Wie sie die Saat legten … Mit der Kapitulation Nazi-Deutschlands im Frühjahr 1945 wandelten sich sämtliche Nationalsozialisten zu lupenreinen Demokraten. Weiß man ja. Andernfalls hätten die Alliierten die gesamte Bevölkerung ausgetauscht, oder? Einigen muss dieses Kunststück nicht geglückt sein. Sie nahmen die „Rattenlinien“ durch die Alpen, um weiterzuziehen und eine Passage nach Argentinien zu ergattern. „Die Akte Odessa“ von Frederick Forsyth hat das Thema 1972 zum internationalen Bestseller-Stoff gemacht. Jetzt nimmt Martin von Arndts Roman das Thema wieder auf, erzählt von den Ratten, von denen, die sie unterstützen und denen,
Read More Im Supermarkt der verlorenen Seelen Wie sehr sich doch Anfang und Ende gleichen. Es sind nahezu die gleichen Bilder, die wir hier sehen: Detailaufnahmen, Raumanordnungen, Miniaturen eines Stillstands, eines Moments, in dem die Erde aus den Angeln gehoben ist. Eines Moments, nach dem nichts mehr so sein wird, wie es vorher war: Die sich langsam ausbreitende Pfütze einer blauen Flüssigkeit, ein regungslos auf dem blank polierten Boden liegender Körper, ein Gesicht, ein Körper von schräg hinten, erstarrt und eigefroren. Diese eindrücklichen Impressionen, eingefangen in sorgsam kadrierten Bildern, die aus der
Read More Bad-ass crime fiction Ungewöhnliche Bücher können auch mal einen ungewöhnlichen Auftritt haben. Weil uns der Schneid imponiert, mit dem Frank Nowatzki unbeirrt seinen Verlag Pulp Master macht, fahren wir anläßlich des Zwischen-allen-Stühlen-Buches „Der Vergewaltiger“ (The Rapist) von Les Edgerton ein Spalier von Kollegen auf, die diesen heftigen Noir in je ihrer Weise empfehlen. Angeführt wird die Springprozession von Guillermo O’Joyce, den es gerade aus den USA ins Exil nach Grenada verschlagen hat. Les Edgerton, Jahrgang 1943, hat in jüngeren Jahren wegen Einbruchs, bewaffneten Raubüberfalls und versuchter Hehlerei zwei Jahre im
Read More Ein Krimi wie von Mozart? Tobias Gohlis fühlte sich bei der Lektüre von Ian McEwans „Nussschale“ in eine Zeitmaschine gesetzt. Im Bücherschrank meiner Eltern gab es einen dieser auf Reeducation-Papier gedruckten und pappgebundenen schmalen Nachkriegsbände mit dem Titel „Plaudereien an englischen Kaminen“. Ich glaube nicht, dass ich es je gelesen habe, aber in Erinnerung sind mir die Zeichnungen geblieben: Salonszenen mit biedermeierlich oder viktorianisch gekleideten Damen und Herren. Erstere mit Teetassen, letztere Pfeife schmauchend. Bilder, die sich deutlich von den Trümmergrundstücken und schlecht beleuchteten Neubauten unterschieden, zwischen denen ich aufwuchs.
Read More Neo(n)-Noir Punk-Peepshow von Alexander Roth Rund um den Globus flüstern Krimi-Enthusiasten ehrfürchtig den Namen Hard Case Crime. 2004 von Charles Ardai gegründet, gehört der Verlag, der sich mit seiner Mischung aus aktueller Spannungsliteratur und verschollen geglaubten Klassikern, mit Autoren wie Lawrence Block, Jason Starr, Ed McBain, Ken Bruen, Donald E. Westlake, Max Allan Collins und Harlan Ellison, mit der Aufmachung, die an die pulp magazines vergangener Tage erinnert, einen Namen machte, mittlerweile zu den einflussreichsten seiner Art. Hard Case Crime hat es sich im Herzen der weltweiten Krimigemeinde bequem gemacht.
Read More Kleiner Mann – was nun? von Alexander Roth Tarik hat ein Problem. Seine Jungs haben einen Fernseher von der Straße aufgelesen, der zufällig gerade vom Laster fiel, als sie zufällig vorbeischlenderten, und jetzt steht das Teil im Wohnzimmer seines Großvaters. Beer, der vielleicht gefährlichste, mit Sicherheit aber jähzornigste (Ex-)Bulle Münchens, kriegt Wind von der Sache, und während das Istanbul-Derby über den geklauten Bildschirm flimmert, erklärt er seinem Schützling wider Willen, wie er aus der Nummer wieder rauskommt: Geheime Mission, Spezialauftrag. Tarik soll das Vertrauen des extremistischen Rattenfängers Abdelkader Al-Anbari gewinnen,
Read More Welcher Schrotgröße ist am besten für Schnepfen? Morden ist eine ziemlich heitere Angelegenheit. Manchmal fühlt man sich danach ein bisschen besser. Zunimdest in einem irischen Dörfchen. Aber irische locations haben ja schon immer was von Weltalltag. „Bogmail“ von Patrick McGinley ist dafür ein wunderbarer Beleg. Klaus Kamberger freut sich. Donegal? Klingt nach Provinz, ziemlich sogar. Ist es auch. Mit dem Zeigefinger auf der irischen Landkarte immer feste nach oben, links: Dún na nGal. Dahinter kommt dann das Meer. Immer noch Europa, aber das nun in seiner skurrilsten Ausformung. Donegal, das
Read More A Book Review By Kevin Cummings Christopher G. Moore is a master message teller as he crafts his crime tales. Jumpers is #16 in the Calvino series and as a long-time fan I am familiar with the cast of characters: Vincent Calvino, Bangkok P.I. and his cover my back, retired Royal Thai Police General Pratt – not many friends have matching bullet entry wounds for looking after each other. Ratana his loyal secretary, and the cranky and pleasure seeking pal, McPhail. The One Hand Clapping Massage Parlor also makes a
Read More I hold your hand in mine by Tom Lehrer I hold your hand in mine, dear I press it to my lips I take a healthy bite from Your lovely fingertips My joy would be complete, dear If you were only here But still I keep your hand As a lovely souvenir The night you died I cut it off I really don’t know why For now each time I kiss it I get bloodstains on my tie I’m sorry now I killed you For our love was something fine!
Read More Heil dem amerikanischen Faschistenführer! PRESIDENT-elect Donald Trump: fascist sociopath, vulgarian, sexual predator, liar, racist, vindictive boor, misogynist, narcissist, anti-Semite, know-nothing lackwit, immigrant basher, Islamophobe, deadbeat, Holocaust denier, climate change denier, TV loudmouth, huckster, hypocrite, bankruptcy court habitué, xenophobe, accused fraudster (in seventy-five pending lawsuits), purveyor of Chinese sweatshop schmata, faux billionaire, tax dodger, failed hotelier, failed casino magnate, gun fanatic, admirer of Russian and North Korean autocrats. Dark Days in the U.S.A. ‘White America Has Lost Its Mind’ The Resistible Rise of Donald Trump by Thomas Adcock Copyright ©
Read More Herzlich willkommen zu unserer Novemberausgabe 2016 – ziemlich prominent geht es in dieser allmählichen Vorweihnachtszeit zu. Jerome Charyn gibt Antwort auf die Bloody Questions von Marcus Müntefering, Michael Connelly erzählt die Entstehungsgeschichte von Harry Bosch. Der Brite John Harvey schreibt über den Australier Peter Temple und Candice Fox richtet aus Sydney einen Offenen Brief an Stephen King in Maine. James Lee Burke feiert im Dezember seinen 80. Geburtstag, Alf Mayer schaut dazu auf den steinigen Beginn einer Karriere zurück und verschafft uns einen Überblick über die fünf (in Worten: fünf) James
Read More See you later Der Beitrag unseres USA-Korrespondenten Thomas Adcock, der den ganzen US-Wahlkampf mit vielen großen Essays begleitet hat, verzögert sich ein wenig. Bitte schauen Sie wieder herein. Oder lesen Sie seine prophetischen Texte noch einmal nach. Our US-columnist Thomas „Tom“ Adcock is still busy on his latest essay. Please visit us again later, or have a look at his eerily prophetic essays over the last months. It was February 15, 2016, when he wrote: WHOOPEE the Ice Queen,’ also known as Sarah Palin, favors a Manhattan billionaire-bigot-blowhard for president—
Read More Posted On November 15, 2016By Michelle AlexanderIn Crimemag
Ein Alptraum, der sich entfaltet – Spätestens die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA hat es aller Welt – und vor allem schmerzhaft der eigenen Nation – klar gemacht, das Amerika ein nach wie vor nicht überwundenes riesengroßes Rassenproblem hat. CNN-Kommentator Van Jones sprach von „Whitelash“: Der Weiße Mann hat zurückgeschlagen (siehe auch #whitelash). Donald Trumps „law and order“-Rezepte und -Phantasien und Männer wie Rudi Giuliani an den Machthebeln lassen eine Repression befürchten, die alles bisherige an Status quo in den USA noch in den Schatten stellen kann.
Read More Posted On November 15, 2016By Ute CohenIn Crimemag
Cheerio, Wonder-Underdog – Grüße aus Entenhausen! Ein Pappkamerad war er, in der Küche einer Kreuzberger Ladenwohnung in den achtziger Jahren. Rings um ihn herum sein Fanclub: Punks, ein schwarzer Kater und die obligatorische Ratte. Sein Name: Donald Duck. Punks und Ratten sind längst verschwunden im post-punk-faktischen Zeitalter. Er jedoch hat überlebt. Donald Duck mauserte sich zur Kultfigur aller Establishment-Gegner. Noch heute sitzen wir wehmütig bei Crémant und Macarons beisammen und gedenken des Helden unserer Jugend. Einen Toast auf Donald! Von Ute Cohen Donalds Mythos – Winner in Potenz Wenn alles
Read More Heute: Jerome Charyn – Von Marcus Müntefering – Im kommenden Jahr, am 13. Mai 2017, wird Jerome Charyn 80 Jahre alt. Und etwa zur selben Zeit wird das zwölfte und vermutlich letzte Abenteuer um seinen Lebenshelden Isaac Sidel erscheinen. Die unfassbarste Figur der Krimi-Geschichte war im bislang letzten Roman “Unter dem Auge Gottes” vom Cop aus der Bronx zum Präsidenten der USA aufgestiegen. Kurz skizziert hatte ich diese sonderbare Heldenreise im meiner Rezension bei Spiegel Online: “Damals war sein Held noch ,ein kleiner Inspector’, mit einem zu großen Herzen und
Read More Posted On November 15, 2016By Frank GoehreIn Crimemag
Trimmel in Folge – Tausend Folgen „Tatort“ in 46 Jahren, da haben wir uns bei CrimeMag nach Folge 001 vom Sonntag, 29. November 1970, gefragt. Der erste Kommissar der „Tatort“-Reihe hieß Paul Trimmel. Dargestellt von Walter Richter in den Jahren 1970 bis 1982, ist er der Leiter der 1. Kriminalgruppe in Hamburg. Zwischen 1969 und 1982 wurden elf seiner Fälle für die Reihe verfilmt, auf 15 Bände haben es die Trimmel-Romane von Friedhelm Werremeier gebracht. Es sind Sittenbilder der Bundesrepublik, auch der allererste „Tatort“ wirkt immer noch erstaunlich frisch. Friedhelm Werremeier
Read More Was also hat der »Seismograph Tatort« wie registriert? von Alfred Pfabigan – Tausend Mal „Tatort“ nun also seit dem 14.11. 2016. Tausend mal der „mord zum sonntag“, wie der Wiener Sozialphilosoph, Politikwissenschaftler, Jurist und Literaturkritiker Alfred Pfabigan es in seiner jüngst erschienenen „tatortphilosophie“ benennt. Sie glaube nicht, dass Mördersuche der einzige Zweck eines Krimis sei, lässt er P.D. James das Motto seiner lesenswerten und im schönen Sinne anregenden Untersuchung formulieren. Bis zu 14 Millionen Zuschauer hat ein „Tatort“, sind es einmal nur die Hälfte, wird das als Schande angesehen und
Read More Ein langer, staubiger Weg – Zur Karriere von James Lee Burke. Von Alf Mayer. Der Erfolg kam spät im Leben von James Lee Burke, (nicht nur) das hat er mit seinem Freund Charles Willeford gemeinsam. Burkes erste Erzählung erschien, als er 19 war. Seinen ersten Roman begann er mit 22 und beendete ihn 1960, wenige Wochen nach seinem 24. Geburtstag. So lange ist er schon Schriftsteller – mehr als 55 Jahre. Am 5. Dezember 2016 ist er 80 Jahre alt. Immer noch schreibt er sechs Tage die Woche. Seine Arbeit
Read More Soviel Burke war nie – Am 5. Dezember 2016 wird James Lee Burke 80 Jahre alt. Und endlich ist er wieder – nach mehr als zehnjährigem kollektivem Verlagsversagen – in Deutschland gebührend präsent. Gleich fünf seiner Bücher sind in diesem Jahr bei uns herausgekommen. Zwei (neuere) Hackberry-Holland-Romane bei Heyne, drei (ältere) Dave-Robicheaux-Romane bei Pendragon. Alf Mayer stellt sie kurz vor. Wir bei CrimeMag drücken alle Daumen, dass das gut geht und gut tut mit so viel Burke auf einmal. Runde 2.680 Seiten Lesestoff. Auf jeden Fall holt es einen der
Read More Ein Sonntagabend: Sie hat gesagt, er hat gesagt, und einen herzlichen Dank an uns alle. Mein Leben mit Allah – Warum radikalisieren sich immer mehr junge Menschen? Die Moderatorin blickt mit hoch erhobenen Kopf (sprich: selbstbewusst) in die Kamera: Guten Abend, meine Damen und Herren, willkommen zu unserer Sendung. Auch wir haben gemeinsam den ‚Tatort‘ gesehen – der kein klassischer „Tatort“ war, eher ein Thesenfilm, aber gut, warum nicht? Aufgrund eines SZ-Artikels von der knallhart auf Quote getrimmten NDR-Redaktion Fernsehfilm an die Dienstleister Buch & Regie in Auftrag gegeben, heißes Thema,
Read More Bloody Chops im November 2016 – Diesmal am Beilchen: Katja Bohnet (KB), Joachim Feldmann (JF), Alf Mayer (AM), Frank Rumpel (rum). Über Bücher von: Eugène Atget, Jens Kirschneck, Erika Krouse, Nausicaa Marbe, Patrick Millikin, Benjamin Percy, Ross Thomas. Politik als Farce (AM) Pech hätte hier, wer Bücher auf Seite 99 zu beurteilen können glaubt. Aber lassen wir den Meister selbst zu Wort kommen. Auf Seite 100: „Als die Tür geöffnet wurde, begriff ich völlig, warum Amfred Killingworth dem US-Außenministerium gesagt hatte, es könne zur Hölle fahren. Zwar sind Schönheit und Anmut
Read More An open letter to Stephen King By Candice Fox. Zwei nationale Krimi-Preise unmittelbar hintereinander: Als bisher einzige australische Autorin kann Candice Fox einen Ned Kelly Award für das beste Debüt und sogleich darauf folgend für den besten Kriminalroman des Jahres vorweisen – für „Hades“ und für „Eden“. Im Frühjahr 2017 erscheint „Fall“. Der dritte Teil der Trilogie. I read this speech for an event connected with the New South Wales Writers’ Centre at Berkelouw Books in Paddington. The assignment was to talk about the ‘problematic’ nature of your literary hero.
Read More Hieronymus „Harry“ Bosch – Von Michael Connelly. Einundzwanzig berühmten Krimiautoren mit Detectives als Serienhelden hat Otto Penzler, ausgewiesener New Yorker Krimiexperte und Betreiber des Mysterious Bookshop, die gleiche Frage gestellt: Wie ist Dein Detective eigentlich entstanden? Die einundzwanzig Antworten darauf sind 2009 in Form von Essays in dem lesenswerten und erhellenden Band „The Lineup – The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives“ erschienen. Zu den Autoren, die diese Frage beantwortet haben, gehört auch Michael Connelly. Die erfolgreiche Verfilmung von Connellys Romanen in der inzwischen
Read More „You can do powerful things with a few sticks and bones“ John Harvey on Peter Temple’s „The Broken Shore“ Es ist die wohl ambitioniertest Anthologie der Kriminalliteratur. Nicht von ungefähr trägt sie den Titel “Books to Die For”, erschien 2012 mit dem Untertitel “The World’s Greatest Mystery Writers on the World’s Greatest Mystery Novels“. Die irischen crime-Autoren John Connolly und Declan Burke (zuletzt bei uns “The Big O” bei Nautilus) haben hier ein Riesenprojekt gestemmt: 119 der besten crime-Autorinnen und -Autoren aus 20 Ländern schreiben über die Kriminalromane, die sie
Read More Posted On November 15, 2016By Alf MayerIn Crimemag
Das gefährliche Vielleicht oder: Was um des Himmels oder der Hölle Willen hat Ken Bruen mit Friedrich Nietzsche zu tun? Von Alf Mayer. „Es gibt einen alten Wahn, der heißt Gut und Böse. Um Wahrsager und Sterndeuter drehte sich bisher das Rad dieses Wahns.“ (Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, 3. Teil, Von alten und neuen Tafeln) Wie könnte etwas aus seinem Gegensatz entstehen? Zum Beispiel die Wahrheit aus dem Irrtum? Oder der Wille zur Wahrheit aus dem Willen zur Täuschung? Oder die selbstlose Handlung aus dem Eigennutz? Aber solch eine
Read More Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun … Eine wichtige Mine und Quelle unserer Vorstellungen von Krieg, Gewalt, Terror und Elend, auch wenn wir uns ihnen nicht mehr deutlich bewusst sind, ist der Radierungszyklus „Les Misères et les Malheurs de la Guerre“, deutsch: „Die großen Schrecken des Krieges“ von Jacques Callot aus dem Jahr 1633. Der Limbus Verlag präsentiert eine hübsche Ausgabe der 18 Blätter, kommentiert von Bernd Schuchter, der unter dem Titel „Jacques Callot und die Erfindung des Individuums“ bei Braumüller den Kontext in einem essayartigen Begleitbändchen breiter
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