„Übersetzen im Korsett“ nennt Lea Hübner das Übersetzen von Comics: Ihr steht der Platz in der Sprechblase zur Verfügung, der muss ausreichen. Wie also übersetzt man umgangssprachliches brasilianisches Portugiesisch in umgangssprachliches Deutsch? Welche Rolle spielen die Bilder beim Übersetzen vom Comic? Wie zutreffend ist eigentlich das Label „starke Frau“? Und gibt es „den lateinamerikanischen Comic“? Darüber redet Sonja Hartl mit Timo Berger und Lea Hübner am Beispiel von Lea Hübners Übersetzung Marcello Quintanilhas „Hör nur, schöne Márcia“. Zu hören ist der Podcast unter diesem Link und bei allen gängigen Podcatchern.
Read More Ein verwirrendes Projekt TW reibt sich die Augen „Brazilian Psycho“ von Joe Thomas hat zwar mit „American Psycho“ weder formal noch inhaltlich zu tun, bewegt sich aber dennoch auf literarisch vorgeprägtem Terrain: Erzählungen über die soziopolitischen Zustände des heutigen Brasiliens, so wie wir es auch von Rubem Fonseca, Paulo Lins, Patrícia Melo oder den Filmen um die „Tropa de Elite“ kennen. Diese meisterhaften Narrative allerdings stehen „Brazilian Psycho“ massiv im Weg. Auf fast 650 Seiten zieht der Brite Joe Thomas am Beispiel São Paulo ein Riesenpanorama auf: Er beschreibt die
Read More Ende der Unschuld Ein crime-Plot, 50 Jahre später neu variiert Ein Krimi-Plot Ed McBains von 1959, mehr als 50 Jahre später von einem brasilianischen Autor wieder aufgenommen, dazwischen von einem japanischen Filmregisseur zu einem Meisterwerk geadelt, zeigt eindrucksvoll die Spannbreite, Wandlungsfähigkeit und Modernität des Genres, findet Alf Mayer angesichts der Lektüre von Edney Silvestres „Der stumme Zeuge“. Im Jahr 1959 hatte der große Ed McBain einen Plot entwickelt, der einen Protagonisten der Wirtschaftswunderzeit, den Schuhfabrikanten Thomas King (sic!), mit einer moralischen Entscheidung konfrontierte: nämlich die eigene Geldverdien-Karriere zu ruinieren oder
Read More Nach Jahren des Bombenbaus… 1 bild / 100 worte Vorschlag, die Buchweize zu ehren, aus deren Mehl diverse Köstlichkeiten herstellbar sind, Blini, Pizzoccheri, all so was. Das bringt uns zu Richard Feynmann, der eines Tages beschloss nicht mehr zu trinken, und an dem Beschluss auch weiter festhielt. Nach Jahren der Fronarbeit und des Bombenbaus war ihm danach, nur noch zu erforschen, was ihm Spaß bereitete, und kurz darauf schon erweiterte sich die Physik um mehrere Grundfesten erschütternde Einsichten. Darin steckt eine Lehre. Nachtrag: Auch der Nobelpreis klopfte an Feynmanns Tür.
Read More Posted On November 6, 2013By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag
Die literarische Quadratur des Kreises? Wolfram Schütte über Joaquim Maria Machado de Assis´ hintersinnigen Roman “Dom Casmurro”. In Urs Widmers eben erschienener Autobiografie “Reise an den Rand des Universums” behauptet der Schweizer Autor: “Jedes Erinnern, auch das genaueste, ist ein Erfinden. Das Tatsächliche erinnern: auch daraus kann nur ein Roman werden”. Dieser Ansicht ist wohl auch schon Bentinho Santiago, der in Joaquim Maria Machado de Assis 1899 erschienenem Buch als alter Mann sich & uns seine Selberlebensbeschreibung als Roman-in-progress erzählt. Sein Titel “Dom Casmurro” ist zugleich der Spitzname des angeblichen
Read More Wie Schabbach zum Nabel der Welt wurde – Edgar Reitz erzählt von der Hölle im Hunsrück & der Sehnsucht nach einer „anderen Heimat“. Von Wolfram Schütte. Es gehört zu den erfreulichen Zeichen & Wundern des heutigen Tages, dass Edgar Reitz, nachdem er in den vergangenen Jahrzehnten immer verzweifelter, demütigender darum hatte kämpfen müssen, dem öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen die finanziellen Mittel für sein monumentales, dreiteiliges & episodenreiches „Heimat“-Projekt (seit 1984 zusammen über 50 Stunden) abringen musste, nun einen vierten Teil realisieren konnte, der (zuerst) in unsere Kinos kommt. Und zwar als
Read More Ein Leben mit zyklischen Dürrekatastrophen – In kurzen, beinahe autonomen, psychologisch dichten Momentaufnahmen schildert Graciliano Ramos (1892–1953) in „Karges Leben“ (ursprünglich 1938 erschienen) die Geschichte einer mittellosen Landarbeiterfamilie im brasilianischen „Sertão“, jener semi-ariden Zone, die ihren Bewohnern durch die periodisch auftretenden Dürren das Leben zur Hölle macht. „Karges Leben“, ein Klassiker der brasilianischen Literatur, wurde anlässlich der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit dem Ehrengast Brasilien neu aufgelegt und zwar in Willy Kellers zeitloser Übersetzung von 1966. Doris Wieser hat das Buch gelesen. Graciliano Ramos erzählt vom Überlebenskampf von Menschen in extremen
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