
Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …
… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays.
Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren.
CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe der befreundeten Buchhandlungen
Chatwins (Berlin),
Wendeltreppe (Frankfurt)
und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg)
auf interessante Neuerscheinungen hin.
Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokalen Buchhandlungen besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. Man kann das nicht oft genug sagen – und tun.
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Claudia Denker, Chatwins, Berlin:
Die Sommerpause war gar nicht mal so lang. Ich gestehe, ich habe ein paar Bücher gelesen, die wenig oder auch nichts mit Kriminalliteratur zu tun haben. Und damit fange ich mal heute an.

Eins meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr ist jetzt schon »Das Geschenk« von Gaea Schoeters (Zsolnay, deutsch von Lisa Mensing). 20.000 Elefanten in Berlin! Wie sie hergekommen sind, steht nicht zur Debatte (»Magic, my dear friend«). Ich habe beim Lesen durchgegrinst. – Siehe auch Frank Rumpel in dieser Ausgabe, d. Red.
Unbedingt lohnt sich auch die Lektüre eines sehr vergnüglichen Sachbuchs. Gabriel Yoran erklärt »Die Verkrempelung der Welt« (Suhrkamp) so unterhaltsam und klug, dass ich einen Bleistift zum Lesen brauchte.
Etwas krimineller wird es dann doch bei Kaleb Erdmanns »Die Ausweichschule« (Ullstein). Thema ist der Erfurter Amoklauf 2002, und dann auch wieder nicht, es geht um das Schreiben darüber und wie es geht oder auch nicht. Erfreulich, dass das Buch auf der Longlist gelandet ist.

»We Burn Daylight« von Bret Anthony Johnston (C.H. Beck, deutsch von Sylvia Spatz) – da musste ich erstmal googeln. Wie war das damals, 1993 in Waco, Texas, mit diesem irren Sektenführer und der Polizei, was war das für ein Drama? Johnston hat sich zwei Teenager ausgedacht, die dort gelebt haben könnten.
Zu Recht hat Jake Lamar letztes Jahr den Deutschen Krimipreis abgeräumt. Auf sein neues Buch »Viper’s Dream« (Edition Nautilus, deutsch von Robert Brack) habe ich mich schon gefreut. Erwartungen erfüllt. Sechziger Jahre mit Blick zurück in die Dreißiger – Jazz, Drogen, Gangster … ein Buch mit Sound und Playlist. Und im Oktober kommt der Autor nach Berlin, juchhei!
Ach, und ich freu mich auf James Lee Burkes Robicheaux Nr. 24: »Clete« (Pendragon, deutsch von Jürgen Bürger) und »Im Süden« (btb, deutsch von Andreas Wagner) – und auf Pascal Garnier – komischer Titel: »Die Eskimo-Lösung« (Septime, deutsch von Felix Mayer).
Und hier ein Bonbon zum Schluss von DOTA, weil es passt:
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Jutta Wilkesmann und Hildegard Gansmüller, Wendeltreppe, Frankfurt:
Marie Hermanson: Im Finsterwald (Insel)
Sophie Hénaff: Bube, Dame, König, Stich (Penguin)
Regula Venske: Schneckenkönigin (Gmeiner)
Jerome Charyn: Ravage & Son (Suhrkamp)
Jake Lamar: Viper’s Dream (Edition Nautilus)
Deon Meyer: Die Stunde des Löwen (Rütten & Loening)
Gutes Lesen!
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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:
Mit Freude gelesen habe ich:
– James Lee Burke, Clete (Ü: Jürgen Bürger), Pendragon 2025, 384 S., 24 Euro: Dave Robicheaux und kein Ende. Nun Band 24 der Reihe, dieses Mal mit Clete Purcel als Icherzähler. Die vollständige Werkausgabe ist ein echter Platzräuber in meinem Krimiregal. Aber natürlich war die Lektüre wieder ein großes Vergnügen, auch wenn ich Robicheaux als Icherzähler bevorzuge.
– Sebastian Coe, Der Beweis meiner Unschuld (Ü: Cathrine Hornung), Folio 2025, 416 S., 28 Euro: Ein Mord auf einer Tagung von Rechtsextremen, die (wenigen) Tage von Liz Truss als Regierungschefin, ein vergessener Romanautor. Sebastian Coe schreibt ein Buch im Buch im Buch. Und dabei auch eine Gesellschaftsgeschichte Englands im Jahr 2022. Spannend und ebenso spannend komponiert.
– Percival Everett, Dr. No (Ü: Nikolaus Stingl), Hanser 2025, 320 S., 26 Euro: Ein superreicher Schwarzer will Oberschurke werden und das Nichts aus Fort Knox rauben. Helfen soll dabei Professor Wala Kitu, der zu Nichts forscht. Recht durchgeknalle Spionage-Satire, die mehr an „Die Bäume“ als an „James“ erinnert.
– Gaea Schoeters, Das Geschenk (Ü: Lisa Mensing), Zsolnay 2025, 144 S., 22 Euro: Die Bundesregierung erlässt ein Gesetz zur Erschwerung der Elfenbeineinfuhr, was für Botswana ein Problem ist, denn das Land braucht den Jagdtourismus. Da die Deutschen die Elefanten so zu mögen scheinen, schenkt ihnen der Präsident Botswanas einfach mal 20.000 Dickhäuter, die bald im ganzen Land auftauchen. Die Krise ist da, die Wahlen stehen bevor. Was tun? Elefanten abschieben? Oder doch lieber den „Kackeplan“ umsetzen? Eine witzig-kluge Satire auf eine Politik ohne Rückgrat und Haltung.
– Mariana Travacio, Ein Mann namens Loprete (Ü: Kirsten Brand), Pendragon 2025, 128 S., 22 Euro: Zehn Männer reiten los, um Vergeltung zu üben. Ein Argentinien-Western als Konzentrat. Und viel mehr als 140 Seiten braucht die Autorin dafür nicht.
– Catherine Mory/Oliver Gallmeister/Francois Guérif, Es war einmal Amerika. Eine Geschichte der amerikanischen Literatur, Bd. 2 (Ü: Edmund Jacoby), illustriert von Jean-Baptiste Hostache, Jacoby & Stuart 2025, 228 S., 35 Euro: Welch‘ ein tolles Projekt! Band 1(19. Jahrhundert) ist schon letztes Jahr erschienen, nun ist Band 2 auf dem Markt. Und das 20 Jahrhundert startet angemessen mit dem Kapitel „Dashiell Hammett, die Erfindung des Hardboiled-Kriminalromans und der McCarthyismus.“ Eine kluge und umfangreiche Literaturgeschichte als farbenfrohe Graphic Novel.
Gute Lektüre wünscht
Torsten Meinicke
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Hinweise der Redaktion
Alf Mayer:
Andrew Nette benannte den äggyptischen Noir CAIRO STATION als einen seiner »10 Favorite Films of Political Violence and Revolution« (bei uns hier), ein spin-off seines wichtigen Buches »Revolution in 35mm: Political Violence and Resistance in Cinema from the Arthouse to the Grindhouse, 1960–1990«. (Meine Besprechung »Bewaffnete Cinephilie. Ein Filmbuch über das Widerstandskino der 1960er bis 1990er« bei uns hier.) Jetzt ist bei Criterion eine 4K Digital-Restauration dieses Films erschienen, wie üblich mit viel Bonus-Material, darunter der Dokumentarfilm »Cairo as Seen by Chahine« (1991) über den Regisseur Youssef Chahine. Hier ein Essay von Joseph Fahim: Cairo Station: Of Time and the City.
Ebenfalls 4K-restauriert und ebenfalls bei Criterion gibt es, passend zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren das Meisterwerk FIRES ON A PLAIN von Kon Ichikawa. Einführung vom großen Donald Ritchie.
Komplementär dazu und auch bei Criterion, ebenfalls 4k-restauriert, THE BURMESE HARP von Kon Ichikawa, eine Meditation in Schwarz-Weiß über Schönheit und Tod, Seelenfrieden und Grausamkeit, ein ganz großer Film, den man nie wieder vergisst.





















