Neues aus dem Minutiösitätenkabinett – Bruno Arich-Gerz über Ralf Friedrichs‘ „The Lesson Today“ und das zeitdeckende Erzählen über besondere Tage. „Es ist 19:41 Uhr deutscher Zeit, als Freddie Mercury sich an ein bereitstehendes Klavier setzt und ein, zwei Töne anspielt, ein wenig am Verstärker einstellt und dann die ersten erkennbaren Laute erklingen lässt. Das Publikum in Wembley jubelt, hinter mir raunt man nur ‚Bohemian Rhapsody‘ … ‘Mama, life had just begun, but now I’ve gone and thrown it all away’. Das folgende ‚Mamaaaa, uhuhuhuhuuuu‘ wird nicht nur von den Zuschauern
Read More Abkühlung im unterirdischen Papierwald – Ein Augustbesuch im Literaturmuseum der Moderne in Marbach. Von Senta Wagner. Im Jahr 2006 hat die Literatur ihr Museum bekommen. Dazu wurden die Archivkästen des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA) geöffnet und schlagartig wurde aus mancher Archivalie ein Museumsstück. Vermutlich haben diese in ihrem Archivschlummer nicht unbedingt darauf gewartet, für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden, so wie es mit den Werken anderer Künste geschieht. Ein Gemälde hängt im Museum. Aber es ist ein besonderes Glück, dass sie nun gezeigt werden. Die Schillerhöhe in Marbach
Read More Posted On August 22, 2012By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Ein literarischer Homerun – Mit seinem Debüt „Die Kunst des Feldspiels“ legt Chad Harbach einen wunderbaren Baseball- und College-Roman im Stil einer klassischen Great American Novel vor, der das Zeug zum Bestseller besitzt. Von Karsten Herrmann Chad Harbachs Protagonist ist der junge Henry Skrimshander – ein schmächtiger, unscheinbarer Junge aus der Provinz, der sich als schlummerndes Baseballtalent mit einer magischen Fang- und Wurfhand entpuppt: „Selbst bei Höchstgeschwindigkeit sah er uninteressiert, beinahe gelangweilt aus, wie ein Virtuose, der Tonleitern übt.“ Henrys Gewährsmann ist der legendäre Shortstop Aparicio Rodriguez, dessen zerlesenes und vom
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne, 1 Jahr lang: Ab Juni erscheint bei CULTurMAG wöchentlich für ein Jahr Michael Zellers SEH-REISE in zweiundfünfzig Ausfahrten, ein „Tagebuch in Bildern”: Betrachtungen zu Kunst und Leben, von den ägyptischen Pharaonen über die griechisch-römische Antike und das Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. Heute: „Tierarzt Reindl in der Laube” von Wilhelm Leibl. (Alle Folgen hier). Neunte Ausfahrt Viel vermag die Zeit. Doch, gottlob: Sie kann nicht alles. Vielleicht die größte Chance von uns Menschen. Die einzige? Diesmal hat die wöchentlich erneuerte Kunstkarte über meinem
Read More Posted On August 22, 2012By Judith Momo HenkeIn Bücher, Litmag
Entschuldigung, mögen Sie Sackleinen? Können Sie sich vorstellen, einen Roman in Fragen zu lesen? Kann ein solcher Text tatsächlich ein Roman sein und nicht nur ein über 180 Seiten reichender Fragenkatalog, dem ein findiger Autor den Stempel „Roman“ verpasst hat? Was ist eigentlich ein Roman? Können Sie ayurvedisch definieren? Fragen Sie sich gerade, wie um Himmels willen ein Roman in Fragen funktionieren soll oder interessiert Sie vielmehr, ob man die Fragen als Leser beantworten muss? Passiert etwas in Ihrem Kopf, wenn Sie eine Reihe von Fragen lesen, selbst wenn Sie
Read More Das Leben ist nicht anderswo – Andrej Kurkow reist mit „Der Gärtner von Otschakow“ in die sowjetische Vergangenheit. Immer wieder gibt die Ukraine Anlass zur Aufregung. Sei es durch den Hungerstreik von Ex-Premier Julia Timoschenko, einem drohenden Boykott „unserer“ Elf bei der dortigen Fußball-EM oder einfach nur durch einen weiteren Sieg der ukrainischen Boxer Klitschko und Klitschko. Andrej Kurkow hingegen berichtet von einem ganz anderen, einem unpolitischen, auch eher nicht-sportlichen Leben – dem der jungen Autoren in Kiew, das sich nicht so sehr von dem unterscheidet, das junge Hedonisten in
Read More Reisender 1 bild / 100 worte Reisender, betrittst du den interstellaren Raum, sende uns Kunde von einer Zone jenseits des Primats unserer Sonne, aus deinem von Plutonium 238 angetriebenen Gefährt, ein Stoff nebenbei, der uns gerade ausgeht. Zu teuer in der Herstellung! so die Amis. Auch die russischen Vorräte werden langsam knapp. Und das, obwohl die Russen den Stoff gar nicht brauchen, wo sie doch ihre Raumfahrt in Metro-Stollen zusammenreimen lassen, von eingelagerten und zwangsverpflichteten Großdichtern. Kein schöner Zustand, aber was ist die Alternative? Jedes Mal wenn ein Russe sich
Read More Der Schneider sagt: Es kommt der Mai, man muß jetzt alles anders nähen, ja, ja, so sage ich zu ihm, man muß jetzt alles anders sehen. Die Perlenschnur wird neu gemacht, die Schere schneidet in den Haaren, man möchte in ein andres Land, zum Beispiel durch Grusinien fahren. Aus: Russische Lyrik im 20. Jahrhundert Ausg. und übertragen von Kay Borowsky. Tübingen: Heliopolis 1991 Bella (Isabella) Achatowna Achmadulina wurde am 10. April 1937 (in den Zeiten des schlimmsten Stalinismus) in Moskau geboren und starb, in Deutschland nur wenig beachtet, Ende November
Read More Posted On August 22, 2012By Ronald KleinIn Musikmag
Der Titel des Albums erscheint wenig originell, wenn auch programmatisch. Man kennt ihn von der Resteverwertung bei 2Pac, beispielsweise. Doch genau dies ist nicht der Fall bei der Kölner Band Can, die neben Kraftwerk, Scorpions und den Einstürzenden Neubauten lange Zeit als der größte deutsche Exportschlager galt. Von Ronald Klein
Read More Posted On August 22, 2012By Tina ManskeIn Musikmag
Weia: Ein Musiker, der auch Mathematik und Physik studiert hat und jetzt jazzt – da bekommen viele in vorauseilendem Gehorsam das kalte Grausen. Das muss doch kompliziert sein, jammern sie dann, und dass das bestimmt viel zu ‚verkopft‘ ist und überhaupt – grooven kann das ja wohl überhaupt nicht. Dann wenden sie sich wieder irgendeiner Hipsterband zu und hüpfen zum 1-2-3-4-Einheitsbrei. Ja, sollen sie. Von Tina Manske
Read More Posted On August 22, 2012By Die RedaktionIn Musikmag
Neue Platten von und mit H2O, Holly Cole, Foals, Adrian Sherwood, Barbara Morgenstern, Eleni Mandell sowie Remixes bekannter Electro-Hits, gehört von Ronald Klein (RK), Tina Manske (TM) und Christina Mohr (MO).
Read More CrimeMag schaut hin und wieder auch rüber zu den Nachbar-Genres in allen medialen Darreichungsformen – schon gar, wenn ein neuer Film von Ridley Scott gerade in die Kinos kommt. Markus Pohlmeyer hat „Prometheus“ gesehen … Prometheus: der neue Alien-Film von Ridley Scott. Ein Essay von Markus Pohlmeyer „Hier sitz’ ich, forme Menschen Nach meinem Bilde, Ein Geschlecht, das mir gleich sei, Zu leiden, weinen, Genießen und zu freuen sich, Und dein nicht zu achten, Wie ich.“ (J. W. v. Goethe: Prometheus, in: Ders.: Werke, Bd. 1: Gedichte und Epen I,
Read More Posted On August 18, 2012By Die RedaktionIn Crimemag
Liebes CrimeMag-Publikum, hin und wieder ist es sinnvoll, sich auch andere Genres anzusehen, zum Beispiel die Science-Fiction, zu der die Kriminalliteratur sowieso ein spezielles Verhältnis hat. Der neue Film von Ridley Scott, „Prometheus“, ist für Markus Pohlmeyer ein guter Grund, über populäre Mythen essaystisch nachzudenken. Der arme Carlos – hatte er doch endlich den ultimativen Plot für den ultimativen Krimi-Bestseller, doch dann geriet er an einen übellaunigen Verlag, aber lesen Sie selbst … Zu Ende geht heute mit dem dritten Teil leider „The Cannibal of Pang Yang“ – die wunderbare
Read More Carlos hat ein Exposé in die schöne, bunte Medienwelt entlassen, eigentlich mit allem, was ein knuffiger Bestseller so braucht. Neben einem Verlag, natürlich … Seien Sie Programmchef, urteilen Sie selbst … Herbert … … wühlt sich verzweifelt durch die sieben Reifröcke seiner Gouvernante, die derweil hysterisch kichert. Bis auf einen toten Siebenschläfer ist da gar nichts und frustriert beschließt er, dass es der Demütigungen genug sei. Mit einem kompletten Wirtshaustresen erschlägt er die Wehrlose, freilich ist sein Blutdurst nun erst so richtig entfacht. Hatte sein Bruder ihn früher nicht immer
Read More Posted On August 18, 2012By Thomas AdcockIn Crimemag
The Cannibal of Pang Yang by Thomas Adcock Copyright © 2012 Thomas Adcock Teil 3 IX. Inaugural edition of Noah Palmer’s pre-employment series of self-published reports, in which the young artist of purple prose plays herald for Ulster County and the world beyond in breaking first news of—— The Cannibal of Pang Yang! C A Horrible & Revolting Murder! B Butchery Most Foul! Mountain Fiend Cooks & Consumes his Kill! • By Noah Palmer • PANG YANG, N.Y. (15 January 1902)——A fiend in human form by the
Read More Kanun und Weltpolitik – Kaum eine Zeit, kaum ein Ort ist von der Welle historischer Kriminalromane verschont, schließlich lassen sich aus den möglichen Kombinationen beider Parameter eine Menge Schmöker generieren. Diesmal also Albanien, 1924. Das ist ziemlich special, das gab es noch nicht. Allerdings ist der Roman der auf Deutsch schreibenden Albanerin Anila Wilms auch kein normaler Historienkrimi, sondern nicht nur wegen seines Titels „Das albanische Öl oder Mord auf der Straße des Nordens“ ein sehr ungewöhnlicher Roman. Thomas Wörtche hat ihn gelesen … Am Anfang hat man den Eindruck,
Read More Posted On August 18, 2012By Anne KuhlmeyerIn Crimemag
Leichen aus dem Himmel – Zürich, anders als üblich gesehen, Regionalität als positiver Faktor – die Romane von Sunil Mann sind unterschätzt. Den neuesten, „Uferwechsel“, hat Anne Kuhlmeyer gelesen … Privatdetektiv Vijay Kumar kennt sich aus in Zürich. Da ist er aufgewachsen, in einer indischstämmigen Einwandererfamilie. (Das ist praktisch, denn dem Autor geht es genauso.) Seine Mutter, die schwer besorgt um sein Liebesleben und eine begnadete Köchin ist, unterhält ein mittlerweile gut gehendes Restaurant mit Spezialitätengeschäft. Vijay und sein Freund José schlittern mit Vijays Käfer zum Fundort der tiefgefrorenen Leiche
Read More Morde in illustrem Milieu – Katzenkrimi, Sherlock-Holmes-Krimi, Countrymusik, ein toter Literaturagent, eine tote Lektorin – kann so was funktionieren? Oh ja – die ersten Seiten stimmen schon mal. Es sind ein paar Lacher drin, in diesem Stil: „Ich klopfte energisch gegen 407. Nichts. Nicht mal ein Miau.“ Christiane Geldmacher kann sich darüber durchaus amüsieren. In New York ist es manchmal nicht leicht zu unterscheiden, wer verrückt ist und wer nicht. Kinky Friedman, Countrysänger und Detektiv, wohnt mit seiner Katze in einem Loft in New York. Zusammen mit seinem besten Freund Ratso
Read More Bücher sind wie Saftpressen – Mindestens köstlich amüsant ist Patrícia Melos Roman „Wer lügt gewinnt“, wenn nicht gar teuflisch scharfzüngig, eine Verbindung aus der Geschichte eines bis aufs Kleinste geplanten, erst gescheiterten und dann doch noch geglückten Mordes und einer humorvollen, hochaktuellen Persiflage auf den Literaturbetrieb. Ein Klassiker-Check von Doris Wieser anlässlich der Neuausgabe des Romans. Schlangengift Schriftsteller und Ich-Erzähler José Guber braucht neuen Stoff für seinen nächsten Krimi, weswegen er sich an die Schlangengiftexpertin Flúvia Melissa wendet. Bald bandeln die beiden miteinander an, José fasziniert von Flúvias Wissen über
Read More Posted On August 18, 2012By Michael WuligerIn Crimemag
Vom Schtetl ins Bordell „Der gelbe Schein – Eine Ausstellung zu Prostitution und Mädchenhandel 1860 bis 1930.“ Von Michael Wuliger Jede Geschichte hat ihre blinden Flecken. Auch die jüdische. Eins ihrer Tabus ist jetzt Gegenstand einer Ausstellung, die ab kommender Woche parallel im Berliner Centrum Judaicum (dort passenderweise auf der Frauenempore der ehemaligen Synagoge) und im Bremerhavener Auswanderungshaus gezeigt wird. Sie heißt „Der gelbe Schein“ und befasst sich mit Prostitution und Mädchenhandel im 19. und 20. Jahrhundert. Genauer, mit jüdischem Mädchenhandel und jüdischer Prostitution. Täter und Opfer Ein brisantes Thema.
Read More Letzte Woche konnten wir den zweiten Teil der Noir Fiction Barbarians lesen. Heute geht es Christopher G. Moore um ein in der Tat universales Thema – um Gier … We Need To Have a Talk About Greed The impulse motivating a lot of crime is greed. The outlier wants money for drugs, hot cars or motorcycles, beautiful women, expensive restaurants, foreign holidays—what are perceived as the good things that rich people, or at least well off people, use to identify themselves as successful, desirable, and admirable. Not to mention more
Read More Der Mordknecht Es reit ein Herr und auch sein Knecht, Wohl über ein Heide, die war schlecht, Ja schlecht! Und alles was sie redeten da, War all’s von einer wunderschönen Frauen, Ja Frauen! »Ach Schildknecht, lieber Schildknecht mein, Was redst von meiner Frauen? Ja Frauen! Und fürchtest nicht mein braunen Schild, Zu Stücken will ich dich hauen, Vor mein’n Augen.« »Euern braunen Schild den fürcht ich klein, Der lieb Gott wird mich wohl behüten, Behüten!« Da schlug der Knecht sein’n Herrn zu todt, Das geschahe um Fräuleins-Güte, Ja Güte! »Nun
Read More Von „untröstlicher Heiterkeit“ – Es gibt nur sehr, sehr wenige Kunstwerke und Autoren, von denen ich mir vorstellen kann, dass sie jemand nicht mag. Jean-Jacques Sempé, der in diesen Tagen 8o Jahre alt wird, gehört zu diesen kostbaren und raren Fällen, findet Thomas Wörtche und hat sich die jüngste Veröffentlichung angesehen. „Kindheiten“ heißt der schöne, neue Prachtband, den ihm (und uns Sempé-Abhängigen) seine Verlage Denoël und Diogenes zum Geburtstag ausgegeben haben, zusammen mit einem langen biografischen Interview, das Marc Lecarpentier mit dem Jubilar geführt hat. Und natürlich mit jeder Menge
Read More Posted On August 15, 2012By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, in diesen Tagen wird Jean-Jacques Sempé 80 Jahre alt, Thomas Wörtche stellt den Prachtband „Kindheiten“ vor, den Sempé (und uns) seine Verlage Denoël und Diogenes zum Geburtstag ausgegeben haben. Spätestens seit Siri auf dem iPhone unsere Fragen beantwortet, ist klar: Computer, mit denen man reden kann, sind überall. Aber wie bringt man einem Computer das Sprechen bei? Warum versteht er einen manchmal besser und manchmal nicht so gut? Und wie verändern sprechende Computer unser Leben? Alexander Koller erzählt uns von nun an in seiner Kolumne „Neues aus der
Read More Spätestens seit Siri auf dem iPhone unsere Fragen beantwortet, ist klar: Computer, mit denen man reden kann, sind überall. Aber wie bringt man einem Computer das Sprechen bei? Warum versteht er einen manchmal besser und manchmal nicht so gut? Und wie verändern sprechende Computer unser Leben? Alexander Koller erzählt uns von nun an „Neues aus der Computerlinguistik“. Heute: How to wreck a nice beach: Wie kommt die Sprache in den Computer? Ich beneide die anderen Leute, die im CulturMag schreiben. Jeder weiß, was Schriftsteller machen; auch unter einem Astronomen kann
Read More Machado de Assis: der große Vergessene – Für Susan Sontag ist Joaquim Maria Machado de Assis „der größte Autor, den Lateinamerika hervorgebracht hat“ (378), und nicht nur sie, sondern auch so mancher Brasilienkenner, beklagt, dass Machado bis heute sein berechtigter Platz im Kanon der Weltliteratur verweigert wird. Das mag, wie Susan Sontag betont, daran liegen, dass er kein Europäer war, denn selbst als Portugiese (und von Portugal spricht man im Zentrum der Alten Welt ja auch nicht viel) wäre es ihm wohl besser ergangen. So bleibt der Name Machado de
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