„Wir stehen in einer von Reich-Ranicki korrumpierten Zeit“ Ein Gespräch mit Michael Roes über das Schreiben und Filmen, über Auflösung und Vereinsamung sowie das „Diktat der Ökonomie“ Karsten Herrmann: Zunächst ganz elementar: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen oder anders gefragt: was ist bei Ihnen der ausschlaggebende Impuls zum Schreiben? Michael Roes: Ich bin eigentlich gar nicht zum Schreiben gekommen, denn ich habe immer geschrieben. Eine zeitlang habe ich es geheim gehalten, weil ich eher aus einem kleinbürgerlichen Milieu stamme, wo das Schreiben und jede künstlerische oder intellektuelle Tätigkeit ein
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Ein exquisites Schelmenstück Das Buch war eine Sensation – und ein Riesenschwindel, ein ungeheures Fake, das bis heute für zündenden Diskussionsstoff sorgt. Max Aub hatte die Biographie von A-Z erfunden und einen avantgardistischen Coup sondergleichen gelandet. Ihm ist es, wie Mercedes Figueras in ihren Nachwort schreibt, „gelungen, mit dem Wort die Wirklichkeit umzuwerten und damit eines, wenn nicht das große Grundthema der modernen Kunst auf eine neue, überraschende Weise in Szene zu setzen: die Spannung zwischen Fiktion und Realität.“ 1960 erschien in Paris ein Buch, das die Feuilletons der Welt
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Vom Wahnsinn der Normalität Von Seite zu Seite und bis an den Rand des Erträglichen verdichtet Rick Moody in „Ein amerikanisches Wochenende“ eine lähmende und morbide Familienatmosphäre. Hex Raitliffe ist ein typischer Versager: ein stotterndes Muttersöhnchen voller Komplexe, ohne Erfolg im Beruf, halbwegs impotent und latent alkoholabhängig. Plötzlich wird er von seiner schwerkranken und hilflosen Mutter aus New York in die trostlose Normalität eines Kaffs an der Küste von Connecticut zurückgerufen. Für Hex ist es auch eine Rückkehr in die alte Heimat: „Die Vergangenheit verdichtet sich um ihn … seine
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Müder Abklatsch In Toby Litts Erstling ist trotz Anrufung aller Heroen von Rimbaud bis Ginsberg rein gar nichts mehr vom verzehrenden Feuer der Beats übriggeblieben. 1957 setzte Jack Kerouac mit seinem atemlos dahingehämmerten „On the road“ einen Mythos in die Welt, von dem noch viele Generationen nach ihm zehren sollten: Ein rauschhaft-literarisches „Beat“-Leben voller Tempo, Jazz, Drogen und Sex. Vier Jahrzehnte später führt Toby Litt diesen Mythos in seinem Erstling „Unterwegs mit Jack“ an ein klägliches Ende: Im englischen Bedford versuchen sich „Jack“, „Neal“ und das „Chick“ Meggie an einer
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Keine Wahrheiten mehr Der 1996 kurz nach der Fertigstellung von „Abspann“ verstorbene Steve Tesich hat mit Saul Karoo einen grandiosen Anti-Helden geschaffen, der zu den virtuosesten und luzidesten Zynikern der Literaturgeschichte zählen dürfte. Saul Karoo ist ein übergewichtiger, kettenrauchender Alkoholiker und in einem „Alter, in dem alles kaputtgeht“ – von den letzten Illusionen über die Ehe bis zur Prostata. Doch das alles wäre nur halb so schlimm, hätte er nicht zu allem Überfluß auch noch eine merkwürdige Alkohol-Immunität entwickelt: Je mehr Bloody Maries, Gin Tonics und Champagner Saul Karoo wahllos
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