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Posted On November 26, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Giacomo Cacciatore: Der Sohn

Das unsichtbare Böse Cacciatores Prosa ist von höchster Sinnlichkeit und steckt voller Gerüche, Bilder und unverbrauchter Metaphern. Es ist 1978, kurz vor der Fußball-WM im heruntergekommenen Palermo: Der zehnjährige Giovanni fährt mit seinem Vater durch die Viertel, besucht Geschäfte mit ihm und trifft seine Freunde in Cafés. Er träumt von dem gerade gesehenen Fernseher, der die Welt in Farben explodieren lässt. Kurze Zeit später steht ein solches Wunderding im Wohnzimmer der Familie – ohne Bezahlung. Der Vater, der Polizist, ist Mitglied der Familie und sein Wahlspruch lautet: „Wenn man dasRead More

Posted On November 22, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Greenpeace Magazin (Hrsg.): Das NGO-Handbuch

Alles Aktion Mit Klagen und Jammern kann man die Welt nicht verbessern. Man benötigt dazu auch gut sortierte Adressenlisten wie sie vorbildlich in einem Handbuch von ‚Greenpeace’ präsentiert werden. Wichtigstes Utensil eines Klempners ist ein gut sortierter Handwerkskasten. Ein Politiker muß nicht immer mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen, aber er sollte es schon in seinem Büro stehen haben. Und wer sich in „NGO’s“, zu Deutsch, in ‚Nicht-Regierungs-Organisationen’ engagiert, sollte in Zukunft das „NGO-Handbuch“ von ‚Greenpeace“ stets in seiner Nähe haben. Zur Veränderung der Welt, so ein Credo allerRead More

Posted On November 22, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Hanjo Kesting: Begegungen mit Hans Mayer

Europäer, Weltbürger und ein Deutscher auf Widerruf Die Erinnerungen eines großen Hörfunkjournalisten an seinen Lehrer und Mentor Hans Mayer als ein Dokument einer im Verschwinden begriffenen deutschen Bildungswelt. Jüngst hat die Bayerische Akademie der Schönen Künste dem Schriftsteller Yves Bonnefoy und dem Übersetzer Friedhelm Kemp, zwei großen ‚Alten’ der deutschen wie der französischen Literatur, den „Horst-Bienek-Preis“ für Lyrik zuerkannt. Beide seien, so hieß es in der Begründung „Leuchttürme aus vom Verschwinden bedrohten Bildungswelten“. Auch der nüchtern aufgemachte Band mit Texten von Hanjo Kesting über den 2001 verstorbenen Germanisten Hans MayerRead More
Nur Lesen ist schöner Pierre Bayard gibt eine gelehrte Anleitung zum gelehrten Nichtlesen Erst einmal: Wer dieses Buch nicht oder nur flüchtig gelesen hat, kann absolut mitreden. Sofern er sich bereits in seinem Titel wiedererkennt. „Wie man über Bücher redet, die man nicht gelesen hat.“ Denn jedem Literaturinteressierten ist dieses Phänomen aus eigener Erfahrung bekannt. Schließlich ist die Zahl der Bücher, die man in seinem kurzen Leben wirklich lesen kann unendlich viel kleiner als das reichhaltige Angebot der Bibliotheken und Verlage. Und jeder Literaturliebhaber wünscht sich ja nichts sehnlicher, alsRead More

Posted On November 15, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Kolumnen und Themen, Litmag

Anläßlich des Briefes von Andrè Gorz an seine Frau

Komm ins Offene, Freund… Gegenwärtig ist das „68er-Bashing“ beliebt und verspricht große Auflagen. Der schmale Band „Brief an D.“ von Andrè Gorz ermutigt aber dazu, auch eine ganz andere Sichtweise auf die ‚sechziger Jahre’ des vergangenen Jahrhunderts zu werfen. Von Carl Wilhelm Macke Soll man diesen schmalen Band, der ohnehin schon als ‚Geheimtipp’ von Mund zu Mund, von Mailbox zu Mailbox gereicht wird, noch einmal besprechen? Soll man die Lektüre eines so intimen und bewegenden Dokuments des Abschieds anderen ans Herz liegen, wo sie es doch ohnehin schon gelesen oderRead More

Posted On November 7, 2007By Joerg AubergIn Bücher, Litmag

E. L. Doctorow: Der Marsch

In seinem Roman Der Marsch zeichnet E. L. Doctorow ein komplexes Panorama des amerikanischen Bürgerkriegs, der eine neue nomadisierende Zivilisation hervorbrachte. Von Jörg AubergRead More

Posted On November 1, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Kwame Anthony Appiah: Der Kosmopolit

Weltbürger sein Sich dem Anderen und Fremden neugierig zu öffnen ist für Appiah nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern immer auch eine intellektuelle Herausforderung. Und es reicht ihm nicht, nur freundlich gegenüber den Armen in aller Welt zu sein. Als die Studenten in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts für das Proletariat und die Weltrevolution auf die Straßen gingen, wünschte sich ein Politikprofessor in Heidelberg nichts sehnlicher als ein Bürger zu sein. Es sei an der Zeit, so schrieb Dolf Sternberger damals, „den Begriff des Bürgers zu rehabilitieren, damit nämlich derRead More

Posted On Oktober 29, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Don DeLillo: Falling Man

Postmoderner Chronist der Zeitenwende(n) Einen Roman über die tausendfach medial in das Bewusstsein eingebrannten Terroranschläge vom 9/11 zu schreiben, ist eine literarische Herausforderung mit vielen Fallstricken und Untiefen – Don DeLillo meistert sie in „Falling Man“ souverän und unterstreicht seine Vorrangstellung in der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Don DeLillo spürt in seinem Roman der durch die Terroranschläge eingeläuteten Zeitenwende nach und zeigt ihre traumatisierenden Auswirkungen auf den einzelnen Menschen, die Familie, die amerikanische Gesellschaft und die globalisierte Welt. Alles wird ab diesem zum Symbol gewordenen Datum an einem „Danach“ gemessen und zugleichRead More

Posted On Oktober 19, 2007By Joerg von BilavskyIn Hörbuch, Litmag

Wolfsmehl: Lola Montez

Erotische Emanze Die alternde Lola Montez trauert in einem klug komponierten Hörspiel ihrem geliebten Bayernkönig Ludwig I. nach. Und wettert im amerikanischen Exil gegen die bieder-patriarchalische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Von örg von Bilavsky Bayern scheint erotische Emanzen mit politischen Ambitionen magisch anzuziehen. Heute die attraktive Landrätin Gabriele Pauli, vor gut 160 Jahren die attraktive Tänzerin Lola Montez. Beide haben es in relativ kurzer Zeit geschafft, den jeweiligen bayerischen Regenten vom Sockel zu stoßen. Lola Montez bezahlte ihren politischen Ehrgeiz mit der Flucht ins Exil. Wohin es Frau Pauli nachRead More

Posted On Oktober 19, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Rossana Rossanda: Die Tochter des 20. Jahrhunderts

Ohne Leidenschaft kein Leben Die Lebenserinnerungen von Rossana Rossanda Wie weit das alles zurückzuliegen scheint. Damals in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als man noch Briefe schrieb, erschien bei Suhrkamp ein Band mit „Stichworten zur geistigen Situation der Zeit.” Und ganz am Schluss des von Jürgen Habermas herausgegebenen Bandes war ein Brief des in jenen Jahren für die „edition suhrkamp” verantwortlichen Lektors Günther Busch veröffentlicht. Busch hatte ihn an die italienische Journalistin Rossana Rossanda adressiert. Die italienische Linke, so schrieb Busch etwas euphorisch an die von ihm geschätzte Rossanda,Read More

Posted On Oktober 8, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher

Jan Costin Wagner: Das Schweigen

„Ein irres Ding“ In seinem mittlerweile dritten Kriminalroman gelingt es Jan Costin Wagner einmal mehr, sublime Hochspannung mit literarischer Ambition und existentiellem Tiefgang zu verbinden und damit eine Ausnahmestellung in diesem Genre einzunehmen. Wie schon den Vorgänger„Eismond“ lässt der abwechselnd in Frankfurt und Finnland lebende deutsche Jungautor seinen neuen Roman auch wieder im finnischen Turku mit den schon vertrauten Ermittlern Joentaa und Ketola spielen. Hier verschwindet 33 Jahre nach einem Mädchenmord an gleicher Stelle und unter ähnlichen Umständen ein weiteres junges Mädchen. Zusammen mit dem gerade in den Ruhestand verabschiedetenRead More

Posted On Oktober 4, 2007By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Piroschka Dossi. HYPE! Kunst und Geld.

Picasso im Portfolio Piroschka Dossi blickt hinter die Kulissen des Kunstmarkts und entdeckt: Das Image eines Kunstwerkes oder Künstlers zählt sich oft mehr aus als seine Qualität Kunst kommt von Können, sagt eine allseits bekannte Redewendung. Seit einigen Jahren sollte man wohl lieber sagen: Die Kunst kommt vom Markt, wird von ihm gesponsert und gesteuert. So sieht es zumindest Piroschka Dossi, die selbst mit einem hochgehandelten Künstler verheiratet ist und jahrelang als Kunstberaterin tätig war. Sie kennt das geheimnisvolle Geflecht aus Sammlern, Händlern und Künstlern, die Mechanismen des boomenden KunstmarktsRead More

Posted On September 30, 2007By Joerg von BilavskyIn Bücher, Crimemag

Charles den Tex: Die Macht des Mr. Miller

Die Macht der Berater Charles den Tex sieht in seinem neuesten Thriller die Welt von Datenklau und virtueller Meinungsmanipulation bedroht. Ein Schreckensszenario mit schrecklichem Happy End. Wer seine Vorurteile pflegt, ahnte es schon immer. Unternehmensberater sind hochintelligente, aber auch skrupellose Gestalten. Doch dass sie es auf mehr als radikale Unternehmenssanierungen abgesehen haben, das ahnten wir nicht. Der niederländische Krimiautor Charles den Tex will uns aber genau das beweisen. Schließlich hat der gebürtige Australier in früheren Jahren auch einmal als Managementberater gearbeitet. Er kennt die Läden, von denen in „Die MachtRead More

Posted On September 30, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ulrich Peltzer: Teil der Lösung

Berlin Sony-Center Ulrich Peltzer ist derzeit einer der spannendsten deutschen Gegenwartsautoren, der sich auf avancierte Weise den rasanten Veränderungen unserer Zeit und der von der Postmoderne konstatierten „Agonie des Realen“ stellt – dies unterstreicht er einmal mehr in seinem neuen Roman „Teil der Lösung“. Ein stetiger Protagonist in Ulrich Peltzers Werken ist Berlin, ist der urbane Raum mit seinen Abermillionen „Codes und Gegencodes“, mit seinen spiegelnden Glasfassaden, Reklamen, Lichtern und Warenzeichen. Doch das seit Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ Literatur gewordene pulsierende und enervierende Großstadtleben wird im neuen Jahrtausend mehr undRead More

Posted On September 20, 2007By Joerg AubergIn Bücher, Litmag

Jörg Magenau: Die taz. Eine Zeitung als Lebensform

Jörg Magenau präsentiert die Geschichte des Zeitungsprojekts taz nicht wie seine Vorgänger Oliver Tolmein und Detlef zum Winkel in ihrer Schmähschrift tazsachen: Krallen zeigen – Pfötchen geben (1989) als Chronologie eines Verrats linker Ideale und Überzeugungen, sondern als Triumph einer „alternativen Bürgerlichkeit“. Von Jörg AubergRead More

Posted On September 18, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Kolumnen und Themen, Litmag

Bleierne Solidarität und Pietas

Ein letztes Mal zur RAF In diesen Tagen koennte man wieder fromm und bibelgläubig werden. Auf allen Kanälen, in allen Feuilletons der Zeitungen wird an den September vor 30 Jahren, an die RAF, an den „deutschen Herbst“ erinnert. Ein Bombardemsent an Worten, Bildern und Zeichen, um an ein Bombardement mit Waffen zu erinnern. Und den besten Kommentar dazu findet man im Matthäus-Evangelium Kapitel 8 Vers 22: „Laß die Toten ihre Toten begraben“. Die Toten der ‚bleiernen Zeit’ sind betrauert und begraben. Wen, außer selbstverständlich den Angehörigen der Opfer und dieRead More

Posted On September 17, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher

James Sallis: Driver

Knallhart und kompromisslos Der amerikanische Drehbuchautor und Kriminalschriftsteller James Sallis kultiviert in „Driver“ eine rabenschwarze Lakonie ohne Hoffnung, ohne Erklärung ohne ein Gefühl zu viel. Autofahren – das ist eigentlich das Einzige was Driver möchte. Als Stuntman oder als Fluchtfahrer bei Raubüberfällen lebt er in Los Angeles immer „ein oder zwei Schritte außerhalb der normalen Welt, weitgehend verborgen“. Doch dann geht bei einem getürkten Raubüberfall alles schief und Driver sitzt mit einer halben Million Dollar und ein paar Leichen zuviel in einem schäbigen Motelzimmer. Das Geld ist Driver schnuppe. DochRead More

Posted On September 12, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Kolumnen und Themen, Litmag

Zum 40. Todestag von Varian Fry am 13. September 2007

Es gibt Wege Varian Fry, obwohl in den öffentlichen Debatten kaum noch präsent, ist in den Netzwerken der ‚Civil Globalisation’ immer noch als ein Vorbild lebendig. Marseille, August 1940. In einem Zimmer des „Hotel Splendide“, unweit des Hafens. Hans Sahl, der vor den Nazis ins französische Exil geflüchtete deutsche Schriftsteller, steht Varian Fry gegenüber, der im Auftrag des „American Emergency Rescue Committees“ versuchen soll, möglichst vielen antifaschistischen Flüchtlingen zu helfen. Hans Sahl erhält von Fry einige Geldscheine zum Überleben. „Wenn Sie mehr brauchen, kommen sie wieder. Inzwischen werde ich Ihren Namen nachRead More
Die Banalität des Alltags Der Roman „Das Zebra hat schwarze Streifen, damit man die weißen besser sieht“ erzählt die Lebensgeschichte einer Frau auf ungewöhnliche und originelle Weise. Allein für den Titel müsste man diesen Debütroman eigentlich schon lieben. Johanna Straub, 1970 in Hamburg geboren, lebt seit einigen Jahren als Schriftstellerin und Filmemacherin in Berlin, für die Kurzgeschichte Evolution erhielt sie 2005 den Debütpreis des Poetenladens. Großartig gelungen ist ihr in ihrem Roman vor allem das erste Kapitel. Bernd, Philippas zukünftiger Vater, wird auf dem Weg zur Entbindung von dem GefühlRead More

Posted On August 27, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher

Bruno Morchio: Kalter Wind in Genua

Herz und Härte Bruno Morchio hat mit Bacci Pagano einen illustren Typen geschaffen, der seine Wurzeln in den Utopien der 68er hat, Klassik und Kulinarisches liebt, Herz und Härte in sich vereint sowie einen gesunden Realismus pflegt. Mit Bacci Pagano bekommt die Riege der mediterranen Schnüffler und Privatdetektive von Pepe Carvalho über Fabio Montale bis zu Proteo Laurenti Nachwuchs. Paganos Revier ist die Altstadt Genuas, wo sich „das enge Netz der Carruggis ausbreitet, der schmalen Gassen, wo die Sonne nur zu Mittag vorsichtig hineinlugt.“ Hier ist er mit seiner rotenRead More

Posted On August 23, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Kolumnen und Themen

Blood sells

Camorra, Gomorra und die Medien Im November 2005 gingen tausende von Jugendlichen im calabresischen Locri gegen die Mafia auf die Strasse. „Für den Frieden, für die Legalität und für die Hoffnungen“ lautete der Slogan auf dieser Demonstration des verzweifelten Widerstands gegen die kriminelle Gewalt. Nichts erfuhr man davon in den deutschen Medien. Es gab eben kein Blut und keine Schüsse. Wen interessieren schon Hoffnungen? Von Carl Wilhelm Macke Mal wieder die Mafia. Als „strage di Ferragosto“ wird inzwischen in den italienischen Medien die Ermordung von sechs Italienern vor einer PizzeriaRead More

Posted On August 20, 2007By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Emma Braslavsky: Aus dem Sinn

Vorwärts in die Vergangenheit Emma Braslavskis Roman ist äußerst vielschichtig, vor allem im Umgang mit dem stets von einem Hauch des Revisionismus umgebenen Thema Vertreibung. Ein Werk des Teufels – so urteilt der Erfurter Pfarrer, als 1969 die Domuhr explodiert und von den Ziffern ausgerechnet die Sieben verschwunden ist. Ein offenbar verwirrter junger Mann, barfuss und ohne Papiere, wird in der Nähe aufgefunden, doch ein Verhör erweist sich als vollkommen sinnlos. Der phantastisch anmutende Beginn des Debütromans der 1971 in Erfurt geborenen Emma Braslavski weckt Assoziationen zum Science Fiction-Klassiker ZurückRead More

Posted On August 12, 2007By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Sigrid Behrens: Diskrete Momente

Theater im Kopf Sigrid Behrens bezeichnet sich bescheiden selbst als “Küken” inmitten der altehrwürdigen Autorengilde des Hanser-Verlages, doch mit diesem Debüt braucht sie sich hinter so mancher breiten Altautorenschulter nicht zu verstecken. Wenn man nachts durch die Straßen geht und der Blick auf ein beleuchtetes Fenster fällt, dann gibt es wohl kaum jemanden, der nicht versucht, einen kleinen Einblick zu erhalten in das, was sich dahinter verbirg – fremde Möbel, fremde Gegenstände, fremde Menschen, fremde Leben. Und wer hat sie sich nicht schon einmal ausgemalt, diese fremden Leben, die inRead More

Posted On August 9, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Lyrik

Haris Vlavianos: Nach dem Ende der Schönheit

Noch nicht verloren Eine Entdeckung: die Gedichte des Haris Vlavianos Griechische Dichter – da fallen einem zunächst Namen wie Konstantinos Kavafis, Jorgos Seferis, Odysseas Elytis, auch Jannis Ritsos ein. In den Jahrzehnten nach ihnen haben auch andere griechische Dichter von großem Rang wunderbare Gedichte geschrieben, aber ihre Namen sind in Deutschland kaum bekannt geworden. Die letzte Anthologie „Griechische Lyrik des 20. Jahrhunderts“ ( im Insel-Verlag ) wurde im Jahre 2001 herausgegeben. Dann aber hörten und lasen wir kein neues griechisches Gedicht mehr. Jetzt ist in der so wohltuend schlichten, gleichwohlRead More

Posted On August 9, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Allgemein, Kolumnen und Themen

Viva il morto!

Ein Lob auf die italienische ‚Nekrologie’ Von Carl Wilhelm Macke Scheinbar ist das Urteil eindeutig: die italienischen Medien sind verkommen, verrottet, korrupt und gehören sowieso alle Berlusconi. Über die Qualität des italienischen Fernsehens kann man sich tatsächlich kaum noch streiten. Die staatliche RAI, wenn auch nicht, wie in Deutschland oft einfach behauptet wird, zum Berlusconi-Konzern gehörend, hat sich dem Niveau der Privatsender in fast allen Sendeprogrammen erschreckend angenähert. Wer die Nachrichtensendungen („Telegiornale“) verfolgen will, muß sich auf eine wirre Bilderjagd einstellen, deren Zusammenhänge niemand versteht. Und es werden unentwegt dieselbenRead More

Posted On August 6, 2007By Carl Wilhelm MackeIn Kolumnen und Themen, Litmag

Zum Tode von Raul Hilberg

Täter, Opfer, Zuschauer Wir, die nach Kriegs- und Faschismusende Geborenen, verdanken den Arbeiten des amerikanischen Historikers Raul Hilberg sehr viel. Von C.W. Macke Als im Jahr 1950 die von den Nationalsozialisten aus Deutschland in die Vereinigten Staaten vertriebene Philosophin Hannah Arendt zum ersten Mal nach dem Krieg wieder mit Europa, ihrer alten Heimat konfrontiert wurde, notierte sie in ihr Reisetagebuch: „Nirgends wird dieser Alptraum von Zerstörung und Schrecken weniger verspürt und nirgendwo wird weniger darüber gesprochen als in Deutschland. Überall fällt einem auf, daß es keine Reaktion auf das GescheheneRead More