Geschrieben am 1. November 2026 von für Crimemag, CrimeMag November 2026

Roland Keller zum »Fundament des Schweigens«

Entsorgung im Zürichsee

Die friedlich-idyllische Schweiz hat es im Berner Neptun Verlag nicht leicht. Blutige Korruptions- und Politskandale finden in der Krimireihe regelmäßig ihren Niederschlag. Oder besser ihren Einschlag. In „Fundament des Schweigens“ ist das Mordwerkzeug eine Harpune. Sie schlägt beim morgendlichen Fitnessbad im Zürichsee in die Brust von Dorothea Schneider ein. Bis zu ihrem nassen Tod war sie Leiterin des kantonalen Bauamts, bestens politisch vernetzt, aber auch verhasst.

Für Patrick Fischer, Kommissar der Kantonspolizei Zürich, bieten die Ermittlungen im Polit- und Bauträger-Milieu mehr Fallstricke, als er ertragen kann, was von den beiden Autoren kräftig ausgeschlachtet wird. Freilich – Vorsicht, Klischee – auf gründliche Schweizer Art. Sie gehen immer in die Tiefe (nicht nur im Zürichsee), schauen genauer hin, was ja bei der Schweizer Bahn für die berühmte Pünktlichkeit sorgt, doch bei einem Krimi kosten viele Haltestellen mit längeren Stopps in diversen Milieus, samt dem eingebundenen Privatleben der Ermittler, einfach Tempo.

Ich mag Fischer und seiner Mannschaft nicht ihre Kaffeepausen oder Restaurantbesuche vermiesen, aber muss ich ständig wissen, womit sie sich zwischen den Morden und der Jagd auf den Täter ständig stärken, ohne dass es zum Fortschritt der Handlung beiträgt? Das Privatleben der Ermittler ist nicht so spannend, dass ich mich dafür interessieren würde.

Mehr offen lassen, mehr neugierig machen, hätte vielleicht geholfen. Beim Lesen dachte ich manchmal, dass die beiden Autoren bei ihrem Debüt nichts falsch machen wollten, vieles sehr sauber ausschrieben, was eher bremst als weiterführt. Manchmal hätte ich mich über einen härteren Schnitt gefreut, der einiges offengelassen und mich als Leser zum Ende hin getrieben hätte.

Im guten alten Magazin-Journalismus hieß es: Jeder Satz muss nicht nur eine Funktion haben, sondern auch eine Spannung – und dazu beitragen, dass der Leser weiterlesen will.

Liebe Lektoren beim Neptun Verlag, hättet ihr Füllmaterial gestrichen, das die Handlung nicht weitertreibt, auf stärkere Verwebung von Erzählen und Handlung geachtet, wäre das Buch dünner geworden, aber ich hätte es mit mehr Genuss gelesen.

Ich weiß, wie schwer es ist, eigene Texte entsprechend zu bearbeiten, aber auch so etwas von Dritten zu akzeptieren, wenn sie gutmeinend Spannung und Neugierde des Lesers steigern wollen, indem sie kürzen oder streichen, was bei Autoren oft als Affront verstanden wird. Aber lassen wir das.

Die Kritik ist mein persönlicher und subjektiver Eindruck. Ich habe das Mitnehmende vermisst, das mich tiefer hineinzieht. Vielleicht auch ein wenig Kolportage, die ich durchaus positiv bei den Berner Journalisten-Krimis des Verlags genossen habe. Es gibt freilich auch andere Krimi-Leser, die Detailtiefe lieben, denen eine Personen- und Ortsbeschreibung nicht genau genug sein kann, die sich am gemächlicheren Fortschritt nicht stören. – und sich, wie ich auch – letztendlich freuen, dass Kommissar Fischer und sein Team in dieser schwierigen und komplexen Gemengelage zwischen Geldinteressen und Politik trotz der düsteren Nebel, die über Zürich und seinem See liegen, den Fall aufklärt.

Dazu noch ein kleiner Nachtrag vom Verlag über die Arbeitsweise der Autoren: „Beat Sandhofer war schon als Kind der Schrecken seiner Deutschlehrer mit episch langen Aufsätzen … Susanne Sandhofer, im Alltag ständig von Menschen umgeben, liebt knackige Dialoge und kürzt überflüssige Beschreibungen mit chirurgischer Präzision …“

Kommentieren mag ich das nicht, auch nicht an dem häuslichen Frieden der Autoren sägen.

Susanne und Beat Sandhofer: Fundament des Schweigens. Neptun Verlag, Bern 2026. Klappenbroschur, 280 Seiten, 24,80 Euro/ 24,90 CHF.

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Roland Keller war viele Jahre Magazinjournalist – seine Besprechungen und Texte bei uns hier.

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