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Posted On September 20, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Iso Camartin: Bin ich ein Europäer

Europa als Heimat? Von einem so leicht daherkommenden Autor lässt man sich gerne zu einem Nachdenken über Europa als Hoffnungsprojekt verführen. Jedenfalls hat das Europa des Iso Camartin mehr Charme und Reiz als die täglich mehr werdenden EU-Richtlinien für die Paketzustellung innerhalb von Europa. Seine nicht genug zu lobenden „Sechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend“ beginnt Italo Calvino mit einem Kapitel über die ‚Leichtigkeit’. Sie sei ein Wert und kein Mangel. Die Literatur habe die existenzielle Aufgabe, Leichtigkeit zu suchen „als Reaktion auf die Schwere des Lebens“. Und Paul ValèryRead More

Posted On September 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Helmut Krausser: Eros

Literarischer Rohstoff Krausser erzählt in „Eros“ die Geschichte einer Obsession und versucht zugleich im Schnelldurchlauf ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte Revue passieren zu lassen. Mit Romanen wie „Der große Bogarazy“ oder zuletzt „UC“ hat sich Helmut Krausser in die erste Riege der deutschen Autoren geschrieben. Zehn, zwanzig Seiten lang lässt er auch im neuen Roman „Eros“ sein herausragendes literarisches Talent aufblitzen und macht Hoffnung auf ein wiederum großartiges Leseerlebnis. Doch dann liefert er mit einem literarischen Kunstgriff, der sich als Missgriff erweist, nur noch ungeschliffenen literarischen Rohstoff. Kraussers Ich-Erzähler, ein Romanautor,Read More

Posted On September 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

John Haskell: Amerikanisches Fegefeuer

Existentialistisches Roadmovie Romane wie dieses Debut von John Haskell sind ein seltenes Geschenk: Wie auf einer Feder schwebend wird der Leser in das Geschehen hineingezogen, um alsbald vollständig mit ihm zu verschmelzen. Im Stile eines Road-Movies erzählt „Amerikanisches Fegefeuer“ von der Suche des Protagonisten Jack nach seiner scheinbar spurlos an einer Tankstelle mit dem Auto verschwundenen Ehefrau Anne. Jack, der ein Meister darin ist, sich den Umständen anzupassen, versucht nach diesem Schock alles um die „Illusion von Normalität“ zu bewahren. Doch immer öfter bricht sich die Fratze der Angst undRead More

Posted On September 3, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Paul Verhaeghen: Omega Minor

Wüste barocke Collage Auf radikal-rasante Weise ringt der Flame Paul Verhaeghen in seiner wüsten und barock ausufernden Collage „Omega Minor“ mit den „Nachwehen des 20. Jahrhunderts“. Monolithisch ragt er damit aus der Flut der wenig wagemutigen und stromlinienförmigen Romane der internationalen Literaturszene. Enzyklopädisch ausgreifend erzählt der in New York kognitive Psychologie lehrende 41jährige von den Zäsuren und Wendepunkten in der jüngeren (deutschen) Geschichte. Aus verschiedenen Perspektiven rollt er den Nationalsozialismus, den 2. Weltkrieg und den Holocaust dabei ebenso auf wie Mauerbau und Mauerfall oder den erstarkenden Neofaschismus im Berlin derRead More

Posted On August 31, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

H.-J. & G. Wohlfromm: Und morgen gibt es Hitlerwetter!

Braunes Allerlei Viele Deutsche meinen über das Dritte Reich schon alles zu wissen. Weit gefehlt. Wer das in Listen, Chroniken und Schautafeln aufbereitete Quellenmaterial des Historiker-Ehepaars Wohlfromm sichtet, wird sicher viel Neues, aber leider auch viel Unkommentiertes entdecken. Wussten Sie, dass die Deutsche Wehrmacht mit Coca-Cola-Reklame an den Mannschaftswagen in den Zweiten Weltkrieg zog? Oder das Reichsmarschall Hermann Göring einen sagenhaften IQ von 138 hatte. Mit solchen „Neuigkeiten“ kann demnächst glänzen, wer das Nazi-Sammelsurium „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“ aus dem Eichborn Verlag gelesen oder einfach nur flüchtig durchgeblättert hat.Read More

Posted On August 21, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Juri Andruchowytsch: Moscoviada

Höllentrip zur Freiheit Juri Andruchowytschs Roman „Moscoviada“ ist ein vielstimmiger Abgesang auf den einstigen Vielvölkerstaat Sowjetunion und zugleich eine Ode an die nationale Wiedergeburt der Ukraine. Mit wilden Amouren, Prügeleien und Besäufnissen bekämpft Andruchowytschs literarisches Alter ego den patriotischen Wehmut und kehrt zerschunden in die Heimat zurück. Nationalismus drückt sich oft in aggressiver Abgrenzung vom Nachbarn aus. Patriotismus wird erst daraus, wenn das eigene Land um seiner selbst willen geliebt wird. In Andruchowytschs ukrainischem Antihelden schlägt das nationalistische Herz mindestens genauso stark wie das patriotische. Er schimpft auf die „KloakeRead More

Posted On August 21, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Ugo Riccarelli: Der vollkommende Schmerz

Schmerz und Leidenschaft Eine barocke Hymne auf das Leben. Schon in der den Roman einleitenden Widmung wird dem scheinbar nur Trostlosigkeit und Depression verheißenden Titel ein anderer Ton entgegengesetzt. Ugo Riccarelli zitiert einen Satz von Carlo Emilio Gadda, einem der Großen der literarischen Moderne Italiens: „Gadda ist nicht barock. Barock ist die Welt.“ Es erwartet den Leser also kein Trauerbuch, sondern eine barocke Hymne auf das Leben, aber auf ein Leben, in dem der Schmerz immer gegenwärtig ist. Leidenschaft und Gewalt, Liebe, Geburt und Tod. Versuchen wir in wenigen WortenRead More

Posted On Juli 31, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Eduardo Belgrano Rawson: Rosas Stimme

Karibisches Mosaik In seinem neuen Roman beschreibt der gefeierte argentinische Schriftsteller Eduardo Belgrano Rawson die von der CIA gestützte Invasion von Exilkubanern gegen die Revolutionsregierung unter Fidel Castro in einem viel perspektivischen Mosaik. 17. April 1961: Juri Gagarin schwebt schwerelos durch das Weltall, Luis Rodriguez boxt gegen El Chicharo und Rosa von Radio Swan kündigt das Ende ihrer nächtlichen Sendung an – „Es war einer jener Momente, in denen man, mit Abstand betrachtet, hätte sagen können: Heute wird irgendetwas passieren.“ Und an eben diesem Tag startet die von der CIARead More

Posted On Juli 26, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Porträts / Interviews

Das Kulturkraftwerk Cesare Zavattini

Das Kulturkraftwerk Cesare Zavattini Nein, Cesare Zavattini muß man nicht kennen. Auch in Italien dürfte der Bekanntheitsgrad dieses Namens mit dem Abstand zu seinem Todesjahr immer mehr verblichen sein. Wer – ausser Cineasten mit besonderer Vorliebe für die Geschichte des italienischen Filmes, erinnert sich denn heute noch an die Zeit des ‚Neo-Realismo’, an Regisseure wie Rosselini, de Sica, de Santis, an Schauspieler wie die wunderbaren Anna Magnani und Vittorio Gassmann oder eben an den Drehbuchautor Cesare Zavattini. Deren Zeit ist vorbei und nur bei gelegentlichen Retrospektiven  aber auch die werdenRead More

Posted On Juli 20, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Aram Mattioli: Experimentierfeld der Gewalt

„Hauptsache kräftig draufhauen“ Italienische Kriegsverbrechen in Afrika Italiani, brava gente? Weit verbreitet ist unter Italienern das Selbstbild, man sei ein ‚braves Volk’. Hin und wieder ein Skandal, auch die Mafia kann man nicht so ganz unterschlagen, aber in der jüngeren Geschichte habe man sich doch ganz brav verhalten. Haben sich nicht die Italiener in einer heldenhaften ‚Resistenza’ von der deutschen Wehrmacht und dem Duce-Faschismus befreit? Aber dieses Selbstbild trügt und hält einer genaueren Untersuchung von kollektiven Gewaltexzessen mit italienischer Beteiligung nicht stand. Der „Resistenza-Mythos“ wurde in den letzten Jahren durchRead More

Posted On Juli 13, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Lilli Gruber: Tschador. Im geteilten Herzen des Iran

Pasolini in Teheran Die italienische Journalistin Lilli Gruber entdeckt den Iran Vorurteile sind kein schlechter Lektürereiz. Sie können die Neugierde auf ein Buch wecken, weil man hofft, sie bestätigt zu finden oder sich von ihnen zu befreien. Wenn die italienische Starjournalistin Lilli Gruber ein Buch über den Iran mit dem gefühlvollen Titel „Tschador – Im geteilten Herzen des Iran“ veröffentlicht, dann hat man sogleich zwei Vorteile im Kopf. Wie soll eine so populäre Fernsehdiva wie die Gruber sich auskennen in einem Land. von dem vermutlich ein großer Teil der LeserRead More

Posted On Juli 9, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Chris Cleave: Lieber Osama

Brachialer Balanceakt Osama bin Laden ist das personifizierte Böse auf Erden, ein unnahbarer, entmenschlichter Stellvertreter oder gar Nachfolger des Teufels. Da erscheint es fast ein wenig despektierlich, wenn der junge britische Autor Chris Cleave seine Protagonistin ihm einen Brief mit folgenden Anfangszeilen schreiben lässt: „Lieber Osama, sie wollen dich tot oder lebendig, damit der Terror endlich aufhört. Obwohl, ich weiß nicht. Mit dem Rock’n’Roll war ja auch nicht Schluss, als Elvis auf dem Lokus starb.“ Ausgangspunkt der ganzen Geschichte ist ein bestialischer Terroranschlag beim Lokalderby von Arsenal gegen Chelsea London.Read More
Schreibende Frauen in Südosteuropa Dank der Initiative des österreichischen Bundeslandes Steiermark, dem ‚Kulturzentrum bei den Minoriten’ in Graz und anderer Sponsoren, hat der im deutschsprachigen ‚Mainstream’ vollkommen unbekannte Leykam-Verlag eine lobenswerte Edition herausgebracht „Frauen schreiben – Positionen aus Suedosteuropa“ Soll Peter Handke nun den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf erhalten oder nicht? Dazu an dieser Stelle kein Wort, weil ja ohnehin schon zu viele, vor allem zu viele überflüssige Worte dazu geschrieben, gesagt und manchmal auch geschrieen worden sind. Dass sich aber Handke zu wenig differenziert über die Realität der serbischenRead More

Posted On Juni 12, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Benjamin Lebert: Kannst du

In der Sackgasse 1999 setzte der erst sechszehnjährige Benjamin Lebert mit dem mittlerweile in Deutschland über eine halbe Million mal verkauften und in 33 Sprachen übersetzten Roman „Crazy“ ein Initial für die neue deutsche (Pop-) Literatur. Sieben Jahre später folgt mit seinem neuen Roman „Kannst du“ eine erschreckende Bankrotterklärung. Benjamin Lebert erzählt in „Kannst du“ die Geschichte seines offensichtlich autobiographisch gefärbten Protagonisten Tim Gräter. Dieser ist Anfang 20, hat bereits einen literarischen Bestseller gelandet und steckt nun in einer Schaffenskrise. Hinter der Pose des abgeklärten Schriftstellers zerfleischen ihn die SelbstzweifelRead More

Posted On Mai 29, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Denis Johnson: Jesus Sohn

Geschichten wie Kometen Mit der Kurzgeschichten-Sammlung „Jesus’ Son“ begründete der heute zu den bedeutendsten amerikanischen Gegenwartsautoren zählende Denis Johnson Anfang der 90er seinen Kultstatus. Der unverwechselbare Sound dieser abgründig-halluzinatorischen Prosa, in der immer wieder unvermutet Elemente von Komik aufblitzen, sucht auch heute noch seinesgleichen. Johnsons Ich-Erzähler „Fuckhead“ ist ein typischer Looser der amerikanischen Gesellschaft, der sich mit kleinen krummen Geschäften und Fluchten über Wasser hält. Wie er sind auch alle andere Figuren dieser Geschichten „aus der Welt herausgeschnitten und zum Abfall geworfen.“ Ohnmächtig fühlen sie sich vom Schicksal verfolgt undRead More

Posted On Mai 19, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Ab in den Kongo

Ab in den Kongo Ein bayerischer Hochschullehrer, von aufgeklärt liberaler Grundeinstellung und Gegner jeder provinzieller Weltsicht, nennt die Region um Passau gerne „Bayrisch-Kongo“. Da dürften sich linke wie konservative, liberale wie rassistisch eingestellt Deutsche kaum unterscheiden. Der Kongo ist da irgendwie eine Terra Incognita tief im Innern der afrikanischen Finsternis. Die politisch Korrekten halten sich da in ihrem Urteil eher vorsichtig zurück, gestehen aber auch, nicht viel von dem zentralafrikanischen Riesenland zu wissen. Neuerdings sind die besorgten Demokraten hinzugekommen, die die ordnungsgemäße  was immer das heißt) Durchführung von Wahlen imRead More

Posted On Mai 15, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Elke Naters: Justyna

Ziellose Lebensgier Mit „Justyna“ hat Elke Naters, einstige deutsche Pop-Literatin par excellence, einen schnellen, harten und auch provokativen Roman vorgelegt, in dem nichts mehr vom einstigen Zauber der Pop-Kultur wiederzufinden ist. Es bleibt eine ziellose, verzweifelte Lebensgier. Naters erzählt – mit offensichtlichen autobiographischen Übereinstimmungen – die Lebensgeschichte ihrer Protagonistin Justyna. Mit sechszehn will diese sich das Leben nehmen, weil sie glaubt, sie wäre schwanger, mit siebzehn geht sie von der Schule ab, jobbt in einer Fabrik und fliegt nach Jamaika, wo sie einen halluzinatorischen, süß-bitteren Tropen-Trip erlebt. Zurück in DeutschlandRead More

Posted On Mai 8, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Truman Capote: Sommerdiebe

Elegant perlende und sprühende Prosa Truman Capote erlebt derzeit eine Renaissance: Mit dem Oscar-prämierten „Capote: A Biography“ von Bennet Miller und dem gerade abgedrehten „Infamous“ von Douglas McGrath widmen sich gleich zwei Kino-Großproduktionen dem literarischen Shootingstar der 40er Jahre. Parallel dazu ist mit „Sommerdiebe“ nun auch noch Capotes kürzlich bei einer Sotheby-Versteigerung entdecktes wahres Debüt erstmals auf den Markt gekommen und wird als literarische Sensation gehandelt – Anlass genug für den „Kein & Aber“-Verlag mit dieser Entdeckung eine komplett neu editierte und überarbeitete Capote-Werkausgabe zu starten. Truman Capote erzählt inRead More

Posted On Mai 2, 2006By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Clemens Meyer: Als wir träumten

East Side Story oder Fünf Freunde im Jugendknast Welch ein gewaltiges Debüt! Clemens Meyer, geboren 1977 in Halle an der Saale, verlässt die Deckung des 100-Seiten-Erzählungsband-Musters deutschsprachiger Debüt-Autoren und wagt sich mit einem über 500 Seiten starken Roman in den Ring. „Als wir träumten“ ist eine gelungene Symbiose aus amerikanischer Erzähltradition und deutscher Komposition. Clemens Meyer gelingt es mit den ersten Sätzen, einen Sog zu erzeugen, der den Leser in die Geschichte hineinzieht, in den Abwärtsstrudel, der die Protagonisten erfasst und nicht mehr loslassen wird. Sein Rhythmus ist schnell, seinRead More

Posted On April 20, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Dzevad Karahasan: Der nächtliche Rat

Wie Hass entsteht Simon Michailovic, geboren im bosnischen Foce, lebt seit 1969 in Berlin. Dort hat er auf einer der vielen Demonstrationen jener Jahre seine Frau Barbara kennen- und lieben gelernt. Zusammen haben sie einen Sohn Sascha, der Anfang der neunziger Jahre das Haus verlässt. Simon und seine Barbara sind sich mit den Jahren fremd geworden, vor allem auch deshalb, weil sich, wie Barbara sagt zwischen ihnen „immer mehr diese verdammte Stadt Foca geschoben hat“. Sie ermuntert ihren, unter den Nachrichten aus Bosnien leidenden Mann doch einmal wieder in seineRead More

Posted On April 17, 2006By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Roddy Doyle: Jazztime & Henry der Held

Der smarte Henry ist wieder da „Henry der Held“ – im Original durchaus mehrdeutiger „A Star called Henry“ betitelt – von Roddy Doyle gilt zweifellos als einer der bedeutendsten Romane irischer Gegenwartsliteratur. Mit „Jazztime“ ist nun die Fortsetzung erschienen, die fast am Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheitert. In „Henry der Held“ schildert Doyle in einer sinnlich-ausufernden Sprache die Jugend von Henry Smart, der als ein rosiger Prachtkerl inmitten von Hunger, Elend, Ratten und Dreck im Dublin des beginnenden 20. Jahrhunderts zur Welt kommt und im Alter von vierzehn Jahren amRead More

Posted On April 11, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Erste Frühlingsknospen in Italien

Ein Kommentar zur Wahl in Italien von Carl Wilhelm Macke Wenigstens eines war schon kurze Zeit nach Schließung der Wahllokale in Italien sicher: linke deutsche Politiker und Intellektuelle können weiterhin beruhigt in die Toskana reisen. Diese mittelitalienische Genuss-Region ist seit Jahrzehnten fest in Hand der ‚Roten’ – was immer das heute nach dem Zusammenbruch der diversen linken Weltbilder und Projekte auch heißen mag. Auch nach Bologna, der Heimatstadt von Romano Prodi, kann man beruhigt fahren. Die Anti-Berlusconi-Stimmung ist dort stark und auch überall spürbar. Aber sonst…? „Wenn der wieder dieRead More

Posted On April 6, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Merle Hilbk: Sibirski Punk

Sibirischer Selbsterfahrungstrip Die ehemalige ZEIT-Redakteurin Merle Hilbk hat in Sibirien die „russische Seele“ gesucht. Gefunden hat sie vor allem ihre eigene urdeutsche „protestantische“. Ihr erstes Buch „Sibirski Punk“ ist das schriftliche Zeugnis dieses Selbstfindungsprozesses. „In Sibirien zu leben, ist eine einzige Freude: Von hier gibt es keine weitere Verbannung, das war’s, man ist angekommen, und daraus entsteht die Freiheit der Straflosigkeit, eine besondere, wilde Moral,“ resümierte Viktor Jerofejew 2001 in seinem Sibirien-Porträt für die ZEIT. Die Journalistin Merle Hilbk würde dem Moskauer Schriftstellers wohl nicht uneingeschränkt zustimmen können. Als sieRead More

Posted On April 3, 2006By Petra VesperIn Bücher, Litmag

John Irving: Bis ich dich finde

Zugegeben: John Irvings elfter Roman, „Bis ich dich finde“, ist lang – mit 1140 Seiten in der deutschen Ausgabe sogar sehr lang. Und er hat – gerade im ersten Teil, der die Odyssee der Hauptfigur Jack Burns als kleiner Junge an der Hand seiner Mutter durch Europa schildert – durchaus seine Längen. Doch die Leser, die bereit sind, John Irving durch die Lebensgeschichte seiner Hauptfigur zu folgen, werden belohnt werden: Mit einer prallen, psychologisch dichten Geschichte über Liebe und Verlust, über Hoffnung und Betrug, über Wahrheit und Lüge. Von PetraRead More

Posted On März 20, 2006By Petra VesperIn Litmag, Porträts / Interviews

John Irving im Gespräch

„Ich glaube nicht an Zufälle!“ Man muss sich John Irving als einen glücklichen Menschen vorstellen. Entspannt und aufgeräumt sitzt er im Salon des Wiener Edel-Hotels „Imperial“, um über seinen neuesten Roman „Bis ich dich finde“ zu sprechen. Der Schriftsteller John Irving im Gespräch mit Petra Vesper. Kein Wunder: Die Stadt an der Donau liegt dem US-Autor zu Füßen. Gerade sind anlässlich der Aktion „Eine Stadt, ein Buch“ 100.000 Exemplare seines Erstlings „Lasst die Bären los“ gratis verteilt worden. Die Freiexemplare seines Debüts, das in weiten Teilen in Wien spielt, warenRead More

Posted On März 6, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Boris Fishman: Wodka Kalaschnikow

Grenzgänger Denk ich an den wilden Osten, denk ich an Wodka und Kalaschnikows. So das gängige Klischee im Westen, wenn von Russland und seinen ehemaligen Satellitenstaaten die Rede ist. Die Autoren des Erzählungsbandes „Wodka Kalaschnikow“ versuchen, gegen diese Vergröberungen anzuschreiben und ihre postsowjetischen Erfahrungen in Worte zu fassen. Wahrscheinlich wissen die Amerikaner nach dem Untergang des Sowjetimperiums über Osteuropa genauso wenig wie zuvor. Das von Ronald Reagan einst an die Wand gemalte „Reich des Bösen“ hat bei den meisten US-Bürgern einen festen Platz in der Galerie der Vorurteile. Abenteuerliche VorstellungenRead More