Posted On Februar 7, 2005By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Erst topp, dann Flopp Virtuos und kulinarisch schwelgend lässt der spanische Autor Juan Bas seinen Roman „Skorpione im eigenen Saft“ beginnen und zieht den Leser tief in seine Geschichte – doch dann versalzt er ihm die sämige Suppe. Erzählt wird die Geschichte von Pacho, der ein verwöhnter, „glücklicher und verantwortungsloser Nichtsnutz“, ein Spieler, Dandy, Gourmet und Lebemann, kurz: ein Connaisseur bester Prägung ist. An einem schicksalhaften Tag lernt Pacho, dem gerade von seinem reichen Herrn Papa der Geldhahn zugedreht wurde, „Asti“ Anton Astigarraga kennen. Dieser „dem Genuss, dem Exzess und
Read More Posted On Januar 31, 2005By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Etwas kommt dazwischen In „Schmitz“ erzählt Thomas Weiss von einem Hinterbliebenen, dessen Frau bei einem Flugzeugunglück über dem Bodensee ums Leben kam und den Auswirkungen, die ein solches Ereignis auf die Psyche hat. Thomas Weiss, 1964 in Stuttgart geboren und mittlerweile im obligatorischen Berlin lebend, hat sich in seinem Debütwerk der alltäglichen Katastrophe angenommen. Alltäglich wie der Name seines Helden „Schmitz“ sind die Unglücksfälle, die Mitmenschen unvermittelt aus dem Leben reißen, die Autounfälle, Motorradunfälle, Flugzeugabstürze, Unwetterkatastrophen, Erdbeben, Bombenattentate. Jemand verlässt das Haus auf dem Weg zur Arbeit oder in den
Read More Posted On Januar 24, 2005By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Ein dicker Hund Das Potential war da, doch zu einem gelungenen Roman hat es dieses Mal leider nicht gereicht: Martin Amis konnte in „Yellow dog“ seine vielen Ideen nicht zu einem in sich geschlossenen Werk verknüpfen. Der Ruf eines enfant terribles muss gepflegt werden – nicht zuletzt, weil sich mit diesem Prädikat so wunderbar werben lässt. Dem Waliser Martin Amis eilt der Ruf des Tabubrechers voraus und auch sein neuer Roman, „Yellow Dog“, bietet eine Menge Reibungsfläche der ein oder anderen Art: Hier bekommt die Pornobranche ebenso ihr Fett weg
Read More Posted On Januar 24, 2005By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Jäger des verlorenen Gedichtbandes Die Grenzen zwischen Literatur und Realität lotet Peter Carey in seinem neuen Roman „Mein Leben als Fälschung“ aus, in dem ein fiktiver Autor von seinem Erfinder eine Identität einfordert. Wieder einmal hat der zweifache Booker-Prize-Gewinner Peter Carey eine historische Begebenheit als Anregung für einen wunderbaren, doppelbödigen Roman gewählt: Ein fiktiver Autor, dessen Enttarnung den Herausgeber eines Literaturmagazins bloßstellt und sogar vor Gericht bringt. Die wahre Geschichte, die sich 1944 in Australien zugetragen hat, dürfte dem europäischen Leser unbekannt sein, doch das schmälert in keinster Weise das
Read More Blonde Bräute mit Schaumkrone Ein maßgebliches Werk der Trinker-Literatur endlich als Hörbuch: Frank Schulz‘ Kolks blonde Bräute, welches seinen Charme vor allem den Sprechern – darunter Harry Rowohlt – verdankt. Als der Debütroman von Frank Schulz 1991 erschien, hatte der Verlag sich leider im letzten Moment gegen die ursprünglich geplante Hardcover-Ausgabe entschieden und dem Kultbuch in spe dadurch nur eine Broschur zugemessen, die übermäßigem Zur-Hand-Nehmen, Blättern, Zitieren und Bier-Drüberschütten nicht gewachsen war. Wer konnte schon ahnen, dass sich die Geschichte des Postboten Kolk, der beim Zustellen eines Einschreibebriefes eine erotische
Read More Posted On Januar 17, 2005By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Schwein haben Aufwachsen in Absurdistan – so kommt einem das Debüt von Jana Scheerer „Mein Vater, sein Schwein und ich“ vor. Locker erzählt wird von absurden Familienkonflikten, die erst beim zweiten Lesen ihre wahre Problematik preisgeben. Der vielleicht ungewöhnlichste Lebenslauf der jüngeren deutschsprachigen Literatur wird uns von der 1978 in Bochum geborenen Jana Scheerer aufgetischt. „Roman“ steht auf dem Umschlag, womit uns der Verlag einen ebenso großen Bären aufbindet, wie ihn der Vater der Erzählerin am Tag ihrer Geburt gejagt haben will. Siebzehn Kapitel weist der vermeintliche Roman auf, siebzehn
Read More Posted On Januar 17, 2005By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Die Waffe unterm Bett Melinda Nadj Abonji legt mit „Im Schaufenster im Frühling“ ein gewagtes Romandebüt vor, das von Kindesmisshandlung und den psychischen Folgen handelt. Mit einem Auszug aus ihrem Roman Im Schaufenster im Frühling konnte die aus Becsej, Vojvodina, stammende und nun in Zürich lebende Autorin, Musikerin und Textperformerin Melinda Nadj Abonji die Jury des diesjährigen Bachmann-Preislesens nicht auf ihre Seite ziehen – doch das nun in seiner Gesamtheit vorliegende Romandebüt weiß auf ganzer Länge zu überzeugen. In einem bilderreichen Verwirrspiel entwickelt Abonji die Geschichte von Luisa Amrein, die
Read More Posted On Januar 17, 2005By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Milch und Blut Silke Andrea Schuemmers Roman „Remas Haus“ hat nach acht Jahren endlich einen Verlag gefunden – zu Recht. Der Roman überzeugt mit seiner elementaren sprachlichen Kraft und Schönheit und zieht den Leser in ein sinnliches Reich des Phantastischen. Selten fiel mir die Wahl der besten Neuerscheinung so leicht wie im vergangenen Jahr. Und das heißt nicht etwa, dass das literarische Jahr 2004 nichts zu bieten gehabt hätte – Georg Klein ließ uns die Sonne scheinen und Marcus Jensen setzte wortgewaltig Deutschlands einziger Hochseeinsel ein literarisches Denkmal. Die wahre
Read More Eine Hochzeit und ein Todesfall In seinem zweiten Roman stellt Georg M. Oswald mit wunderbarer Ironie die Welt der Schönen und Reichen bloß. Mit „Alles was zählt“, einer Kriminalgeschichte um Macht, Geld und Erfolg, ist ihm der große Durchbruch gelungen, auch international: Übersetzungen in zwölf Sprachen sind für einen jungen deutschen Autor schon ein beachtlicher Erfolg. Nun also „Im Himmel“ – schon der Titel kann in vielerlei Richtungen gedeutet werden. Ist er eine Anspielung auf die nur scheinbar sorgenfreie Schicki-Micki-Welt, aus der heraus der Ich-Erzähler berichtet, oder ist der siebte
Read More Schon wieder ein neuer Houellebecq? Eine Frage, die in Frankreich immer dann aufflammt, wenn ein Roman die Skandaltrommel rührt oder einen gnadenlosen Blick auf die Grausamkeiten der Gesellschaft wirft. Doch Pierre Mérots "Säugetiere" - komisches Porträt eines Familienversagers und bitterböse Gesellschaftssatire - überzeugt bei aller Vergleichbarkeit durch seine Eigenständigkeit. Von Markus Kuhn
Read More Jean-Philippe Toussaints "Sich lieben" ist ein Juwel melancholischer Schönheit. Wehmütige Poesie, die stille Bilder zum Sprechen bringt. Von Markus Kuhn
Read More Ihr Sound klingt nach Lifestyle und Pop, ihre Weltsicht ist pessimistisch bis verstörend, ihre gewalttätigen Phantasmagorien brachten ihr den Ruf einer an Tarantino geschulten Splatter-Königin ein. Trotzdem will Sibylle Berg nichts weiter, als über Menschen schreiben – so wie sie sie sieht, versteht sich. Von Markus Kuhn
Read More Amélie Nothomb perfektioniert in Kosmetik des Bösen, was sie am besten kann: leicht, witzig und schnell von unerhörten Begebenheiten und menschlichen Abgründen erzählen. Von Markus Kuhn
Read More Sibylle Berg ist penetrant. Auf über dreihundert Seiten trägt sie haufenweise Material zusammen, um den Verfall der Welt zu dokumentieren. Doch wozu? Die Geschichte ihrer Heldin geht dabei unter, der Leser bleibt außen vor. Wer trotzdem dran bleibt, kann immerhin ihr ausführlich entfaltetes, apokalyptisches Zukunftspanorama erkunden. Von Markus Kuhn
Read More Frédéric Beigbeder hat versucht, was viele nicht gewagt haben: einen Roman über den 11. September zu schreiben. Von Markus Kuhn
Read More Dirk Wittenborns "Catwalk" erzählt die Geschichte eines Topmodels – vom kometenhaften Aufstieg bis zum mysteriösen Verschwinden. Von Markus Kuhn
Read More Herr Lehmann ist wieder da! - In Sven Regeners genialem zweiten Roman „Neue Vahr Süd" bekommt seine Kultfigur eine Jugend im Bremen der frühen 80er und zwar zwischen Bundeswehrdrill und Post-68er-Studentenleben. Von Markus Kuhn
Read More Herr Lehmann ist wieder da! - In Sven Regeners genialem zweiten Roman „Neue Vahr Süd" bekommt seine Kultfigur eine Jugend im Bremen der frühen 80er und zwar zwischen Bundeswehrdrill und Post-68er-Studentenleben. Von Markus Kuhn
Read More Posted On Dezember 19, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Frisch gefönt durch die Weltgeschichte Das vierköpfige Autorenkollektiv hinter dem Namen K.L. McCoy bewegt sich klamaukig und stilsicher in Wort und Ton durch verschiedenste literarische Epochen und Gattungen. „Lob oder Tadel eines literarischen Werkes sind allemal dem Verfasser selbst zu überlassen“, schrieb am 17. Dezember 1768 K.L. McCoy an G. E. Lessing – und ausdehnen könnte man diese Forderung auch auf Verlagslektorate. Wer auf die Idee gekommen ist, „Mein Leben als Fön“ als „Abenteuerroman“ verkaufen zu wollen, sollte in Sachen literarische Genres noch einmal Nachhilfestunden nehmen. Andererseits ist es
Read More Posted On Dezember 16, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Bella Germania Eine italienische Journalistin versucht, die Deutschen zu verstehen, Deutschland zu entdecken, ohne dabei ihre italienische Herkunft zuvergessen. Schon das vom Verlag gewählte Coverbild ist irritierend. Eine üppig grüne Parklandschaft, die für ein deutsches Auge nichts Außergewöhnliches darstellt. Wer jedoch die italienischen Betonwüsten in und um großen Städten wie Rom, Neapel, Mailand oder Turin kennt, merkt bei diesem Motiv auf. Italienische Städte mögen unendlich viele bedeutsame historische Bauten besitzen, größere Grünanlagen jedoch gibt es nur wenige. Antonella Romeo ist von dem Grün in der deutschen Landschaft begeistert. „Die Italiener
Read More Posted On Dezember 13, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Große Kunst der Kurzgeschichte Mit seinem wunderbaren und mit Ben Kingsley jüngst verfilmten Roman „Haus aus Sand und Nebel“ hat sich Andre Dubus III auch hierzulande als einer der besten amerikanischen Autoren Gehör verschafft. Nun liefert der Beck-Verlag mit „Der letzte Tanz“ auch die schon zehn Jahre zuvor entstandenen Kurzgeschichten des früheren Barkeepers, Privatdetektivs und Bewährungshelfer nach. Dubus Geschichten sind Geschichten von Außenseitern, Geschundenen und Gescheiterten, es sind Geschichten von den kleinen und großen tragischen Momenten im Leben. Lakonisch und zuweilen auch mit zarter Poesie dringt er dabei in die
Read More „Die Welt ist längst aus den Fugen geraten“ Mit ihrem neuen Roman „Spieltrieb“ ist der erst dreißigjährigen Juli Zeh nach fast einhelliger Meinung der Kritik ein großer Wurf gelungen. Sie beschreibt in ihrem nach „Adler und Engel“ zweiten Roman, wie zwei junge Schüler, die an nichts mehr glauben, ein perfides Spiel mit ihrem Lehrer treiben, das in die Katastrophe zu münden droht. Das Gespräch führte Karsten Herrmann Zur Zeit schreibt die Voll-Juristin und Hundeliebhaberin an ihrer Promotion zum Völkerrecht sowie an einem „Konversationslexikon für Haushunde“. Am Montag, den 29. November, liest
Read More Posted On November 22, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher
Skurriler Schnüffler Die Krimis des Züricher Unions-Verlages bieten den Lesern immer wieder die schöne Gelegenheit, Cops, Agenten und Privatdetektive rund um die Welt bei ihren Ermittlungen zu begleiten – vom Bosporus bis Bangkok, vom Zuckerhut über Havanna bis Anchorage. Mit Jaime Bunda aus Angola ist nun ein weiterer schillernder Vertreter dieser Zunft hinzugekommen. Jaime Bunda – man achte auf die natürlich nicht zufällige Klangverwandtschaft mit James Bond – ist ein schwergewichtiger, schildkrötenlangsamer Praktikant bei angolanischen Geheimdienst SIG, er ist ein „Bulle vom Bunker“. Nach dem Mord an einem 14jährigen Mädchen
Read More Arche Noah aus Papier Über den italienischen Intellektuellen und Schriftsteller Claudio Magris, ‚Brückenbauer‘ zwischen der deutschsprachigen und der italienischen Kultur und Literatur. Wer sich mit dem Werk von Claudio Magris beschäftigen will, nähert sich ihm nicht über seine Kommentare zum Zeitgeschehen, auch nicht über die Literatur, ja nicht einmal über sein Lebensthema die ‚Habsburger Literatur‘. Man nähere sich ihm stattdessen vom Meer und den Flüssen her, auf jedem Fall vom Wasser. Seine „Éducation sentimental“, die sich dann in seinem gesamten Werk widerspiegelt, ist durch und durch vom Wasser, den Flüssen,
Read More Posted On November 15, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher
Ein Commissario auf der Kippe Wie gewohnt vereinigt Veit Heinichen auch in seinem neuen Triest-Krimi die Spannung mit viel Lokalkolorit und politischen Seitenhieben. Eigentlich scheint für Commissario Proteo Laurenti, dem Protagonisten von Veit Heinichens atmosphärisch dichten Triest-Krimis, alles prima zu laufen: Die Kinder sind aus dem Haus, er wurde zum „Vize-Questore“ befördert, ist mit seiner Frau Laura in ein chickes Haus mit herrlichem Meerblick umgezogen und leistet sich als Bonbon auch noch eine rassige Geliebte. Doch dann schlägt nicht nur das Verbrechen zu… Skrupellose Organhändler-Mafia In seinem dritten Fall hat
Read More Posted On November 15, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Philosophisches Spiegelkabinett Nach den großen Erfolgen seiner Erzählungen „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Korans“ und „Oskar und die Dame in Rosa“ ist nun mit zehnjähriger Verspätung auch das Debut von Eric-Emmanuel Schmitt auf deutsch erschienen. In „Die Schule der Egoisten“ präsentiert der in diesem Jahr mit dem „Deutschen Bücherpreis“ ausgezeichnete französische Autor uns ein Rätselspiel mit philosophischer Grundierung: Durch Zufall stößt sein Held, ein versponnener Philosophiedoktorand, in der Bibliothéque Nationale auf den exzentrischen Philosophen Gaspar Languenhaert, der im 18. Jahrhundert in den Pariser Salons für Aufsehen sorgte. Er vertrat
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