Müder Abklatsch In Toby Litts Erstling ist trotz Anrufung aller Heroen von Rimbaud bis Ginsberg rein gar nichts mehr vom verzehrenden Feuer der Beats übriggeblieben. 1957 setzte Jack Kerouac mit seinem atemlos dahingehämmerten „On the road“ einen Mythos in die Welt, von dem noch viele Generationen nach ihm zehren sollten: Ein rauschhaft-literarisches „Beat“-Leben voller Tempo, Jazz, Drogen und Sex. Vier Jahrzehnte später führt Toby Litt diesen Mythos in seinem Erstling „Unterwegs mit Jack“ an ein klägliches Ende: Im englischen Bedford versuchen sich „Jack“, „Neal“ und das „Chick“ Meggie an einer
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Keine Wahrheiten mehr Der 1996 kurz nach der Fertigstellung von „Abspann“ verstorbene Steve Tesich hat mit Saul Karoo einen grandiosen Anti-Helden geschaffen, der zu den virtuosesten und luzidesten Zynikern der Literaturgeschichte zählen dürfte. Saul Karoo ist ein übergewichtiger, kettenrauchender Alkoholiker und in einem „Alter, in dem alles kaputtgeht“ – von den letzten Illusionen über die Ehe bis zur Prostata. Doch das alles wäre nur halb so schlimm, hätte er nicht zu allem Überfluß auch noch eine merkwürdige Alkohol-Immunität entwickelt: Je mehr Bloody Maries, Gin Tonics und Champagner Saul Karoo wahllos
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Meister der poetischen Wahrnehmung „Mit den Ohren kann man mehr sehen als mit den Augen“ denkt sich Sven Lagers Ich-Erzähler und jagt den Leser von der ersten Seite an durch einen rasenden Kosmos aus Geräusch-Molekülen. Er, dem das Rauschen einer Stadt „alle Geschichten der Welt erzählen kann“, bannt faszinierende „Landschaften aus Strom“, das „Zischeln der Autobahn“ oder die komplexe Klang-Architektur der Techno-Clubs auf das Papier: „ein unendlicher Ton über den harten Würfeln des Baß; schmatzender Sirup, Nadeln eines Breakbeatbogens tauchen auf, kichern, werden zu zitternden Blechscheiben, wütenden Regentropfen. Sven Lagers
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Hochsinnlich und atmosphärisch dicht Neben dem fesselnden Plot brennt der Autor – der Mitbegründer des literarischen Zirkel „Gruppo 13“ und Sänger in einer Post-Punk-Band ist – ein wahres Feuerwerk aus sich überlagernden Tönen, Farben, Formen und Bewegungen ab. „Als der erste Carabiniere das Zimer betrat, rutschte er in einer Blutlache aus und fiel auf die Knie. … Als er sich umblickte, musste er würgen, ein heiserer Laut, fast ein Rülpsen… ein Albtraum…“ Nach einer klebrig-blutgeschwängerten Eingangsszene fängt die Welt in Carlo Lucarellis „Der grüne Leguan“ wunderbar an zu klingen: „Mit
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Berühmt zu sein ist sehr anstrengend Karsten Herrmann im Gespräch mit Wladimir Kaminer. Vor zehn Jahren sprach Wladimir Kaminer noch kein Wort deutsch. Heute, nach zwei Erzählbänden und seinem Debut-Roman „Militärmusik“ ist er der Shooting Star in der jungen deutschen Literaturszene: Regelmäßig schreibt das 34jährige Multitalent für FAZ und TAZ Kolumnen, moderiert beim SFB eine eigene Sendung und veranstaltet im Kaffee Burger am Prenzlauer Berg seine mittlerweile schon legendäre „Russendisco“. „Russendisco“ hieß auch Vladimir Kaminers erster Erzählband, in dem er, der 1990 aus Moskau nach Deutschland übergesiedelt war, ganz ohne
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Ein (Werk-) Porträt des Michael Roes Roman ohne Ufer Kaum ein deutscher Autor nutzt den Roman gegenwärtig so intensiv als Gattung unbeschränkter Möglichkeiten wie der 1960 geborene Michael Roes. Statt eines linearen Plots mit stetig steigendem Spannungsbogen und der fesselnden Illusion des Tatsächlichen finden wir bei ihm den Schnitt, die irritierende Leerstelle und ein wahres Feuerwerk der Perspektiven und Diskurse – Ethnologischer Forschungsbericht, (Trans-) Gender Studies, Dokument, Literaturkritik und reflexive Selbsterforschung gehen hier eine faszinierende Verbindung mit Elementen des Abenteuerromans und actionreichen „hard boiled“-Passagen ein. Michael Roes macht es dem
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Psycho-Thriller mit Tiefgang Radikaler konnte der Schauplatzwechsel kaum ausfallen: Aus dem prollig-psychedelischen Frankfurt der späten 70er Jahre, in dem sich sein Debut „Das Schwarzlicht-Terrarium“ abspielte, versetzt uns Thor Kunkel in seinem zweiten Roman in das sonnige und „Alooah“-fröhliche Hawaii der steril-stillstehenden 90er. Hanny und Richard haben es geschafft: Sie haben Geld, ein dickes Auto, gesellschaftliche Anerkennung und ein Ferienhaus auf Hawaii: „Irgendwann würden sie ganz nach Makena ziehen und ihren Lebensabend am Rande des Pazifiks verdämmern. Sorgen- und schuldenfrei… Alles wäre perfekt.“ Doch als Hanny diesmal in „Porters Paradise“ eintrifft,
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Ein unwiderstehliches Inferno Fiebernd-furios jagt Tristan Egolf seine Geschichte dahin, voller ungezügelter Energie, sarkastischem Humor und sprühendem Sprachwitz. Tristan Egolf schreibt mit der unwiderstehlichen Wucht einer Dampfwalze: anarchisch, sinnlich, roh. Der 29jährige Debutant aus den USA hat mit in seinem „Monument für John Kaltenbrunner“ eine Geschichte in die Tasten gehämmert, die weit entfernt ist von standardisierten „Creative Writing“-Produkten und ihrem Marktkalkül. Hier hat ein ungeheuer kraftstrotzendes und eigenwilliges Leben seine Spuren eingebrannt, wie es Tristan Egolf geführt haben mag, nachdem er das College geschmissen, in einer Punkrockband gespielt und durch
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