Wüste (Sprach-) Orgie Franzobel zeichnet in „Lusthaus“ bis zum parodistischen Salto Mortale ein bitterböses Panorama des „Menschlich Allzumenschlichen“. Dieses Buch ist ganz und gar unglaublich: Es ist in einem grandiosen Ausmaße monströs und morbid, wüst und wahnsinnig. Es ist ein wilder Rausch ohnegleichen, eine sinnliche Sprachorgie, ein barocker Bildertaumel, eine furiose Farce. Da reibt man sich die Augen, schüttelt den Kopf und kann es nicht fassen, zu welch obszönen Phantasmen, opulenten Bildern und magischen Metaphern das glühende Quecksilber der Sprache hier geronnen ist. Franzobel erweist sich einmal mehr als ein
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Ein Buch wie eine Landschaft Annie Proulx’ Prosa fasziniert einerseits durch eine Sinnlichkeit, mit der die Landschaft und die Menschen des Panhandle wie in einem Cinemascope-Film am inneren Auge des Lesers vorbeiziehen. Bei aller Bildmächtigkeit fehlt es dem Roman andererseits jedoch über die lange Strecke von über 500 Seiten eindeutig an Spannkraft und psychologischer Dynamik. Das Panhandle ist ein schier endloser, karger Landstrich im Dreiländereck von Texas, Oklahoma und New Mexiko. Die Luft ist hier „von wildem Beifuß und aromatischen Sumach gewürzt“, die Landschaft von knarrenden Windrädern, Getreidesilos, Kühen und
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Leben auf der Überholspur Ronald „Blacky“ Miehling kann auf eine rasante Karriere als Drogenschmuggler zurückblicken – tonnenweise schleuste er seit Ende der 80er Jahre Koks nach Deutschland. 1996 wurde er dafür zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Zusammen mit Helge Timmerberg, der unter anderem für „Stern“, „Die Zeit“ oder „Merian“ brillante Reisereportagen liefert, erzählt Ronald Miehling in Schneekönig aus seinem abenteuerlichen Leben als Drogenboss Als Sohn eines Polizisten in miefiger Spießeratmosphäre aufgewachsen, zieht es Ronald Miehling Anfang der 70er auf den Hamburger Kiez, wo er sich schnell einlebt: „Meine Lehrzeit als
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Zauberhafte Reise zum Smarties-Planeten Berührend erzählt Aldo Nove vom schwierigen Erwachsenwerden in unübersichtlichen Zeiten Die Kindheit ist ein buntes Zauberreich, in dem sich die Zeit auf geradezu magische Weise bis ins Endlose auszudehnen scheint. Doch mit den Jahren zeigt die Zeit ihre scharfen Zähne und entpuppt sich als „ein Krokodil, dass die Leute auffrisst, sobald sie erwachsen sind“. Mit ungeheurem Einfühlungsvermögen erzählt Aldo Nove in „Amore mio infinito“ eine Geschichte vom Erwachsenwerden, vom schwierigen Abstieg aus dem Reich der Wunder und Träume in jenes der Notwendigkeiten und der Hektik, in
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Explosiver Berlin-Cocktail Auch André Kubiczek legt kein „Berlin Alexanderplatz II“ vor, bietet aber einen hochvergnüglichen Streifzug durch die Gemenge- und Gemütslagen der Hauptstadt. Seit der Wiedervereinigung warten Kritik und Leserschaft brennend auf den großen Berlinroman, der durch die neue Unübersichtlichkeit dieser brodelnden, von Medien-Mythen verhüllten Metropole führt und den tausendstimmigen Zeitgeist zwischen den Jahrtausenden spürbar macht. Nachdem André Kubiczek in seinem Debüt „Junge Talente“ (2002) den Weg seines Helden Less aus der ostdeutschen Provinz in die Boheme und Subkultur Berlins beschrieben hat, ist sein neuer Roman nun ganz und gar
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