Fan, eine Platte seines Idols auf. Die ersten Akkorde von „The last Trip to Tulsa“ erklingen, und weil das Geschrei der Tochter das Intro übertönt, dreht der Erzähler den Lautstärkeregler auf.
Read More Posted On Oktober 4, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Hommage an Brooklyn Brooklyn ist nicht erst seit Selbys „Last Exit to Brooklyn“ eine literarische Legende – umwabert von unzähligen Ghetto-, Gangsta- oder (Off-) Kunst-Legenden ist er einer der bis heute quirligsten und authentischsten New Yorker Stadtteile geblieben. Mit „Die Festung der Einsamkeit“ legt Jonathan Lethem nun eine fast siebhundertseitige, facettenreiche Hommage an diesen 2 1/2-Millionen-Moloch vor. Neben dem eigentlichen Protagonisten Brooklyn spielt Dylan Ebdus eine zentrale Hauptrolle in diesem Roman. Fünf Jahre alt ist er, als er in den späten Sechzigern mit seiner kettenrauchenden Hippie-Mutter und seinem verschrobenen Künstlervater
Read More Posted On September 27, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Süffige Virtuosität Chang-rae Lee zeichnet in seinem neuen Roman „Turbulenzen“ mit leichter Hand eine multi-kulturelle Familiengeschichte. „Von hier oben, achthundert Meter über der Erde, sieht eigentlich alles ganz perfekt aus“ – wenn Jerry Battle mit seiner Propellermaschine „Donnie“ über Long Island schwebt, löst sich der übliche Alltagswust aus kleinen und großen Katastrophen, nervigen Routinen und verzwickten Beziehungen zu einer wunderbaren Klarheit und Leichtigkeit auf. Jerry Battle ist der Ich-Erzähler von Chang-rae Lees neuen Roman „Turbulenzen“. Mit seinen knapp 60 Jahren könnte Jerry, der seine Gartengestaltungsfirma schon an seinen Sohn Jack
Read More Posted On September 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Dark Angel im Millionenspiel Wieder mal steht Berlin im Mittelpunkt eines jungen deutschen Romans. Doch das Berlin in Nadja Sennewalds zweitem Roman (nach „schöner_wohnen.doc“) hat nicht viel zu tun mit der Party-Hauptstadt so mancher Jungliteraten. Sennewald führt uns in das Berlin einer vielleicht gar nicht so fernen Zukunft. Die Stadt ist unterteilt in Sektoren, die von privaten Wachdiensten kontrolliert werden – aus Geldmangel hat die Stadt alle wichtigen Plätze privatisiert. Die Helden des Romans sind jugendliche Underdogs, die sich mit kleinen Jobs durchs Leben schlagen und plötzlich die Chance ihres
Read More Posted On September 12, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Furios und fulminant Endlich in neuer Roman des Kultautors Matt Ruff. In „Ich und die anderen“ wird durch eine simple Zweierkonstellation ein ganzer Kosmos skurriler Geschichten aufgerissen. Denn die beiden Hauptfiguren sind multiple Persönlichkeiten und man weiß nie, mit wem man es gerade zu tun hat. Dass universitäre Abschlussarbeiten dröge Lektüre bieten, ist kein zwingendes Kriterium. Als ein junger Student Ende der Achtziger als Abschlussarbeit im Englischseminar einen Roman einreicht, hat dies gleich zwei weitreichende Konsequenzen: 1. Die maximale Länge solcher Arbeiten wird an der Universität von XXX fortan auf
Read More Posted On August 29, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Ein Käfig voller Irrer Mit „Krass“ liegt ein Roman vor, der in Sachen Abgedrehtheit der Charaktere und Situationen David Sedaris Konkurrenz machen könnte. Leider verbleibt der Roman Augusten Borroughs zu sehr im Episoden- und Karikaturhaften. Eine angebliche Autobiographie, ein schwuler Ich-Erzähler, jede Menge abgedrehter Charaktere und absonderliche Erlebnisse – nein, es ist nicht die Rede von David Sedaris‘ „Nackt“, auch wenn der deutsche Titel von „Running with scissors“ lautmalerisch dessen Nähe sucht. Und das ist gar nicht mal so dumm, denn Sedaris-Fans werden an Augusten Burroughs‘ Roman ihre helle Freude haben.
Read More Posted On August 29, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Kosmopolitische Geschichten David Mitchells „Chaos.“ – voluminöse Story-Sammlung oder das Modell für die Literatur des 21. Jahrhunderts? Die englische Literatur ist reich gesegnet mit schreibenden Kosmopoliten und Wanderern zwischen den Kulturen wie Salman Rushdie oder Hanif Kureishi. Mit einem rund um den Globus führenden „Roman in neun Teilen“ gesellt sich nun der junge David Mitchell aus entgegengesetzter Richtung hinzu. Der 1969 in Lancaster geborene Mitchell lebt heute als Universitätsdozent in Hiroshima und so spielt auch die Auftaktgeschichte in seiner neuen japanischen Wahlheimat. Aus der Ich-Perspektive erleben wir einen japanischen Sektierer,
Read More Posted On August 19, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Nichts wie hin zum Süden Schon immer war der Süden mehr als nur eine geographische Angabe der Himmelsrichtung. Mit der Metapher des Südens verbinden sich die ureigensten Sehnsüchte vor allem der im Norden lebenden Menschen. Dies haben viele Autoren erkannt, allen voran Iso Camartin, der in seinem Band „Jeder braucht seinen Süden“ viele Variationen der Süd-Metapher durchspielt. Sommerzeit. Reisezeit. Ab in den Norden. – Irgendwie paßt das nicht zusammen. Jüngst erhielt ich eine Postkarte von einem finnischen Freund. Seine Familie würde sich schon auf den Sommerurlaub im Süden freuen. Und
Read More Guru mit Stil Ein Nachruf auf den italienischen Journalisten, Polemiker und Weltmann Tiziano Terzani. Ende Juli ist im „toskanischen Himalaya“ bei Pistoa der italienische Journalist Tiziano Terzani gestorben. Auf den Medienseiten der deutschen Tageszeitungen wurde fast ausschließlich der große Asien-Reporter Terzani gewürdigt. Allen voran hat selbstverständlich der SPIEGEL, für den der Verstorbene jahrzehntelang als Korrespondent gearbeitet hat, die journalistischen Verdienste von Terzani hervorgehoben. In diesen Würdigungen ist aber fast immer auch der ‚andere Terzani‘ unterschlagen worden. In seinem Heimatland Italien war er zuletzt weniger als journalistischer Korrespondent und mehr als
Read More Sinnvoll und nützlich Interessant, und damit mit dem nötigen Distinktionsgewinn gegenüber den anderen Übersichtsveranstaltungen ausgestattet, sind Shiptons Akzentuierungen. Brauchen wir noch eine „History of Jazz“, bevor es endlich eine einzige, verlässliche, haltbare, definitive „Geschichte des Jazz“ gibt? Also ein Nachschlagewerk, das sämtliche Macken und Desiderate von „That´s Jazz“, Berendt, Polillo, Burns/Ward, Joost, Reclam und so weiter und so fort vermeidet? Einen Thesaurus, der alle Einzelstudien, Label-Geschichten, Musiker-Monographien, discographische Exerzitien, Interview-Bände, Sozialgeschichten, Krankheitsgeschichten lesbar zusammenfasst und auf den Punkt bringt? Doch ach, je mehr solcher Einzelteile entstehen, desto schwieriger wird natürlich
Read More Posted On August 16, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Grenzgebiet Eine Erinnerung an die Kindheit und das Leben in der verworrenen Grenzregion im äußersten Nordosten Italiens und Nordwestens von Kroatien. Marisa Madieri zeigt uns am Beispiel ihrer eigenen Familiengeschichte, wie fragwürdig eindeutige nationale Zuordnungen von Menschen sind, die Opfer von politischen Neuordnungen in traditionellen Grenzgebieten werden. Auf den ersten Blick könnte man „Wassergrün“ schnell in das Genre derjenigen Bücher einordnen, die von Schriftstellerinnen über ihre Kindheit an der Schwelle des eigenen Älterwerdens geschrieben werden. Das Buch wimmelt von Verwandten ersten und zweiten Grades, von ‚Wahlverwandten‘ und Freunden, mit denen
Read More Ein Liebhaber des Mittelmeeres Geboren wurde er im bosnischen Mostar. Seine Mutter war Kroatin, sein Vater Ukrainer. Viele Jahre hat er in Paris slawische Literatur gelehrt, heute lebt er als italienischer Staatsbürger in Rom. Seine Heimat ist das Mittelmeer, und an dessen Ufern fühlt er sich zu Hause. Vielleicht liegt es an der geographischen Ferne zum mediterranen Raum, dass Predrag Matvejevic‘ im deutschen Sprachraum noch weitgehend unbekannt ist. Die zwei einzigen ins Deutsche übersetzten Bücher sind inzwischen nur noch antiquarisch zu erwerben. Das Mittelmeer ist verführerisch. „Wenn wir von menschlicher
Read More Posted On Juli 19, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher
Aufbruch in die Neuzeit Vor 700 Jahren wurde Francesco Petrarca geboren. Gekrönter Dichterkönig, Philosoph, Bergsteiger, Bibliophiler und Diplomat – Francesco Petrarca war ein Universaltalent. Mit ihm endete das Mittelalter und die Neuzeit brach sich ihre Bahn. Untrennbar sind so die Renaissance und der Humanismus mit dem Namen Petrarcas verbunden – und damit der Versuch einer Wiedergewinnung der Antike als Gegenmittel zum beklagten Kulturverfall der eigenen Zeit. Wiedergewinnung bedeutete dabei allerdings nicht Imitation, sondern Interpretation und Anverwandlung der Antike im Wissen um die historische Distanz. Mit Petrarca beginnt die Abkehr von
Read More Die neue Generation Quer durch Amerikas (Seelen-)Landschaften führen uns 19 starke Short Stories einer neuen Generation amerikanischer Schriftsteller. Mit Jeffrey Eugenides, Jonathan Safran Foer oder David Foster Wallace sind große Namen ebenso dabei wie neu zu entdeckende, z. B. George Saunders, Judy Budnitz oder Amanda Davies. Der Sound der Stories, die in New York, in den einsamen Weiten des mittleren Westens, in heruntergekommenen Vorortgegenden Floridas oder ortlosen „überdachten Einkaufszentren“ spielen, ist von leichter Lethargie und Melancholie gezeichnet. Es scheint etwas unwiderruflich verloren im Leben dieser Generation: die Seele, der Sinn
Read More Posted On Juli 7, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Demokratie? Nein, danke. Man muss schon auf beiden Ohren taub und blind sein, um das verbreitete Desinteresse an der politischen Demokratie nicht wahrzunehmen. Die Zahl der Nicht-Wähler steigt von Wahl zu Wahl. Der Verdruss über ‚die da oben‘ und ihre ‚Diäten‘ ist riesig. Der Glaube, dass man mit den langsamen demokratischen Entscheidungsprozessen die wirtschaftliche Krise bewältigen, die Arbeitslosigkeit abbauen, die Umweltverschmutzung verringern, die Renten sichern kann usw. usw. schwindet mit jeder Legislaturperiode. Zwar sind es – noch – nur wenige, die ihre Hoffnung auf einen ‚Führer‘, wenigstens einen ‚starken Mann‘
Read More Durch Musik erzeugte Spiritualität und Transzendenz Große Musik auf jeden Fall, so lernen wir auch dieses Mal wieder von Kahn, wird noch spannender, wenn man sich um ihre Bedingungen kümmert. Kontexte schmälern nicht die Bedeutung eines „Genies“, Kenntnisse bereichern die Freude am Kunstwerk, und auch Transzendenz steht auf ganz irdischen Füßen. Was einmal erfolgreich war, darf durchaus auch ein zweites Mal funktionieren. Ashley Kahns wunderbare Studie über das making of Miles Davis` kapitalem Album „Kind of Blue“ hatte die Frage schlüssig beantwortet, ob ein ganzes Buch für eine einzige Schallplatte
Read More Ich erinnere mich noch an den letzten Komparsen Gespräch mit dem sizilianischen Schriftsteller Gesualdo Bufalino (1920 – 1996) über das Kino Kurze bevor Gesualdo Bufalino im Juni 1996 so tragisch bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, hatte er noch mit dem italienischen Regisseur Franco Maresco ein Gespräch über seine ganz besondere Liebe zum Kino geführt. In Erinnerung an Bufalino veröffentlichte die Tageszeitung „il manifesto“ Auszüge aus diesem Gespräch. (Aus dem Italienischen von Carl Wilhelm Macke) Sprechen wir einmal über Ihre cineastischen Leidenschaften. Alle meine Schriften über das Kino sind in
Read More Ein Leben in Splittern Rujana Jeger seziert das traurige Lebensgefühl einer von Krieg und Umbrüchen geschüttelten „Generation X“ auf poetische und obszöne Weise. „… Das Leben ist wie ein Darkroom, sagt Kristijan. Du weißt nie, wer dich wie fickt und wen du wie fickst. Aber es ist zu aufregend, als dass du einfach so rausgehen könntest.“ Auf der Folie des zerfallenen und vom Krebsgeschwür des Krieges durchzogenen Jugoslawiens setzt die 1968 in Zagreb geborene und heute in Wien lebende Rujana Jeger ein (ihr?) Leben aus kleinen Splittern, Szenen und Fragmenten
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