Posted On Februar 3, 2008By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Als junger Autor hat man es im Steidl-Verlag nicht wirklich leicht, neben dem Verlagsflagg- und Schlachtschiff Günther Grass Beachtung zu finden, selbst wenn man ein politisch brisantes literarisches Puzzle entwirft. Von Frank Schorneck
Read More Ehrenrettung Aus aktuellem Anlaß eine kleine Ehrenrettung für die politische Kultur Italiens. Von Carl Wilhelm Macke Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, ein immer und überall bekennender Antifaschist, glaubte unbedingt auf einem Faschingsumzug in seiner Stadt am 27. Januar mitschunkeln zu müssen. Zwar gab es einen laut vernehmlichen Protest diverser Mitglieder der jüdischen Gemeinde nicht nur in München gegen dieses bunte Treiben ausgerechnet an dem Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Ude ließ verlauten, daß er sich dieses Datum natürlich bewußt sei, aber der Umzug sei schon seit langem geplant gewesen.
Read More Posted On Februar 1, 2008By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Der ‚Duce’ lebt Warum der barbarisch getötete Benito Mussolini auch nach seiner Hinrichtung jahrzehntelang weiterlebte und bis heute in Italien Anlaß für heftige Kontroversen über die Bedeutung der faschistischen Zeit ist. Italien hat in einem kurzen Prozeß den Faschismus besiegt. Wird die deutsche mit der italienischen Aufarbeitung der faschistischen Zeit verglichen, ist dieser Satz häufig zu hören. Aber an dieser Feststellung ist jede Teilaussage falsch, zumindest jedoch sehr verkürzt. Die Photos mit dem Kopf nach unten auf der Piazzale Loretto in Mailand öffentlich ausgestellten toten Körper des Duce und seiner
Read More Posted On Januar 28, 2008By Gisela TrahmsIn Litmag, Lyrik
Funkeln fürs Leben Schworen wir nicht zu Silvester, dass 2008 ein sprühendes Jahr werden solle? Und nun hat es angefangen und keine Karfunkel in Sicht? Leichter als selbst zu funkeln ist funkeln lassen, nämlich die Glitzersteine, die die Dichter zusammengetragen haben. Mit anderen Worten: Her mit dem Lyrikkalender! Von Gisela Trahms Stefan Heuer hat schon einen empfohlen, eine wunderbare Alternative ist der Lyrikkalender des Deutschlandfunks. Exzellent gedruckt, augenfreundlich, mit Register, Quellennachweis und Entstehungsdatum der Texte und natürlich vor allem mit Gedichten aus der Tiefe des Zeitenbrunnens bis heute, von Autoren,
Read More Posted On Januar 20, 2008By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Lyrik
Unscheinbare Augenblicke Einige dieser Verse von Ludwig Steinherr werden Bestand haben, weil sie uns heute schon sagen, was uns noch bevorsteht. Ernst Bloch, von dem man Sentenzen zur Poesie nicht unbedingt erwartet, hat einmal in einem seiner frühen Essays zur Utopie geschrieben: „Reiche vergehen, ein guter Vers bleibt und sagt, was bevorsteht.“ In dem neuen, so still und vollkommen unprätentiös erscheinenden Gedichtband von Ludwig Steinherr „Von Stirn zu Gestirn“ findet man diese Verse, von denen man glaubt, hofft, manchmal auch ihrer schwarzen Prophetie wegen befürchtet, dass sie Bestand haben werden,
Read More Posted On Januar 7, 2008By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Während es um die Größen der jungen deutschen Popliteratur der 90er von Naters über Goetz und Meinecke bis zu Stuckrad-Barre ruhig geworden ist, läuft der lange im Hintergrund stehende Dietmar Dath zu höchster Produktivität auf und entwickelt seine avantgardistisch angehauchte Poetik in Waffenwetter mutig weiter. Von Karsten Herrmann
Read More Posted On Dezember 31, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Grandios, atemberaubend, wagemutig – ohne Übertreibung ist mit diesen drei von Rezensenten immer sparsam und vorsichtig zu verwendenden Attributen der neue Roman von A.L. Kennedy beschrieben. Von Karsten Herrmann
Read More Posted On Dezember 24, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Ignacio Padilla erzählt in „Schatten ohne Namen“ die Geschichte einer mephistophelischen Wette um Leben und Tod und umkreist dabei nicht nur die Frage nach Identität und Herkunft, sondern eröffnet uns auch eine verblüffende Geschichtsvariation. Von Karsten Herrmann
Read More Posted On Dezember 10, 2007By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Das Haus ist ein gigantischer Lesegenuss mit erschreckenden Elementen, eine wahre Fundgrube für Text- und Zwischentextschnüffler, ein potentielles Betätigungsfeld für Arno Schmidt-Jünger ebenso wie für Filmfans. Von Frank Schorneck
Read More Posted On Dezember 3, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Die Volten des Schicksals Mit „Der Name der Welt“ legt Denis Johnson, der zu den eigenwilligsten und exzentrischsten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur zählt, einen überraschend ruhigen und feinfühligen Roman vor. Nach dem Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter ist Johnsons Ich-Erzähler Michael Reed in eine „anhaltende Lähmung“ verfallen und kreiselt um sich selbst und seinen schmerzhaften Verlust. Ohne Ambitionen erledigt er seinen Job als Assistenzprofessor für Geschichte in einer Stadt des Mittleren Westens der USA. Dann lernt Michael Reed bei einem Essen mit Kollegen die junge Flower Carmen kennen und
Read More Posted On November 26, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Das unsichtbare Böse Cacciatores Prosa ist von höchster Sinnlichkeit und steckt voller Gerüche, Bilder und unverbrauchter Metaphern. Es ist 1978, kurz vor der Fußball-WM im heruntergekommenen Palermo: Der zehnjährige Giovanni fährt mit seinem Vater durch die Viertel, besucht Geschäfte mit ihm und trifft seine Freunde in Cafés. Er träumt von dem gerade gesehenen Fernseher, der die Welt in Farben explodieren lässt. Kurze Zeit später steht ein solches Wunderding im Wohnzimmer der Familie – ohne Bezahlung. Der Vater, der Polizist, ist Mitglied der Familie und sein Wahlspruch lautet: „Wenn man das
Read More Posted On November 22, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Alles Aktion Mit Klagen und Jammern kann man die Welt nicht verbessern. Man benötigt dazu auch gut sortierte Adressenlisten wie sie vorbildlich in einem Handbuch von ‚Greenpeace’ präsentiert werden. Wichtigstes Utensil eines Klempners ist ein gut sortierter Handwerkskasten. Ein Politiker muß nicht immer mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen, aber er sollte es schon in seinem Büro stehen haben. Und wer sich in „NGO’s“, zu Deutsch, in ‚Nicht-Regierungs-Organisationen’ engagiert, sollte in Zukunft das „NGO-Handbuch“ von ‚Greenpeace“ stets in seiner Nähe haben. Zur Veränderung der Welt, so ein Credo aller
Read More Posted On November 22, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Europäer, Weltbürger und ein Deutscher auf Widerruf Die Erinnerungen eines großen Hörfunkjournalisten an seinen Lehrer und Mentor Hans Mayer als ein Dokument einer im Verschwinden begriffenen deutschen Bildungswelt. Jüngst hat die Bayerische Akademie der Schönen Künste dem Schriftsteller Yves Bonnefoy und dem Übersetzer Friedhelm Kemp, zwei großen ‚Alten’ der deutschen wie der französischen Literatur, den „Horst-Bienek-Preis“ für Lyrik zuerkannt. Beide seien, so hieß es in der Begründung „Leuchttürme aus vom Verschwinden bedrohten Bildungswelten“. Auch der nüchtern aufgemachte Band mit Texten von Hanjo Kesting über den 2001 verstorbenen Germanisten Hans Mayer
Read More Posted On November 15, 2007By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Nur Lesen ist schöner Pierre Bayard gibt eine gelehrte Anleitung zum gelehrten Nichtlesen Erst einmal: Wer dieses Buch nicht oder nur flüchtig gelesen hat, kann absolut mitreden. Sofern er sich bereits in seinem Titel wiedererkennt. „Wie man über Bücher redet, die man nicht gelesen hat.“ Denn jedem Literaturinteressierten ist dieses Phänomen aus eigener Erfahrung bekannt. Schließlich ist die Zahl der Bücher, die man in seinem kurzen Leben wirklich lesen kann unendlich viel kleiner als das reichhaltige Angebot der Bibliotheken und Verlage. Und jeder Literaturliebhaber wünscht sich ja nichts sehnlicher, als
Read More Komm ins Offene, Freund… Gegenwärtig ist das „68er-Bashing“ beliebt und verspricht große Auflagen. Der schmale Band „Brief an D.“ von Andrè Gorz ermutigt aber dazu, auch eine ganz andere Sichtweise auf die ‚sechziger Jahre’ des vergangenen Jahrhunderts zu werfen. Von Carl Wilhelm Macke Soll man diesen schmalen Band, der ohnehin schon als ‚Geheimtipp’ von Mund zu Mund, von Mailbox zu Mailbox gereicht wird, noch einmal besprechen? Soll man die Lektüre eines so intimen und bewegenden Dokuments des Abschieds anderen ans Herz liegen, wo sie es doch ohnehin schon gelesen oder
Read More In seinem Roman Der Marsch zeichnet E. L. Doctorow ein komplexes Panorama des amerikanischen Bürgerkriegs, der eine neue nomadisierende Zivilisation hervorbrachte. Von Jörg Auberg
Read More Posted On November 1, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Weltbürger sein Sich dem Anderen und Fremden neugierig zu öffnen ist für Appiah nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern immer auch eine intellektuelle Herausforderung. Und es reicht ihm nicht, nur freundlich gegenüber den Armen in aller Welt zu sein. Als die Studenten in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts für das Proletariat und die Weltrevolution auf die Straßen gingen, wünschte sich ein Politikprofessor in Heidelberg nichts sehnlicher als ein Bürger zu sein. Es sei an der Zeit, so schrieb Dolf Sternberger damals, „den Begriff des Bürgers zu rehabilitieren, damit nämlich der
Read More Posted On Oktober 29, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Postmoderner Chronist der Zeitenwende(n) Einen Roman über die tausendfach medial in das Bewusstsein eingebrannten Terroranschläge vom 9/11 zu schreiben, ist eine literarische Herausforderung mit vielen Fallstricken und Untiefen – Don DeLillo meistert sie in „Falling Man“ souverän und unterstreicht seine Vorrangstellung in der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Don DeLillo spürt in seinem Roman der durch die Terroranschläge eingeläuteten Zeitenwende nach und zeigt ihre traumatisierenden Auswirkungen auf den einzelnen Menschen, die Familie, die amerikanische Gesellschaft und die globalisierte Welt. Alles wird ab diesem zum Symbol gewordenen Datum an einem „Danach“ gemessen und zugleich
Read More Posted On Oktober 19, 2007By Joerg von BilavskyIn Hörbuch, Litmag
Erotische Emanze Die alternde Lola Montez trauert in einem klug komponierten Hörspiel ihrem geliebten Bayernkönig Ludwig I. nach. Und wettert im amerikanischen Exil gegen die bieder-patriarchalische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Von örg von Bilavsky Bayern scheint erotische Emanzen mit politischen Ambitionen magisch anzuziehen. Heute die attraktive Landrätin Gabriele Pauli, vor gut 160 Jahren die attraktive Tänzerin Lola Montez. Beide haben es in relativ kurzer Zeit geschafft, den jeweiligen bayerischen Regenten vom Sockel zu stoßen. Lola Montez bezahlte ihren politischen Ehrgeiz mit der Flucht ins Exil. Wohin es Frau Pauli nach
Read More Posted On Oktober 19, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Ohne Leidenschaft kein Leben Die Lebenserinnerungen von Rossana Rossanda Wie weit das alles zurückzuliegen scheint. Damals in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als man noch Briefe schrieb, erschien bei Suhrkamp ein Band mit „Stichworten zur geistigen Situation der Zeit.” Und ganz am Schluss des von Jürgen Habermas herausgegebenen Bandes war ein Brief des in jenen Jahren für die „edition suhrkamp” verantwortlichen Lektors Günther Busch veröffentlicht. Busch hatte ihn an die italienische Journalistin Rossana Rossanda adressiert. Die italienische Linke, so schrieb Busch etwas euphorisch an die von ihm geschätzte Rossanda,
Read More Posted On Oktober 4, 2007By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Picasso im Portfolio Piroschka Dossi blickt hinter die Kulissen des Kunstmarkts und entdeckt: Das Image eines Kunstwerkes oder Künstlers zählt sich oft mehr aus als seine Qualität Kunst kommt von Können, sagt eine allseits bekannte Redewendung. Seit einigen Jahren sollte man wohl lieber sagen: Die Kunst kommt vom Markt, wird von ihm gesponsert und gesteuert. So sieht es zumindest Piroschka Dossi, die selbst mit einem hochgehandelten Künstler verheiratet ist und jahrelang als Kunstberaterin tätig war. Sie kennt das geheimnisvolle Geflecht aus Sammlern, Händlern und Künstlern, die Mechanismen des boomenden Kunstmarkts
Read More Posted On September 30, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Berlin Sony-Center Ulrich Peltzer ist derzeit einer der spannendsten deutschen Gegenwartsautoren, der sich auf avancierte Weise den rasanten Veränderungen unserer Zeit und der von der Postmoderne konstatierten „Agonie des Realen“ stellt – dies unterstreicht er einmal mehr in seinem neuen Roman „Teil der Lösung“. Ein stetiger Protagonist in Ulrich Peltzers Werken ist Berlin, ist der urbane Raum mit seinen Abermillionen „Codes und Gegencodes“, mit seinen spiegelnden Glasfassaden, Reklamen, Lichtern und Warenzeichen. Doch das seit Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ Literatur gewordene pulsierende und enervierende Großstadtleben wird im neuen Jahrtausend mehr und
Read More Posted On September 20, 2007By Joerg AubergIn Bücher, Litmag
Jörg Magenau präsentiert die Geschichte des Zeitungsprojekts taz nicht wie seine Vorgänger Oliver Tolmein und Detlef zum Winkel in ihrer Schmähschrift tazsachen: Krallen zeigen – Pfötchen geben (1989) als Chronologie eines Verrats linker Ideale und Überzeugungen, sondern als Triumph einer „alternativen Bürgerlichkeit“. Von Jörg Auberg
Read More Ein letztes Mal zur RAF In diesen Tagen koennte man wieder fromm und bibelgläubig werden. Auf allen Kanälen, in allen Feuilletons der Zeitungen wird an den September vor 30 Jahren, an die RAF, an den „deutschen Herbst“ erinnert. Ein Bombardemsent an Worten, Bildern und Zeichen, um an ein Bombardement mit Waffen zu erinnern. Und den besten Kommentar dazu findet man im Matthäus-Evangelium Kapitel 8 Vers 22: „Laß die Toten ihre Toten begraben“. Die Toten der ‚bleiernen Zeit’ sind betrauert und begraben. Wen, außer selbstverständlich den Angehörigen der Opfer und die
Read More Es gibt Wege Varian Fry, obwohl in den öffentlichen Debatten kaum noch präsent, ist in den Netzwerken der ‚Civil Globalisation’ immer noch als ein Vorbild lebendig. Marseille, August 1940. In einem Zimmer des „Hotel Splendide“, unweit des Hafens. Hans Sahl, der vor den Nazis ins französische Exil geflüchtete deutsche Schriftsteller, steht Varian Fry gegenüber, der im Auftrag des „American Emergency Rescue Committees“ versuchen soll, möglichst vielen antifaschistischen Flüchtlingen zu helfen. Hans Sahl erhält von Fry einige Geldscheine zum Überleben. „Wenn Sie mehr brauchen, kommen sie wieder. Inzwischen werde ich Ihren Namen nach
Read More Posted On September 3, 2007By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Die Banalität des Alltags Der Roman „Das Zebra hat schwarze Streifen, damit man die weißen besser sieht“ erzählt die Lebensgeschichte einer Frau auf ungewöhnliche und originelle Weise. Allein für den Titel müsste man diesen Debütroman eigentlich schon lieben. Johanna Straub, 1970 in Hamburg geboren, lebt seit einigen Jahren als Schriftstellerin und Filmemacherin in Berlin, für die Kurzgeschichte Evolution erhielt sie 2005 den Debütpreis des Poetenladens. Großartig gelungen ist ihr in ihrem Roman vor allem das erste Kapitel. Bernd, Philippas zukünftiger Vater, wird auf dem Weg zur Entbindung von dem Gefühl
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