
Der Kriminalroman als Trutzburg der Sinnhaftigkeit, als Trostbüchlein gar?
Ein Essay von Thomas Wörtche
Vielleicht kann man das Thema nur pointillistisch angehen: Denn was hier behandelt werden soll, ist eine ziemlich riskante Angelegenheit. Es geht darum, einem vor nicht allzu langer Zeit noch als trivial belächelten literarischen Genre eine Aufgabe aufzuhalsen, für die wesentlich anders strukturierte, menschheitsgeschichtlich konstitutive, durch die Jahrtausende unendlich ausdifferenzierte, durch “abgeschlossene Vokabulare” (im Sinne Richard Rortys) oder “scholastische Episteme” (im Sinne Pierre Bourdieus) definierte Systeme eigentlich zuständig sein sollten: Ausgerechnet die littérature maudite, die Kriminalliteratur soll Sinn stiften, soll gegen eine eventuelle Kontingenzunterstellung allen Daseins in Stellung gebracht werden. Wo Mythos, Ritual, Religion, Philosophie und Ideologie nicht mehr greifen, soll eine Art “subliteratura” helfend eingreifen.
Eine hauptthesen-artige Antwort, eine einigermaßen stichhaltige Hypothese zum Thema, ja, überhaupt eine positive Einschätzung, ob diese Zuständigkeitsverschiebung denkbar sei – all das nur zu wagen, wäre schon megaloman und notfalls fatal. Deswegen werde ich versuchen, das gesamte Themenfeld in kleinere Partikel zu zerlegen, die nicht unbedingt in einem kausalen Argumentationszusammenhang stehen müssen, sondern als kleine ad-hoc-Phänomenologie dienen sollen.
Begriffliche Konsistenz ist bei einem solchen, noch wenig systematischen Verfahren nicht zu erzielen. Es werden verschiedene Konzepte, Schattierungen und Nuancen von “Religion” (zum Beispiel) gebraucht. Meistens steht “Religion” für ein für eine große Anzahl von Menschen verbindliches und kulturhistorisch abgesichertes System der Sinnerzeugung und Sinngarantie, das einen Glaube an sprachlich präexistente Phänomene (Gott etc.) impliziert. Also an diesen Stellen ein klassischer substanzialistischer Religionsbegriff, der allerdings im Verlauf meiner Überlegungen in Konfrontation mit einem eher funktionellen Religionsbegriff (im Gefolge von Emile Durkheim) gerät – denn wenn eine Zuständigkeitsverschiebung im Geschäft der Sinnproduktion und –garantie konstatiert wird, impliziert dies auch einen Verschiebung des Religionsbegriffs, während man das “Vokabular”, die “Erzählung” verändert.

Der Gang des Handelns über unsere doch auch arg im Metaphorischen angesiedelte Ausgangslage dekliniert verschiedene mögliche Schnittstellen der Felder Religion, Kriminalliteratur und Sinnstiftung durch, insofern es sich bei diesen Schnittstellen nicht einfach um den Nachweis und die Interpretation religiöser Motive, Figurenkonstellationen oder Exempel in der Kriminalliteratur handelt.
I Erzählung
Homo sapiens liebt Erzählungen von Mord und Totschlag, von Grausamkeit, von Verrat und Marter, von Tücke und Hinterlist, von Gewalt und Macht. Ob Kain den Abel erschlug, ob Apollo den Marsyas häutete oder ob der in Maden und Schorf gekleidete Hiob Allerschrecklichstes erdulden musste, Achilles den Hektor tötete und selbst getötet wurde: beliebter Erzählstoff war und ist so etwas immer. Wir sparen uns deswegen den üblichen Gang durch die Kultur- und Geistesgeschichte der einschlägigen Narrative.
Die Menschen mögen sich selbst in ihrer Projektion als „Untier“ nicht leiden können und über allerlei „anthropofugale“ Denkmodelle nachsinnen[1], aber sie bekommen von der Erzählung über Gräuel, Gewalt, Chaos und Schlächterei den Hals nicht voll. Sie genießen diese Narrative viel zu begeistert, als dass man diese Faszination nur als Ausdruck erschrockenen Perhorreszierens der düstersten Aspekte von homo sapiens verstehen könnte. Mord & Totschlag ist beliebt am Höhlenfeuer, in der polis, in der Oikumene, auf zugigen Burgen, auf Schaukastenbühnen, im Kintopp, auf DVD und Blueray und in allen Formen fiktionalen und semi-fiktionalen Erzählens. Der Darreichungsmodus ist egal – Gattungen und Medien können wechseln, von der Lyra bis zum Dolby-Surround, vom Pergament bis zum iPad.
Die reale Gewalt-Geschichte der Spezies Mensch und die permanenten Erzählungen von der Gewalt laufen parallel. Mord, Verbrechen und andere üble Kategorien mehr waren und sind immer präsent, allgegenwärtig. In Realität und Fiktion hat man zwar immer auch versucht, diesen Zustand zu ändern, man hat versucht einzuhegen, zu dämmen, zu mildern. Man hat Theorien entworfen, Modelle und Utopien, Theo- und Teleologien, um diese als “Böses” bezeichnete Kategorien ein für allemal auszukurieren, auszurotten, zu entsorgen, zu erledigen.
An der Sinnhaltigkeit und Sinnhaftigkeit der jeweiligen Erzählungen von Gewalt & Co. gab es kaum je Zweifel. Exempel, Allegorie, Symbol, Psychoanalyse, Geschichtsphilosophie, Ästhetik, Ethik und Moral sorgten für die Aufsplitterungen der Gewalt- und Morderzählungen in die verschiedenen Künste und Gattungen – vom Gemälde zum Requiem, von der Weisheitsdichtung bis zum Drama, von der Votivtafel zum Triptychon. Mord und Verbrechen steckten überall und funktionierten sinnhaft in den jeweiligen rituellen oder religiösen, ideologischen oder philosophischen Sinnsystemen – Opferung, Heiliger Krieg, Inquisition, Dschihad, Klassenkampf.
Und natürlich auch in den lebensweltlichen Sinnsystemen, die dem realen Hauen und Stechen und Morden ihre spezifischen sinnhaften Funktionen zuwiesen – vom Märtyrertod bis zum Sterben auf dem Feld der Ehre, vom pro patria mori bis zum sich Opfern für eine große Idee, ein Ziel, ein Versprechen oder 72 Jungfrauen. Die Übergänge vom Heiligen zum Profanen, vom Wunderglauben zur ideologischen Position, zum selbstermächtigten Exekutieren im Namen eines telos –religiös oder politisch generiert – überlagern sich, sind selbst analytisch kaum distinkt zu behandeln.
II Unzulässige Abkürzung?
Gleichzeitig tickert ein anderes, geschichtsmächtiges Rädchen: Die spätestens seit der Renaissance allmählich stattfindende Säkularisierung aller Lebensbereiche von homo sapiens. Vom Spirituellen jeglicher Couleur bleiben die Techniken, wie Peter Sloterdijk[2] nicht müde wird zu predigen. Von der frommen Askese führt der Weg der Körperdisziplin ins höchst säkulare Fitness-Studio.
Gerne tauchen an dieser Stelle Begriffe wie “Ersatzreligion” auf, wobei allerdings dann zu belegen sein müsste, wie jegliche Transzendenz in letzter Konsequenz einem robusten, diesseitigen Pragmatismus gewichen ist, der kaum metaphysisch begründbar, geschweige denn letztbegründbar erscheint. Ähnlich vorsichtig sollte man sein, wenn man „die Kriminalliteratur“ als „Ersatzreligion“ beschreiben wollte, nur weil sie ein enormes kommunikatives Potential hat, das sie für den oben beschrieben Säkularisierungsprozess interessant macht. Für wen sollte ein solches Manöver funktionieren? Wo läge dessen Attraktivität? Und wie hoch wäre die Verbindlichkeit?
III Kriminalliteratur als Universalgenre
Ich möchte nicht unbedingt auf die vielen Aspekte eingehen, die die Erzählungen von Mord und Totschlag mit den “letzten Dingen” gemeinsam haben, mit Schuld und Sühne, Vergebung und Verzeihung, Heil und Verdammnis, mit den Verstößen gegen die zehn Gebote, mit den drei Tod- und den sieben Kardinalsünden als Motivspender für allerlei Untaten. Das alles und noch viel mehr einschlägig Kategoriales spielt selbstverständlich für die Kriminalliteratur thematisch eine gewaltige Rolle. Sie ist der ideale literarische Austragungsort von Debatten über dergleichen Themen und Probleme im ästhetischen Gewand. Aber dieser schlichte Befund weist noch nicht in die Richtung, in die ich letztlich will.
Es ist unübersehbar geworden, dass die vielen Modi des Erzählens von Mord & Totschlag seit dem Aufkeimen der Moderne (d.h. grob seit den 1840er Jahren und seit Edgar Allan Poe – also bezeichnenderweise seit der Schwarzen Romantik als negativer Spiegelung des lumen naturale der Aufklärung) allmählich geronnen sind in einem Superparadigma des Erzählens[3]: In der Crime Fiction mit all ihren medialen spin offs – Prosa, Film, Radio, Comic, Game, TV, Hörspiel und Drama. Und das Ganze global, und, wie nur ein Blick ins TV-Programmheft, ins Kinoprogramm und auf die Bestsellerlisten zeigt, exponentiell beschleunigend.
Crime fiction – obwohl immer noch oder wieder oder gar neuerdings immer mehr unter Trivialverdacht stehend – ist der Metaphernspender für alles und jedes („… spannend wie ein Krimi …“), und garantiert zum Beispiel das anekdotische Moment von Malerei und Fotographie von Goya bis Newton, deren Werke sicher weit über 80% kriminogene Anekdoten als Bildinhalte haben, und vom Märtyrerbild bis zu Francis Bacon.
Crime fiction funktioniert als Handlungschiffre in Algerien wie in Argentinien, über Crime Fiction kommunizieren ganze Gesellschaften ihre Probleme, Widersprüche, Identitäten, wie wir es gerade am Beispiel Südafrika beobachten können. Denn südafrikanische Kriminalautoren wie Deon Meyer, Andrew Brown oder Roger Smith dominieren den literarischen Diskurs über ihr Land – gerade in der globalen Rezeption[4]. Kriminalliteratur ist weltweit die Textart, die am meisten gekauft und vermutlich auch gelesen wird. Ihre medialen spin offs sind vermutlich noch populärer, das gesamte Feld mit regionalen Abweichungen weltweit omnipräsent. Selbst die VR China hat sich in den letzten Jahren für internationale Kriminalliteratur geöffnet. Parallelen zur Missionierungsgeschichte möchte ich allerdings an dieser Stelle doch nicht zu formulieren wagen.
Dass, kleinteiliger geschaut, ausgerechnet das Krimi-Festival, das inzwischen fast jede Mittelstadt oder jeder Regierungsbezirk in Europa zu bieten hat, für das jeweilige Tourismus-Marketing attraktiv, weil publikumsmagnetisch ist, mag auch einem gewissen Zeitgeschmack, einer Mode geschuldet sein. Obwohl ich daran so ganz nicht glauben mag, weil es nie solche flächendeckenden Science-Fiction-, Horror- oder Romance-Paradigmen gegeben hat, mit denen soviel Disparates kommuniziert oder distribuiert werden konnte, wie das mit Kriminalliteratur anscheinend funktioniert. Selbst die globale Harry-Pottermania bleibt in den Einfriedungen der Jugendkultur und der harmlosen Geister.
Nicht so das Paradigma Crime Fiction. Von ihm bleibt noch kaum ein kommunikativer Zusammenhang unberührt. Sein kommunikatives Potential ist gigantisch geworden – seine Wertungen, Einstellungen und ideologischen Grundeinstellungen[5] sind überall und für jedermann verfügbar.
IV Das Ungleichzeitige im Gleichzeitigen
So etwas macht nachdenklich, ist aber sogar ein bisschen historisch logisch. Wenn man Dorothy Sayers berühmte Rede “Aristotle on Crime Fiction”[6] als einen Markstein in der Produktions- und Rezeptionsästhetik der Kriminalliteratur versteht, und zwar als einen Markstein, von dem zwei Pfade sich – im fast Borges´schen Sinn – verzweigen, könnte man sagen: Sayers Plädoyer für die Kriminalliteratur ist ein Plädoyer gegen die Moderne. Weshalb ein Pfad der Kriminalliteratur formkonservativ in die von Sayers vorgezeichnete Richtung ging, Kriminalliteratur im Gefolge Dashiell Hammetts aber einen anderen Weg beschritt, auf den wir unten zu sprechen kommen.
Ästhetisch, erkenntnistheoretisch und metaphysisch war Sayers Vortrag gegen die Moderne positioniert. Gehalten 1935, als der Nachhall des Massenschlachtens des Ersten und der Vorschein des Zweiten Weltkriegs Illusionen über das Töten und Morden und deren zivilisatorischen Folgen kaum ernsthaft noch zuließen, zelebriert Sayers´ Vortrag weniger einen aparten Zynismus im Umgang mit derlei unschönen Gegenständen, sondern bietet eine schon fast rührende Verdrängungsleistung: Sayers versteht ihre Gegenwart, das Jahr 1935, als eine etwas “nervöse Zeit” in der die “Beschäftigung mit Verbrechensgeschichten ein Sicherheitsventil für unsere blutdürstigen Leidenschaften darstellt, die uns sonst zur Ermordung unseres Ehegatten treiben würde”[7]. Damit betreibt sie eher eine Beschwörung, eine Abwehr von Umständen und von eminent weittragenden Umbrüchen, die sie lieber nicht wahrnehmen möchte.
Ein Hinweis bestärkt diese Vermutung: “`Falls … Detektivromane zu einer höheren Kriminalität führen, dann wird steigendem literarischen Niveau eine Steigerung der Kriminalität entsprechen´”[8] zitiert Dorothy Sayers einen anonymen Text aus der Literaturzeitschrift “The Author”, um ihm sogleich empört zu widersprechen. Dass das Argument an sich (fiction führt zu erhöhter Kriminalität) nicht totzukriegen ist, ist uns nach den ganzen Debatten um Ballerspiele und Schulamokläufe durchaus bewusst; seine totale Irrelevanz im Zusammenhang von „guten“ (!) Krimis und erhöhter Kriminalität ist natürlich auch Dorothy Sayers klar, aber sie steigt begeistert auf diese Scheindiskussion ein, weil sie ja mit ihrer lebensfremden Verniedlichung von Mord und Totschlag in “nervöser Zeit” die ganze Moderne gleich miterledigen möchte. Nicht nur die Texte von James Joyce und der ganzen Avantgarde der Zeit (die zudem noch massiv unter Unsittlichskeitsverdacht standen), die Sayers mit ihrer nicht ganz so sattelfesten Feier der aristotelischen Poetik[9] glaubt, in die Tonne treten zu können – nein, Sayers meint die ganzen schlimmen Zeitläufte, ihre eigene historische Gegenwart gleich mit, in der das Morden – das schwant ihr furchtbar – eben nicht mit den gepflegten Grillen und Launen der besseren Kreise zusammengeht, sondern grimmige soziale Realität ohne erkennbares Telos geworden ist.
V Trost: Gerechtigkeit
Kriminalliteratur wird spätestens ab hier und spätestens in der Variante Sayers, Christie & Co., also dem ersten Pfad, zur Trostliteratur wider die diversen Übel der Zeit.
Der Erfolg genau dieses Musters von Kriminalliteratur hat sich erstaunlich gut und vor allem gut erkennbar bis heute gehalten. Auch zeitgenössische Kriminalautoren bestehen offensiv und sich der Implikationen völlig bewusst, auf dem Trostpotential dieser pseudo-aristotelischen Form. Sie möchten dem Publikum sozusagen menschliche Wärme mit dem Erzählen von Bluttaten geben. Es funktioniert ja auch: Es geschieht eine Tat. Es wird jemand ermordet, “etwas ist nicht geheuer”, wie es bei Ernst Bloch[10] heißt, es eilt die Aufklärung herbei. Es zeigt sich am Ende, dass Mörder und Opfer letztendlich in einem irgendwie gearteten Verhältnis zueinander gestanden haben. Der Tod des Opfers ist nicht kontingent, er ist sinnhaft. Er muss es sein. Denn nur deshalb kann man diesen Tod aufklären, deshalb lässt er sich einfach erzählen, deswegen kann man an ihn sämtliche Fragen anhängen – auch theologisch gewendete Fragen. Der irdischen und der himmlischen Gerechtigkeit steht da nichts im Wege, gerne darf deswegen der Detektiv oder Ermittler selbst ein geistlicher Herr sein wie es seit Gilbert Keith Chesterton bis Umberto Eco gute Tradition geworden ist. Oder ein Ex-Mönch wie bei Friedrich Ani oder J. W. Rider, auf die wir beide später zu sprechen kommen.
Gegen Widerstände, klar, und wenn der Täter am Ende der einen, der irdischen Gerechtigkeit entkommt, bleibt noch die andere – nennen wir sie die himmlische oder die poetische. Wenn letztere auch manchmal ironisch erscheinen mag – ironisch intendiert ist sie vermutlich eher selten.
Dieser Trost aber, und da wird die Angelegenheit für mich interessant, ist nicht mehr notwendigerweise und bei weitem nicht immer theologisch abgesichert, auch wenn es so aussehen mag. Er tut nur so, technisch gesehen – so wie die Körperdisziplin gewisse asketische Techniken benutzt, wie wir oben im Zusammenhang mit Peter Sloterdijks Säkularisierungsmodell gesehen haben.
Der Trost, den die Überführung des Täters stiftet, ist ein ganz und gar säkularer Trost. Auch wenn er ein Trost ist, der genre-konstitutiv für einen bestimmten Typus des Kriminalromans ist, so hat er doch seinen Preis. Denn dieser Trost ist nur auf Kosten bestimmter Beugungen zu haben, die wiederum hinderlich auf die ästhetischen Gestaltungsmöglichkeiten der Texte zurückschlagen. Die Beugung z.B., dass erzählenswerte bzw. kriminalromanlegitime Kriminalität im privaten Bereich aufgeht, in dem auch in der Realität nach dem Sünden- und Lasterkatalog gemordet wird. Einem Sündenkatalog, der eher universalistisch denn z.B. rein christlich ist: Eifersucht, Habgier, niedere Triebe und so weiter. Auch die reichlich naive Beugung, dass ein guter Kommissar, ein professioneller Aufklärer, der hinter all das schaut, was zu diesem Mord geführt hat, diesen Trost garantieren könnte, muss dieser Typus von Text verantworten.

VI Trost 2: Öffentlich und Privat
Friedrich Ani hat in seinem Roman “Totsein verjährt nicht”[11] einen zweiten Schritt auf der Komplexionsskala riskiert. Er hat Trost und Sinnhaltigkeit einer Kriminalhandlung mit der Spiritualität einer Hauptfigur verknüpft und alle diese Bezüge in das Spannungsfeld von Privatem und Öffentlichem gesetzt. In diesem Spannungsfeld bewegt sich ernst zu nehmende Kriminalliteratur immer, weil Verbrechen, insbesondere Mord, immer einen privaten und gleichzeitig öffentlichen Charakter haben. Privat, weil Individuen mit ihrer gesamten Existenz involviert sind, öffentlich wegen des Offizialdeliktcharakters von Schwerverbrechen.
Anis Roman hat folgende Konstellation: Ein kleines Mädchen ist vor Jahren verschwunden. Vermutlich ist es ermordet worden. Der Täter war geständig, ein geistig etwas zurückgebliebener junger Mann, der fürderhin weggesperrt wurde. Doch die Sonderkommission, die zuerst den Fall bearbeitet hatte, hatte damals keine opportunen Ergebnisse geliefert. Ihr Leiter wurde ersetzt, ein neuer Chef kam zu einem schnellen Ergebnis, Politik und massenmedial beeinflusste Bevölkerung waren zufrieden. Gerechtigkeit herrschte, Trost für die Öffentlichkeit, aber der falsche Täter sitzt ein. Jetzt tritt Anis Ermittlerfigur Polonius Fischer, Ex-Mönch, mit Gott hadernd, ringend und suchend, auf den Plan und klärt die Dinge endgültig. Der Zufall, der einer politisch opportunen, wenn auch fachlich nicht ganz überzeugenden Lösung den passenden Verdächtigen damals geliefert hatte, hatte die innere Notwendigkeit übersehen, mit der der wirkliche Täter damals zu Werke ging. Und die jetzt nach Jahren korrigierend erkannt werden kann. Polonius Fischer demonstriert uns, wie haarscharf hier Kontingenz umschifft wird, um eine befriedigende Sinnhaftigkeit irdischen Waltens zu erzeugen.
Aber diese spezielle Sinnhaftigkeit ist Friedrich Anis Setzung, eine Option unter anderen möglichen. Denn Polonius Fischer war damals der Leiter der SoKo gewesen, den man, weil er skrupulös arbeitend eine einfache Lösung verweigerte und dadurch politischen Druck erzeugte, suspendiert hatte. Jetzt, Jahre später, arbeitet Fischer, so sehr er nach Gerechtigkeit lechzen mag, auch an seiner eigenen professionellen Rehabilitation. Er steckt also in dem Dilemma von persönlicher Identität und allgemeiner Gerechtigkeit: Das Verbrechen „Mord“ hat dieses janusköpfige Dilemma geschaffen. Und dieses Dilemma ist ein geradezu prototypischer Fall dessen, was Richard Rorty in seinem Werk „Kontingenz, Ironie und Solidarität“[12] zum Thema hat: Die pragmatischen gesellschaftlichen Folgen von Sinnsystemen und –modellen und deren literarischen Ausformungen.
Speziell, wo es um die Rolle der Kontingenz in der Dialektik von Privatem und Öffentlichem geht, diskutiert Rorty abstrakt genau das Problem, das Friedrich Ani im Roman seiner Figur Polonius Fischer konkret zu lösen gibt: Wie “entscheidet man, wann man gegen Ungerechtigkeit kämpfen und wann man private Selbsterschaffungspläne verfolgen soll?”[13] Denn möglicherweise birgt ja auch Polonius Fischers Kreuzzug gegen Ungerechtigkeit Elemente einer anderen Ungerechtigkeit gegenüber einem Kollegen, der damals nach Lage der Dinge zwar falsch, aber nicht bösartig gehandelt hat. Rorty nun argumentiert in Bezug auf eine solche dilemmatische Situation dezidiert post-religiös, post-metaphysisch: “Wer glaubt”, so würde Rorty Polonius Fischer antworten und damit andere Problemstellungen ähnlicher Art aus den empfindlichen Schnittbereichen von Privatheit und Öffentlichem gleich mit bearbeiten: “wer also glaubt, es gäbe wohlbegründete theoretische Antworten auf Fragen dieses Typs – Algorithmen zur Lösung moralischer Dilemmata dieser Art -, ist im Herzen immer noch Theologe oder Metaphysiker. Er glaubt an eine Ordnung jenseits von Zeit und Veränderung, die festsetzt, worauf es im Leben ankommt, und eine Hierarchie der Verpflichtungen einrichtet.”[14]
Man kommt, da ist Rorty deutlich Wittgensteinianer, in diesem Zusammenhang nicht an dem berühmten “Vortrag über Ethik” vorbei, in dem Wittgenstein den “Unsinn”[15] von Aussagen über das Wunderbare und dergleichen Phänomene bekräftigt, aber gleichzeitig jedem persönlichen Versuch, ethisch in einem System des Absoluten zu handeln, seine Hochachtung ausdrückt.
Genau das macht Friedrich Ani hier mit seinen literarischen Mitteln: Er demontiert den Trost und die Sinnhaftigkeit der ersten Lösung – opportuner Täter kommt ins Gefängnis -, die man auch als die Lösungsoption schlechter, weil allzu simpler Kriminalliteratur bezeichnen könnte. Dann bezieht Ani sich auf die Spiritualität der Figur Polonius Fischer und beschließt eine Lösung, die sich nicht aus einem System des Absoluten herleitet, sondern aus Fischers Professionalität als einem Polizisten, der eben auch einen spirituellen Hintergrund hat. Also ergibt sich die Lösung aus einer in der Tat Rorty´schen (insofern auch ironischen) post-metaphysischen, “liberalen” Entscheidung: Die kann optional religiöse Gestalt haben, ist strukturell aber nicht auf religiösem Weg entstanden. Das Religiöse wird dadurch von Ani aus dem zwingend Notwendigen, dem metaphysisch Unbedingten, dem Dogma des Glaubens, der religiösen Sinn-Garantie herausgelöst und als Option menschlichen Handelns unter anderen (tendenziell gleichwertigen) Optionen operabel gemacht.
VII Kein Trost
Auch bei den Kriminalromanen von Georges Simenon könnte man hin und wieder ein religiöses Unterfutter vermuten. Gerade die Romane mit dem Commissaire Maigret scheinen sogar ein Heilsversprechen durch einen gütigen Gottvater-adäquaten Verbrechensbekämpfer trostreich einzulösen. Maigret überführt den Täter und führt die Welt in ihre (klein-) bürgerliche Ordnung zurück. So scheint es, wenn man der oft krausen Rezeptionsgeschichte Simenons folgt.

Aber so ist es nur auf den allerersten Blick. Denn die Ordnung der Welt wird in allen Romanen von Simenon – solche, auf denen “Krimi” draufsteht, und solche, die er “romans durs”[16] nannte – nicht in erster Linie von Bösewichtern gestört, sondern von Gelegenheit, Zufall, timing – oder wie andere Kategorien eines gleichgültigen Kosmos so heißen mögen. Hätte, in Georges Simenons aus vielen Gründen (nicht zuletzt solchen der Erzählökonomie) großartigem Roman “Maigret und die Keller des Majestic”[17] der arme, hässliche, aber grundanständige Prosper Donge auf seinem Weg zur Arbeit als Chef der Kaffeeküche des “Majestic” keinen Platten an seinem Fahrrad gehabt, hätte der schmierige, fiese Jean Ramuel keine Gelegenheit gehabt, die zu Reichtum gekommene Hure Mimi umzubringen und den unschuldigen Nachtportier gleich mit. Zwar entlastet das gleiche timing am Ende des Buches den guten Prosper Donge, bringt aber für zwei andere Menschen den gewaltsamen Tod. Dieses moralische Paradox ist bei Simenon nicht etwa Anlass für allerlei scharfsinnige Reflexionen über Zeit und Tod und Gerechtigkeit, sondern eine erzählerische Miniatur im allerersten Kapitel des Romans, das nur scheinbar streng chronologisch den tristen, aber heimeligen Alltag des Kaffeeküchenvorstehers erzählt und die furchtbare Katastrophe, die sich aus etwas so Banalem wie einem platten Reifen ergeben kann.
Aber die Situation zeigt, gerade wegen ihrer signifikanten Beiläufigkeit, welche enorme Rolle die Kontingenz aller Geschehnisse für Simenons Konzept von Kriminalliteratur spielt. Der Detektiv in den Maigret-Romanen scheint noch so etwas wie die Sinnhaftigkeit aller Detektion zu beglaubigen, aber die Kollateralschäden sind schon passiert, bevor “Trost” noch ernsthaft eine mildernde Kategorie sein könnte. Erst recht in den Simenon-Romanen, in denen die “Erlöser”-Figur Maigret fehlt, die aber deswegen nicht weniger Kriminalromane sind. Gerade da wird deutlich, wie zutiefst pessimistisch und kalt die Welt des Georges Simenon recht eigentlich ist. Auch hier sind die intellektuellen, psychologischen und spirituellen Techniken in die Funktionale gerutscht. Ein Sinn des Treibens außerhalb seiner narrativen Aufgabe, eine Geschichte ganz (pseudo-) “aristotelisch” (im Sayers´schen Sinn, um das nochmal zu betonen), nach dem Anfang und der Mitte mit einem Ende zu versehen, ist kaum noch auszumachen.
Kriminalliteratur, so können wir bis jetzt festhalten, produziert auch Spielarten, deren antimoderne (resp. vormoderne) Erscheinungsgestalt und Form ihrer intellektuellen und reflektorischen Modernität nichts anhaben können. Allerdings bezahlen unsere beiden Beispieltexte von Friedrich Ani und Georges Simenon, in denen intakte, traditionelle “vormoderne” Formen und “moderne” (oder: ironische) Inhalte zusammengeführt werden, diese sehr elaborierten literarischen Verfahren mit einer gewissen Inkongruenz. Das Übersehen oder gar Ignorieren dieser Inkongruenz bei der Rezeption ist vermutlich der Grund für breitenwirksame Konsumierbarkeit. Sie sind, auf den ersten Blick jedenfalls, mit anderen, schlichteren, gar regressiveren Modellen verwechselbar.

VIII Theodizee
Eher regressivere Modelle von Kriminalliteratur arbeiten natürlich ebenfalls mit religiösen Feldern und Bezügen.
Die auffälligste Kategorie dabei ist die Theodizee, die gerade im modischen Serialkiller-Roman der “art moyen” überlaut vernehmbar ist. Nicht, weil ein durchschnittlicher Serialkiller-Schmöker im Gefolge von Thomas Harris´ “Hannibal Lecter”-Romanen dies bewusst so anlegen würde – so etwas passiert nur in einigen wenigen hochreflektierten Ausnahmewerken dieses Subgenres, bei Derek Raymond etwa. Die Romane, die ich hier meine, also solche von Karin Slaughter, von Val McDermid oder Mo Hayder oder wie auch immer die austauschbaren VerfasserInnen von dergleichen Fluchtliteratur heißen mögen, häufen Gräuel auf Gräuel auf Gräuel, die Menschen angetan werden, so dass selbst Hiob wie eine gehätschelte Prinzessin auf der Erbse wirkt. Die Antwort auf die Frage, wie Gott so etwas zulassen kann, die von der Fiktion gestellt wird (wobei sie real existierende Gräuel der Welt nur karikierend nachäfft) wird damit von der gleichen Fiktion schon gleich mitbeantwortet, weil diese Antwort einziger Zweck der Frage war: Der Autor wird´s schon richten lassen. Von heldenhaften Gerichtsmedizinern, Profilern und allerlei anderen Kämpfern gegen die Mächte der Finsternis. Die wiederum bestehen allesamt aus sündigen Seelen. Aus bösen Leuten eben, die aus Prinzip oder aus Schwäche, aus Krankheit oder devianter Disposition böse sind. Aber nie aus Gründen kontingenter Umstände wie bei Simenon oder wegen handfester politischer und sozialer Determinanten. Das Böse ist hier ganz und gar der Gegenspieler des monotheistischen Guten. Die Sinnfrage ist in diesem Antagonismus schon längst gelöst, die Theodizee beantwortet. Das Böse existiert, um vom Guten besiegt zu werden.
Die Theodizee, die ja laut Günter Anders, als “Sinnfrage” ihre säkularisierte Version hat[18], ist bei einer so strukturierten Art von Kriminalliteratur zur Ideologie geronnen. Denn die simple Botschaft dieser Variante von Crime Fiction, also die blutige, gewaltgeile und evasive Variation, heißt ja: dass nichts so schlimm, so furchtbar, so grauenhaft inszeniert werden kann, dass die Gegeninszenierung nicht immer und jederzeit rettend zur Stelle sein wird. Die Welt in dieser Art Bücher wird so schlecht gemacht, dass jeder wissen soll, dass die reale Welt unmöglich wirklich so schlecht sein kann.
Die Tücke dabei: Die reale Welt – ein wacher Blick in die Nachrichten beweist es täglich – ist auf ganz andere Art und Weise noch viel schlimmer verfasst als es eine fiktionale Welt je sein könnte, aber dagegen sind wir dann durch besagte Gräuelfiktionen schon bestens gepanzert. Die “Sinnfrage” ist somit von der eigentlichen Theodizee losgekoppelt. Sie wird nur noch rhetorisch gestellt. Ihr “Sinn” ist Ideologie, Evasion, Entertainment light.
IX Schutzengel
Mit einem zweiten, sehr rituell/religiös besetzten Mittel arbeitet diese Art der Gräuelfiktion: Mit dem “Schutzversprechen”. Je grausamer der geschilderte Täter, je furchtbarer die Gefahren, je unvorstellbarer die Bedrohung, desto benevolenter und tyrannischer das Schutzengelprogramm. Das aber gibt es nicht umsonst. Schutzleistungen müssen bezahlt werden, die Schutzbefohlenen müssen auf ihre Mündigkeit verzichten, damit der Schutzschirm sie überwölben kann. Sie müssen sich selbst präventiv schützen lassen wollen. Und da können Gesetze, Verfassungen, zivilisatorische Standards, gar Menschenrechte durchaus im Weg sein – wir kennen von diversen Innenministern und Heimatschützern den öden Spruch, dass die Verfassung “nicht Täterschutz sein” dürfe.
Das ist auch die „Botschaft“ vieler Thriller von Tom Clancy oder etwa der cop novels im Spätwerk von Joseph Wambaugh[19]. Dort wird eingeübt, welche Bürgerrechte, welche Selbstbestimmungsmaßnahmen gestrichen werden müssen, um die als überlebensgroß aufgebauten Schurken, die menschheitsfinalen Bedrohungen erfolgreich bekämpfen zu können. Hier gilt der von Richard Rorty ausgemachte Diskurs um Selbsterschaffung und Gerechtigkeit als obsolet oder zumindest als längst schon theoretisch und prinzipiell begründet gelöst: Und zwar im Sinne einer wie immer zu definierenden höheren Raison, die dann keine Option im Sinne Rortys unter anderen mehr ist, sondern als notwendig sinnhaft vorgestellt werden muss. Ihren “Sinn” ertrutzt sich dies Art von Fiktion sozusagen “monotheistisch” – denn: Du sollst keinen anderen Sinn neben mir haben.
X Metapher
Der mit allen Wassern des Mediengeschäfts gewaschene Willy Haas hatte schon 1929, also während erklecklich krisenhafter Zeiten, in der “Literarischen Welt” die Idee, in der Kriminalliteratur ein “unterirdisches theologisches (sic!) Zeitsymptom” in einer transzendent eher unbehausten Periode zu sehen. Weil der Mensch nicht ohne Religion leben könne, so Haas, es aber am Glauben aus vielen bekannten historischen Gründen mangele, brauche man in Zeiten der “sinkenden Ordnung, des drohenden Chaos, einer unsicheren, neu entstehenden Ordnung” Zuversicht. Zumindest die Zuversicht, dass “für die Guten alles gut endet”. Für so wirkmächtig hält Haas dieses Phänomen, dass es selbst grottenschlechte Kriminalliteratur auf eine gewisse Weise veredele. Sein Paradebeispiel ist sicher einer der allerschlechtesten weltbekannten Kriminalautoren aller Zeiten: Edgar Wallace. Dessen Wirkung aber, meint Haas, sei dennoch so groß, dass er selbst jenseits der “Schwelle der unfreiwilligen Lächerlichkeit”[20] funktioniere.
XI Böse Frauen
Die Sache mit der unfreiwilligen Lächerlichkeit ist eine benevolente Volte, deren Befund man eine etwas bösartigere Variante hinzufügen könnte: Als nachgerade alt-testamentarische (oder noch archaischere) Geste wird bekanntlich das berühmte Ende von Mickey Spillanes “I, the Jury” gewertet, wenn der Held Mike Hammer einer bösen Frau mit den Worten “Es war einfach”[21] eine Kugel in den Unterleib schießt. Das gilt oft als entzückend politisch unkorrekt, aber man muss nicht feministisch argumentieren, um die abgrundtiefe Misogynie einer solchen Handlung zu bemerken, mit der die spätere Stimme des McCarthyismus, also Mike Hammer, hier in der Tat im amerikanisch-fundamentalistisch-christlichen Sinne agiert (Mickey Spillane gehörte bekanntlich zu den Zeugen Jehovas). So hat es bösen Frauen nun einmal zu ergehen, denn sie sündigen ja schließlich auch mit dem Unterleib.
Wie überhaupt die ganze Veranstaltung namens hard-boiled-novel, also der grundsätzliche zweite Pfad, den wir im Zusammenhang mit Dorothy Sayers Rede angedeutet haben, kluge ökonomische Analysen liefert. Einerseits, seit vor allem Dashiell Hammett 1929 in “Red Harvest” die Analogien von Verbrechen und Geschäftswelt fiktional zum ersten Mal glasklar formuliert hatte und einen veritablen kleinen, fetten Mörder, seinen Continental Op, zur positiven Hauptfigur eines Roman machte. Andererseits bezieht die hard boiled novel ihr Weltbild und einen “tieferen” Sinn auch aus einer zutiefst christlich (oder: monotheistisch) begründeten Misogynie, wonach vor allem Frauen mit einem bösen Ende notwendigerweise rechnen müssen, wenn sie vorher sexuell proaktiv waren. Heilige, Mutter oder Hure sind demnach längst nicht alle Varianten weiblicher Existenz. Die schlimmste, verderblichste und verwerflichste Eigenschaft ist in diesem „abgeschlossenen Vokabular“ die weibliche Autonomie, deren “Selbsterschaffung” mit dem männlichen und subgenrehaften Gerechtigkeitspostulat nur final kollidieren kann – eine Rorty´sche ironische Verhandelbarkeit findet hier nicht statt. Und Kontingenz in der Handlungsführung in dieser Spielart von hard-boiled-novels eben auch nicht.
XII Dekonstruktion
Nicht umsonst spielt ein literarhistorisch später Reflex auf diese Sorte von hard-boiled-novel mit einem ganzen Bündel einschlägiger Bezüge. Ich meine die beiden kapitalen, in Deutschland fast völlig unbeachtet gebliebenen Romane von J. W. Rider: “Jersey Tomatoes” und “Hot Tickets” von 1986 und 1987, die instinktsicher auf Deutsch die Titel “Der Teufel hat viele Masken” und “Der Teufel kennt kein Gesetz”[22] tragen. J.W. Rider war das damals noch ungelüftete Pseudonym des Schriftstellers Shane Stevens, der mit dem beinahe “Meta-Serialkiller-Roman” zu nennenden “By Reason of Insanity”[23] 1979 schon die Reflexionsebene über das Sujet “Serialkiller” so hoch gelegt hatte, dass später eine aufwändige publizistische Verdrängungsmaschinerie die Aufmerksamkeit für wesentlich schlichtere Produkte wie die Hannibal-Lecter-Romane erzwingen musste. Das aber nur nebenbei.
In den beiden genannten Romanen um den Privatdetektiv Malone aus New Jersey, der sich nur mit Mordsachen beschäftigt, hat Rider die tiefe, fundamentalistisch verwurzelte Misogynie dieses Subgenres eingelagert in ein ganzes Geflecht christlich-religiöser Bezüge, Anspielungen, Zitate und direkte Übernahmen. “Wir standen auf dem Berggipfel mit der Welt zu unseren Füßen, während ich darauf wartete, dass mich der Teufel versuchte. Zuzuhören war ungefährlich”[24], so beginnt ein Kapitel, in dem Malone mit einer schönen und mörderischen Frau von einem Hochhaus auf Hoboken hinab und auf Manhattan hinüber über den Hudson schaut. Bibel direkt, die Frau als Teufel. Und auch noch ironisch gebrochen. PI Malone war, so lernen wir von ihm selbst, einst katholisch, jetzt ist er Mormone, aber beides kann er auch sarkastisch oder hämisch dahingesagt haben. Oder authentisch. Religion, christliche Werte, überhaupt die Werte des Abendlandes werden in den beiden Romanen immer im Munde geführt, pausenlos thematisiert, pausenlos in ihrer Wertigkeit demontiert und atomisiert und leiten doch, so hat es zumindest den Anschein, das Handeln der Figuren in den beiden Malone-Romanen.
Eine Figur mit dem schönen Namen Charisma Kelly etwa, betreibt eine Organisation namens “Anonyme Christen”, die Menschen aus neurotischer Religionsabhängigkeit zu befreien verspricht. Und wenn Malone aus sehr pragmatischen, diesseitigen Gründen Menschen mit Bedacht, Vorsatz und ohne Reue umbringt, könnte er dies, so wie es Rider bzw. der Ich-Erzähler uns situativ erzählen, auch aus oben genanntem alttestamentarischem Zorn – Auge-um-Auge – tun, wäre der ganze Gestus, die Färbung der Romane nicht grundsätzlich ironisch, ambigue, gebrochen und extrem polyvalent.
Religion erscheint hier auch als “license to kill”, nicht aus ideologischer oder moralischer Empörung, wie das noch beim Fundamentalisten Spillane der Fall war, sondern sozusagen (biblisch-)system-unterstützt und heiter. Aber so läge der Fall eben nur, wenn nicht die Parodie der in den USA der Reaganomics und des neuen Patriotismus ubiquitären Religiosität mit maliziösem Sarkasmus folgte: In einem kirchlichen Restaurant, einem christlich-kulinarischen theme park namens “Haus der Einkehr” werden blutige Steaks serviert, die auf der Speisekarte “Bibel” heißen oder “Leib und Blut” und natürlich kommt am Ende die Rechnung als “Opfergabe”[25] daher. Wobei auch die Parodie, die ja keine normative Gegenbildlichkeit braucht, noch kein Garant dafür ist, dass J.W. Rider eine christliche Grundorientierung total ablehnen würde. Aber sicher sein, das kann man, wenn man textgetreu interpretiert, auf gar keinen Fall. Die Leistung von J.W. Rider aber war es (und ist es bis heute noch, weil noch kein Autor auf dieser Linie weiter gegangen ist als er – die heutige, neuen Versuche eine retro-hard-boiled-Welle zu konstruieren, sind dagegen naiv und unbedarft und befriedigen höchstens ein entsprechendes Publikum), die Grundvoraussetzungen der Unterstellung, Kriminalliteratur könne man durchaus als Religionsersatz oder als Parallelreligion betrachten, ironisch zu unterlaufen und zu sabotieren. Auch für diesen Akt braucht es keine Gegenbildlichkeit, keine Gegennorm, sondern die Demontage der Norm trifft das eine im anderen. Eine Teleologie des Kriminalromans findet hier sowenig statt wie eine Theologie des Kriminalromans. Er muss sich dann doch weiterhin erzählerisch mit der Kontingenz des Universums herumprügeln.

XIII Das Wunderbare, das Übernatürliche
Natürlich können offen religiöse Elemente auch anders funktionalisiert werden. Meistens christliche oder jüdische Motive und Themen deswegen, weil interessanterweise Kriminalromane von muslimischen Autoren relativ selten sind (animistische oder buddhistische Autoren gibt es noch seltener, und ob Willem van de Weterings Zen-Krimis wirklich ernsthafterweise zen-basiert sind, ist noch lange nicht ausgemacht) und die mit Ausnahme von Driss Chraïbi und Yasmina Khadra bis jetzt noch keine Weltgeltung haben. Klar können wie bei Urs Schaubs Tanner-Krimis (wie gerade im “Wintertauber Tod”[26]) Bibelstellen und christliche Bezüge konstitutiv für die Handlung sein. Klar kann das Numinose, Wunderbare, Übernatürliche wie bei William Marshalls Yellowthreadstreet- Mysteries[27] und bei deren strukturellen Nachkommen, den Kriminalromanen von Fred Vargas[28], für Verwirrung und Desorientierung sorgen, bis das lumen naturale der Aufklärung wieder das Rationale aufruft und bekräftigt.
Selbst wo Irrationales zu dominieren scheint wie bei Romanen von James Lee Burke[29] oder in Dennis Lehanes “Shutter Island”[30], ist das Übernatürliche kaum mehr als Verweis auf eine andere Dimension, auf eine andere Welt, aber nicht im metaphysischen, transzendenten Sinn, sondern lediglich im populärkulturellen fantastischen Modus mit allen seinen Bildwelten und multimedialen Anschlussmöglichkeiten.
Bei intentionalen Genre-Bastarden wie den zurzeit beliebten Mischungen aus Kriminalroman und Vampirroman zum Beispiel ist das Übernatürliche meist nicht substantiell. Über das Leben nach dem Tode erfahren wir aus solchen Texten nur wenig. Eschatologisch sind sie alle eher nicht gemeint. Das Übernatürliche, das Wunderbare, das Phantastische – sie alle sind im Motiv-Speicher der populären Kulturen Motiv-Cluster inmitten anderen Motiv-Clustern (Superhelden, Spione, Privatdetektive, Undercover-Cops) und insofern für jegliche Art der fröhlich Kombinatorik disponibel.
Die sehr gelungenen Romane um den “Vampir” und Privatdetektiv Joe Pitt des amerikanischen Autors Charlie Huston[31] zum Beispiel verfahren rein metaphorisch. Diese Sorte Vampirismus, die wir auch aus zeitgenössischen Filmen und Fernsehserien kennen, hat kaum noch etwas mit den klassischen Untoten zu tun, die ihre aus viktorianischer Zeit stammenden Geschlechtswerkzeuge im Gesicht tragen. Hustons (und andere) Vampire sind sehr un-numinose Resultate menschlicher Hybris, also genetischer Katastrophen und naturwissenschaftlicher Experimente – als Chiffren von Zivilisationskritik oder sci-fi-haften Extrapolationen. Und wenn es, wie bei den Joe-Pitt-Romanen, um urbane Territorien und Macht geht, wie in einem beliebigen Mafia-Roman oder einem Polit-Thriller, dann folgen die Romane ganz einfach den für diese Textarten spezifischen narrativen Notwendigkeiten. Für die Ventilation unseres Themas gehören sie an die Stelle, an der man den Gebrauch und die Funktionalisierung religiös besetzter Bild-, Sprach- und Denkwelten reflektieren müsste.
XIV Sinnstiftung, blutig
Mit nachgerade herzerwärmender Sinnhaftigkeit in einem Meer kalter Kontingenz scheinen die Jack-Reacher-Romane des britischen Romanciers Lee Child erfüllt zu sein. In bisher vierzehn Romanen (elf davon in deutscher Übersetzung erhältlich)[32] wandelt der Ex-Militär-Polizist Jack Reacher auf Erden, um wie ein barmherziger und erbarmungsloser Samariter Menschen in Not zu retten, ihnen zu helfen, ihnen Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Reacher ist ein seltsamer Kauz. Irdischer Besitz interessiert ihn nicht, er trägt lediglich eine zusammenklappbare Zahnbürste bei sich, selbst Kleider kauft er neu, wenn die aktuellen schmutzig geworden sind. Bis auf ein am Anfang des Zyklus wohlgefülltes, im Laufe der Romanserie immer mehr schrumpfendes Bankkonto lebt Reacher nach dem omnia mea mecum porto-Prinzip des Bias von Priene. Reacher mischt sich ein, er handelt ohne Auftrag, ohne Amt, ohne Legitimation. Das Auswahlprinzip seiner Abenteuer (mit wenigen Ausnahmen) ist der Zufall. Reacher streift durch die Städte und Provinzen der USA, wird hier Zeuge einer Entführung, trifft da auf Frauen, die Probleme mit ihren gewalttätigen Ehemännern haben, kommt in Kleinstädte mit tyrannischen Lokalpotentaten oder verspricht unbedacht Hilfe, die ihn zum Komplizen schlimmer Untaten machen würde. In so einem Fall wechselt er schnell die Loyalitäten. Und er tötet. Ohne mit der Wimper zu zucken, schnell, effektiv, kühl bis ins Herz.
Der Katalog christlicher Werte, insbesondere die zehn Gebote, sind nicht sonderlich verbindlich für ihn. Die Welt, according to Reacher, scheint ein ziemlich sinnfreier Ort zu sein. Denn wenn Reacher fertig ist mit seinen jeweiligen Aufräumarbeiten und die Blutspuren und die übrig gebliebenen Häppchen seiner Widersacher beseitigt hat, ist er verschwunden. Dann beginnt seine Sisyphus-Arbeit im nächsten Buch aufs Neue. Seine Art der (schon fast existentialistischen – falls das Paradox erlaubt ist) Heilsbringung hat einen hohen Quotient von Kollateralschäden, die Reacher nicht besonders zu bedrücken scheinen. Außerdem obwaltet eine stille Komik und eine permanent vorhandene Ironie in den Romanen, die schon alleine deshalb keinesfalls als protofaschistische Recht-und-Ordnungsphantasie oder als fernes Echo eines ordo-Gedankens irgendeiner ecclesia militans interpretiert werden können. Lee Childs Romane sind Action-Romane der intelligenten Sorte, die man auf verschiedenen Ebenen lesen kann. Ich möchte nicht so weit gehen und Friedrich Ohlys Exerzitien zum mehrfachen Schriftsinn aktualisieren[33] (obwohl man´s mal scherzeshalber probieren sollte ….), aber bei aller eleganten und schnellen Gängigkeit der Reacher-Romane ist klar, dass sie mehrdimensional sind. Und die Frage nach Sinn und Unsinn (zum Beispiel) der Welt literarisch stellen: Die Radikalität und Gewalttätigkeit, mit der Reacher das durchsetzt, was er für moralisch oder ethisch, was er schlicht für gerecht oder auch nur für recht und billig hält, ist verwirrend: Weil es manchmal so konträr gegen unser reflektiertes Rechtsempfinden verstößt und gleichzeitig so voll deckungsgleich mit unseren Gerechtigkeitsreflexen einhergeht – wenn Reacher üble Menschen einfach tötet, die sich gerade an einem wehrlosen Wesen vergehen wollen.
XV Moralkritik
Eine solche Unbedingtheit also kann man an die spontane Zustimmung zu vielen Arten der radikalen Moralkritik von Kierkegaard über Marx zu Nietzsche in nicht nur transzendent unbehausten oder metaphysisch prekären Zeiten anschließen. Inklusive des darauf folgenden Katzenjammers. Denn die Katastrophen des 20. Jahrhunderts sind ja auch (unter vielen, vielen anderen Aspekten) Echos auf radikale Moralkritiken, auf “Übermensch”-Konzepte, auf das in der Tat religionsanaloge Telos der klassenlosen Gesellschaft und wie die Totalitarismen alle heißen. Aber Reachers gewalttätige Reflexe und auch die Ziele und Zwecke, die er damit verfolgt, retten ihn – paradoxerweise davor, moralisch perfekt zu sein und dadurch “heilig” zu wirken. Lee Child baut im Verlauf seines Zyklus zunehmend auch schleichende Defizite und Flecken auf Reachers weißer Rüstung ein. Sie ist blutbesudelt. Zudem verarmt Reacher stetig, sein Sozialprestige gerät ins Wanken, seine Sozialität wird fragwürdig. Kein Heiliger, längst ein Outlaw, nur noch selten ein Robin Hood, der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Reacher ist kein ethisch perfektes Monstrum, kein rigoristischer Talib, sondern ein mit prekärem Gewaltverständnis ausgestattetes Menschlein – bei aller Omnipotenz, die der Figur zunächst eingeschrieben scheint. Sein Schlachtfeld ist in der Tat auch das Schlachtfeld von Ethik und Moral. Aber er handelt oft moralisch indifferent, gar indolent – Moral steht in seiner Ethik als Handlungsmaxime nicht an höchster Stelle. Pragmatische Fragen und Entscheidungen sind für seine Taten entscheidend, die Kontingenz der menschlichen Existenz kann keine prinzipiellen Parameter mehr fordern und begründen, nach denen man notwendigerweise handeln muss. Eine moralische ad-hoc-Casuistik tut es auch. So kann es ausreichend sein, einem Feind nur den Arm zu zerschmettern, anstatt ihn, der tausendfach den Tod verdient hätte, prinzipientreu und maximengerecht zu töten – aus pragmatischen Gründen der mangelnden Entsorgungsmöglichkeit für die Leiche.
Oder um mit Günter Anders zu reden – Lee Child und seine Figur Jack Reacher setzen nicht unbedingt voraus, dass “ein Leben, außer da zu sein, auch noch etwas haben müsste oder auch nur könnte – eben das, was Sie `Sinn´ nennen.”[34]
XVI Finis
Sollte dieses Prinzip selbst allerdings auch schon wieder “sinnhaltig” sein, dann stiftet Kriminalliteratur, wie herum man sie dreht und wendet – immer “Sinn”.
Traditionellen Sinn, dass die Welt wieder in Ordnung komme. Und subversiven Sinn, dass dies keinesfalls der Fall, dies aber auch okay so sei. So oder so ist Kriminalliteratur eine Veranstaltung zur narrativen Generierung von Sinn und Gegensinn.
Aber kann Kunst überhaupt etwas anderes sein?
© 10/2009 Thomas Wörtche
Vortrag gehalten auf der Tagung: Unerlöste Fälle. Religion und zeitgenössische Kriminalliteratur. 30.und 31.Oktober in Basel 2009.
© 01/2011 Thomas Wörtche
Druckfassung, leicht modifiziert.
[1] Einen sehr instruktiven Durchgang durch eine „anthropofugale“ Geistesgeschichte bietet der erste Teil von Ulrich Horstmanns „Das Untier. Konturen einer Philosophie der Menschheit“ Wien-Berlin, 1983
[2] Zuletzt in: Peter Sloterdijk: Du musst Dein Leben ändern. Über Anthropotechnik. Frankfurt am Main, 2009 bes. S. 52 – S. 68
[3] Das sehr griffige Schlagwort „Universalgenre“, das an dieser Stelle auch gerne benutzt wird, stammt von dem russischen Kulturwissenschaftler Boris Groys. Weiter reichende explikative Dimensionen hat das Schlagwort allerdings eher nicht.
[4] Dazu Thomas Wörtche: Großereignisse und ein neurotischer Buchmarkt. Über die Rezeption südafrikanischer Kriminalliteratur. In: LiteraturNachrichten, 105/2010, S. 38 – 39
[5] Im Sinne von Boris A. Uspenskij: Poetik der Komposition. Struktur des künstlerischen Textes und Typologie der Kompositionsform. Frankfurt am Main, 1975.
[6] Dorothy Sayers: Aristotle On Detective Fiction.. Hier zitiert als: Aristoteles über Detektivliteratur. In: Jochen Vogt, Hg: Der Kriminalroman I. München, 1971, S. 123 – S. 138
[7] Sayers, S. 125
[8] Ebd
[9] Man lese nur kurz in Manfred Fuhrmanns Kommentar der „Poetik“ hinein (In: Einführung in antike Dichtungstheorie. Darmstadt 1973, S. 3 – 70), um die Simplifizierungen, die Sayers unternimmt, zu bemerken. Dass die Sayers´sche Rede nicht als Zeugnis von Ironie, sondern tatsächlich als Anwendung aristotelischer Begrifflichkeiten jahrzehntelang eine substantielle Rolle im Diskurs über Kriminalliteratur spielen soll, ist seinerseits ironisch.
[10] Ernst Bloch: Philosophische Ansicht des Detektivromans. In: Gesamtausgabe, Bd, 9. Frankfurt am Main 1965, S. 242 – S. 263. Hier S. 242.
[11] Wien/München 2009.
[12] Richard Rorty: Kontingenz, Ironie und Solidarität. Frankfurt am Main 1989.
[13] Rorty, S. 14.
[14] Rorty, S. 15.
[15] Ludwig Wittgenstein: Vortrag über Ethik. In: Vortrag über Ethik und andere kleine Schriften. Frankfurt am Main 1989, S. 9 – S. 19, hier S. 18.
[16] Zu dem Verhältnis von „Krimi“/“Nicht-Krimi“ bei Simenon vgl. Thomas Wörtche: Das Versagen der Kategorien. Über Georges Simenon. In: Thomas Wörtche: Das Mörderische neben dem Leben. Ein Wegbegleiter durch die Kriminalliteratur. Lengwil 2008, S. 59 – S.73
[17] Les caves du Majestic, 1939/1942 . Dt: Maigret und die Keller des Majestic. Zürich 2008
[18] Günter Anders: Die Antiquiertheit des Menschen 2. Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution. München 3. Auflage 2002, S. 386
[19] Besonders deutlich etwa in: Joseph Wambaugh: Hollywood Station. Bergisch-Gladbach, 2008. Dort lamentiert der Erzähler über die vielen Zivil- und Bürgerrechte, die eine sinnvolle Polizeiarbeit angeblich unmöglich machen.
[20] Willy Haas: Mysteries. Die Theologie im Kriminalroman. (Ein paar Notizen über Edgar Wallace und die Kriminalliteratur überhaupt). In: Jochen Vogt, Der Kriminalroman I. München 1971 S. 116 – 122
[21] 1947. Dt: Ich, der Richter. Hamburg, 1996, hier S. 204
[22] Beide Bergisch-Gladbach 1988 und 1989.
[23] Dieser Roman wurde noch nicht ins Deutsche übersetzt.
[24] J.W. Rider, 1988, S. 143f
[25] J.W. Rider, 1988, S. 123ff
[26] München 2008
[27] In William Marshalls sogenannten Yellowthreadstreet Mysteries, die in Hongkong spielen, wird das Stammpersonal immer wieder von Phänomenen heimgesucht, die dem Übernatürlichen anzugehören scheinen. In: Die Ehre der Kämpfer, Hamburg 2001 sind dies zum Beispiel tote japanische Soldaten, die immer noch den Zweiten Weltkrieg weiterzuführen scheinen.
[28] In den Romanen der Französin Fred Vargas scheinen Werwölfe, Vampire und anderes einschlägig übernatürliches Personal ihr Unwesen zu treiben. Wie bei Marshall gibt es aber immer mehr oder weniger plausible rationale Erklärungen.
[29] Zum Beispiel: Dunkler Strom. München 1999
[30] 2003/dt. 2004
[31] Die auf fünf Bände angelegte Joe Pitt-Reihe erscheint auch im deutschen Sprachraum. München 2008 -2011
[32] München 1997 – 2010
[33] Schriften zur mittelalterlichen Bedeutungsforschung. Darmstadt 2. Auflage 1983
[34] Günter Anders, 2002, S. 369












