Posted On Juli 20, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
„Hauptsache kräftig draufhauen“ Italienische Kriegsverbrechen in Afrika Italiani, brava gente? Weit verbreitet ist unter Italienern das Selbstbild, man sei ein ‚braves Volk’. Hin und wieder ein Skandal, auch die Mafia kann man nicht so ganz unterschlagen, aber in der jüngeren Geschichte habe man sich doch ganz brav verhalten. Haben sich nicht die Italiener in einer heldenhaften ‚Resistenza’ von der deutschen Wehrmacht und dem Duce-Faschismus befreit? Aber dieses Selbstbild trügt und hält einer genaueren Untersuchung von kollektiven Gewaltexzessen mit italienischer Beteiligung nicht stand. Der „Resistenza-Mythos“ wurde in den letzten Jahren durch
Read More Posted On Juli 13, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Pasolini in Teheran Die italienische Journalistin Lilli Gruber entdeckt den Iran Vorurteile sind kein schlechter Lektürereiz. Sie können die Neugierde auf ein Buch wecken, weil man hofft, sie bestätigt zu finden oder sich von ihnen zu befreien. Wenn die italienische Starjournalistin Lilli Gruber ein Buch über den Iran mit dem gefühlvollen Titel „Tschador – Im geteilten Herzen des Iran“ veröffentlicht, dann hat man sogleich zwei Vorteile im Kopf. Wie soll eine so populäre Fernsehdiva wie die Gruber sich auskennen in einem Land. von dem vermutlich ein großer Teil der Leser
Read More Brachialer Balanceakt Osama bin Laden ist das personifizierte Böse auf Erden, ein unnahbarer, entmenschlichter Stellvertreter oder gar Nachfolger des Teufels. Da erscheint es fast ein wenig despektierlich, wenn der junge britische Autor Chris Cleave seine Protagonistin ihm einen Brief mit folgenden Anfangszeilen schreiben lässt: „Lieber Osama, sie wollen dich tot oder lebendig, damit der Terror endlich aufhört. Obwohl, ich weiß nicht. Mit dem Rock’n’Roll war ja auch nicht Schluss, als Elvis auf dem Lokus starb.“ Ausgangspunkt der ganzen Geschichte ist ein bestialischer Terroranschlag beim Lokalderby von Arsenal gegen Chelsea London.
Read More Fußball und Rock’n’Roll. Ein subjektiver Spielbericht vom „Hurricane Festival 2006“ in Scheeßel. Während sich die Deutsche Elf mit dem fulminant gestarteten Achtelfinale gegen Schweden eine Runde weiter schießt, wälzen sich 50.000 Festival-Besucher im Staub und feiern den deutschen Sturm, 70 geniale Bands aus Deutschland und der Welt und natürlich sich selbst. Von Markus Kuhn
Read More Posted On Juni 15, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Schreibende Frauen in Südosteuropa Dank der Initiative des österreichischen Bundeslandes Steiermark, dem ‚Kulturzentrum bei den Minoriten’ in Graz und anderer Sponsoren, hat der im deutschsprachigen ‚Mainstream’ vollkommen unbekannte Leykam-Verlag eine lobenswerte Edition herausgebracht „Frauen schreiben – Positionen aus Suedosteuropa“ Soll Peter Handke nun den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf erhalten oder nicht? Dazu an dieser Stelle kein Wort, weil ja ohnehin schon zu viele, vor allem zu viele überflüssige Worte dazu geschrieben, gesagt und manchmal auch geschrieen worden sind. Dass sich aber Handke zu wenig differenziert über die Realität der serbischen
Read More In der Sackgasse 1999 setzte der erst sechszehnjährige Benjamin Lebert mit dem mittlerweile in Deutschland über eine halbe Million mal verkauften und in 33 Sprachen übersetzten Roman „Crazy“ ein Initial für die neue deutsche (Pop-) Literatur. Sieben Jahre später folgt mit seinem neuen Roman „Kannst du“ eine erschreckende Bankrotterklärung. Benjamin Lebert erzählt in „Kannst du“ die Geschichte seines offensichtlich autobiographisch gefärbten Protagonisten Tim Gräter. Dieser ist Anfang 20, hat bereits einen literarischen Bestseller gelandet und steckt nun in einer Schaffenskrise. Hinter der Pose des abgeklärten Schriftstellers zerfleischen ihn die Selbstzweifel
Read More Geschichten wie Kometen Mit der Kurzgeschichten-Sammlung „Jesus’ Son“ begründete der heute zu den bedeutendsten amerikanischen Gegenwartsautoren zählende Denis Johnson Anfang der 90er seinen Kultstatus. Der unverwechselbare Sound dieser abgründig-halluzinatorischen Prosa, in der immer wieder unvermutet Elemente von Komik aufblitzen, sucht auch heute noch seinesgleichen. Johnsons Ich-Erzähler „Fuckhead“ ist ein typischer Looser der amerikanischen Gesellschaft, der sich mit kleinen krummen Geschäften und Fluchten über Wasser hält. Wie er sind auch alle andere Figuren dieser Geschichten „aus der Welt herausgeschnitten und zum Abfall geworfen.“ Ohnmächtig fühlen sie sich vom Schicksal verfolgt und
Read More Trio Criminale Vom „Kaliber .64“ haben echte Waffenexperten noch nie etwas gehört. Ein Projektil mit diesem Durchmesser existiert nämlich gar nicht. Krimifans jedoch dürfte dieses Kaliber bald ein Begriff sein. So heißt nämlich die neue Kurzkrimi-Reihe der Hamburger Edition Nautilus, die jetzt drei Stories à 64 Seiten herausgeballert hat. Deutsche Kriminalromane haben mittlerweile auch international einen guten Ruf. Deutsche Kriminalerzählungen finden jedoch höchstens bei der alljährlichen Verleihung des renommierten „Glausers“ einmal breitere Aufmerksamkeit. Edition Nautilus hat dieses kriminalliterarische Defizit erkannt und wirbt mit drei bunten Krimi-Bändchen für dieses bislang sträflich
Read More Ziellose Lebensgier Mit „Justyna“ hat Elke Naters, einstige deutsche Pop-Literatin par excellence, einen schnellen, harten und auch provokativen Roman vorgelegt, in dem nichts mehr vom einstigen Zauber der Pop-Kultur wiederzufinden ist. Es bleibt eine ziellose, verzweifelte Lebensgier. Naters erzählt – mit offensichtlichen autobiographischen Übereinstimmungen – die Lebensgeschichte ihrer Protagonistin Justyna. Mit sechszehn will diese sich das Leben nehmen, weil sie glaubt, sie wäre schwanger, mit siebzehn geht sie von der Schule ab, jobbt in einer Fabrik und fliegt nach Jamaika, wo sie einen halluzinatorischen, süß-bitteren Tropen-Trip erlebt. Zurück in Deutschland
Read More Elegant perlende und sprühende Prosa Truman Capote erlebt derzeit eine Renaissance: Mit dem Oscar-prämierten „Capote: A Biography“ von Bennet Miller und dem gerade abgedrehten „Infamous“ von Douglas McGrath widmen sich gleich zwei Kino-Großproduktionen dem literarischen Shootingstar der 40er Jahre. Parallel dazu ist mit „Sommerdiebe“ nun auch noch Capotes kürzlich bei einer Sotheby-Versteigerung entdecktes wahres Debüt erstmals auf den Markt gekommen und wird als literarische Sensation gehandelt – Anlass genug für den „Kein & Aber“-Verlag mit dieser Entdeckung eine komplett neu editierte und überarbeitete Capote-Werkausgabe zu starten. Truman Capote erzählt in
Read More East Side Story oder Fünf Freunde im Jugendknast Welch ein gewaltiges Debüt! Clemens Meyer, geboren 1977 in Halle an der Saale, verlässt die Deckung des 100-Seiten-Erzählungsband-Musters deutschsprachiger Debüt-Autoren und wagt sich mit einem über 500 Seiten starken Roman in den Ring. „Als wir träumten“ ist eine gelungene Symbiose aus amerikanischer Erzähltradition und deutscher Komposition. Clemens Meyer gelingt es mit den ersten Sätzen, einen Sog zu erzeugen, der den Leser in die Geschichte hineinzieht, in den Abwärtsstrudel, der die Protagonisten erfasst und nicht mehr loslassen wird. Sein Rhythmus ist schnell, sein
Read More Blutrausch Andrea Maria Schenkel ist in „Tannöd“ dem unbezwingbar Bösen im Menschen auf der Spur und schafft in dörflicher Umgebung eine dichte und packende Atmosphäre. Das hatte Niederbayern bis zu dieser Nacht im Februar 1922 noch nicht erlebt: Ein Massaker an sechs unschuldigen Menschen auf einem abgelegenen Bauernhof in der „Einöde Tannöd, Gemeinde Einhausen“. Ein authentischer Mordfall, vor dessen Hintergrund Andrea Maria Schenkel das beklemmende Porträt einer scheinbar ganz normalen Dorfgemeinschaft zeichnet. „Ein Debüt, ganz nah dran“, meinte die Jury der „KrimiWelt“ im März und katapultierte ihren Kriminalroman „Tannöd“ prompt
Read More Posted On April 20, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Wie Hass entsteht Simon Michailovic, geboren im bosnischen Foce, lebt seit 1969 in Berlin. Dort hat er auf einer der vielen Demonstrationen jener Jahre seine Frau Barbara kennen- und lieben gelernt. Zusammen haben sie einen Sohn Sascha, der Anfang der neunziger Jahre das Haus verlässt. Simon und seine Barbara sind sich mit den Jahren fremd geworden, vor allem auch deshalb, weil sich, wie Barbara sagt zwischen ihnen „immer mehr diese verdammte Stadt Foca geschoben hat“. Sie ermuntert ihren, unter den Nachrichten aus Bosnien leidenden Mann doch einmal wieder in seine
Read More Der smarte Henry ist wieder da „Henry der Held“ – im Original durchaus mehrdeutiger „A Star called Henry“ betitelt – von Roddy Doyle gilt zweifellos als einer der bedeutendsten Romane irischer Gegenwartsliteratur. Mit „Jazztime“ ist nun die Fortsetzung erschienen, die fast am Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheitert. In „Henry der Held“ schildert Doyle in einer sinnlich-ausufernden Sprache die Jugend von Henry Smart, der als ein rosiger Prachtkerl inmitten von Hunger, Elend, Ratten und Dreck im Dublin des beginnenden 20. Jahrhunderts zur Welt kommt und im Alter von vierzehn Jahren am
Read More Posted On April 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher
Wahnsinniges Komplott In seinem ersten Krimi bietet der Journalist und Kolumnist Sam Bourne einen verzwickten Fall, in dem es um nichts weniger geht als um das Ende der Welt. Bournes Protagonist Will Monroe ist Nachwuchsjournalist bei der altehrwürdigen New York Times, „ein ehrgeiziger junger Schreiber auf der Überholspur“. Als er eine kleine Standard-Meldung über den Mord an einem Brooklyner Zuhälter schreiben soll, wittert er seine Chance und recherchiert den Background. Er stößt auf weitere Mordfälle nach dem gleichen Muster und sticht ohne es zu wissen in ein Wespennest, in dem
Read More Posted On April 6, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Sibirischer Selbsterfahrungstrip Die ehemalige ZEIT-Redakteurin Merle Hilbk hat in Sibirien die „russische Seele“ gesucht. Gefunden hat sie vor allem ihre eigene urdeutsche „protestantische“. Ihr erstes Buch „Sibirski Punk“ ist das schriftliche Zeugnis dieses Selbstfindungsprozesses. „In Sibirien zu leben, ist eine einzige Freude: Von hier gibt es keine weitere Verbannung, das war’s, man ist angekommen, und daraus entsteht die Freiheit der Straflosigkeit, eine besondere, wilde Moral,“ resümierte Viktor Jerofejew 2001 in seinem Sibirien-Porträt für die ZEIT. Die Journalistin Merle Hilbk würde dem Moskauer Schriftstellers wohl nicht uneingeschränkt zustimmen können. Als sie
Read More Zugegeben: John Irvings elfter Roman, „Bis ich dich finde“, ist lang – mit 1140 Seiten in der deutschen Ausgabe sogar sehr lang. Und er hat – gerade im ersten Teil, der die Odyssee der Hauptfigur Jack Burns als kleiner Junge an der Hand seiner Mutter durch Europa schildert – durchaus seine Längen. Doch die Leser, die bereit sind, John Irving durch die Lebensgeschichte seiner Hauptfigur zu folgen, werden belohnt werden: Mit einer prallen, psychologisch dichten Geschichte über Liebe und Verlust, über Hoffnung und Betrug, über Wahrheit und Lüge. Von Petra
Read More Posted On März 29, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher
Zur Kultur des „Bullshittings“ „Bullshit“ ist ein schmales, kleinformatiges und in edles rotes Leinen gefasstes Buch, das erstmals schon vor zwanzig Jahren erschienen ist. Und doch ist es auch heute noch von erstaunlicher Sprengkraft und Virulenz. Gleich mit dem ersten Satz trifft Harry G. Frankfurt den Nerv unserer durch Medien, Werbung und Public Relation geprägten Zeit: „Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, dass es viel Bullshit gibt. Jeder kennt Bullshit. Und jeder trägt sein Scherflein dazu bei.“ Der 1929 geborene, heute als Philosoph in Princeton lehrende Frankfurt
Read More „Ich glaube nicht an Zufälle!“ Man muss sich John Irving als einen glücklichen Menschen vorstellen. Entspannt und aufgeräumt sitzt er im Salon des Wiener Edel-Hotels „Imperial“, um über seinen neuesten Roman „Bis ich dich finde“ zu sprechen. Der Schriftsteller John Irving im Gespräch mit Petra Vesper. Kein Wunder: Die Stadt an der Donau liegt dem US-Autor zu Füßen. Gerade sind anlässlich der Aktion „Eine Stadt, ein Buch“ 100.000 Exemplare seines Erstlings „Lasst die Bären los“ gratis verteilt worden. Die Freiexemplare seines Debüts, das in weiten Teilen in Wien spielt, waren
Read More Revolutionsschicksale Wer Havanna einmal bereist hat, ist von der morbiden Schönheit der kubanischen Hauptstadt fasziniert. Wer dort geboren ist und hinter die bröckelnden Fassaden zu schauen vermag, verzweifelt an dem nachrevolutionären Verfall oder schreibt darüber so intelligente und poetische Kriminalromane wie Leonardo Padura. Im letzten Band seines „Havanna-Quartetts“ hat es Mario Conde mit dem grausamen Mord an einem geldhungrigen Revolutionsfunktionär zu tun. Teniente Mario Conde ist beileibe kein abgebrühter oder technokratischer Kriminalist. Er ist alkohol- und sexsüchtig, melancholisch und zuweilen ziemlich sentimental. Mit knapp 36 Jahren entschließt er sich, seinen
Read More Posted On März 6, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Grenzgänger Denk ich an den wilden Osten, denk ich an Wodka und Kalaschnikows. So das gängige Klischee im Westen, wenn von Russland und seinen ehemaligen Satellitenstaaten die Rede ist. Die Autoren des Erzählungsbandes „Wodka Kalaschnikow“ versuchen, gegen diese Vergröberungen anzuschreiben und ihre postsowjetischen Erfahrungen in Worte zu fassen. Wahrscheinlich wissen die Amerikaner nach dem Untergang des Sowjetimperiums über Osteuropa genauso wenig wie zuvor. Das von Ronald Reagan einst an die Wand gemalte „Reich des Bösen“ hat bei den meisten US-Bürgern einen festen Platz in der Galerie der Vorurteile. Abenteuerliche Vorstellungen
Read More Posted On Februar 27, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Aus Zeit und Raum gefallen Leonid Zypkin hat zu Lebzeiten keine einzige Zeile seiner zahlreichen Gedichte, Novellen oder Prosastücke veröffentlicht gesehen. Mit Inbrunst schrieb der 1926 als Kind russisch-jüdischer Eltern geborene Mediziner unter einem repressiven Regime unverdrossen für die Schublade. Jetzt ist sein Roman „Ein Sommer in Baden Baden“, den Susan Sontag zu den „schönsten, anregendsten und originellsten Werken des vergangenen Jahrhunderts“ zählt, erstmals ins Deutsche übersetzt worden. „Ein Sommer in Baden Baden“ erzählt die Geschichte des 1867 mit seiner Frau Anna Grigorjewna nach Deutschland reisenden Fjodor Dostojewski und auch
Read More Posted On Februar 23, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Friendly Fire „Blood sells“ – aber diese Chronik des Schreckens nimmt kaum jemand war. Laut einer Statistik der International Federation of Journalists ( IFJ) war das Jahr 2005 so schlimm wie nie zuvor für Journalisten. 2005 haben 150 Journalisten und Medienmitarbeiter in Ausübung ihres Berufes den Tod gefunden. Laut dem Bericht hat sich der „Trend zu gezielten Ermordungen von unliebsamen Berichterstattern im vergangenen Jahr verstärkt. 89 Journalisten sind Kriminellen, politischen Extremisten oder paramilitärischen Gruppen zum Opfer gefallen.“ Nach wie vor gefährlichstes Land für Journalisten ist der Irak, wo 35 Journalisten,
Read More Posted On Februar 13, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Nur geträumt? Der gefeierte Jungautor Jan Costin Wagner hat bereits mit seinen beiden Kriminalromanen „Nachtfahrt“ und „Eismond“ bewiesen, dass er mit knappen Worten differenzierte und eindrucksvolle Charaktere zeichnen kann. In „Schattentag“ wagt er sich mit ebendiesem Stil an die verwirrende Gedanken- und Gefühlswelt eines blinden Familienvaters. Wenn das Augenlicht verloren geht, gewinnen Erinnerungen an Bedeutung. Die Gegenwart wird nur noch im Schattenriss, in Geräuschen und Berührungen wahrgenommen. Und immer wieder mit Bildern aus der Vergangenheit abgeglichen, bis auch diese irgendwann verblassen und einer neuen Vorstellungswelt weichen. Auf diesem Grat zwischen
Read More Posted On Februar 8, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Gesetze sind teuer – Die Erfolgsstory des Silvio Berlusconi Für einen italienischen Verleger dürfte es ein großes Wagnis sein, heute noch eine neue Biographie von Silvio Berlusconi auf den Markt zu bringen. In seinem Heimatland wissen Freunde wie Gegner des mailänder Medienunternehmers heute scheinbar alles über dessen Leben, dessen politischen Ansichten, dessen Reichtum. Seine Dauerpräsenz in allen Fernsehkanälen, die ihm ja auch fast ausnahmslos alle gehören, hat bei Italienern zu einer großen Ermüdung geführt. Und er selbst soll jetzt am Beginn des großen Wahljahres sogar gesagt haben, dass er es
Read More Posted On Januar 26, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Die Nachbarn des nächsten Nachbarn In einer kleinen, 1923 erschienenen Buchrezension hat Joseph Roth einmal ein auch heute noch gültiges Motto für guten Journalismus verfasst: „Ein Journalist“, schreibt Roth, „kann, er soll ein Jahrhundertschriftsteller sein. Die echte Aktualität ist keineswegs auf 24 Stunden beschränkt. Sie ist Zeit- und nicht tagesgemäß“. Der Journalist als Jahrhundertschriftsteller – ein großes, fast zu pathetisches Etikett, das man nur wenigen zeitgenössischen Publizisten zuerkennen möchte. Ryszard Kapuscinski, den langjährigen Auslandskorrespondenten polnischer Nachrichtenagenturen und Zeitschriften, wird man sicherlich zu diesem kleinen Kreis rechnen können. In Polen hat
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