„My heart is split“ Marcus Müntefering hat Nachfragen an Attica Locke zu „Bluebird, Bluebird“ Vorbemerkung: Die folgenden Fragen und Antworten waren die Basis für eine Besprechung von Attica Lockes „Bluebird, Bluebird“ bei Spiegel Online. Es handelt sich also nicht um ein „normales“ Interview, sondern um eine Reihe von Fragen, die sich mir während der Lektüre des Romans stellten und die ich nicht in die dramaturgische Reihenfolge gebracht habe, wie es in einem zur Veröffentlichung gedachten Interview der Fall gewesen wäre. Da aber Atticas Antworten auf meine per E-Mail geschickten Fragen sehr
Read More Eine neue Spezies von Macht Textauszug aus „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ von Shoshana Zuboff Flammenschrift an der Wand (AM) Schade, wirklich schade, dass Frank Schirrmacher dieses Buch nicht mehr erleben konnte. Er hätte es wie kein anderer Intellektueller in die Talkrunden und Symposien getragen, hätte mit allen Kräften für seine Verbreitung gesorgt. Denn ganz zweifellos ist dies eines der wichtigsten Bücher der letzten Jahre, Rachel Carsons Umweltwarnung „Der stumme Frühling“ (1962) oder Robert Jungks „Atomstaat“ (1977) vergleichbar. Ein Buch für eine Epochenwende, eine neue Erzählung des Kapitalismus. Eine Flammenschrift an
Read More Abenteuerliche Spurensuche im nebulösen Zeitfenster Michael Ondaatjes Roman „The English Patient “ (1992) war eine aus diversen Mosaiksteinen zusammengesetzte biographische Spurensuche, die in den diffusen Nebel einer verschwommenen Vergangenheit führte. In „Warlight“ („Kriegslicht“) beschreibt der aus Sri Lanka stammende, jetzt in Kanada lebende 75jährige Lyriker und Romancier nun die Suche der jugendlichen Geschwister Nathaniel und Rachel nach ethischen Normen im zerbombten Nachkriegs-London. Nathaniels Rückblende fünfzehn Jahre später auf diese befreiende Initiations-Phase, in der ohne elterliche Obhut alles möglich schien, kreist um kleinkriminelle Machenschaften, Geheimdienst-Aktivitäten der abgetauchten Mutter und akribische
Read More Trügerisches Idyll Hazel Rosenstrauch über ein Buch mit Nachhall Es gab einmal eine Zeit, die nicht gerast ist. Oder wie es in Karel Poláčeks Roman heißt: „Die Bezirksstadt ist mit Zeit angefüllt wie die Scheuern des Pharaos. Sie vergeht nicht.“ Wer wissen will, wie das war, „als man noch wusste, was sich gehört“, ist in der tschechischen Kleinstadt vor gut hundert Jahren gut aufgehoben. Dort sind die Häuser „dickleibig wie Buchteln“, das Personal ist übersichtlich, die Adjektive klingen vertraut und vertrauenserweckend: die Ziege ist störrisch, der Fluß fließt träge, Früchte
Read More Was soll ein Toter mir schon anhaben können? Von Wolfgang Franßen Nach der sprachlichen Ouvertüre, die an Camus erinnert, liest sich „Farben der Nacht“ wie ein Melodrama von Douglas Sirk. Da haben wir Surab, den Hausmann ohne Job, der seine Nachbarn ausspioniert. Tina, die Ehefrau, die zu viel arbeitet und ihm und seiner Mutter die Kinder überlässt. Im gegenüberliegenden Mietshaus die verhängnisvolle Affäre um ein Mann von der Staatssicherheit und seinen jungen Liebhaber. Was hätte Verdi wohl für eine Musik dazu komponiert? Zumal das Ganze vor dem historischen Gemälde der
Read More Ein Coup unter schlechtem Stern Von Iris Tscharf Spanien ächzt unter einer Wirtschaftskrise und nicht nur der Fischhändler Víctor, genannt Chiquitín, quält sich mit den Finanzen, sondern auch seine Kumpels Yunque, Chato und Guapo suchen nach Einkommensmöglichkeiten. Da kommt das Angebot zu einem Bankraub in Marrakesch gerade recht. Dort findet bald ein Treffen der Juwelierhändler statt und der geplante Coup hört sich fast zu einfach an. Das wäre nämlich ihr Anteil an dem sechs Millionen-Euro-Coup. Wenn alles nach Plan liefe … Es klingt alles total easy: Ein Trip in Begleitung
Read More Flöhe auf KI-Porno und Stör auf Dostojewski Christopher Werth über „Manaraga“ von Vladimir Sorokin Im Jahr 2037 ist Lesen der heißeste Scheiß. Nur, dass „Lesen“ bei Sorokin „Grillen“ bedeutet. Und gegrillt wird nicht auf Holz oder Kohle, sondern auf den Erstausgaben von Dostojewski, Nabokov, Flaubert oder Cervantes. Eine Rezension von Christopher Werth. Die Grundidee ist schnell erzählt: Wir befinden uns etwa 20 Jahre in der Zukunft und folgen dem Tagebuch von Geza. Europa hat sich gerade in einem großen Krieg von der Herrschaft der Salafisten befreien können und befindet sich in
Read More Theorie, Pauschales und die Praxis Matthias Bischoff und seine Kritikerkritik, dass zu wenig Krimi-Bestseller besprochen würden „Ein ernster Roman, der wenig Freude macht.“ Mit diesem nicht sehr einladenden Resümee endete kürzlich einer der von mir ob ihrer Kürze und Prägnanz sehr geschätzten Buchhinweise in der Fernsehzeitschrift „Hörzu“. Und glaubt man dem Publizisten Matthias Bischoff, werden hier exakt die Qualitätskriterien zusammengefasst, anhand derer „die Kritiker“ Kriminalliteratur beurteilten. Denn diese seien „identisch mit denen für sogenannte ernste Literatur“: „Hier dürfen Leserbedürfnisse nicht befriedigt werden, hier müssen Genreregeln gebrochen, infrage gestellt, ignoriert werden,
Read More Auf Gedeih und Verderb dem Kino ausgeliefert Ein erster Blick auf die Berlinale 2019 (7. – 17.2.) von Katrin Doerksen „Ich bin betrunken vom Kitsch und bitter vor Neid. Frag‘ ich den Regisseur, sagt er: „Es tut mir leid,Das alles ist doch nur zur Unterhaltung gedacht.Was kann ich dafür, wenn ihr daraus ein Drama macht?!“ (Keimzeit in „Kintopp“ ) Auf keinem anderen Filmfestival ist man gelegentlich betrunkener vor Kitsch und bitterer vor Neid als auf der Berlinale. Das ganz große Glück und der ganz große Stahl liegen hier oftmals nur
Read More Das Samaragd-Dreieck Günther Grosser über eine Netflix-Serie aus Humboldt Country Humboldt County ist ein Landkreis in Nordkalifornien, viermal so groß wie das Saarland, allerdings mit gerade einmal einem Zehntel der Einwohner, ein hügeliges Waldgebiet, fünf Autostunden von San Francisco, das wegen seiner billigen Bodenpreise und seiner Abgeschiedenheit seit den 1970er Jahren große Anziehungskraft auf die Counterculture der Bay Area ausübte. Hippiekommunen zogen von dort nach Norden und unternahmen den Versuch, alternative Lebensformen auf soliden Grund und Boden zu stellen, und viele hatten tatsächlich eine sehr lange Lebensdauer. Zum Ausstieg gehörten
Read More Der indiskrete Charme des bürgerlichen Unholds Leo W. Eine Filmkritik von Simon Hauck In jüngster Zeit ist das Interesse an der Ahnengalerie der „Bonner Republik“ von Neuem erwacht, was auch im Dokumentarfilmschaffen deutliche Spuren hinterlassen hat. Egal ob noch indirekter formuliert, beispielsweise in Nachlass von Gabriele Voss und Christoph Hübner, oder besonders fokussiert in Regina Schillings herausragendem Fernsehessay Kulenkampffs Schuhe. Dabei stellt sich immer wieder bei jüngeren Rezipienten automatisch die Frage, was das nun für eine merkwürdige (Nachkriegs-)Zeit war und welche Männer, andere Geschlechter wurden darin diskret ausgeklammert, in Politik, Kultur oder Gesellschaft
Read More Eine Liebe in Zeiten des Kalten Krieges Joachim Kurz über „Cold War . Der Breitengrad der Liebe“ von Pawel Pawlikowski Der Pianist Wiktor (Tomasz Kot) ist eine Art musikalischer Feldforscher: Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fährt er gemeinsam mit seiner Kollegin und Geliebten Irena (Agata Kulesza) übers Land und sammelt mit einem Tonbandgerät traditionelle Volkslieder, die so für die Nachwelt erhalten werden sollen. Mit dem gesammelten Material gründet er ein Konservatorium und lädt begabte Sänger*innen und Tänzer*innen ein, diese Weisen einzustudieren und auf die Bühne zu bringen. Unter den
Read More “War is a criminal enterprise. I fight it with criminals.” Andrew Nette on the 50th anniversary of André de Toth’s „Play Dirty“ (dt. „Ein dreckiger Haufen“) Towards the end of last year I posted on my love for the 1968 espionage/war thriller, Where Eagles Dare. My first post for 2019 continues what is becoming an unofficial series of sorts on this site, ‘in praise of films I watched with my parents on the television on Sunday night when I was young’. This time, I want to briefly pay tribute to the incredibly hard-boiled
Read More Eine Vielzahl Krimi-Neuheiten … erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays. Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe von:Kaliber.38 und der befreundeten BuchhandlungenChatwins (Berlin), Hammett (Berlin),Glatteis (München),Wendeltreppe (Frankfurt) undBuchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin.Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics geben Katrin Doerksen und Thomas Groh. Jan Christian Schmidt von Kaliber.38: Nicht viel los im Januar – und wie etwa die tolle Longlist zum wbg-Wissen!Preis zeigt, gibt es so unglaublich viele spannende Bücher außerhalb des Krimibereichs! Ich komme
Read More Sherif Fatman von James Neil Morrison / Leslie George Carter Sheriff Fatman started out is business as a granny farmerHe was infamous for fifteen minutesAnd he appeared on PanoramaThen he somehow got on board a Starship Enterprise Allowance SchemeWith a Prince of Wales AwardFor pushing valium and amphetamines Moving Up on Second BaseWith Nicholas Van what’s His FaceAt six foot sixAnd 100 TonsThe undisputed King of the SlumsWith more alias‘ than Klaus BarbieMaster Butcher of Leigh on SeaJust about to take the stageThe one and only – hold the front
Read More Krimilesungen vom 01.02.2019 bis 28.02.2019 Unser Veranstaltungskalender bietet Ihnen eine feine Auswahl an interessanten Autoren, die sich zurzeit auf Lesereise befinden. Bernhard Aichner stellt seinen Roman „Bösland“ vor: 14.02.2019 Dolomitenbank, A-Lienz 15.02.2019 Einrichtungshaus Aichner, A-Heinfels, Beginn 19:30 Uhr 16.02.2019 Casino, A-Innsbruck, Beginn 19:00 Uhr 20.02.2019 Buchhandlung Albert Schmid, Schwabmünchen, Beginn 20:00 Uhr 21.02.2019 Alte Seifenfabrik, A-Lauterach, Beginn 19:30 Uhr Hier gibt es mehr Infos. Friedrich Ani liest aus „Der Narr und seine Maschine“: 16.02.2019 Stadttheater, Aschaffenburg, Beginn 19:30 Uhr Max Annas mit „Finsterwalde“: 08.02.2019
Read More Eine hochkarätige aktuelle Tagung in Frankfurt Kriminalliteratur ist die meistgelesene Literatur der Welt, auf manchen Märkten macht sie bis zu 30% der Gesamtbelletristik aus. Kriminalität, Verbrechen und Gewalt sind konstitutiv für alle Gesellschaften und daher auch in allen Literaturen dieses Planeten zu finden. Deshalb widmet Litprom die Literaturtage 2019 dem Thema »Global Crime«. In den Blick gerückt werden soll dabei die Variabilität des Genres, sein »globaler Code« und sein kommunikatives Potential. Kriminalliteratur bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion, entlang jener Kraftfelder, die vom Realen ins Fiktive wirken und zuweilen
Read More 66 CulturMag-Autorinnen und Autoren über das Jahr 2018 Pünktlich zu Silvester tischen wir Ihnen auch in diesem Jahr wieder unseren großen Jahresrückblick auf, den dieses Mal Alf Mayer kuratiert hat: Zwölf Kapitel mit 66 Autorinnen und Autoren aus aller Welt, 23 Texte davon in Englisch, aus den USA, Australien, Großbritannien, Thailand und Irland. Welcome, dear CulturMag readers, to our Mammoth CulturMag’s Year’s End Issue 2018 with 66 contributors from round the world: from Germany, Great Britain, Ireland, Thailand, Australia, the U.S.A., 23 of these pieces written in English. We had to split them up into 12 chapters. Go, have a look. You might
Read More Unsere CrimeMag Top Ten 2018! 20 Jurorinnen und Juroren haben sich entschieden: (1) Tom Franklin: Krumme Type, krumme Type. Übersetzt von Nikolaus Stingl (Pulpmaster). (2) Denise Mina: Blut Salz Wasser. Übersetzt von Zoë Beck (Ariadne). (3) Patrícia Melo: Der Nachbar. Übersetzt von Barbara Mesquita (Tropen). (4) Aidan Truhen: Fuck You Very Much. Übersetzt von Andrea Stumpf und Sven Koch (Suhrkamp). (5) Max Annas: Finsterwalde (Rowohlt). (6) Simone Buchholz: Mexikoring (Suhrkamp). (7) Garry Disher: Leiser Tod. Übersetzt von Peter Torberg (Unionsverlag). (8)
Read More Thomas Adcock Ann Anders Friedrich Ani Max Annas Bruno Arich-Gerz Rolf Barkowski Thomas Adcock: Best of American Culture – Year 2018 – This was the year when the United States began a return to civic normalcy. What feels so long ago, the presidential election of November 2016, began a dark aberration from what we Americans like to think of ourselves—in the words of the Pledge of Allegiance, “one nation, indivisible, with liberty and justice for all.” Now justice is at hand for a crime syndicate that has coöpted the White House
Read More Ulrich Baron Peter Blauner Katja Bohnet William Boyle Simone Buchholz Declan Burke Ulrich Baron: Trost von Franklin Das Jahr 2018 brachte für mich einige literarische Solitäre. Zunächst einmal Emily Ruskovichs Roman „Idaho“ (Hanser), dessen Titel mich an einen der merkwürdigsten SF-Filme erinnerte – an Peter Fondas „Idaho Transfer“ aus dem Jahre 1973 (in Deutschland leider „Expedition in die Zukunft“ betitelt). In Film- und Buchtitel klingt für mich eine große Verlorenheit an. Fondas junge Helden reisen in die Zukunft, um dort festzustellen, dass sie keine haben. Ruskovichs Gestalten suchen auf einem abgelegenen
Read More Alan Carter Andrew Cartmel Liza Cody Ute Cohen Claudia Denker Alan Carter 2017 had been a dramatic enough year (see last year’s round-up) and I had been anticipating (or hoping for) a quieter 2018. Not to be. With my wife’s broken leg and foot gradually on the mend we looked forward to another year (at least) of life on our remote farm up a dead end valley on New Zealand’s South Island and to the release of my next Cato Kwong thriller – Heaven Sent. Then change came knocking.
Read More Garry Disher Anita Djafari Katrin Doerksen Werner Dütsch Joachim Feldmann Michael Friderici Garry Disher: The Central Role of Rural Settings in Recent Australian Crime Fiction The city is the primary site for most contemporary crime novels, and while readers might find themselves entering a chaotic world, it’s in the certain knowledge they’ll be guided by a detective rooted to the setting and in possession of wide-ranging and penetrating insider knowledge. The Los Angeles of Michael Connelly’s Bosch, for example; the Edinburgh of Ian Rankin’s Rebus. In contrast, the setting
Read More Monika Geier Frank Göhre Tobias Gohlis Stephen Greenall Thomas Groh Monika Geier 2018 war seltsam. So unglaublich sonnig und warm, so fröhlich, ein echtes Mastjahr, alle Waldbäume haben überreich Früchte getragen, ich hab soviel Geld verdient wie noch nie, und wir waren endlich mal im Sommer am Meer. Dort schien so sehr die Sonne, dass der Surflehrer sich Gedanken um die réputation seiner sonst stürmischen baye des trépassés machte. Außerdem haben mich viele wunderbare Menschen besucht, meine Projekte waren interessant und erfolgreich, ich schreibe jetzt eine Giftpflanzenkolumne, für die
Read More Günther Grosser Sonja Hartl John Harvey Bodo V. Hechelhammer Brigitte Helbling Günther Grosser: Scherbenlese Lohnt es sich, an dieser Stelle über das Erwartbare, das Übliche zu reden. Nein, beim Jahresrückblick muss es um Enttäuschungen und Überraschungen gehen, vergessen sind längst die `guten Krimis´, die `Na-ja-Filme´, die `So-La-La-Theaterinszenierungen´, sie pflastern den Weg zum Unvergesslichen, zu jenen Büchern, bei denen man sich freute, nach Hause zu kommen und weiterlesen zu können, zu jenen Filmen und Aufführungen, nach denen man Kino oder Theater als anderer Mensch verlässt. Schwerer zu vergessen, kaum abzuschütteln
Read More Dietrich Kalteis Carsten Klindt Nick Kolakowski Else Laudan Dietrich Kalteis: To do the right thing For me this was a year of some great entertainment in films, books and music. Maybe more films than books in 2018, but as always a lot of great music. There were a few of award-winning films from late last year that I really enjoyed. First off, there’s „Darkest Hour“, a story we’re all familiar with, one of certain defeat turning to victory. Gary Oldman sure brought it on in his brilliant portrayal of
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