Posted On Februar 26, 2004 By In Bücher, Litmag

Sven Lager: Phosphor

Meister der poetischen Wahrnehmung „Mit den Ohren kann man mehr sehen als mit den Augen“ denkt sich Sven Lagers Ich-Erzähler und jagt den Leser von der ersten Seite an durch einen rasenden Kosmos aus Geräusch-Molekülen. Er, dem das Rauschen einer Stadt „alle Geschichten der Welt erzählen kann“, bannt faszinierende „Landschaften aus Strom“, das „Zischeln der Autobahn“ oder die komplexe Klang-Architektur der Techno-Clubs auf das Papier: „ein unendlicher Ton über den harten Würfeln des Baß; schmatzender Sirup, Nadeln eines Breakbeatbogens tauchen auf, kichern, werden zu zitternden Blechscheiben, wütenden Regentropfen. Sven LagersRead More
Hochsinnlich und atmosphärisch dicht Neben dem fesselnden Plot brennt der Autor – der Mitbegründer des literarischen Zirkel „Gruppo 13“ und Sänger in einer Post-Punk-Band ist – ein wahres Feuerwerk aus sich überlagernden Tönen, Farben, Formen und Bewegungen ab. „Als der erste Carabiniere das Zimer betrat, rutschte er in einer Blutlache aus und fiel auf die Knie. … Als er sich umblickte, musste er würgen, ein heiserer Laut, fast ein Rülpsen… ein Albtraum…“ Nach einer klebrig-blutgeschwängerten Eingangsszene fängt die Welt in Carlo Lucarellis „Der grüne Leguan“ wunderbar an zu klingen: „MitRead More
Berühmt zu sein ist sehr anstrengend Karsten Herrmann im Gespräch mit Wladimir Kaminer. Vor zehn Jahren sprach Wladimir Kaminer noch kein Wort deutsch. Heute, nach zwei Erzählbänden und seinem Debut-Roman „Militärmusik“ ist er der Shooting Star in der jungen deutschen Literaturszene: Regelmäßig schreibt das 34jährige Multitalent für FAZ und TAZ Kolumnen, moderiert beim SFB eine eigene Sendung und veranstaltet im Kaffee Burger am Prenzlauer Berg seine mittlerweile schon legendäre „Russendisco“. „Russendisco“ hieß auch Vladimir Kaminers erster Erzählband, in dem er, der 1990 aus Moskau nach Deutschland übergesiedelt war, ganz ohneRead More

Posted On Februar 26, 2004 By In Bücher, Litmag

Michael Roes im Porträt

Ein (Werk-) Porträt des Michael Roes Roman ohne Ufer Kaum ein deutscher Autor nutzt den Roman gegenwärtig so intensiv als Gattung unbeschränkter Möglichkeiten wie der 1960 geborene Michael Roes. Statt eines linearen Plots mit stetig steigendem Spannungsbogen und der fesselnden Illusion des Tatsächlichen finden wir bei ihm den Schnitt, die irritierende Leerstelle und ein wahres Feuerwerk der Perspektiven und Diskurse – Ethnologischer Forschungsbericht, (Trans-) Gender Studies, Dokument, Literaturkritik und reflexive Selbsterforschung gehen hier eine faszinierende Verbindung mit Elementen des Abenteuerromans und actionreichen „hard boiled“-Passagen ein. Michael Roes macht es demRead More
Psycho-Thriller mit Tiefgang Radikaler konnte der Schauplatzwechsel kaum ausfallen: Aus dem prollig-psychedelischen Frankfurt der späten 70er Jahre, in dem sich sein Debut „Das Schwarzlicht-Terrarium“ abspielte, versetzt uns Thor Kunkel in seinem zweiten Roman in das sonnige und „Alooah“-fröhliche Hawaii der steril-stillstehenden 90er. Hanny und Richard haben es geschafft: Sie haben Geld, ein dickes Auto, gesellschaftliche Anerkennung und ein Ferienhaus auf Hawaii: „Irgendwann würden sie ganz nach Makena ziehen und ihren Lebensabend am Rande des Pazifiks verdämmern. Sorgen- und schuldenfrei… Alles wäre perfekt.“ Doch als Hanny diesmal in „Porters Paradise“ eintrifft,Read More