Posted On April 22, 2004 By In Bücher, Litmag

Irvine Welsh: Klebstoff

Vital, vielstimmig und laut „Trainspotting“-Autor Irvine Welsh entwirft das Gesellschaftspanorama eines schottischen Vorstadtghettos. Wer den schottischen Schriftsteller Irvine Welsh schon einmal live erlebt hat, der weiß: dieser kräftige, glatzköpfige Mann mit dem verschmitzten Grinsen ist kein Autor, der Bücher schreibt, um Botschaften zu verbreiten oder sich in Milieus reinrecherchiert, um gesellschaftspolitische Thesen zu illustrieren. Dieser Mann schreibt, um zu schreiben, aus Leidenschaft, um in seinen Texten zu leben und sein Leben in Sprache zu fassen. Wenn er vorliest, taucht er in seine Texte ein, so tief, dass er mit seinenRead More
Die spöttischen Heuchler Stellenweise gut – Frédéric Beigbeders Jugendroman. Wer „39,90“, Frédéric Beigbeders Feldzug gegen die Werbebranche, gelesen hat, kennt ihn schon. Wer nicht, wird ihn kennenlernen: Marc Marronnier, den koksenden Creative-Director, den versnobt-arroganten Erfolgsmenschen, „den Typen, der Sie von Sachen träumen lässt, die Sie nie haben werden: Immerblauer Himmel, nie flaue Frauen, perfektes Glück, photoshop-retuschiert, der heute die Modells castet, von denen Sie morgen einen Ständer kriegen.“ Steht er in „39,90“ bereits mitten im Leben (bzw. am Abgrund des Zynismus), bekommt er im gerade in Deutschland erschienenen „Memoiren einesRead More
Wenn Babys sprechen könnten „Metaphysik der Röhren“ wird zu einer genussvollen Lektüre, sobald man die auf den ersten Seiten etwas mühsam entwickelte Grundidee geschluckt hat. Amélie Nothombs absurde „Autobiographie“ der frühsten Kindheit. Was denkt ein Kind in jener Phase des Lebens, an die man sich später nicht mehr erinnern kann? Wie erlernt ein Mensch die Sprache? Wie sieht sie aus, die Welt eines 0 bis 3-jährigen Kindes? Bestimmt nicht so, wie Amélie Nothomb, Meisterin der außergewöhnlichen Perspektive, sie in „Metaphysik der Röhren“ beschreibt. Denn diese fiktive „Autobiographie“ der Jahre NullRead More

Posted On April 19, 2004 By In Bücher, Litmag

Scott Snyder: Happy Fish

Poesie des Absturzes Schön, traurig, komisch, zärtlich und brutal – die Stories des jungen Amerikaners Scott Snyder sind von funkelnden Gegensätzen durchzogen und schlagen den Leser in ihren eigenwilligen Bann. Lakonisch erzählt Scott Snyder in seinem bemerkenswerten Debut acht Geschichten von skurrilen Helden, die immer in Gefahr sind, sich zum Narren zu machen oder die Kontrolle zu verlieren. Sie sind geschlagen mit einer unglücklichen Liebe, haben den „Eindruck nicht an der richtigen Stelle zu sein“ und stehen immer etwas abseits des Erfolgs. Das Glück ist für sie nur ein vagesRead More
Auf der Höhe der Zeit, mit dem Sinn fürs Wesentliche Ray Lorigas Roman ist überraschend, plastisch und kraftvoll. „Man kann ja nicht sein ganzes Dasein damit verbringen, seiner Mutter keine Schwierigkeiten zu machen“ – und Elder Bastidas versucht das auch gar nicht. Die meisten Dinge sind ihm egal, den Rest hasst er und die wenigen Sachen, die er mag, sind Boxen, Fußball und Massenmörder. Er ist Mitte Zwanzig und erledigt – trotz guter Ausbildung auf teuren Schulen – Jobs, „die ein Stück Käse verrichten könnte ohne sich intellektuell zu verausgaben“.Read More