Stiefdeutschland, Stiefvaterland Ein Nachruf auf Wolfgang Bächler. Eigentlich war er ja schon seit gut acht Jahren tot. 1999 hatte ihn die ‚Süddeutschen Zeitung‘ mal so in einem Nebensatz zu den verstorbenen Münchner Dichtern gezählt. Gewiss ein journalistischer Faux Pas, aber es entsprach doch irgendwie auch der Wirklichkeit. Für den Literaturbetrieb und seinen tagesjournalistischen Begleittross war Bächler längst eine Figur aus der Vergangenheit. Zwar lebte Wolfgang Bächler damals noch und hätten die flüchtigen Feuilletonisten einmal die Augen aufgemacht auf ihrem Weg über den Viktualienmarkt, hätten sie ihn vielleicht sogar hin undRead More
Jetzt also Kapuscinski Vor Jahr und Tag geistert einmal eine gespenstische Nachricht durch den feuilletonistischen Hühnerhaufen der Republik. Da war irgendeinem diensthabenden Redakteur der taz von irgendeiner Quelle eine heiße Nachricht zugespielt worden. Ein in linksliberalen Kreisen der damals noch westdeutschen Kulturszene geschätzter Übersetzer sei in jugendlichen Jahren alles andere als ein Anti-Faschist gewesen. Er habe weit von Deutschland entfernt am anderen Ende der Welt den ‚Homme des Lettres’ gespielt, sei aber in Wirklichkeit ein Nazi-Spion gewesen. Nichts genaues wußte man zwar nicht, aber das Gerücht war in der WeltRead More
Cool, wild und poetisch Mit seinem neuen Roman „Du liebst mich, du liebst mich nicht“ legt Jonathan Lethem ein kleines funkelndes Meisterstück vor und unterstreicht einmal mehr seine Stellung als einer der wichtigsten und vielfältigsten amerikanischen Gegenwartsautoren. Im Zentrum von Lethems typischem Anti-Helden-Kosmos steht Lucinda, die in Los Angeles bei einer als Kunst-Performance aufgezogenen „Nörgel-Hotline“ arbeitet und in einer Independent-Rockband ohne Namen den Bass spielt. Sie und ihre Band-Mitglieder sind „bald dreißig und haben nichts auf die Reihe gekriegt“, schlagen sich durchs Leben und leben für ihre Musik. Lethem stößtRead More
Und das war`s dann Die Lebenserinnerungen von Tiziano Terzani. Von Carl Wilhelm Macke Ein ganz in weiß gekleideter älterer Herr mit ebenso weißen langen Haaren, die übergehen in einen grauen Bart. Mit gekreuzten Beinen auf einer Matraze sitzend und liebevoll spielend mit einem kleinen Kind. Dazu dann ein vieldeutiger, irgendwie buddhistisch klingender Titel „Das Ende ist mein Anfang“. So ganz unrecht wird jene unbekannte Frau wohl nicht haben, die mich vor der Lektüre dieses letzten Buches von Tiziano Terzani per e-mail warnte. Ein schlimmer Guru sei er und dazu auchRead More
Rache fürs Leben Thomas Raab sucht in verstaubten Schulgebäuden und verschneiten Landschaften nach den Spuren längst vergangener Racheakte. Von Jörg von Bilavsky Wer denkt schon gern an seine Schulzeit zurück? Streber und Faulenzer vielleicht. Wer als Außenseiter immer verspottet und verprügelt wurde, denkt an diesen Lebensabschnitt wohl seltener gern zurück. Aber was tun, wenn einen die Vergangenheit so plötzlich einholt wie Willibald Adrian Metzger, der im ersten Krimi des Österreichers Thomas Raab eine grandiose Hauptrolle spielt. Der Metzger, der eigentlich Restaurator ist, stolpert nämlich mitten in der Nacht über dieRead More