»Es ist an der Zeit, den Kampf mit der falschen Frontenstellung abzublasen«
Plädoyer an die Hochkultur-Wächter, den ambitionierten Kriminalroman nicht mehr als Schund abzutun – Ein Essay von Karl Anders aus dem Jahr 1952
Erstmals digitalisiert bringen wir den Verächtern und Liebhabern der Kriminalliteratur einen Grundlagen-Text der Nachkriegszeit zur Kenntnis. Der Essay »Der Kriminalroman. Versuch einer Einordnung« von Karl Anders erschien im damals führenden Bibliothekars-Journal »Bücherei und Bildung“ Heft 5/6 1952. Den Sonderdruck davon, eine zwölfseitige lachsfarbene Broschüre, verteilte der Verleger Karl Anders wie ein Missionar.
Als Hintergrund dazu gehört, was ich 2017 in seinem Porträt als Haltung der damaligen Zunft beschrieben habe.
Die Broschüre erschien 1953 zeitgleich mit der ersten ernsthaften deutschen Studie zum Genre: Es war die von Karl Anders verlegte Dissertation von Fritz Wölcken »Der literarische Mord. Eine Untersuchung über die englische und amerikanische Detektivliteratur« (2017 wiederaufgelegt bei CulturBooks, Leseprobe hier). Siehe dazu auch bei uns Thomas Wörtche: Wie viel weiter man im Nachdenken schon gewesen ist (CrimeMag, März 2017). Ebenfalls 1953 veröffentlichte Karl Anders in seinem Nest-Verlag den ersten Kriminalroman des Duos Milo Dor/ Reinhard Federmann »Und einer folgt dem andern« (siehe dazu Alf Mayers Porträt: Der Unsinn von E und U sowie: Der erste deutschsprachige Hardboiled-Roman stammt aus Wien und dem Jahr 1953).
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Der Widerstandskämpfer und Emigrant Karl Anders war in den 1950er Jahren nicht nur der wichtigste Verleger der »Frankfurter Rundschau« – dort bis heute verdrängt, vergessen und marginalisiert, siehe Alf Mayers Recherche aus dem Jahr 2025 –, er war auch der wichtigste Pionier des modernen Kriminalromans im biederen Nachkriegs-Westdeutschland. Er war es, der als Verleger Eric Ambler, Dashiell Hammett, Raymond Chandler und andere in vorzüglichen Übersetzungen nach Deutschland brachte.
Die besorgten Emigrantenfreunde von ihm, die sich zuvor mit Shakespeare- oder Dickens-Übertragungen einen Namen gemacht hatten. Karl Anders selbst etablierte in seinem Nest-Verlag, in dem auch sein eigenes Buch als Berichterstatter der Nürnberger Prozesse herauskam: »Im Nürnberger Irrgarten«, 1949, eine eigene Krimireihe – die »Krähen-Bücher«.
Nach dem Vorbild seines linken Verlegerfreundes Victor Gollancz in England sollte ihm anspruchsvolle Kriminalliteratur den politisch ambitionierten Nest-Verlag finanzieren und auch manchen Exil-Schriftsteller wieder in Deutschland Verbreitung finden helfen. Exil-Heimkehrer aber hatten es schwer – letztlich ist auch seine eigene Auslöschung bei der »Frankfurter Rundschau« solchen Ressentiments mitgeschuldet, wie man heute seinen »Fall« rekonstruierend feststellen muss.
Einfach hatte es auch die – sagen wir ruhig: moralisch progressiven – Kriminalromane nicht, die Karl Anders propagierte. Die deutschen Bibliothekare verstanden sich allzu gerne als Moral-&-Sittenwächter. (Auch die FAZ übrigens schrieb noch 2025 allen Ernstes vom Kriminalroman als »Schundliteratur«.) Sie belegten solche Bücher gerne mit dem Siegel »Vorsicht bei der Ausleihe«. In meinem Salut für Karl Anders »Anarchist, Kommunist, Widerstandskämpfer, Sozialist …« von 2017 habe ich ausführlicher aus solchen Bibliothekars-Urteilen zitiert. Besonders aus Wilhelm Müllers Referat über „Die untere Grenze“ von 1951. Darin hieß es: „Die Veranstaltung endete mit folgender Empfehlung der Bibliothekare: ‚Der literarisch belangvolle Kriminalroman könne sich z.B. durch gute Milieudarstellung, durch seine gesellschaftskritische Position, durch präzise psychologische Analyse oder durch ein starkes Charakterbild auszeichnen. Arbeitsgruppe und Plenum waren davon überzeugt, dass eine zureichende schriftstellerische Form – die ‚gekonnte‘ Schilderung eines Verbrechens also – allein nicht genüge, um ein solches Buch den öffentlichen Bibliotheken zur Einstellung zu empfehlen.„
In Antwort darauf und zur Förderung seiner Sache verfasste Karl Anders das hier erstmals digitalisiert vorliegende Plädoyer »Der Kriminalroman. Versuch einer Einordnung«. Sein Essay erschien im damals führenden Bibliothekars-Journal »Bücherei und Bildung“ Heft 5/6 1952. Eingerahmt von Hinweisen auf seinen Nest-Verlag wurde daraus ein oft verteilter Sonderdruck – heute würde man sagen: ein Verlagsprospekt mit programmatischem, großem Leitartikel.
Acht Druckseiten, kleine Schrift, eng bedruckt, lachsfarbener Umschlag. Vordere Innenseite eine Werbung für »Das erste grundlegende Werk über den Kriminalroman« – Fritz Wölcken: Der literarische Mord. Eine Untersuchung über die englische und amerikanische Detektivliteratur. 350 Seiten, Leinen, DM 12,80, Kart. DM 9,80. Die Rückseite ein Verzeichnis der bisher erschienen Krähen-Bücher. Marken-Claim: »Der gute Kriminalroman«. Überschrieben mit einem Zitat von Kasimir Edschmid: »Sie ist die einzige Serie, von der man in summa sagen kann, daß sie allen Liebhabern von Kriminalromanen, auch den anspruchsvollen, zu empfehlen ist.«
Karl Anders lernte die moderne Kriminalliteratur im englischen Exil kennen, im Universitätsmilieu, zu dem auch Dorthy L. Sayers gehörte. Ich habe das ausführlich in seinem Porträt im «Jahrbuch der Kriminalliteratur 1989« beschrieben (Bastei-Lübbe, hg. von Thomas Wörtche und Martin Compart). Kondensiert fast 30 Jahre später bei uns im CrimeMag.

Das Plädoyer als Sonderdruck 
Acht Druckseiten 
1953– 1956 oft verteilt
Der Kriminalroman – Versuch einer Einordnung
Karl Anders, 1952 – als Sonderdruck ab 1953 verteilt
Der Kriminalroman gehört mit wenigen Ausnahmen zur moralischen und romantischen Literatur. Das Verbrechen ist Ausgangspunkt seiner Fabel, aber sie endet mit dem Sieg des Detektivs, der Polizei, des Gewissens oder der göttlichen Gerechtigkeit über die böse Tat und den Bösewicht. Völlig anders als die Wirklichkeit.
Hans von Hentig, Professor für Kriminologie, schreibt: „Eine Legende des Verbrechens hat sich entwickelt. Dieses falsche Bild beherrscht die Literatur. Recht soll hier automatisch triumphieren. Das Schlagwort: ‚Verbrechen macht sich nicht bezahlt‘ wird als unfehlbar angenommen. Die Kriminologie beweist aber, dass dieses romantische Bild nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat“1. Professor von Hentig gibt neben vielen anderen Tatsachen folgende Statistik: Während der Zeitspanne von zehn Jahren (1923-33) wurden in Chicago 396 Morde von Gangstern begannen. 88,9% blieben unaufgeklärt. In 6,6% der Fälle reichte das Belastungsmaterial nicht aus. In 3,5% erfolgte Freispruch und nur in 1% Verurteilung.
Auch in anderen Ländern ist die Zahl der ungeklärten Mordfälle, die der Polizei bekannt sind, erschreckend hoch. Der Kriminalroman ist moralischer als die Wirklichkeit; in ihm findet das Verbrechen seine Sühne.
Die Vorurteile
Träger schlechter Nachrichten sind selten beliebt. Der Kriminalroman berichtet von jenen Schattenseiten der menschlichen Gesellschaft, die zwar jede Zeitung sensationell behandelt, „Eine Geschichte über einen Einbruch zu schreiben, ist in den Augen dieser Leute, als wenn man ihn geistig verüben würde… es muß eingestanden werden, daß viele Kriminalromane so voll sensationeller Verbrechen sind wie ein Drama von Shakespeare“2 Eine Dame, die sich an einem Preisausschreiben für den guten deutschen Kriminalroman beteiligen wollte, schickte ein Manuskript, dessen Handlung in Ägypten spielt, und schrieb dazu: „Eine Kriminalhandlung im Lande Goethes spielen zu lassen, erscheint mir nicht richtig.“ Es wäre dem Wirklichkeitssinn dieser Dame sicherlich förderlich, wenn sie Kogons „SS-Staat“ lesen würde.
Der gute Kriminalroman hat seine Tabus und seine goldenen Regeln. Er schildert keine Sittlichkeitsverbrechen. („Alle vier Minuten wird im Bundesgebiet ein Kind mißbraucht.“ Nürnberger Nachrichten, 6. Oktober 1951.)
In fast allen Kriminalromanen ist der Mord vorbedacht und geplant. In der Wirklichkeit sind 80% aller Morde das Ergebnis heftiger Auseinandersetzungen und Affekthandlungen. In fast allen Fällen sind es Auseinandersetzungen innerhalb der Familie oder zwischen Hausherr und Mieter.
Der Mord wird im Roman entweder nicht dargestellt oder in einer Form geschildert, die den Vorgang auf das ästhetisch und moralisch Tragbare reduziert. In fast allen Kriminalromanen spielt nicht der Mord, sondern die Aufklärung des Mordes die entscheidende Rolle. Märchenbücher enthalten oft mehr brutale Handlungen als Kriminalromane.
Einige Vorurteile gegen den Kriminalroman sind: Erstens, das Unbehagen gegen die Existenz des Verbrechens schlechthin. (Man versucht, es zu ignorieren, da man es nicht abschaffen kann.) Zweitens, moralische Bedenken. (Schädlicher Einfluß auf die Jugend.) Drittens, Kriminalromane sind Literatur der unteren Grenze.
Gegen das erste Vorurteil läßt sich zwar genug Tatsachenmaterial anführen, um den Kriminalroman als romantische Literatur zu kennzeichnen, aber wer die Welt nur als die beste aller Welten sehen will, wird sich kaum davon überzeugen lassen. Für ihn dürften auch 80% der Weltliteratur problematisch sein.
Daß Kriminalromane Verderber der Jugend sind, ist beweisbar falsch. Man könnte auch hier ausreichendes Material anführen. Keiner hat diesen Unsinn so witzig wiederlegt wie G.K. Chesterton, und niemand so ernsthaft wie die ‚Royal Commissions‘ in England, die dieses Problem vor allem in Bezug auf den Kriminalfilm untersucht hat.
Rußland hatte infolge des Krieges und Bürgerkrieges von 1917-1920 ein Millionenheer von jugendlichen Verbrechern. Es waren Analphabeten.
England ist das klassische Land des Kriminalromans und seine Lektüre ist allgemein verbreitet. Es ist gleichzeitig das Land mit der geringsten Kriminalität, der zivilisiertesten Umgangsformen und einer unbewaffneten Polizei.
Niemand hat bisher den Vorwurf erhoben, daß Millionen junger Menschen im Militärdienst den Gebrauch von Waffen erlernen und damit zum Mord ausgebildet werden. Die Kenntnis allein, wie man einen Menschen umbringt, ob auf dem Kasernenhof oder aus Büchern gelernt, macht niemandem zum Mörder.
Bleibt das dritte Vorurteil, das literarische.

Der literarische Wert
Der Kriminalroman befindet sich in ‘Sippenhaftung‘. Er wird als schlechter Typ angesehen. Die Sünden schlechter Schriftsteller, die schlechte Kriminalromane schreiben, muß die ganze Gattung ausbaden.
„Es besteht jedoch zwischen einem guten Kriminalroman und einem schlechten ebenso viel Unterschied oder noch mehr, wie zwischen einem guten Epos und einem schlechten. Der Kriminalroman ist nicht nur eine vollkommen berechtigte Form der Kunst, sondern er hat gewisse bestimmte und tatsächliche Vorteile, weil er etwas zum allgemeinen Besten beiträgt.“ So G.K. Chesterton in dem bereits erwähnten Buch.
Ein literarisches Vorurteil gegen den guten Kriminalroman kann nur aus Unkenntnis existieren. Eine unvollständige Liste der Autoren beweist es: Charles Dickens, Victor Hugo, Robert Louis Stevenson, Mark Twain, G.K. Chesterton, Theodore Dreiser, Liam O’Flaherty, C.S. Forester, Somerset Maugham, Dorothy Sayers, Anthony Berkeley, James M. Cain, Raymond Chandler, Eric Ambler, Graham Greene, William Faulkner, und – in Deutschland – Ricarda Huch.

Das häufige Argument gegen die Liste ist: Ja, aber das sind eigentlich keine Kriminalromane im üblichen Sinne. Das ist völlig richtig. Die großen Romane der Weltliteratur sind auch keine Romane im üblichen Sinne und jeder Versuch, zu eine Kollektivurteil über den Kriminalroman zu kommen, ist, der Natur der Sache nach, zum Scheitern verurteilt. Jeder gute Kriminalroman trägt die Handschrift eines guten Schriftstellers, der sich bemüht, eine möglicherweise uralte Problematik auf eine neue, originelle Weise darzustellen und zu lösen.
Andre Gide hat über Dashiell Hammett, der bisher nur Kriminalromane geschrieben hat, in seinem Tagebuch folgendes aufgezeichnet: „ 12. Juni 1942… Immerhin habe ich mit einer der Bewunderung sehr nahekommenden Verblüffung die ‚Bluternte‘ von Dashiell Hammett lesen können (in Ermangelung von dem ‚Gläsernen Schlüssel‘, den mir Malraux so dringend empfahl, den ich aber nirgends auftreiben konnte. – 16. März 1943… mit sehr lebhaftem Interesse (warum nicht sagen ‚Bewunderung‘?) den Malteser Falken‘ von Dashiell Hammett, von dem ich schon im letzten Sommer, aber in der Übersetzung, die erstaunliche ‚Bluternte‘ gelesen hatte, die den Malteser Falken ebenso wie den ‚Dünnen Mann‘ weit überragt. Im Englischen wie im Amerikanischen entgehen mir zwar zahlreiche Feinheiten des Dialogs; aber in der ‚Bluternte‘ könnten die mit Meisterhand geführten Dialoge Hemingway oder gar Faukner als Beispiel dienen und die ganze Erzählung dienen und die ganze Erzählung wird mit einer Geschicklichkeit, einem unerbittlichen Zynismus durchgeführt3.“
Wer in der Dialogführung zwei Nobelpreisträgern der Literatur, nach Ansicht eines dritten Nobelpreisträgers, nicht nachsteht, den kann man wohl literarisch kaum übersehen.
Wir haben bisher den Begriff Kriminalroman gebraucht und den Detektivroman selbstverständlich und ohne besondere Erklärung unter dieser Flagge segeln lassen. Eine Unterscheidung ist möglich und bei einer Untersuchung über das Wesen des Kriminalromans nötig. Die Wurzeln des Kriminalromans reichen weit zurück. Dorothy Sayers hat für ihre Anthologie der Kriminalgeschichten4 Geschichten aus den ‚Aprocryptischen Schriften‘, aus dem Aeneid von Publius Vergilius Maro und von Herodot ausgewählt. Der Detektivroman aber ist erst 100 Jahre alt.
Die Metamorphose des Kriminalromans
Der Detektivroman ist ein Kind des 19. Jahrhunderts, eines Jahrhunderts, das versuchte, mit der Axt des Verstandes Gott zu erschlagen. Wer Gott zu Fall bringt, muß den Menschen erhöhen. Edgar Allan Poe hat die erste Detektivgeschichte geschrieben. Er schrieb außerdem: ‚Hans Pfalls Mondfahrt und Abenteuer Gorden Pyms…‘ ein Hymnus auf den Menschen, der selber Gott ist‘5. Wer ähnelt Gott mehr als Poes Detektiv Dupin, der jedes Rätsel löst, allwissend ist. In der Alchemie seines Geistes entsteht das Gold der reinen und absoluten Wahrheit und Erkenntnis.
Jedes Geheimnis zwischen Himmel und Erde offenbart sich dem Verstand. Die neue literarische Form, die das Genie Poes mit kalter Logik und brennender Phantasie füllte, blieb 40 Jahre lang unbenutzt. Als Arthur Conan Doyle sie nahm und seinen Sherlock Holmes hineinstellte, saß Königin Victoria auf dem englischen Thron das bürgerliche Zeitalter hatte sich neben vielen Dingen auch mit der Existenz Gottes abgefunden. Trotzdem war Sherlock Holmes ein Detektiv mit außerordentlichen intellektuellen Fähigkeiten, für den jedes Verbrechen wie eine mathematische Aufgabe behandelt werden konnte. In den Händen des schottischen Arztes wurde aus Poes Formel erfolgreiche Literatur und Sherlock Holmes eine englische Institution. Dankbar er, hob man Doyle in den Adelsstand, während er selbst das Schreiben von Kriminalromanen aufgab und Spiritualist wurde.
Tausende von Kriminalromanen sind bisher nach dem Rezept Poe-Doyle geschrieben worden. Schlechte und gute, geistvolle und dumme. Der Detektiv wandelte sich, wurde Arzt, Sonderling, Wissenschaftler, Journalist, Aristokrat oder Schullehrerin, Athlet oder Krüppel, ja sogar ein Blinder. Der Detektivroman wurde zur ‚Feder, die den Intellekt kitzelt‘. Staatsmänner, Gelehrte und Bischöfe lasen ihn. Er wurde Ersatz fürs Schachspielen und Kreuzworträtsel raten. Es galt als selbstverständlich, daß keine Liebesgeschichte den logischen Ablauf des ‚Falles‘ stören durfte. Es gehörte zum ‚Stil‘, daß der Ermordete und der Mörder blasse, farblose Figuren im intellektuellen Schachspiel blieben. Vom Ermordeten wurde nur verlangt, daß der die erforderliche Leiche und vielleicht noch das Motiv der Tat liefere. Der Mörder wurden dem erstaunten Leser zwar auf der letzten Seite des Buches vorgestellt, er war aber nicht länger interessant, wenn der lange Arm des Gesetzes sich schwer auf seine Schultern legte. Dieser Detektivroman hat seine Vorzüge, aber er hatte sich selbst Grenzen und Spielregeln gesetzt, die starr und mechanisch das Verbrechen als intellektuelles Erlebnis wiedergaben, nicht aber als menschliche und gesellschaftliche Tragödie. Als sich diese Formel zu erschöpfen drohte, lasen die Detektive Freud oder die Autoren die Bibel. Es waren Katholiken wie G. K. Chesterton, Father Ronald Knox und Graham Greene, Sozialisten wie Raymond Postgate, G. D. H. & M Coles und J. B. Priestley; es war den Psychologen und Gesellschaftskritikern, Theologen und Sozialisten vorbehalten, den Kriminalroman aus der Sackgasse herauszuführen.
Bereits Schiller hatte in der Einleitung seiner Kriminalgeschichte ‚Verbrecher aus verlorener Ehre‘ geschrieben: „In der Geschichte eines Menschen ist kein Kapitel unterrichtender für Herz und Geist, als die Annalen seiner Verirrung… wir müssen ihn seine Handlung nicht nur vollbringen, sondern auch wollen sehen. An seinen Gedanken liegt uns unendlich mehr als an seinen Taten, und noch weit mehr an den Quellen, als an den Folgen jener Taten… Wenn ich auch keinen Vorteil hier in Anschlag bringe, welchen sie Seelenkunde aus einer solchen Behandlungsart der Geschichte zieht, so behält er schon allein darum den Vorzug, weil sie den grausamen Hohn und die stolze Sicherheit ausrottet, womit gemeinlich die ungeprüfte aufrechtstehende Tugend auf die gefallene herunterblickt; weil sie den sanften Geister der Duldung verbreitet, ohne welchen kein Flüchtling zurückkehrt, keine Aussühnung des Gesetzes mit seinem Beleidiger stattfindet, kein angestecktes Glied der Gesellschaft vor dem gänzlichen Brande gerettet wird.“
Als der Katholik Chesterton gefragt wurde, warum er sich mit Verbrechen, mit der Hölle des Lebens literarisch beschäftige, antwortete er mit einer Zeile aus Marlows ‚Urfaust‘, – nur in der Hölle wird Gottes Antlitz offenbar. Schriftsteller wie Graham Greene, Ronald Knox und Chesterton haben Poes Formel genommen und auf den Kopf gestellt. Der gottähnliche Detektiv aus Poes Gedankenwelt ist zum Vertreter einer unzulänglichen Ordnung geworden. Der Verbrecher, ein Mensch, der auch in seinem tiefsten Fall in der Gnade Gottes ruht.
Der Kriminalroman ist nur eine der vielen literarischen Formen, die ein guter Schriftsteller bis an den Rand mit seinen Absichten und Ideen füllen kann. Eine Form, die beim guten Schriftsteller vom Inhalt her verändert wird. Wie jede Literatur, muß sich auch der Kriminalroman verändern, um am Leben zu bleiben. Er kann nicht von der Wiederholung des Alten existieren, sondern muß stets neue Wege gehen. Er schillert bereits in vielen Farben, redet in vielen Zungen, reflektiert die Zeit und ihre Probleme, ist atheistisch oder katholisch, reaktionär oder sozialistisch, humoristisch oder ernst, eine literarische Schachaufgabe oder ein Gang durch die Hölle des Lebens. Die eigentliche Tragik eines guten Kriminalromans ist, daß man ihn lesen muß, um ihn vom schlechten, der nur die Form und die Spannungselemente verwendet, unterscheiden zu können.
„Der Einbruch westlichen Geistes“
In der Liste der besten Kriminalromane, die seit 1948 jährlich in Wilson Library Bulletin und vor allem für Universitätsbibliotheken bestimmt ist, findet sich kein deutscher Kriminalroman. Keinem deutschen Kriminalroman ist die Ehre der Übersetzung zuteil geworden. Es gibt deutsche Kriminalromane. Die Regale der privaten Leihbüchereien biegen sich unter ihrer Last, aber haben weder im Ausland Anerkennung, noch im Lande literarische Anerkennung gefunden. Sie erscheinen unter Ausschluß der literarischen Öffentlichkeit und das mit Recht. Ricarda Huchs ‚Der Fall Deruga‘ ist eine Schwalbe, die noch keinen Sommer macht. Es war ein Versuch, der, in der Konstruktion schwach und in der Zeichnung der Charaktere zu viel verratend, gestrenge Kritiker des Kriminalromans nicht befriedigt. Von einer geringeren Feder geschrieben, wäre er längst vergessen.
Der gute Kriminalroman kommt über den Übersetzer zu uns. Als Stiefkind der deutschen Literatur behandelt, von den Zünftigen der Schreibe über die Schulter angesehen, sind auch die Übersetzer oft ungnädig mit ihm verfahren. Häufig verlegerisch so billig wie nur möglich produziert, gekürzt, ist er nur zu oft in die Hände von Übersetzern gefallen, die sich zwar der Spannungselemente annehmen, die die Fabel verdeutschen, aber die dem Literarischen, Dem Wort, dem Satz, der Komposition ohne Demut, Fleiß und Bemühen gegenüberstanden. Was in vielen Fällen als übersetzter Kriminalroman vorliegt, hat nur noch oberflächliche Ähnlichkeit mit dem Originalwerk. Billig produziert, billig übersetzt ist der Kriminalroman, der in seiner Sprache anspruchsvoll war, zur anspruchslosen Lektüre geworden. Damit wurde dann nur der weltweiten Auffassung Rechnung getragen, daß Billiges billig sein muß.
Wer nach den Ursachen fragt, warum im reichen und bunten Garten der deutschen Literatur der Kriminalroman bisher nicht gedeihen wollte, muß die Antwort zunächst außerhalb des literarischen Bereichs suchen. Es ist kein Zufall, daß der Detektiv- oder Kriminalroman im totalitären Rußland nicht existiert, daß er im faschistischen Italien verboten war und, wie wir alle wissen, im nationalsozialistischen Deutschland in Acht und Bann getan wurde. Die Feststellung, daß er nur auf demokratischem Boden wachsen und gedeihen kann, ist zunächst überraschend. Auch in demokratischen Ländern müssen gewisse Bedingungen vorhanden sein, damit er in den Bereich Literatur hineinwächst. In Amerika erlebte er erst nach 1930, nach der Zeit der Prohibition, des Gangsterunwesens und der Säuberung der Polizei, seine Renaissance.
Professor Wrong hat bereits 1926 in einer bereits klassisch gewordenen Arbeit6 auf eine interessante Tatsache hingewiesen: „In der Zeit, in der die Gesetze mangelhaft und die Obrigkeit zweifelhafter Art waren, bewunderte man auch in der Literatur den geschickten, listenreichen Räuber, der von den Reichen nahm und den Armen gab und seinen Häschern stets ein Schnippchen schlug. Solange die ganze Gerichtsbarkeit in Verhaftung, Folter, Geständnis und Urteil bestand, konnte es keine Detektive geben. Erst wenn jeder weiß, welchen Wert Beweismaterial in einem ordentlichen Gerichtsverfahren hat, bekommt der Detektivroman seinen Sinn. Außerdem müssen selbstverständlich die Sympathien der Leser auf der Seite von Gesetz und Ordnung sein. Der Kriminalroman und sein Detektiv sind nur in einer Welt möglich, die nicht der Allgewalt des Staates, der Gestapo oder des NKWD ausgeliefert ist. In einem Polizeistaat ist ein Sherlock Holmes selbst als literarische Figur undenkbar.
George Orwell, in Deutschland durch seinen Roman ‚1984‘ bekannt, hat sich in einem Essay7 mit Edgar Wallace und dem Detektiv in der Demokratie beschäftigt: „Wallace war der erste Schriftsteller von Kriminalromanen, der die alte Tradition des Privatdetektivs aufgab und zur Hauptfigur einen Scotland-Yard-Beamten machte. Sherlock Holmes ist ein Amateur, der ohne die Hilfe der Polizei und oft sogar trotz ihrer Opposition die Probleme löst. Außerdem ist er wie Poe’s Dupin ein Intellektueller, sogar ein Wissenschaftler. Er folgert logisch auf Grund beobachteter Tatsachen und ist im intellektuellen Sinne im ständigen Gegensatz zu Routine-Methoden der Polizei. Wallace opponierte heftig gegen diese Untergrabung der Polizeiautorität und schrieb sogar Zeitungsartikel, in denen er Sherlock Holmes angriff. Sein Ideal war der Kriminalinspektor, der sich des Verbrechers nicht auf Grund seiner intellektuellen Überlegenheit bemächtigt, sondern weil er ein Teil eines allmächtigen Apparates ist. Daher auch die merkwürdige Tatsache, daß in den typischen Wallace-Stories das Beweismaterial und die Deduktion keine Rolle spielen. Der Verbrecher wird stets gefangen, entweder auf Grund eines unwahrscheinlichen Zufalls oder aus unbekannten Gründen weiß die Polizei alles über die Tat. Der Ton der Geschichten beweist die Bewunderung, die Wallace für die Gewalt und Brutalität hat.“
Raymond Chandler, Amerikaner, Quäker, einer der großen Meister des Kriminalromans, hat über seinen Detektiv Marlowe folgendes geschrieben: „Durch die boshaft engen Straßen geht ein Mann, der nicht boshaft oder eng ist, weder trübselig noch ängstlich. Der Detektiv im Kriminalroman muß ein solcher Mann sein. Er ist der Held, er ist alles. Er muß ein vollkommener Mann und ein gewöhnlicher Mann und dennoch ungewöhnlich sein. Er muß, um ein angegriffenes Wort zu gebrauchen, ein ‚Ehrenmann‘ sein, bei Instinkt und weil er es nicht anders kann, ohne Absicht und vor allem, ohne es zu sagen. Er muß der beste Mann in seiner Welt sein und gut in jeder anderen. Sein Privatleben interessiert nicht, er ist weder ein Eunuche noch ein Satyr. Ich glaube, er könnte eine Herzogin verführen, aber er würde eine Jungfrau nicht anrühren. Ein Ehrenmann muß er in allen Dingen sein. Er ist ein verhältnismäßig armer Mann, sonst bestände kein Grund für ihn, Detektiv zu sein. Er ist einer von Vielen und deshalb fällt er unter den Vielen nicht auf. Er hat Charakter und wird von niemandem Geld unehrenhaft nehmen, keine Beleidigung oder Demütigung einstecken, ohne prompt und leidenschaftslos sich zu revanchieren. Er ist ein einsamer Mann, und sein Stolz ist, daß man ihn als stolzen Mann behandelt. Er spricht, wie Leute heute reden, mit beißendem Humor, einem Sinn für das Groteske, eine Abscheu für den Schein und einer Verachtung für das Kleinliche. Der Kriminalroman ist dieses Mannes Abenteuer auf der Suche nach der versteckten Wahrheit.“
Falls der Kriminalroman und die ‚Suche nach der versteckten Wahrheit wirklich etwas mit einer demokratischen Grundhaltung zu tun haben, dann ist es nicht uninteressant, die nationalsozialistische Stellungnahme kennenzulernen. ‚Die Bücherei‘, Zeitschrift der ‚Reichsstelle für das Volksbüchereiwesen‘ brachte in der Juli/August-Nummer 1940 einen grundsätzlichen Artikel: „Über den Detektivroman“. Er beginnt mit der Feststellung: „Der Detektivroman in seiner bisherigen Gestalt ist ein spezifisches Erzeugnis der bürgerlichen Gesellschaft, kapitalistischer, westlicher und vor allem angelsächsischer Prägung.“ Alle Vorwürfe, die üblicherweise gegen den Kriminalroman erhoben werden, fehlen in dem Artikel. Man legt den Finger auf die entscheidende Stelle, auf die ‚positivistische-analytische Denkform des Detektivromans‘. Skeptisch jedes Problem zu betrachten, nichts für gegeben oder bewiesen anzunehmen, so lange das Beweismaterial nicht lückenlos und überzeugend vorliegt, das ist das Verbrechen des Kriminalromans. „Daß damit die Bedeutung der Analyse an ihrem Ort nicht geleugnet wird, versteht sich von selbst. Sie ist in Chemie, Technik usw. als Arbeitsmethode höchst bedeutsam, aber sie ist nicht mehr der Schlüssel zur Welt.“
Es gibt keine ‚versteckten Wahrheiten‘ mehr, sondern nur noch den Glauben an den Führer, und die ‚analytische Denkform‘ ist potentieller Hochverrat. Der Artikel stellt deshalb auch mit Genugtuung fest, daß in der Praxis der Volksbüchereien ‚der Einbruch westlichen Geistes abgewehrt‘ wurde. Der Nationalsozialismus handelte durchaus logisch, wenn er den Kriminalroman als politisch gefährlich ablehnte.
Vom Unausgeloteten im Kriminalroman
Nicht nur der Mensch, auch das Buch ist eine komplizierte Angelegenheit. In der Retorte des Lebens wird Merkwürdiges gebraut. Was wird hinein und was heraus gelesen? Wir wissen noch sehr wenig über die Funktion der Literatur, Gefühle und Leidenschaften, Instinkte und Triebe zu sublimieren. Bertrand Russel, Nobelpreisträger und einer der großen Philosophen unserer Zeit, hat zu diesem Problem folgendes zu sagen: „Ein jeder, der hofft, daß sich mit der Zeit Kriege abschaffen lassen, sollte sich ernsthaft mit dem Problem beschäftigen, wie sich auf harmlose Weise jene Instinkte befriedigen lassen, die wir aus grauer Vorzeit ererbt haben. Ich persönlich finde ein ausgezeichnetes Ventil in der Lektüre von Detektivgeschichten, bei denen ich mich abwechselnd mit dem Mörder und dem Detektiv identifiziere.“
Mit der Bestimmtheit einer wissenschaftlichen Aussage läßt sich heute über dieses Problem noch nichts feststellen. Aber es wird sich kaum bestreiten lassen, daß möglicherweise der Kriminalroman im gesellschaftlichen Zusammenleben eine Funktion erfüllt, die ganz anderer Art ist, als eine vordergründige Betrachtung es vermuten läßt. Es ist immerhin interessant, daß in England der Kriminalroman ein Massenkonsumptionsartikel aller Schichten ist und Umgang und gute Sitte – um es mit einem ‚understatement‘ auszudrücken – dadurch nicht gelitten haben. Selbst die Einbrecher und die Polizisten tragen keine Revolver.
Für diese Tatsachen gibt es mehr als einen Grund. Weder im Positiven noch im Negativen lässt sich die gesellschaftliche Funktion des Kriminalromans eindeutig bestimmen. Die Tiefen des persönlichen und gesellschaftlichen Bewußtseins sind noch nicht ausgelotet. Wir wissen aber bereits, daß die bisherigen Grenzen um den Kriminalroman falsch abgesteckt wurden. Er läßt sich zwar noch thematisch, aber nicht mehr literarisch und schon gar nicht moralisch als Gattung klassifizieren. Wenn wir ihm den Weg über das Buch versperren, kommt er durch andere Türen in die Gesellschaft. Man hört oder sieht ihn. Da er einem gesellschaftlichen und menschlichen Bedürfnis entspricht, nützen auch die Zäune der Vorurteile auf Dauer nichts. Und während die Unentwegten ihn immer noch an der ‚unteren Grenze‘ aufhalten wollen, sitzt er als trojanisches Pferd bereits im literarischen Salon und läßt sich von der sachkundigen Kritik feiern: „Eine der interessantesten und wenig beachteten literarischen Entwicklungen der letzten zehn Jahre ist die Vermischung der Grenze zwischen Roman und Kriminalroman. Der Kriminalroman wird heute mit einer Sauberkeit im Stil und einer Sorgfalt in der Gestaltung der Personen geschrieben, die den vielgelobten Arbeiten zeitgenössischer Romanciers in nichts nachstehen.8“
Es ist an der Zeit, den Kampf mit der falschen Frontenstellung abzublasen. Je anspruchsvoller unser literarischer Maßstab ist, umso leichter wird es sein, die Spreu vom Weizen zu scheiden, für den guten und gegen den schlechten Kriminalroman zu sein.
Karl Anders
1 Hans von Hentig: Crime – Causes and Conditions. New York – Hill Book Coy. Inc. 1947.
2 G. K. Chesterton: Verteidigung. Olten: Otto Walter 1945.
3 Andre Gide: Tagebuch. Stuttgart: Deutsche Verl. Anst.
4 Dorothy L. Sawyers: Great Stories of Detection and Mystery. London: Victor Gollancz 1928. 13. Aufl. 1947.
5 Paul Wiegler: Geschichte der Weltliteratur. München: Heimeran 1949.
6 Crime and Detection. Oxford University Press.
7 Critical Essays. London: Seeker and Warburg 1946.
8 Times Literary Supplement26. X. 51.
Digitalisierung der Broschüre: Vera Mayer.
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Auf der inneren Rückseite der Broschüre findet sich Werbung für den eigenen Verlag:

Hier der besseren Lesbarkeit wegen transkribiert:
„Es ist vor allem das Verdienst des Nest-Verlages, eine Auswahl aus diesen modernen, durch vollkommene Technik so spannenden wie psychologisch und zum Teil geradezu ethisch bedeutsamen Werken dem deutschen Leser zu vermitteln.“ Die Barke
„Um so dankbarer ist man einem Verlag, der sich ernsthaft und mit dem Idealismus des Kenners mit dem Kriminalroman beschäftigt: dem Nest-Verlag in Nürnberg. Mit seinen KRÄHENBÜCHERN – so nennt er die Reihe der Kriminalromane – bekommt man fröhliche Gewissheit, daß sie zuerst den Verleger selbst unterhalten und aufgeregt haben: es ist, als ob man zu einem guten Freund ginge, um sich ein spannendes Buch zu borgen. Und da dieser gute Freund eben ein Kenner ist (sein muß!), kann man sich sowohl auf seine Auswahl als auf seine Übersetzungen getrost verlassen: beide sind im besten Sinne repräsentativ. Neben großen und größten Namen – ich nenne nur Dashiell Hammett, Raymond Chandler, Ngaio Marsh, Dorothy Sayers – umfaßt die Reihe Einzelwerke von weniger bekannten, und hier besonders erweist sich das Kennertum des Verlegers: jedes ist in seiner Art ein prachtvoller Fund. Man kann die KRÄHENBÜCHER wirklich in Bausch und Bogen empfehlen.“
Die Neue Zeitung
„Kriminalromane haben meist das Ansehen von literarisch nicht Vollwertigem. Tatsächlich verdienen die meisten auch keine Beachtung. Eine rühmliche Ausnahme machen u.a. die KRÄHENBÜCHER des Nest-Verlages. In dieser Reihe erscheinen Kriminalromane, die auch dem Leser mit literarischem Geschmack genügen; ja, man kann sagen, diese Bücher sind mit ihrer Realistik, ihrem formalen Aufbau, ihrer Handlungslogik und ihrer guten Sprache mit unseren guten Unterhaltungsromanen auf eine literarische Stufe zu stellen.“
Der Bücherfreund
„Buchreihen halten selten ein gleichmäßig hohes Niveau durch. Serien von Kriminalromanen fast nie. Anders die Reihe der KRÄHENBÜCHER des Nest-Verlages, der die besten englischen und amerikanischen Kriminalromane in der besten deutschen Serie herausbringt.“ Darmstädter Echo
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Die hintere Umschlagseitew der Broschüre von 1953 war Werbung für die Krähen-Bücher, die Krimireihe des von Karl Anders geführten Nest-Verlags.
Es geht los mit
Eric Ambler: Die Maske des Dimitrios
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Raymond Chandler: Einer weiß mehr
Raymond Chandler: Der tiefe Schlaf
Raymond Chandler: Das hohe Fenster
Raymond Chandler: Die kleine Schwester
Milo Dor u.
Raimund Federmann: Und einer folgt dem andern
…
Dashiell Hammett: Der Malteser Falke
Dashiell Hammett: Der dünne Mann
Dashiell Hammett: Bluernte
Dashiell Hammett: Der gläserne Schlüssel
Geoffrey Hosehold: Der Gehetzte
Ferneraufgeführt sind u.a. William Irish (Cornell Woolrich) Dorothy L. Sayers (die Karl Anders aus Oxford kannte und oft ihre Suppe genossen hatte) und der Emigrant Curt Siodmak.
Geoffrey Hoseholds Roman »Der Gehetzte« (Rogue Male, 1939) wurde von Fritz Lang in dessen Exil als MAN HUNT (1941) verfilmt. In Deutschland wurde der Film erst 1974 im Dritten Programm, in WDR 3 gezeigt. Bis heute gibt es keine deutschsprachige oder deutsch untertitelte DVD. Der Film zeigt – ikonografisch – Hitler im Zielfernrohr eines Jägers.
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Buch für Buch porträtiert wird der Nest-Verlag in dem zum 100. Geburtstages von Karl Anders erschienenen Band »Anders denken. Krähen-Krimis und Zeitprobleme: der Nest-Verlag von Karl Anders“, herausgegeben von Patrick Rössler. Es war die üppig illustrierte Begleitpublikation zu einer Ausstellung in Frankfurt und in Erfurt. Die «Frankfurter Rundschau« (zu der der Nest-Verlag bis heute gehört) zog es damals vor, darüber nicht mit einer einzigen Zeile zu berichten. – Karl Anders kennt man bei dieser Zeitung nicht. Und man will ihn nicht kennen. Kein Wort des Bedauerns – bis heute, Stand 2. Januar 2026. – AM.
























