Wo der Irrtum beginnt – Michael Krügers neue Gedichte der Ungewissheit und Unsicherheit, die einen schwer loslassen. Von Carl Wilhelm Macke „Lyrik“, so hat es einmal Literaturnobelpreisträger Joseph Brodsky gesagt, „schult einen enorm in Unsicherheit und Ungewißheit.“ Als Motto passend zu jedem Gedichtband von Michael Krüger, Verleger und Freund von Brodsky. Nehmen wir das Titelgedicht seines neuesten Bandes als Beispiel: „Wir haben meine Kindheit nachgestellt/ mit unscheinbaren Dingen./ Einem Tannenzapfen, Brotkrumen,/ Schlüsseln, einem schwarzgeäderten Stein,/ alles, was zur Hand ist und beweglich./ Nur haben die Dinge die Neigung,/ nach eigenem
Read More Außerirdische – 1 bild / 100 worte – Wenn sich die Küche nachts um zwei in ein Raumschiff verwandelt und mit uns in den Weltall fliegt, dann ist Wodka unser Pilot und wir rauchen wie die Weltmeister. Die Zigaretten gehen aus. In der Ladeluke erscheint Thomas Mann. – Meister! Bringen Sie Kippen? – Ich schmauche nicht mehr. – Hihi hi hi hi hi! – Was gibt’s da zu kichern? – Nichts. (Schmauchen!) *PRUST* Excusez! – Accepté. Stellt jetzt eure Fragen! – Wir denken nach: – Verehrter Meister, in Sachen Außerirdische:
Read More Harold Pinter 1960: Durchbruch mit dem Hausmeister – Nach den Einaktern „Das Zimmer“, „Der stumme Diener“ und seinem ersten abendfüllenden Stück „Die Geburtstagsfeier“ (1958), das auf großes Unverständnis stieß und nach nur einer Woche abgesetzt wurde, steckte Harold Pinter in einer Krise. Der große künstlerische Durchbruch gelang ihm dann vor 50 Jahren mit „Der Hausmeister“. Peter Münder mit einem Check dieses Theater(Neo)Klassikers. Was für ein Flop! Sechs Zuschauer in einer Vorstellung, Gesamteinnahmen nach einwöchiger Spielzeit der „Birthday Party“ am Londoner „Lyric Theatre“: Genau 260 Pfund, elf Shilling, fünf Pence –
Read More Posted On Dezember 1, 2010By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, willkommen zur Mittwochsausgabe, dem Double-Feature von LitMag und MusikMag. Peter Münder mit einem (Neo)Klassiker-Check: Vor 50 Jahren schaffte der Dramatiker Harold Pinter seinen Durchbruch mit dem stilbildenden Stück „Der Hausmeister“. Christina Mohr hat sehr auf einen gelungenen Coup gehofft – aber leider ist die neue Platte von Take That einfach nur schlecht. Dorothee Elmiger hat mit ihrem preisgekrönten Debütroman „Einladung an die Waghalsigen“ für Aufsehen gesorgt, Charlotte von Bausznern nähert sich vorsichtig diesem spannenden und sperrigen Text. Andreas Bick ist etwas ganz besonderes gelungen, nämlich das Rieseln von
Read More Posted On Dezember 1, 2010By Charlotte von BausznernIn Bücher, Litmag
Einladung angenommen – Ein Erfahrungsbericht zu Dorothee Elmigers Debütroman „Einladung an die Waghalsigen“ mit einem Versuch, sie zu verstehen. Zwei Schwestern machen sich in einem Endzeitgebiet, unter dem seit Jugendgedenken ein Grubenfeuer glüht, auf die Suche nach einem vielleicht nicht existierenden Fluss, nach ihrer Geschichte und ihrer möglichen Zukunft. Für mich ist es auch eine Beschreibung der Gegenwart. Von Charlotte von Bausznern An einem Dienstag, vielleicht, erreicht mich per Post endlich ein Band in dritter (!) Auflage, dessen Titel trotz seiner Jugend bereits altbekannt in den Feuilletons ist: Es ist
Read More Posted On Dezember 1, 2010By Gisela TrahmsIn Litmag, Lyrik
In alle Himmelsrichtungen und darüber hinaus – Kreuz und quer über den Globus, welch ein Traum! Und dann ein tiefes, tiefes Loch durch die Erde graben, bis man in Down Under wieder rauskommt… Jan Wagners vierter Gedichtband reist durch die Welt und schaut in den Zeitenschacht. In südlichen Urwäldern beginnt die Reise. „älter als der bischofsstab, / den es hinter sich herzieht“, sitzt dort das Chamäleon „auf seinem ast“. Es kann nicht nur seine Farben wechseln, sondern bewegt auch die Augen unabhängig voneinander: „mit einem blick am himmel und dem
Read More Neue Häppchen, heute: Christiane Geldmacher (CG) und Senta Wagner (SeWa) mit einem Ausstellungstipp, einer Preisverleihung und den Romanen von Siri Hustvedt und Moritz Rinke. Fügungen Es heißt ein Dichter ist einer der Worte zusammenfügt Das stimmt nicht Ein Dichter ist einer den Worte noch halbwegs zusammenfügen wenn er Glück hat Wenn er Unglück hat reißen die Worte ihn auseinander (Erich Fried) Terézia Mora erhält den Erich-Fried-Preis 2010 Eine in Berlin lebende Ungarin, die Deutsch schreibt und aus dem Ungarischen übersetzt, bekommt auf Vorschlag eines Schweizer Jurors den nach dem großen
Read More Posted On Dezember 1, 2010By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Hinaus, ins Fremde! „Willkommen woanders“ ist das Motto des frisch gegründeten „Corso-Verlags“, der in seinen Publikationen von der Lust zu reisen und zu lesen erzählt. Carl Wilhelm Macke ist Horst Günther „Hinaus, ins Freie“ gefolgt. Schon wieder ein Reisebuch? Man muss nur flüchtig in diesem schmalen Band blättern, um sofort zu bemerken, dass es nicht diesen Erwartungen entspricht. Es handelt sich eben nicht um eines der üblichen, jedes Jahr in Massen auf den Markt geworfenen Bücher über Reisen in nahe oder ferne Gegenden. Jedes Fleckchen auf dem Globus ist doch
Read More Entropie – 1 bild / 100 worte – Über Entropie dachte Thomas Pynchon lange nach, bevor er eine Story dieses Namens schrieb, in der kein physikalisches Fakt an seinem rechten Ort saß. Amen! Später der Ruhm, kam, nahm ihn mit und spülte ihn an die Westküste der USA. Dort lagerte Elfriede am Strand. – A bong, a bong, a Königreich for a bong! – Kommt sofort, Thommy. – And you are? – A scribbler from Austria. – Ah, ah, Austria. Hitler was born there. – True. – Die beiden kiffen,
Read More Sven Regeners Roman "Neue Vahr Süd" läuft in der ARD; Sendungen in Funk und Fernsehen zu H.C. Artmann; die ersten Genmücken dürfen fliegen; Kathrin Passig über das Buch als Geldbäumchen; eine neue Nummer der Literaturzeitschrift "Bella triste" ist erschienen - Der Newsletter für die Woche Nr. 48.
Read More Am Sonntag ist die internationale Messe BUCH WIEN mit einem neuen Besucherrekord zu Ende gegangen. CULTurMAG-Mitarbeiterin Senta Wagner hat sich Österreichs größte Branchenshow betrachtet, sympathische Verlage besucht und interessante Neuerscheinungen entdeckt, die sie uns in den nächsten Wochen näher vorstellen wird.
Read More Posted On November 24, 2010By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, willkommen zur Mittwochsausgabe, dem Double-Feature von LitMag und MusikMag. Wir schauen nach Österreich, dort ist Senta Wagner über die BUCH WIEN 10 geschlendert, ihre Eindrücke lesen Sie hier. Internationale Comic-Superhelden gibt es genug – aber wie sieht’s im deutschen Comic-Sprachraum aus? Brigitte Helbling stellt ihnen einige schräge einheimische (Anti-)Helden vor. Außerdem haben wir einen Theatertipp für Sie: Stefan Beuse war in Hamburg im Theater und hat sich im Thalia Ibsens Klassiker Peer Gynt angesehen. Und Rezensionen gibt es auch: Gisela Trahms freut sich über das „Bezauberungspotential“ von Vladimir
Read More Posted On November 24, 2010By Brigitte HelblingIn Comic, Litmag
Dieser zweiteilige Beitrag erwähnt: „Kick-Ass“, die Britische Helden-Alchemie, afrikanische Kindersoldaten, Superhelden als Variationsgenre, 9-11 im Comic, Thomas von Steinaecker, Bier als Abenteuer, eine Heldin für die eigene Mutter, Gebäudewäscher in Hannover und die Frage, wo Superhelden sich im deutschen Comic-Sprachraum eigentlich versteckt halten. Teil 2.
Read More Unangestrengt universell in der Schwebe: Am Thalia-Theater in Hamburg wird derzeit Ibsens Klassiker „Peer Gynt“ gespielt. Stefan Beuse hat sich die Inszenierung von Jan Bosse angesehen – und fand sie durchweg gelungen. Um die Wahrheit zu sagen: Ich bin nicht so der Theatertyp. Ich bin auch nicht so der Museumstyp. Was vielleicht daran liegt, dass mein Verständnis von Kunst eher konservativ ist. Wenn mich ein Bild nicht anspricht, gehe ich weiter. Ich setze keine Brille auf, um das Kleingedruckte daneben zu lesen. Ich gehe einfach weiter und warte darauf, dass
Read More Posted On November 24, 2010By Gisela TrahmsIn Bücher, Litmag
Einen Roman nach 823 Seiten mit dem eigenen Waschzettel zu beenden, ist ein schöner Scherz. Über ebenso viele Seiten eine vom Kindes- bis ins Greisenalter währende Liebe darzustellen, befeuert den Scherz mit Kühnheit. Und, drittens, den Liebenden selbst erzählen zu lassen, brillant und eitel wie der Autor – ja, da wir sind in Nabokovs Palast.
Read More Posted On November 24, 2010By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Kim Thùy, die als Zehnjährige zusammen mit Ihrer Familie als „boat people“ über das Wasser von Vietnam in den Westen floh, erzählt in Ihrem Debüt in kurzen, poetischen Prosaskizzen von ihrer alten und neuen Heimat.
Read More Wiedergeburt 1 bild / 100 worte Socrates wiedergeboren als Greta Müller, ca. 1905, dachte: σκατά! als er das Spundloch von Mutter Müller verließ; schon mit dem ersten Schrei vergaß er die frühere Existenz. Es war aber alles noch da. Die Intelligenz, die Argumentierlust, die Gabe, die Welt zu durchschauen… keine Freude an ihrem Kinde hatten die Müllers, Bäckersleute aus Wittenberge. War ja klar. Berlin ca. 1924 bot die Rettung, denn wie Socrates liebte Greta ihr Spiegelgeschlecht und nutzte Verstand und Logik, um es zu verführen. Love me! Das Ende kam
Read More Posted On November 17, 2010By Brigitte HelblingIn Comic, Litmag
Dieser zweiteilige Beitrag erwähnt: „Kick-Ass“, die Britische Helden-Alchemie, afrikanische Kindersoldaten, Superhelden als Variationsgenre, 9-11 im Comic, Thomas von Steinaecker, Bier als Abenteuer, eine Heldin für die eigene Mutter, Gebäudewäscher in Hannover und die Frage, wo Superhelden sich im deutschen Comic-Sprachraum eigentlich versteckt halten.
Read More Posted On November 17, 2010By Peter MuenderIn Bücher, Litmag
Mit „39,90“, seinem ziemlich durchgeknallten, rasanten Insiderbericht eines Werbekreativen, wurde Frédéric Beigbeder vor zehn Jahren bekannt. Jetzt präsentiert er familienhistorische Erinnerungen, die dem begeisterten Kokser während eines kurzen Knastaufenthalts durch den Kopf gehen. Peter Münder hat ihn auf seiner Hamburger Lesung erlebt.
Read More Posted On November 17, 2010By Gisela TrahmsIn Bücher, Litmag
Im März gewann Georg Klein den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen autobiographischen „Roman unserer Kindheit“. Nun folgt ein Band mit Erzählungen, die gewohnt virtuos in jene phantastischen Räume und Konstellationen entführen, die seine Leser schätzen. Von Gisela Trahms
Read More Posted On November 17, 2010By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Tristan Garcia hat mit seinem jetzt auch auf Deutsch erschienenen Debüt „Der beste Teil der Menschen“ in Frankreich großes Aufsehen erregt und die Kritik begeistert. Ungeschminkt erzählt der 1981 geborene und durch die Gnade der späten Geburt unbelastete Garcia vom intellektuell und homosexuell bewegten Paris in den 80ern und der aufkommenden Aids-Tragödie.
Read More Posted On November 17, 2010By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Aufwühlende Erinnerungen einer Frau, die um das Schweigen und die Kälte zwischen drei Frauen kreisen: Mutter, Tochter und Schwester. Von Carl Wilhelm Macke
Read More Posted On November 17, 2010By Anica RichterIn Bücher, Litmag
Eigentlich ist zum Thema Zeitreisen seit Robert Zemeckis’ großartiger Trilogie „Zurück in die Zukunft“ alles gesagt. Unterhaltsamer, turbulenter und überraschender als Marty McFly geht nicht. So dachte zumindest Anica Richter, bevor sie „Die Landkarte der Zeit“ von Félix J. Palma gelesen hat.
Read More Relativitätstheorie 1 bild / 100 worte Gib’s auf, gib’s auf! sagt der Physiker wie Kafkas Schutzmann zu uns, denn der Relativitätstheorie sei mit der gewöhnlichen menschlichen Vorstellungskraft nicht beizukommen, weder der speziellen, und schon gar nicht der allgemeinen! – Und was, wenn wir sehr lange darüber nachsinnen täten, zum Beispiel in einer abgelegenen Einsiedelei in Argentinien? – Keine Chance. – Wirklich keine? – Sorry, sagt der Physiker, schüttelt das greise Haupt und schielt dabei in unsern Ausschnitt. Dort wölben sich unsere Brüste. Die eine wölbt sich gen Osten, die andere
Read More Posted On November 11, 2010By Die RedaktionIn Comic, Litmag
Vorstellen muss man ihn in Comic-Kreisen nicht mehr, aber hinweisen wollten wir doch darauf, dass es Schwarwel, Leipziger Comic-Künstler, auf der Welt seit 1968 gibt, und sein primäres Geschöpf, Schweinevogel, seit immerhin 1987. Aus dem sogenannten „Schweiniversum“ stammt auch Herr Mauli...
Read More Posted On November 11, 2010By Peter MuenderIn Kunst, Litmag
Knirsch-Ekstasen, Weltbrandstiftung, Vatermörder: Auf der Darmstädter Mathildenhöhe liefert eine eindrucksvolle Ausstellung einen grandiosen Überblick über den Expressionismus als Gesamtkunstwerk. Peter Münder hat sich für CULTurMAG umgesehen. Erst einmal dröhnt, wahrlich nicht überhörbar, ein markantes kakofones Staccato-Gehämmer an die Ohren des Ausstellungsbesuchers – zwölftonartig Geschnetzeltes vom Komponisten Paul Hindemith (reinhören) euphorisch fabriziert, nachdem er Oskar Kokoschkas Drama „Mörder, Hoffnung der Frauen“ 1917 entdeckt und den darin ausgeloteten Geschlechterkampf sowie das ekstatisch zelebrierte erotomane Seelenspektakel der Oper implantiert hat. Haben wir hier vielleicht schon einen griffigen Zugang zum diffusen Phänomen Expressionismus? Nach dem Motto: Wenn
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