Geschrieben am 2. August 2024 von für Crimemag, Litmag, Special Thomas Wörtche, Thomas Wörtche

Sabine Kalff, Carsten Klindt, Nick Kolakowski, Anne Kuhlmeyer

Sabine Kalff: Ein Mann fürs Große

Auf Thomas Wörtche war ich neugierig, weil es ihn wie mich einmal zu Diaphanes verschlagen hat. Dessen Verleger hat die Fähigkeit, gute Leute anzuziehen und rasch in die Flucht zu schlagen. Schon nach wenigen Minuten war mir klar, dass Thomas Wörtche ein zu guter Fang für den kleinen Verlag war, ein stattlicher Karpfen, der das Boot beim Herausziehen zum Kentern zu bringen drohte.

Als Literaturwissenschaftlerin habe eigentlich nichts mit Thomas Wörtche zu schaffen, doch ich komme gerne zu den Arbeitstreffen von Johannes Groschupf mit seinem Herausgeber. Nicht nur, weil dort immer gut gegessen und getrunken wird, sondern vor allem wegen der Gespräche. Thomas Wörtche ist nicht der Typ, der sich gerne reden hört; er ist ein neugieriger und anregender Gesprächspartner, egal, um was es geht: die Literatur des Nationalsozialismus – er hat über Hanns Heinz Ewers promoviert, der neben einem Haufen anderer Sachen 1932 den ultimativen Horst-Wessel-Roman verfasst hat. Die Kurpfälzer Lebensart und ihr französischer Einfluss – Schnecken, Froschschenkel, Münsterkäse. Sein Horror vor Festanstellungen und der Stolz darauf, immer selbständig gewesen zu sein. Mit dem Finanzamt steht er, wie viele künstlerische Naturen, auf weniger gutem Fuß. Schuld daran ist wohl seine Großzügigkeit, die sich nicht nur auf Einladungen erstreckt.

Der ganze Mann hat etwas Ausladendes, sei es in Gesten oder in Gedanken. Ich kann ihn mir nur schwer beim Ordnen von Quittungen vorstellen oder beim Herausrechnen des Frühstücks aus den Übernachtungen. Mit solchem Kleinvieh gibt er sich nicht gerne ab, es geht ihm mehr um das große Ganze. Er ist geschaffen für Großtaten. Er kann darüber lachen, dass das Leben einem auch allerhand anderes abfordert. Es wird einem leicht und heiter zumute in seiner Gegenwart.

Als Experte des Kriminalromans war er bei der Bundeswehr, kennt den Verlauf des Zweiten Weltkriegs im Detail, interessiert sich für Schusswaffen und bedauert, dass sich die russische Mafia nicht häufiger Schießereien in Charlottenburg liefert. Aber einstweilen lässt es sich an der Kantstraße auch ohne Kugelhagel bei Austern, Jakobsmuscheln und Entenleberparfait ganz gut leben.

Ich wünsche Thomas Wörtche noch viele schöne Jahre und – mögen ihn Witz, Humor und Lebenslust nie verlassen.

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Carsten Klindt

Lieber Thomas.,

herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag!
So. Und nun bin ich auch schon am Ende mit meinem Latein. Glücklicherweise sind das andere nicht. Zum Beispiel Charles Addams im New Yorker 1983. Selten so gelacht. Ich hoffe, es geht dir ähnlich. Lieber Thomas, ich wünsche dir noch viele gute Krimis.

In diesem und deinem Sinne –
cheers
Dein Carsten

Anm. d. Red.: Auf 65 Folgen kommt mittlerweile bei uns seine Reihe Fotografie & Reallife: Street Scenes (65)

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Nick Kolakowski

„Dear Thomas“ (as I always begin my emails to him): an editor’s editor, impossibly erudite, always with the best opinions about what’s going on in the wide world of crime fiction. I love how every time we plunge into a discussion about another author, he reveals some great vignette: for example, when I mentioned recently that I was re-reading Chester Himes’s Harlem novels, he mentioned knowing his widow well—and traveling to Oakland, CA, to speak at a Himes symposium in the 1990s. 

I also love how he sticks up for his writers. He fights for the best covers. He introduces new, sometimes experimental voices to his audience. He keeps pushing forward. If only the rest of us could age so vividly.

Thanks again for the opportunity to join this milestone birthday!

– Nick Kolakowski’s column »Smoking Gun« is at number 25, we are proud to have him.

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Anne Kuhlmeyer

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