Friedemann Hahn Tag

„Bilder und Szenen aus Comics und Filmen sind mir sehr wichtig, auch Gedichte und Lieder…“ Friedemann Hahn ist Maler, einer der bedeutendsten deutschen der Gegenwart. Mit „Matadero“ legt er nach „Forresta Nera“ (2018, Besprechung von Alf Mayer hier) seinen zweiten Roman vor. Rolf Barkowski hat bei einem Atelierbesuch auf Gut Falkenberg am 1. Juni 2023 ein Interview mit ihm geführt. Ein Textauszug aus „Matadero“ hier. Ein Beitrag von Hans-Dieter Huber mit Bildern einer aktuellen Friedemann-Hahn-Ausstellung in Berlin in dieser Ausgabe nebenan. Frage: Wie viel Zeit ist vergangen von der ersten Idee,Read More

Posted On Juli 1, 2023By Hans-Dieter HuberIn Crimemag, CrimeMag Juli 2023

Hans-Dieter Huber über Friedemann Hahn

Den Bildschirm leer laufen lassen Marilyn. Die Faszination für ein Gesicht. Eine mediale Oberfläche, hinter die man nicht weiter gelangen kann. Das wussten schon Andy Warhol und Philippe Parreno. Friedemann Hahn ist von Anfang an hingerissen von diesen medialen Oberflächen. Fasziniert von der Fiktion: Was wäre, wenn Lana Turner und Humphrey Bogart sie selbst wären und nicht ihre Rollen. Wären sie dann real? Oder ist das Reale nur eine besonders raffinierte Fiktion? Hahn ist einer der am meisten falsch verstandenen Künstler. Er ist ein Post-Strukturalist, der weiß, dass es keineRead More
Ein Blutbad und Melancholie  Textauszug mit freundlicher Erlaubnis von Autor und Verlag: Friedemann Hahn: Matadero. Roman Noir. Luzifer Verlag, Cyprus Ltd. 352 Seiten, 14,95 Euro. Friedemann Hahn, Maler und Dichter, geboren 1949 nahe der Schweizer Grenze in Singen am Hohentwiel, wuchs im Schwarzwald auf. Dieser Landschaft widmete er seinen ersten Kriminalroman „Foresta Nera“ (siehe auch Schwärzer kann der Tann nicht sein, Besprechung von Alf Mayer). Nach seinem Schulabbruch 1969 versuchte Hahn sich kurzzeitig als Balletteleve, studierte dann aber Malerei in Freiburg im Breisgau, Karlsruhe und Düsseldorf. Als Maler wurde er mit den wichtigstenRead More
Friedemann Hahn: Leben und Kunst machen und dabei nicht vor die Hunde gehen Stills. Eine Frage der Einstellung „I’m American-trained“ (Alfred Hitchcock) Eigentlich kennt das wohl jeder: dreaming along … Was geht im Traum schon zu Ende? Es kann doch immer weitergehen, da du die Zeit doch auf deiner Seite hast, Konzentration und Ruhe … (`Fortsetzung folgt´ nicht unbedingt in der nächsten Nacht) … Seiner Zeit hatte irgendein surrealistischer Dichter an seiner Schlafzimmertür das vielversprechende Schild mit der Aufschrift er `arbeite´; – dazu reichte ihm ein Bett.    Damals in Freiburg, `HausRead More
Expedition ins Totenreich Zu einem bisher unbeachteten Aspekt der Bilder von Friedemann Hahn Friedemann Hahn bezeichnete einige seiner Werke und Werkreihen auch als Expeditionen. Der Autor nennt einen Werkzusammenhang Expeditionen ins Totenreich. Das Gesicht des Todes ist in Friedemann Hahns Werk ein Dauerbegleiter. Es sind wohl mehr als 100 Totengesichter, die Hahn im Laufe seines künstlerischen Lebens gemalt hat. Schon in einem frühen Gemälde von 1972 „Szene aus Salvatore Giuliano, 1961“ (das 60 x80 cm große Bild zeigt die Schlussszene aus Francesco Rosis Film von 1961 in Schwarz- und Grautönen)Read More
Charakterporträt des Zuschauers im Film Noir Wir.Können.Nicht.Wegschauen. Und wir wollen auch nicht.  Wir wollen es sehen. Alles sehen.Den Tod. Die Gefahr. Die Lust. Die Gewalt.Die Angst. Das Verbotene. Den Abgrund. Ich kann den Blick nicht von euch wenden.  So beginnt ein Gedicht von Ferdinand Freilingrath mit dem Titel „Die Auswanderer“, es entstand 1832 in Amsterdam, wo der März-Revolutionär Deutsche beobachtet, die sich nach Amerika einschiffen. Gut hundert Jahre später zersplittert der amerikanische Traum im Film noir. Seine Bildwelten sind mitgeprägt von deutschen Exilanten und vom Expressionismus. Noir-Figuren sind psychisch und moralisch ambivalent, nichtRead More

Posted On September 1, 2021By Alexander Sancho-RauschelIn Crimemag, CrimeMag September 2021

Alexander Sancho-Rauschel: Meister Melville

Meister Melville, ein japanischer Krieger, der Westen und die Wand Ein Vorwand ist eine großartige Sache. Finden Sie nicht? Ein Vorwand ermöglicht es einem, das zu tun, was man machen will, während man doch eigentlich etwas anderes tun sollte. Der Auftrag (und die Ehre), einen Beitrag für diesen Band schreiben zu dürfen, ist für mich ein wunderbarer Vorwand, um zwei der Dinge zu tun, die ich am liebsten tue: nämlich mir eine ganze Reihe großartiger Filme anzusehen – und mir ein Buch zu kaufen, in dem Fall natürlich ein Filmbuch.Read More

Posted On November 3, 2019By Friedemann HahnIn Crimemag, CrimeMag November 2019

Friedemann Hahn in Halle

Der Stoff aus dem die Träume sind Friedemann Hahn – (nicht nur) zu „Der Maler und Dichter als Abenteurer“ im September/ Oktober dieses Jahres im Literaturhaus im Kunstforum Halle an der Saale – eine retrospektive Ausstellung von Werken aus den 1970er Jahren bis heute. Friedemann Hahns Bildhelden sind die Protagonisten einer Welt am Abgrund, Gangster, Outlaws, Abenteurer, Femmes fatales, die großen Einsamen, und wie schon zu Beginn seines Werkes die Helden der Nacht, die Täter und Opfer, die Toten des Film Noir. Der Moviegoer Hahn feiert bereits in den frühenRead More
Pechschwarzes Aktionsgelände krimineller soldatischer Männer Klaus Theweleit über Friedemann Hahns „Foresta Nera“ Dieser Text war/ist eigentlich Teil eines umfangreichen Nachwortes zur 40jährigen Jubiläumsausgabe von Klaus Theweleits „Männerphantasien“, im Verlag Roter Stern, Frankfurt und Basel 1977/78 in zwei Bänden erschienen. Eine Insolvenz wird ein Erscheinen nun mindestens verzögern. Gleichzeitig aber geht Friedemann Hahns „Foresta Nera“ gerade in eine zweite Auflage. Wir freuen uns deshalb, dass Klaus Theweleit seinen Text CrimeMag zur Verfügung stellt. „Männerphantasien unternimmt den Versuch, zu ergründen und zu beschreiben, warum es Körper gibt, überwiegend männliche Körper, die nicht lebenRead More
Schwärzer kann der Tann nicht sein Den Wald hat der Noir kaum je betreten. Da ist Niemandsland für seine Figuren. Umso interessanter, wenn das jetzt – 2018 – endlich jemand tut. Und zwar einer, der mit den Bildern des Noir wieder und wieder Zwiesprache gehalten, sie studiert, zerlegt, übermalt, dekonstruiert hat. Ikonen des 20. Jahrhundert in kühnen Diptychen und Triptychen neu montiert, den Flügelaltären des Mittelalters nachempfunden. Klein- und großformatig. Bigger than life. „Die Spur des Falken“ heißt eines seiner zweiteiligen Gemälde von 1995. Jetzt im Alter von 69 legtRead More