Italien, keine Pizza, keine Pasta – Erfreulicherweise finden sich inmitten des ganzen Grimmigedöns immer mehr Romane, die sich mit den diversen Wirklichkeiten ins Handgemenge begeben. Man kann sie „politisch“ nennen, weil sie Politik zum Thema haben. Giancarlo de Cataldo gehört in die erste Reihe. Thomas Wörtche ist begeistert. Giancarlo de Cataldo gehört zu den Namen der zeitgenössischen Kriminalliteratur, die die allmählich verblassende Reputation eines zunehmend verdödelten Genres wieder restituieren können. Ähnlich wie seine italienischen Kollegen Gianrico Carofiglio, Bruno Morchio, Angelo Petrella und Francesco de Filippo, ähnlich wie seine internationalen Kollegen
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, heute bewegen wir uns zwischen den Extremen von Kriminalliteratur: Thomas Wörtche befasst sich mit dem politischen Kriminalroman von Giancarlo de Cataldo; im zweiten Teil von Ulrich Barons Essay wider den Regio-Grimmi am anderen Ende der Skala geht es um Los Angeles. Frank Göhre porträtiert den Drehbuchautor Ernest Tidyman, über dessen SHAFT-Romane die Meinungen weit auseinandergehen können. Hochkultur in Gestalt von Johann Sebastian Bach begegnet uns in Peter Münders Rezension eines Romans von Sebastian Knauer, während sich Kerstin Klamroth mit einem Comic, na ja, mit einer Graphic Novel von
Read More Lesen Sie heute den 2. Teil des Essays von Ulrich Baron (den ersten gibt’s hier), der sich mit Raymond Chandler und dessen Region, mit Los Angeles beschäftigt. II. Kein Verbrechen in den Bergen? Wie ein Verdikt gegen eine Regionalisierung und Provinzialisierung mutet der Titel einer Erzählung von Raymond Chandler an. Sein „No crime in the Mountains“ war 1941 aber keine hellsichtige Warnung vor einer drohenden Flut von Regio-Krimis, sondern als Ironisierung der Unschuldsvermutung gemeint, die man angesichts von Gegenden hegt, in denen die Welt noch in Ordnung zu sein scheint.
Read More Ein tödlicher Job – Eine Erinnerung an Ernest Tidyman, der vor 40 Jahren sein Debüt als Drehbuchautor hatte. Von Frank Göhre. – Anfang der Siebzigerjahre lebte der Regisseur Martin Scorsese („Good Fellas“, „Casino“, „Departed“ u.a.) für einige Zeit in Los Angeles. Im Haus des Produzenten Fred Weintraub lernte er dessen Tochter Sandy kennen und lieben. Am Abend ihrer ersten Verabredung gingen sie ins Kino: Shaft Who’s the black private dick That’s a sex machine to all the chicks? (Shaft!) Shaft ist ein schwarzer New Yorker Detektiv – stolz, stark, ultracool
Read More Tödliche Bach-Begeisterung – Sebastian Knauer beschreibt in seinem Musik-Krimi „Tödliche Kantaten“, wie das Faible eines amerikanischen Milliardärs für JSB zur Manie mutiert und bei der Jagd auf verschollene Partituren andere Bach-Enthusiasten auf der Strecke bleiben. Von Peter Münder. Als Hausmeister Didi Heinzmann in der Leipziger Thomaskirche unter Johann Sebastian Bachs Grabplatte eine versteckte Blechkassette mit dem Notenblatt einer verschollenen Kantate und diversen Negativen weiterer Bach-Noten findet, weiß er nicht recht, was er mit seinem Fund anfangen soll. Dann bringen ihn seine Recherchen mit dem Hamburger Privatdetektiv Pit Koch in Kontakt
Read More Fred Vargas und Edmond Baudoin – der zweite Band. Beim ersten, „Im Zeichen des Widders“, wollten die Paratexte vom Comic noch nichts wissen – hier schon. Kerstin Klamroth ist beinahe rundum zufrieden. Nicht exclusiv, aber trotzdem sehenswert: Auch die zweite Graphic Novel, die der Aufbau-Verlag als Kooperation von Fred Vargas und Edmond Baudoin präsentiert, ist nicht ganz taufrisch. Die Original -ausgabe mit dem Titel „Le Marchand d´eponges“ basiert auf der Erzählung „Cinq Francs Piéce“ von Fred Vargas , die 2002 in Paris erschien. Zuerst war also die Geschichte da, dann
Read More Mysteries und Mysterien – Blendwerk, Tricks, Zauberei und Kriminalliteratur haben viel miteinander zu tun. Sehr viel sogar. Friedemann Sprenger hat sich wohlgemut durchs einschlägige Material gewühlt. Die Crux mit den riesigen, kiloschweren Prachtbänden des Taschen Verlages ist zugegebenermaßen eine Luxus-Crux: Man versinkt darin, schaut sich Bilder an, macht sich Notizen, findet. Das reicht noch nicht, man macht zwei Wochen später weiter, das gleiche Spiel, viel zu viel Material, man will nichts übersehen und so weiter. Dann ist plötzlich ein Jahr um, und der Tomus ist immer noch nicht erschöpfend behandelt.
Read More Wir denken bei Thailand automatisch an Sex-Business, Sex-Tourismus, Korruption und organisierte Kriminalität. Von außen. Christopher G. Moore lebt in dieser Gesellschaft. Heute berichtet er über unser heimliches Thema das Tages: Politik und Verbrechen. Enjoy … Revenge or Reconciliation The Monty Hall problem involves choosing a door with a prize as opposed to a lion that will leap out and eat you. When a crime has been committed, The Monty Hall problem provides two doors to choose from: one gives the victim revenge against the perpetrator, the other door requires the
Read More KickAss – Bloody Splinters aus dem ganz normalen Branchenwahnsinn. David gegen Horsti – Viel Freude macht uns der Grafit Verlag! Hatten wir neulich schon das Vergnügen, die Sachkompetenz der Verlegerin zu bestaunen, liefert die neue Verlagsvorschau die nächste Verblüffung: Dort wird nämlich der neue Roman von Horst Eckert: „Schwarzer Schwan“, beworben mit dem Hinweis: „Für Leser von John Grisham, John le Carré, Simon Beckett etc.“ Wer „etc“ ist, wollen wir lieber nicht wissen. John Grisham, okay, der hat eine ordentliche Gesinnung und schreibt schlichte Prosa, das käme hin. Allerdings hat
Read More Bonnie And Clyde von Serge Gainsbourg Vous avez lu l’histoire De Jesse James Comment il vecut Comment il est mort Ca vous a plus hein Vous en d’mandez encore Et bien Ecoutez l’histoire De Bonnie and Clyde Alors voila Clyde a une petite amie Elle est belle et son prenom C’est Bonnie A eux deux ils forment Le gang Barrow Leurs noms Bonnie Parker et Clyde Barrow Bonnie and Clyde Bonnie and Clyde Moi lorsque j’ai connu Clyde Autrefois C’etait un gars loyal Honnete et droit Il faut croire Que
Read More Der „Regio-Krimi“ hat viele Aspekte, CrimeMag diskutiert sie (Links siehe unten!) Ein Essay von Ulrich Baron beschäftigt sich in zwei Teilen mit der „local knowledge“ und dem Argument, im Grunde sei jeder Krimi ein Regionalgrimmi … „Es gibt so viel Wissenswertes über Erlangen“ (Foyer des Arts) „Eben nicht“ (Samuel Beckett) Nicht alles, was irgendwo spielt, ist ein Argument für den Regio-Krimi (Teil 1) I. Nicht allzu weit weg von Marsvinsholm Es muss wohl ein bedingter Reflex sein, der mich erschaudern lässt, wenn ich beim Öffnen eines Buchpaketes Wörter wie „Norden“,
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, in unserer heutigen Kompakt-Ausgabe konterkariert Ulrich Baron im ersten Teil eines Essays den Gemeinplatz, im Grunde sei jeder Krimi ein Regionalkrimi, weil er ja irgendwo spielen müsse. Carlo Schäfer hat den Fehler gemacht, sich einen „Tatort“ anzusehen. Lesen Sie, warum das fatal sein kann. CrimeMag freut sich, Ihnen heute einen neuen Primär-Text von Guido Rohm präsentieren zu können: „Deine Frau geht fremd.“ Die Bloody Chops sind heute multimedial: Mike Wuliger über Kosher-Nostra-Songs, Joachim Feldmann über einen noch nicht übersetzen Roman von Don Winslow und Thomas Wörtche über vier
Read More Beachten Sie heute bei Carlos, was passieren kann, wenn man a) fernsieht, b) den „Tatort“ und c) auch noch kommentierende Presse erwischt. Das ist nicht schön! Soso, lieber STERN: Zieht man seinen überladenen Beginn und einige klischeehafte Gefühlsduseleien ab, ist ihm ein hochemotionaler und spannender „Tatort“ gelungen – in dem Mord fast zur Nebensache geriet. Die Rede ist vom dieswöchigen: „Der illegale Tod“ Wer wagte zu wiedersprechen – ich möchte nur in aller Demut einige Beobachtungen aufführen, die mir am Sonntagabend das volle Wohlgefühl verdarben, die praktisch schon gebuchte
Read More Posted On Mai 21, 2011By Guido RohmIn Crimemag
CrimeMag Primär, heute mit einer neuen Story von Guido Rohm. Text, einmal ohne Bilder … Deine Frau geht fremd Stell dir das vor. Stell dir das so vor. Ein Zettel. Deine Frau geht fremd. Eine kurze Nachricht, hinterlassen auf einem kleinen Notizzettel, der hinter den Scheibenwischer geklemmt wurde. Die Worte springen dir sofort ins Auge und verhaken sich dort. Sie brauchen keinen Wurm, denn die Worte sind Haken und Wurm zugleich. Du schluckst die Worte. Du steigst in den Wagen. Du willst den Wagen starten. Nein! Was soll das heißen?
Read More Bloody Chops – heute akustisch von Mike Wuliger (Wu), literarisch von Joachim Feldmann (JF) und visuell von Thomas Wörtche (TW). Kosher Nostra Music (Wu) Wenn Benjamin „Bugsy“ Siegel in den 30er-Jahren seinen Lieblingsnachtklub betrat, stimmte die Kapelle stets die Melodie von „My Yiddische Mamme“ an. Bugsy musste dann weinen und gab den Musikern dicke Trinkgelder. Der Gangster war nicht nur ein psychopathischer Killer, sondern auch ein sentimentales jüdisches Jingele. „My Yiddische Mamme“ gibt es auf der neuen CD „Kosher Nostra“ in gleich zwei Fassungen zu hören, dem Original von Sophie
Read More Views from Bangkok – Wir denken bei Thailand automatisch an Sex-Business, Sex-Tourismus, Korruption und organisierte Kriminalität. Von außen. Christopher G. Moore lebt in dieser Gesellschaft. Heute denkt er über Macht nach, über Neutralität, über Interessen und Realpolitik. Polit-Thriller-Themen suis generis … The End of Neutrality I grew up in a world where it was expected that judges and juries would be neutral. That neutrality was an essential mechanism to resolve conflicts. Countries were also neutral. Places like Sweden and Switzerland had a long history of not taking sides; by staying
Read More Der Tod von EAV Es ist Zwölfe bei der Nacht, draußen geht der Sturm. Die Totenglocken läuten, schon wieder muass ana in die Gruab’n! Der Tod ist ein gerechter Mann, ob du oarm bist oder reich. „G’sturb’n ist g’sturb’n“, sagt der Wurm. Als Leich‘ ist jeder gleich. Du kannst dein Lebtag faul sein oder umeinander g’schaftln. Fünf Tag nachdem der Tod eintritt fangt jeder an zum Saftln! Und wie ich so dahin sinnier über’n Sensenvater Hör ich draußen einen Schrei: Der Alk g’friert in der Ader! „Jedermann!“ „Jedermann!“ Schwarzer Mantel,
Read More Andrew Brown ist einer der spannendsten und wichtigsten Schriftsteller Südafrikas und auch bei uns inzwischen bestens eingeführt (CrimeMag-Rezension zu „Schlaf ein, mein Kind“; „Würde“, btb 2010). Seine Biografie ist mit der Anti-Apartheids-Bewegung eng verknüpft und mit der Polizei seines Landes, die sich vom Repressionsinstrument zu einer demokratischen Institution entwickeln musste. In seinem (unübersetzten) Sachbuch „Street Blues“ erzählt Brown unter anderem darüber. Exklusiv für CrimeMag hat Andrew Brown ein Kapitel daraus neu bearbeitet. Lesen Sie heute den 2. Teil. From Convict to Constable (II) Hier geht’s zu Teil I In June
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, freuen Sie sich bitte heute mit uns an dem 2. Teil von Andrew Browns autobiografischen Notizen, die er exklusiv für CrimeMag bearbeitet hat. Dazu ist heute Rezensionstag: Thomas Wörtche über Peter Temple, Jörg Auberg über Mordecai Richler, Claus Kerkhoff über Daniel Woodrell. Susanna Mende unterzieht den neuaufgelegten Erstling von David Ignatius einem Klassiker-Check. KickAss muss über ein Interview mit Grafit-Verlegerin Ulrike Rodi grinsen. Die Bloody Chops von Thomas Wörtche, Frank Rumpel und Jörg von Bilavsky kümmern sich um Leif GW Persson, Óscar Urra, Don Winslow und Marc Fischer.
Read More Buschfeuer – Peter Temple gehört inzwischen zu den Großen der Zunft. Neben Garry Disher ist Temple der zweite Autor von Rang, der Australien anhand der Kriminalität des Kontinents erzählt. Und weil er das so gut tut, erzählen seine Bücher nicht nur von Australien. Thomas Wörtche hat den neuen Roman „Wahrheit“ gelesen. Melbourne. Um die australische Metropole herum wüten die Buschfeuer. Die City selbst bietet alles, was eine Großstadt auf diesem Planeten zu bieten hat: Ganz normale scheußliche Morde, Bandenkriminalität, Organisiertes Verbrechen an den Schnittstellen von Politik und Big Business, domestic
Read More Der Autor als Trickster – In seinem Roman „Solomon Gursky war hier“ verschränkt Mordecai Richler die Geschichte jüdischer Immigranten mit der indigenen Tradition Kanadas und zeichnet ein multidimensionales Bild der kanadischen Gesellschaft. Von Jörg Auberg Im Alter von neunzehn Jahren verließ Mordecai Richler sein Heimatland Kanada, weil er es als literarisches Ödland wahrnahm. Sein erster Roman („The Acrobats“, 1954) handelte von einem jungen kanadischen Maler in Spanien inmitten einer Gruppe desillusionierter Expatriates und Revolutionäre und war nicht mehr als ein Pastiche von André Malraux, Jean-Paul Sartre und Ernest Hemingway –
Read More Eine Blume im dunklen Land der Ozarks – Der 1953 geborene Amerikaner Daniel Woodrell hat für seine Romane den Begriff Country Noir geprägt und als „a noir story set in rural America rather than an urban area” definiert. In Anspielung darauf und auf die Qualität seiner Romane schrieb die Los Angeles Times, dass Daniel Woodrell für die Ozarks das sei, was Raymond Chandler für Los Angeles war. Ende März ist der Independent-Film „Winter’s Bone“ in den deutschen Kinos gestartet, dessen literarische Vorlage Daniel Woodrells gleichnamiger Roman ist. Ein beeindruckendes, sehr
Read More Kleine Bomben, große Bomben – In der Riege der Polit-Thriller-Autoren geht David Ignatius immer ein wenig unter. Das ist schade, denn er gehört schon zu den interessanteren, weil sehr gut informierten Autoren des Genres. Gerade ist sein Erstling von 1987, „Agents of Innocence“ bei Rowohlt neu aufgelegt worden. Susanna Mende hat den Roman einem Klassiker-Check unterzogen. Der amerikanische CIA-Mitarbeiter Tom Rogers wird im September 1969 in die Station von Beirut versetzt, wo er sich um die sogenannte „Palästinenser-Abteilung“ kümmern soll, nachdem nicht mehr zu übersehen ist, dass die Palästinenser und
Read More KickAss – Bloody Splinters aus dem üblichen Branchenwahnsinn Heute erzählt uns eine Verlegerin etwas über den Krimi: Mein Lieblingszitat: „Gleichwohl hat das Genre einen Höhenflug erlebt … Ja, vor 20 Jahren waren Krimis verpönt, das Genre war eigentlich bedeutungslos und fand vorzugsweise im Heftchenformat statt. Heutzutage dominiert das Verbrechen auch die Bestsellerlisten.“ Vor 20 Jahren, also 1991, erlebte der Kriminalroman einen Höhenflug und setzte ästhetische Standards – Autoren wie Jerome Charyn, Derek Raymond, Paco Ignacio Taibo II, Jerry Oster etc. etc. etc. dominierten die „Gegenwartsliteratur“, bevor sie von der neuen
Read More Bloody Chops … Harte Schnitte, klare Urteile, keine Reste … Heute von Thomas Wörtche (TW), Frank Rumpel (rum) und Jörg von Bilavsky (JvB). Tod & Täter (TW) Eigentlich ein sehr konventioneller Kriminalroman der guten, alten und netten Sorte. Ein ekliger Mord an einem kleinen Mädchen ist seit 25 Jahren nie aufgeklärt worden und verjährt (das geht in der schwedischen Rechtsprechung), ein pensionierter Polizist nimmt den Fall wieder auf und überführt den Täter. Weil wir aber von dem neuen Roman von Leif GW Persson reden, läuft die Sache anders, keinesfalls konventionell
Read More Views from Bangkok Anti-Helden gehören zum Grundbestand der Kriminalliteratur. Schon immer. Sie sind, recht eigentlich, die richtigen Helden. Christopher G. Moore unter anderem über nette Gangster … THE DEATH OF HEROES and the End of the Sacred What drives the current interest in noir fiction is that the stories validate our worst fear. There are no longer any heroes who will ride to the rescue, put things right between those in conflict. What has happened to the heroes who rose above the crowd to serve the large community interest? Or
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