Über Kate Alice Marshall Ich lebe noch und Marlen Haushofer Die Wand Berichte aus der größtmöglichen social distance Ich bin allein. Ich habe nicht viel zu essen. Die Temperatur fällt. Niemand kommt mich holen. Bald wird es Winter und hier draußen kann man auf so viele Arten sterben. Wenn mich nicht die Kälte erledigt, dann der Hunger. (…) Aber ich bin noch nicht tot und das sollte jemand erfahren. Irgendjemand sollte erfahren, was passiert ist. Deshalb schreibe ich es auf, so gut ich kann. In Bruchstücken, denn auch in meinem
Read More „Rost in Peace“ nannte der Photograph Heribert Niehues seinen ersten Bildband, in dem er die ästhetisch faszinierende Symbiose von Lost Places und derangierten Autos in Bildern von betörender Intensität festhielt. In diesem zweiten Bildband „Poesie der Vergänglichkeit“ zelebriert Niehues diese Dekadenz eingebettet in Kulissen verlassener Tankstellen, Diner, Motels und Farmhäuser, wobei der Bezug zu schrottigen Autos einen spezifisch morbiden Charme entwickelt. Von Peter Münder Für europäische Besucher amerikanischer Ghost Towns ist es ebenso faszinierend wie irritierend, beim Betrachten all der verlassenen Goldgräber-Siedlungen und der zurückgelassenen Habe der Goldsucher auch
Read More Ich wurde in letzter Zeit immer mal wieder gefragt, ob es nicht sehr frustrierend ist, dass mein neues Buch nun ausgerechnet während einer beginnenden Epidemie herauskam. Ja, natürlich ist das ärgerlich. Ich schätze, viele Autoren haben, wenn ihre Bücher dieser Tage veröffentlicht wurden, Bedenken. Das Werk, an dem so lange gearbeitet wurde, wird vermutlich nur begrenzt wahrgenommen, in einer Zeit, in der Menschen ganz andere Sorgen haben und lieber Blogs zur neuesten Entwicklung der Epidemie studieren, als sich auf einen längeren Lesevorgang einzulassen. Einen Satz muss ich nun vorausschicken, sonst
Read More Das Ende (des Kinos) – mal wieder. Eine Art Lagebericht Eigentlich sollte man es langsam schon gewohnt sein, das ständige Gerede vom Ende des Kinos, das den Siegeszug des Mediums in sadistischer Regelmäßigkeit begleitet und das offenbar zu den Selbstgeißelungsmechanismen einer ganzen Branche gehört – und das betrifft nicht nur Deutschland, sondern die Filmindustrie und Kinobranche weltweit. Denn in Wahrheit gehören das Jammern und das Klagen sowie die Schwanengesänge über den Tod des Kinos zu dessen ureigenster Geschichte. Schon der Vater der Brüder Lumière, gemeinhin als Miterfinder des Kinos bekannt,
Read More Trauma und so Was Corona für die Autorin und Regisseurin Felicitas Korn und ihren Debutroman DREI LEBEN LANG bedeutet „Der Mund des fremden Mannes öffnet und schließt sich wie eine freundliche Auster. Michi folgt jeder seiner Lippenbewegungen, versucht, seine Codes zu entschlüsseln, aber was herauskommt, macht keinen Sinn.“ So beginnt das erste Kapitel meines ersten Romans DREI LEBEN LANG, der seit Ende Februar im Handel ist. Am 28.2. habe ich zum ersten Mal aus meinem Buch gelesen. Die Lesung war glücklicherweise voll. Obwohl es bereits da zahlreiche Absagen geregnet hat,
Read More Life and Fate by Vasily Grossman The title of this book almost reads like a mathematical equation that hasn’t quite found it’s ultimate expression. With a few more elements mysteriously conjoined it might give us the result that every human being desires: (Life x Fate)+will+morality+love – the State = freedom. To emphasize this essential longing in every human it can be no accident that in the opening scene we find ourselves approaching a monstrous prison camp. Then the fence of the camp appeared out of the mist: endless lines of
Read More Von J.C. Schmidt Im März des vergangenen Jahres berichtete ein Kollege, dass der amerikanische Kriminalschriftsteller Walter Satterthwait an schweren gesundheitlichen Problemen leide und über eine Fundraise-Plattform im Internet Geld sammle, um ein – wohl letztes – Buchprojekt zu finanzieren. Ein knappes Jahr später nun erreichte uns die traurige Nachricht, dass Walter Satterthwait gestorben ist. Walter Satterthwait war – als Mensch wie als Schriftsteller – ein Wanderer zwischen den Welten, der vielleicht nirgends richtig heimisch wurde. Geboren am 23. März 1946 in Philadelphia, lebte er u.a. in New York, Oregon, New
Read More Let’s do with them the „Walk-in-Our-Moccasins“ program Hello from Colorado, We’re under a stay-at-home-order, which means that, among other things, we can’t go to work unless our workplace is considered essential. I’m lucky, in that my workplace is considered essential, and I can work from home. Which means I still get to pay rent, buy groceries and get my kids medical care if they need it, all without leaving the house. But I know a lot of people who aren’t lucky. Don’t get me wrong, I agree with social distancing.
Read More Von Katja Bohnet Quoten-Weiße. Noch nie davon gehört? Gibt’s jetzt im Film. Ein Film, der von afroamerikanischen Menschen erzählt. Von ihrem Leben. Ein Leben, das ohne Benachteiligung nicht zu denken ist. Die Regisseurin dieses Films heißt Melina Matsoukas. Der Film heißt „Queen und Slim“. Die amerikanische Regisseurin mit kubanischen Wurzeln, die vorher durch außergewöhnliche Musikvideos auffiel, die sie für Stars wie Beyoncé und Lady Gaga drehte. Manche Menschen sind schwarz, andere Menschen sind schwarz und Frau. Vielleicht ist es deshalb schwer, über „Queen und Slim“ zu schreiben, ohne Themen wie
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, Kriminalliteratur wurde früher gerne als „Asphalt-Literatur“ abgetan. Wir finden, dass das ein Adelstitel ist. Wir mögen Asphalt, wir mögen Großstadt, wir mögen Realität. Deswegen präsentieren wir Ihnen hier eine neue Rubrik, die jeden Monat Bilder des Fotografen Carsten Klindt und manchmal Texte der Polizistin Nadja Burkhardt kombiniert: Street Scenes und Street Crimes. Aus Realität wird Kunst in Bild und Wort, fragmentarisch und kaleidoskopisch. Freuen Sie sich mit uns! (Hier Auftritt Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3, Nr.4, Nr. 5, Nr.6, Nr.7, Nr. 8 und Nr.9, Nr. 10 und Nr. 11, Nr. 12 und Nr. 13 und Nr. 14 und Nr. 15 und Nr. 16 und Nr. 17. Außerdem: Nr. 18, Nr. 19,) Carsten Klindt wuchs an der Nordsee auf und ist
Read More Eine Doppelrezension von Peter Münder Lügen, betrügen, töten: Alles nur ein Job? Mark Billingham (59) ist immer für Überraschungen gut: Einerseits steht das Spielbein des englischen Theaterwissenschaftlers und ehemaligen Stand-up-Comedian immer noch im Bühnenbereich, andererseits hat er sich mit einem stabilen Standbein, bzw. Schreib-Arm, längst als erfolgreicher, in ca. 20 Sprachen übersetzter Krimi-Autor etabliert: „Ein Herz und keine Seele“ ist bereits sein 16. Tom Thorne-Krimi. Zuletzt hatte er sich in „Love like Blood“ (2017) mit dem Thema „Ehrenmord“ sehr überzeugend und mit analytischem Scharfsinn auseinandergesetzt. Nun präsentiert er unter dem
Read More Wie nehmen Verleger*innen die derzeitige Situation wahr? Katja Cassing (Cass Verlag): Was der Serienmörder liest Ich sitze in meinem Büro am Schreibtisch. Obwohl der Verlag mitten im Ort liegt, ist es still. Normalerweise hört man um diese Zeit wenigstens ein paar Schüler – der Hauseingang nebenan ist zum Leidwesen unserer Nachbarn für eine Zigarette vor oder nach dem Unterricht sehr beliebt –, aber seitdem die Schule geschlossen ist, kommen auch keine Schüler mehr. Jeder Tag fühlt sich an wie Sonntag. Im Arbeitsalltag hat sich allerdings so gut wie nichts geändert.
Read More Als die Boys von der Wallstreet und anderen abstoßenden Orten Anfang der 1980er Jahre sich erste Gedanken dazu machten, wie sie an die Milliarden und Abermilliarden herankämen, die auf europäischen – hauptsächlich deutschen – Sparkonten herumlagen und bloß Zinsen kosteten, hatten sie schnell ein paar packende Ideen. Sie brauchten zwanzig Jahre, um durch gezielte Lobbyarbeit und „Lobbyarbeit“ die entsprechenden Politiker und Entscheider davon zu überzeugen, dass Sparen und Rente altbackener Quatsch sind und jeder erstens sein Erspartes investieren und zweitens für sich selber sorgen solle. Im gleichen Zeitraum hatten sie
Read More Erstaunlich, was jetzt alles geht – und was nicht geht. Der Staat ist stark und die meisten Leute sind kooperativ. Das bedingungslose Grundeinkommen, BGE, wie es unter Fans und auch in der Bürokratie genannt wird, ist kein neues Thema, es gibt viel Theorie und Praxis. Ich bin keine Spezialistin, aber es gibt wohl wenige Modelle für die postindustrielle Gesellschaft, über die soviel nachgedacht und geschrieben worden ist wie über dieses BGE. Und es ist absehbar, dass – weil die virenfreie Kommunikation einen immensen Schub bekommen hat – die Digitalisierung nach
Read More Jungleland by James Grady Outside where your world now shelters race the streets of our gone yesterdays that made sense. ‚Wasn’t that you knew what was going on, was that you could feel the walls around you, the floor beneath your feet. Those yesterdays left on a midnight virus train from the minds of Albert Camus, Stephen King, Edgar Alan Poe, Kurt Vonnegut and zombie movies. Movies, what will we do now to fall in love with the magic that only comes from seeing movies together, strangers sharing a cinematic
Read More Looking, and Looking Away Jock Serong In a time of pandemic, there are obvious advantages to living in a wealthy democracy; one that is fantastically remote and has only sea-borders. As I look at a global infection-spread map, I see huge blobs of red obscuring east Asia, Europe and north America like blood splatters or perhaps the lethal residue of a sneeze. When I look at Australia, I see a couple of small red dots that indicate our giant continent has nothing more than a mild case of acne. These
Read More Die Stunde des Scharlatans Man könnte es auch „Die Farben der Gewalt“ nennen, Daniel-Pascal Zorns Buch „Das Geheimnis der Gewalt“ Es ist die philosophische Version von Guillaume Apollinaires Gedicht „Désir“: „Nuit violente et violette et sombre et pleine d’or par moments Nuits des hommes seulement“ (Gewaltsame Nacht, violett und dunkel, gülden auch in manchem Augenblick/die Nacht des Menschen nur). Zorn, Philosoph und Logiker, der gestrenge Facebook-Meister, der nicht selten dem ein oder anderen gedankliche Unzulänglichkeiten bewusst macht, erweist sich in diesem bei Klett-Cotta erschienenen Band als brillanter Essayist, der dem
Read More Is it just a month ago that I was asked to write about the fires consuming the Australian earth and psyche? Now we’re onto the second horse of the apocalypse – pestilence. It feels strange to be commenting on these things month by month – like I’m offering punditry on our looming extinction. A couple of weeks ago I joked with my wife, Kath, that I was thinking of self-isolating. ‘What’s new?’ she said. As a writer and a generally anti-social person the reclusivity has been my MO for a
Read More James Lee Burke These are depressing times, but I would like to share with you some memories and lessons I always found helpful in dealing with what Gram Parsons called „In My Darkest Hour.“ I remember how frightened I was when, on December 7, at 1:15 P.M., a radio music program was interrupted in the little cafe where I was eating Sunday dinner with my parents. A news broadcaster informed everyone the Japanese had just bombed Pearl Harbor. No one moved or spoke, as though they were inside a motion
Read More Drei Freunde auf Dschinn-Patrouille „Wie soll ich von einer Frau ein Geschenk annehmen?“, fragt der Polizist. Eine verzweifelte Mutter fleht ihn an, nach ihrem verschwundenen Sohn zu suchen und reicht ihm ihren einzigen Besitz von Wert, eine Goldkette. Mit Anstand und Ehre hat diese Antwort wenig zu tun, denn aus den Händen des Vaters nimmt der Polizist das Schmuckstück allzu gerne entgegen. Diese Szene, die der neunjährige Jai aus einem Versteck heraus beobachtet, verunsichert den Jungen, denn „die Polizisten in Live Crime lassen sich nie bestechen, nicht einmal von Männern.“
Read More Three voices from Australia, USA and UK Sulari Gentill: May our stories be the embrace Covid19 has truly shaken the world as we understand it, undermined the foundations of capitalism and destabilised all we have built upon them. But more than that, it has challenged human interaction, taken from us in a time of crisis the ability to comfort each other. The handshake, the hug, the kiss are now dangerous and forbidden, and it seems we must stand alone to face what comes. For me, Covid19 is the second life-threatening crisis
Read More „Die Welt hält den Atem an“, „Das kollektive Hamsterrad ist zum Stillstand gekommen“ – Überall lese ich davon, dass ich die erzwungene Entschleunigung als Chance sehen soll, und unsere Gesellschaft durch die Krise den Optimierungswahn, in dem wir alle gefangen sind, überdenken wird. Jetzt endlich, wird mir aus den sozialen Medien entgegengebüllt, habe ich Zeit für mein tägliches Bodyweight- und HIIT-Training (die Anleitung dazu gibt es auch auf YouTube, also #noexcuses). Jetzt habe ich Zeit, all die Bücher zu lesen, meine Eltern regelmäßig anzurufen, Ordnung in meinen Kleiderschrank und mein
Read More Und die Zukunft des Buches kann nur mit der unersetzbaren Arbeit des stationären Sortiments gesichert werden. Manfred Keiper – „Die andere Buchhandlung“ in Rostock – erklärt, was seit dem Strukturwandel in der deutschen Buchbranche schief gelaufen ist und warum ein von Grund auf neues Marketing für Bücher entwickelt werden muss. BECKMANN: Für die einen ist die neue Technologie das Allheilmittel zum Kurieren von allem, was sie an und in der Welt stört, für die andern ein Schreckgespenst, das den Nieder- und Untergang von allem heraufbeschwört, was wir gewohnt sind, was
Read More Die Welt bewegt sich langsamer, als habe die Erde ihre Drehzahl runtergeschraubt. Stille Straßen, ein Trecker tuckert vor mir her, über den Feldern kreisen die Habichte. Ich fahre zur Arbeit. Acht Patienten täglich, vier vormittags, vier nachmittags, ganz normal. Im Treppenhaus begegne ich einer Kollegin, sie hustet wie immer. Allergie. Weiß ich ja. Wir lächeln und wünschen uns einen frohen Tag. Zum Mittag treffen wir uns jetzt mit Abstand in der Küche. Ich erzähle ihr, was ich in „Militärmedizin“ und in „Mikrobiologie“ im Medizinstudium in den 1980ern über Pandemien gelernt
Read More Bücher kurz serviert Kurzbesprechungen von fiction – Unsere Rubrik „non fiction, kurz“ fällt diesmal aus. Hier Hanspeter Eggenberger (hpe), Joachim Feldmann (JF), Günther Grosser (GG), Kasten Herrmann (KH), Frank Rumpel (rum) über: Ron Corbett: PreisgegebenMark Fahnert: Lied des ZornsKatherine Faw: Young God Frank Göhre: Verfluchte Liebe AmsterdamTommie Goerz: MeierYoung-ha Kim: Aufzeichnungen eines SerienmördersCarlo Lucarelli: HundechristusLiz Moore: Long Brigth River Isa Theobald & David Gray: Requiem für Miss Artemisia Jones Knapp & komplex (JF) Zwei Brüder, eine Frau. Doch das ist lange her. Als Schorsch Köster Jutta wiedersieht, stellt er lediglich
Read More Aus dem Tagebuch eines Buchhändlers in Zeiten der Corona-Krise Samstag, 29. Februar 2020: Die Ruhe vor dem Sturm. Corona drohte noch aus der Ferne. Die lange geplante Reise nach Marrakesch steht nicht zur Disposition. Spannende Stadt, schönstes Wetter, tolle Mitreisende, gute Gespräche und Zeit zum Lesen: Jérôme Leroy, Der Schutzengel (Edition Nautilus), Carlo Lucarelli, Hundechristus (Folio), Mahi Binebine, Die Engel von Sidi Moumen (Lenos). Ach ja, natürlich auch Hubert Fichtes Der Platz der Gehenkten. Dienstag, 10. März 2020: Morgens noch in Marrakesch am Platz der Gehenkten gestanden und auf den
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