
Beschreibung einer gräßlichen Mordthat
Vernehmt mit Schaudern die Geschichte,
Alle die ein menschlich Herz Im Busen fühlen, und das Licht
Der Wahrheit immer hoch geschätzt.
Hütet euer Herz vor Laster,
Und seid fromm und tugendhaft,
Damit euch der böse Meister Nicht bringt in Gewissenshaft.
Höret nur wie Gottes Allmacht,
Herrscht im Himmel, wie auch hier,
Wie Er über Alles wacht,
Und flüstert stets zu dir: Mensch! sei behutsam immer,
Und verletz‘ nicht das Gesetz,
Sonst bist meines Zornes Trümmer,
Und der Hölle Peingeschätz.
In der schönen Rheinstroms Gegend,
Nahe bei der Festung Mainz,
Wohnt‘ ein Wirth ohne Tugend,
Der Eichen-Wirth hieß er einst.
Ein Vater von rohen Sitten,
Würgt sechs und dreißig mit Hohn,
Unachtsam auf ihre Bitten,
Endlich auch den eignen Sohn.
Ein Viehhändler kam aus Straßburg,
In die Gegend nah‘ zum Rhein,
Da sich nahte die Dämmerung,
Kehrte er im Gasthaus ein.
Freundlich lächelte der Wirth,
Seinem Gaste entgegen,
Kein Trug schien aus seinem Gesicht
Zu verrathen das Vergeh’n.
Von der Reise ganz ermüdet,
Sehnt sich der Kaufmann zur Ruh‘,
Da der Wirth ihm gut‘ Nacht wünschet,
Geht fort, macht die Thüre zu;
Aber er gewahrte zugleich Eine Brieftasche mit Geld,
Beschloß augenblicklich und
schleicht Ihn zu schaffen aus der Welt.
Eben schlug die zwölfte Stunde,
Kaufmann steigt vom Bett‘ um
Und bemerkt im fernen Grunde
Ein Schatten, er täuscht sich nicht.
Es war der Sohn des bösen Wirthes,
Der dem Trunk ergeben war,
Der Gast vermuthet hier viel Irr’es,
Und kriecht unters Lager gar.
Da kam der Sohn mit einem Licht
Durchs Fenster hergekrochen,
Legt ungestört des Körpers G’wicht
Ins Bett um nicht zu horchen,
Da kam der Wirth mit einem Dolch,
Den er schon recht geschliffen,
Stößt seinem Sohn damit ein Loch,
Wird aber bald ergriffen.
Der Kaufmann schreit jetzt ganz verwirrt,
Um Gottes Herrn Willen,
Wenn Menschenhilf‘ nicht kommen wird,
Muß ich’s Leben verlieren!
Der Mörder ward gleich eingezogen,
Er bekannte sein Vergeh’n;
Die Strafe ward an ihm vollzogen,
So mußte er von hier gehen.
Flugblatt, Mainz, 16. Februar 1842.













