Spiel mit doppeltem Boden Schon vom ersten Satz an summt Martin Suters traumhaft sicherer und kristallklarer Ton betörend in den Ohren und zieht den Leser in einen weiteren atmosphärisch dichten Psychothriller des Schweizer Erfolgsautoren hinein. Martin Suters Protagonist ist dieses Mal ein 23-jähriger Kellner namens David Kern. Er arbeitet in einer von trendy (Pseudo-) Schriftstellern, Art Directors, Architekten und Künstlern bevölkerten Retro-Lounge-Bar und lebt recht antriebslos in eine unbestimmte Zukunft hinein – bis er bei einem Trödler ein altes Nachttischchen kauft, das sein Leben radikal verändert. In der verklemmten Schublade
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Witziger Egotrip Dass der Bochumer Kabarettist und Autor Frank Goosen nach gerade einmal zwei Romanen im vergangenen Jahr mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet geehrt wurde, hat auch ihn selbst überrascht. Schließlich sieht er sein literarisches Schaffen mit Stolz als „Unterhaltungsliteratur“ – und dies erfüllt er auch in seinem neuen Buch im besten Sinne. Doch Goosens literarische Karriere scheint voll von Überraschungen zu sein. So war zwar nach dem Ende des überaus erfolgreichen Vortragsduos „Tresenlesen“ zu erwarten, dass ein eingeschworener Fankreis das geschriebene Wort Goosens begierig aufnehmen würde, doch dass Liegen lernen
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Dr. Mabuse lebt Verschwörungstheorien und Terrorszenarios haben seit den Anschlägen vom 11. September Hochkonjunktur und finden zunehmend auch in der Literatur Widerhall. David Zeman liefert in seinem Debüt „Das Pinocchio-Syndrom“ dafür ein hochbrisantes, wenn auch literarisch nicht gerade überzeugendes Beispiel. Schon der Prolog ist ein Paukenschlag: Ein Kreuzfahrtschiff voller hochbegabter amerikanischer Jugendlicher wird von einer Rakete mit Atomsprengkopf vernichtet. Kurze Zeit später bricht eine rätselhafte Krankheit aus, bei der die Betroffenen wie zu Stein erstarren und nach monatelanger Leidenszeit versterben. Der amerikanische Vizepräsident ist eines der ersten Opfer. Alles deutet
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Warten auf den Wahnsinn In naher Verwandtschaft zu Don DeLillo zeigt Costello uns eine paranoische Gesellschaft, die auf Kontrolle fixiert ist und die, um diese aufrecht zu erhalten, groteske Sicherheitssysteme aufbaut und in einem zerreißenden Zustand ständiger Bereitschaft lebt – ein in sich kreiselndes Paradox. Beschaulich und mit einem leicht skurrilen Touch lässt Mark Costello seinen Böses ahnen lassenden Roman „Paranoia“ einsetzen: In Center Effing, einem kleinen Kaff an der Küste New Hampshires, umgeben von Salzwiesen und einem Air-Force-Stützpunkt, lebt zu Carters Zeiten die Familie Asplund. Vater Walter ist ein
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Dialektik von Markt und Qualität „Blue Note. Die Biographie“ ist ein zentrales Stück Jazzgeschichte, also Musikgeschichte, also Kunstgeschichte, also Geistesgeschichte, also Zeitgeschichte. Man kann nie genug lernen. Selbst wenn man sich nun seit ungefähr 30 Jahren intensiv mit Jazz beschäftigt hat und glaubte, gerade über Blue Note Records, über die beiden Berliner Emigranten Alfred Lion und Frank Wolff, über den genialen Tonmeister Rudy Van Gelder und den Designer Miles K. Reid so ziemlich alles irgendwann mal mitgekriegt zu haben, ja, selbst dann ist die Lektüre von „Blue Note. Die Biographie“
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