Geschrieben am 1. November 2025 von für CrimeMag November 2025

Disney Comics Library: Carl Barks’s Donald Duck, Band 1

Tür auf für die Donald-Bibliothek – Die ersten 15 Hefte im Original und XXL

Disney Comics Library. Carl Barks’s Donald Duck. Vol. 1. 1942–1950. With an essay by Jim Fanning. Englische Ausgabe. Verlag Taschen, Köln 2925. Hardcover, Format 28 x 39.5 cm, Gewicht 4,30 kg. 636 Seiten, 175 Euro. – Verlagsinformationen hier, zum Buch hier.

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Als die erste deutschsprachige Ausgabe der »Mickey Mouse« am 29. August 1951 in den Handel kam, war es die erste vierfarbige Zeitschrift der bundesdeutschen Nachkriegszeit. Die »Frankfurter Rundschau« besorgte sich 1954 unter der Ägide des heute dort vergessenen und verdrängten Verlegers Karl Anders eine hochmoderne Vierfarben-Tiefdruckmaschine, mit der unter anderem dann der »Neckermann-Katalog« gedruckt wurde – der erste lukrative Druckauftrag, mit dem die Zeitung langfristig ihre redaktionelle Unabhängigkeit sicherte. Mir ist nicht bekannt, ob die »Frankfurter Rundschau« Comics druckte, aber ich weiß, dass die verlagseigene Vierfarben-Tiefdruck-Beilage von Anfang 1955, mit der das neue Verlagshaus an der Große Eschenheimer vorgestellt wurde, damals eine Sensation war.

© Disney 2025

Vierfarbendruck, das war einmal etwas Besonderes. Auch Comics als Medium wurden dadurch aufgewertet. Das Verlagshaus Dell in New York gab ihrer bald erfolgreichsten Comic-Reihe den Namen »Four Color« (auch bekannt als Four Color Comics oder Dell Four Color). Der Titel bezog sich auf die vier Grundfarben, die für den Comic-Druck verwendet wurden: Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Die ersten 25 Dell-Ausgaben (1939-1942) sind als »Serie 1« bekannt. Mitte 1942 startete »Serie 2«. Nach 100 Ausgaben entfiel die Markenangabe »Four Color Comic« auf der Titelseite, Vierfarbendruck war keine Alleinstellung mehr. Die Serie lief von 1938 bis 1962. Insgesamt wurden über 1300 Ausgaben veröffentlicht, also mehrere pro Monat, der Comic-Historiker Alberto Becattini zählt insgesamt 1332. Im Jahr 1953 erklärte Dell sich zum größten Comicverlag der Welt, jeden Monat wurden damals 26 Millionen Comicheft-Exemplare verkauft. Dell beherrschte damit ein Drittel des US-Markts.

Dell Comics waren für ihre Lizenzausgaben bekannt: allen voran die Charaktere der Walt Disney Productions, die von Warner Bros., Metro-Goldwyn-Mayer und dem Walter Lantz Studio, zusammen mit vielen Film- und Fernsehfiguren wie der Lone Ranger, Tarzan, Felix the Cat, Howdy Doody, Yogi Bear und andere Hanna-Barbera Charaktere.

Etwa 20 Prozent der »Four Color«-Ausgaben waren dem Disney-Personal gewidmet. Dell war der erste solche Lizenzinhaber. Donald Duck hatte seinen ersten Auftritt auf dem Cover eines Comic-Hefts im Februar 1940 – es war die »Four Color«-Ausgabe Nummer 4. Die vielverkauften Donald-Duck-Comics halfen dem Disney-Studio (das ja ein Filmstudio für Animationsfiguren war) sich während der mageren Jahre des Zweiten Weltkriegs über Wasser zu halten.

Ich weiß nicht, welche Donald-Duck-Hefte Verleger Benedikt Taschen in seinem Privatbesitz hat. Der Eingang zu seinem Verlag in Köln jedenfalls geht nur »per Ente«, man muss Donald Duck am Schnabel fassen, um die Eingangstür aufziehen zu können. Nun also ein Band, der den Hausherrn ganz sicher besonders stolz macht: Band 1 der »Disney Comics Library. Carl Barks’s Donald Duck. Vol. 1. 1942–1950«.

Dieser Deluxe-Band im Format 28 x 39.5 cm umfasst den Zeitraum von 1942 bis 1950 und enthält einige der frühesten und bekanntesten Geschichten von Barks aus der Sammelreihe „Four Color“. Dies in bestmöglicher Druckqualität und auf zweierlei Papier. Hochglanzbögen für die Umschlagsseiten, raues ungestrichenes Papier mit Pulpcharakter für die Geschichten im Innenteil.

Den Auftakt bildet das Heft Four Colors # 9, das die 64-seitige Geschichte »Donald Duck Finds Pirate Gold« enthält, die Carl Barks 1942 zusammen mit seinem ehemaligen Disney-Animationskollegen Jack Hannah zu Papier brachte.

   #9   Donald Duck Finds Pirate Gold! (Deutscher Titel: Piratengold)
#29   Donald Duck and the Mummy’s Ring (Der Schlangenring)
 #62   Donald Duck in Frozen Gold (Nordische Nächte)
#108  Donald Duck in The Terror of the River (Terror auf dem Strom)
#147  Donald Duck in Volcano Valley (Das Land der Vulkane)
#159  Donald Duck in The Ghost of the Grotto (Der Geist der Grotte)
#178  Christmas in Bear Mountain (Die Mutprobe)
#189  Donald Duck in the Old Castle’s Secret (auch das Titelcover des Bandes)
#199  Donald Duck in Sheriff of Bullet Valley (Der Sheriff von Bullet Valley)
#203  Donald Duck in The Golden Christmas Tree (Der goldene Weihnachtsbaum)
#233  Donald Duck in Lost in the Andes (Im Land der viereckigen Eier)
#256  Donald Duck in Luck of the North (Auf Nordpolfahrt)
#263  Last of the Totem Poles (Die Macht der Töne)
#275  Donald Duck in Ancient Persia (Vor Neugier wird gewarnt)
#282  Donald Duck and The Pixlated Parrot (Das mathematische Wundertier).

(Die deutschen Titel sind der BarksBase entnommen, ein sehr nützliches Verzeichnis, aber das muss man Donaldologen nicht sagen.)

Der Verlag Taschen, seit 1980 als kultureller Schatzgräber unterwegs, legt mit diesem Band einen gewichtigen Grundstein zu einem neuen, eigenen Bibliotheksbau: der Donald Duck Library. (More to come.) In den Sprechblasen sind die handschriftlich erstellten Originaltexte von Barks zu finden. Dem großen »Duck Man« gilt auch das 30 Seiten umfassende kundige Vorwort des Banks- und Disney-Experten Jim Fanning (seine Internetseite hier), sehr großzügig illustriert. Zum Arbeitsethos von Carl Banks zitiert er den Meister selbst:

»Work at it as i fit ist he most important job in the world. Turn out a product you can be proud of even if you know the editor is so stupid he’ll miss the wastebasket when he throws your script away.«

Damit ist Donald Duck zur bekanntesten Comic-Figur des Planeten geworden.

Georg Seeßlen: »1954 erreichten die Barksschen Donald-Geschichten in der »Micky Maus« auch die deutsche Nachkriegsgesellschaft und wurden für mindestens zwei Generationen zu so etwas wie einer Schule der Wahrnehmung, eine lustvolle und realistische Gegenwelt, die Farbe im Grau und das Gelächter im Wiederaufbau-Ernst der Familien; nirgendwo auf der Welt hat Donald Duck eine so treue Gemeinde, ist er der Erlöser mit dem ausdrucksstarken Bürzel geworden wie in Deutschland. Das hat, gewiss, mit der kongenialen Übertragung, nein: Neuschöpfung der Texte durch Dr. Erika Fuchs zu tun, es hat aber auch mit der deutschen Kulturgeschichte, mit der Geschichte der Kindheit hierzulande zu tun. Entenhausen war, was uns in den Trümmerlandschaften, in Fleiß und Industrie des Wiederaufbaus, in den Verdrängungs- und Verdeckungsritualen, in den Schrecken des Kalten Krieges, in den allfälligen Restaurationen und in den Verlusten der Modernisierungen, in die Kindheit nicht scheinen konnte: Heimat.«

Alf Mayer

P.S. Als die ultimative Edition des Gesamtwerk von Carl Barks im deutschsprachigen Raum gilt die CBC (Carl Barks Collection),von 2005 bis 2008 im Egmont Verlag als hochwertige 30-bändige Sammlerausgabe erschienen, die in zehn Schubern à drei gebundenen Halbleinenbände auf über 8.000 Seiten das gesamte ins Deutsche übersetzte Barks-Material nachdruckte. Übersetzung: die legendäre Erika Fuchs. Diese Ausgabe wird derzeit mit über 6.000 Euro gehandelt. – Jetzt kann man anfangen, mit den Originalen zu vergleichen …

Siehe auch:
Daniel Kothenschulte (Hg.): Donald Duck. Die ultimative Chronik. Verlag Taschen, Köln 2024. Deutsche Ausgabe. Hardcover, Format 29 x 39.5 cm, Gewicht 5.09 kg. 564 Seiten, 175 Euro. – Auch als Collectors Edition erhältlich und als französische und englische Ausgabe.

Daniel Kothenschulte (Hg.): Das Walt-Disney-Filmarchiv: Die Animationsfilme 1921–1968 (Köln: TASCHEN, 2016)
Daniel Kothenschulte (Hg.): Walt Disneys Mickey Mouse: Die ultimative Chronik (Köln: TASCHEN, 2018).

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