Ein Meister wie Buster Keaton Ein Blick auf Ken Bruens Stil, anlässlich „Aliens Bändigung“ Als Ken Bruen 1979 nach vier Monaten Hölle in einem brasilianischen Knast endlich entlassen wird, ist er am Ende. Jahre später wird er die grausame Erfahrung bei einem Interview in ein paar Sätze kondensieren: „Ich hatte alles an menschlichem Leiden, an Erniedrigung abbekommen, das man sich nur vorstellen kann. Ich bin dort dem Bösen in seiner reinsten Form begegnet – böse sein, bloß weil man böse sein kann.“ Er ist 38 und fängt zu schreiben an, reist
Read More Walking and Talking Crime in New York City Nach zwei Jahren Corona und Travel Ban: längst fällige Besuche bei Krimiautoren und Streifzüge durch kriminelle Viertel in Manhattan und Brooklyn – Von Johannes Groschupf. Hell’s Kitchen “Da drüben war das Hauptquartier der Westies”, sagt Thomas Adcock auf dem Balkon seiner Wohnung im 43. Stock in Midtown Manhattan. Das Viertel wurde früher Hell’s Kitchen genannt, heute sagen die Stadtentwickler lieber Clinton, um die anrüchige Vergangenheit der Gegend vergessen zu machen. Die Westies waren eine irische Gang des organisierten Verbrechens, ihre Blütezeit hatte
Read More Wie kam der Maulwurf zur negativen Assoziation mit Spionage? Eine kleine Spurensuche von Bodo V. Hechelhammer „Der Maulwurf. BND-Mann unter Spionageverdacht“ schrieb der Spiegel als Schlagzeile am 4. Juli 2014, als es um Verrat im deutschen Auslandsnachrichtendienst ging.[1] „Maulwurf gesucht“, titelte die taz am 15. Oktober 1990, nachdem zuvor Klaus Kuron als DDR-Spion in den Reihen des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) enttarnt worden war.[2] Und einen ganzen Krieg zwischen den amerikanischen und sowjetischen Geheimdiensten sah das New York Magazin am 27. Februar 1978 im Artikel „The war of the moles“.[3] Es dreht
Read More Wer liest, sammelt Sätze. Manchmal bewußt. Manchmal ist ein einziges Wort ausschlaggebend: hartnäckig taucht es immer wieder auf. Fliege, zum Beispiel. Oder Mitternacht. Oder Asphalt. In ganz unterschiedlichen Büchern und Zusammenhängen, bei ganz unterschiedlichen Schriftstellern. Solche Fliegensätze oder Mitternachtssätze oder Asphaltsätze finden, immer elf an der Zahl, in der Serie ‚Spielwort‘ ihren Platz. Ein Spaß, ein Zeitvertreib. Und eine andere Art, auf Bücher zu deuten. Spielwort: Listen II Elf Zitate zusammengelesen von Ingrid Mylo Ich plane bereits, eine Liste möglicher Überraschungen anzulegen.– Lily Brett: Gastfreundlichkeit ** Jeder Artikel enthielt eine
Read More Kerkerphantasien Wenn der Name Giovanni Battista Piranesi (1720 – 1778) fällt, tickert, bei zumindest Nicht- (spezialisierten) Kunstgeschichtlern, die Assoziationskette los: „Carceri“, Gothic, Walpole, Colerigde, E.T.A. Hoffmann, Poe, Kafka, Borges, M.C. Escher, Alberto Breccia, François Schuiten etc. – also: Phantastische Kunst oder Das Phantastische in der Kunst. Walpoles Roman „Castle of Otranto. A Gothic Story“ (1764/5), der Grundlagen-Text für alles, was man später als „Gothic Novel“ oder Schauer/Horrorroman bezeichnen sollte, rückte deswegen in die Nähe Piranesis, weil die Architektur des Schlosses von Otranto in der Phantasie Walpole die visionäre, verschachtelte, bizarre Architektur seines Landsitzes
Read More Ovid – von der Liebe zu den Sternen: Metamorphosen eines Dichters. Ein Essay von Markus Pohlmeyer Ovid (gestorben 18 n. Chr.?), ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Amores. Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Ars amatoria: eines Lehrgedichts gelingender Liebe für Mann und Frau. Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Metamorphosen. Ohne dieses Werk wäre europäische Kunst nicht denkbar und kaum verstehbar – das Kompendium antiker Mythologie schlechthin. Ovid, ihn kennt die Weltliteratur als Dichter der Amores: Die Erotik dieser Liebeselegien liegt nicht nur im Inhalt, sondern auch in der verführerisch enthüllenden-verhüllten Sprache.
Read More Klaus Kamberger und Frank Schorneck über ein böses Buch Liz Nugent: Auf der Lauer liegen (Lying in Wait, 2016). Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Steidl Verlag, Göttingen 2022. 368 Seiten, 28 Euro. Das ganz normale Leben halt Bürgerliches Leben kann die Hölle sein. Gutbürgerliches schon gar. Aber keine Sorge, man kann es sich schon in ihm einrichten: ein bisschen arrangieren hier, weggucken dort, Ansprüche für gottgewollt halten, das eigene Tun immer schön rechtfertigen, ansonsten die Vorhänge zuziehen, das gewählte Ambiente dekorativ gestalten und felsenfest wissen: eigentlich ist man immer
Read More Die Kunst, Wissenschaft zu begreifen Alf Mayer über den Band „Science Illustration. Eine Geschichte des visuellen Wissens vom 15. Jahrhundert bis heute“ Wenn man sich erinnert, dass die Erde einmal als Scheibe galt, wird verständlich, welch weiter Weg es zur Wahrheit ist. Das Streben nach Wissen ist immer auch eines nach Erkenntnis, nach dem Boden unter den Füßen. Und dafür braucht es sinnhafte Idee, bildlichen Beweis. Anschauung. Wissenschaftliche Illustration. Die Sinnhaftigkeit dieses Mediums wird deutlich, wenn man sich erinnert, wie manche Illustrationsgrafik uns schon im Kindesalter Zusammenhänge verstehen ließ oder
Read More Tiefgründigkeit und langer Nachhall Es ist der Abend, als Olof Palme stirbt. Am 28. Februar 1986 wird der schwedische Ministerpräsident nach einem Kinobesuch auf offener Straße in Schwedens Hauptstadt Stockholm erschossen. An jenem Tag in der Provinz Halland beobachtet ein Junge ein merkwürdiges Geschehen. Später wird dort in einem Auto die Leiche einer jungen Frau gefunden. In beiden Fällen tappt die Polizei bei ihren Ermittlungen lange im Dunklen, sind die Menschen geschockt von dem grausamen Verbrechen. Der schwedische Kriminalautor und Kriminologe Christoffer Carlsson erzählt in seinem Roman „Was ans Licht
Read More Samuel Pepys ermittelt in Portsmouth Kriminelle Machenschaften, Umsturzpläne, Korruption – Was ist los bei der Marine? Im Thriller des Londoner Autors und Filmregisseurs Jack Jewers ermittelt der legendäre Tagebuchschreiber und Admiralitäts-Sekretär Samuel Pepys (1633-1703) in Portsmouth, um zusammen mit seinem Assistenten William Hewer undurchsichtige Vorgänge bei der englischen Marine aufzuklären. Pepys beschreibt seine Aktivitäten aus der Ich-Perspektive: Wir befinden uns im Jahr 1669 und werden mit dramatischen Ereignissen konfrontiert. „The Lost Diary of Samuel Pepys“ beleuchtet politische Intrigen, Putschversuche und sogar Attentate militanter feministischer Gruppen, die dem Patriarchat den Kampf ansagen. – Von Peter
Read More „Dämmerung“ und „Ebenbild“. Eine Skizze Ein Essay von Markus Pohlmeyer. Mag sein, durch den Abstand der Jahre, begeistert mich die Serie Star Trek Enterprise (2001-2005) immer mehr – im Gegensatz zu den teilweise vernichtenden Kritiken, die ich gelesen habe. Nach nur vier Staffeln eingestellt (Ein ähnliches Schicksal traf die Originalserie.). Und zugegeben, ein leider dramaturgisch frontal vermasseltes Finale (bildlich: mit Warp 8 in ein klingonisches Schwert). In Kürze: Die Menschheit wagt unter der strengen Aufsicht der Vulkanier die ersten größeren Schritte in die Galaxie. Die Vulkanier treten als überstrenge, überbesorgte Über-Mentoren auf,
Read More Acht Jahre vor Patricia Highsmith hat Dorothy B. Hughes einen Hochstapler erfunden, der sich mühelos in der Welt bewegt. Fünf Jahre vor Jim Thompson blickt sie in den Kopf eines Serienmörders – aber nur, um diesen Blick wieder nach außen zu wenden. In ihrem lange übersehenen Meisterwerk „Ein einsamer Ort“ schreibt sie über die US-amerikanische Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und den Frauenhass, der hinter den Verbrechen steckt. Ihre Hauptfigur ist Dix Steele, ein Prototyp des Noir: ein Kriegsveteran, der überfordert ist von den Veränderungen in der Welt. Sein internalisierter
Read More Absurd und treffsicher Eine Rezension von Frank Schorneck Martin Kreutzer, mit Ende 20 Volontär einer überregionalen Berliner Tageszeitung, nimmt den Mund ziemlich voll, als er sich in einer Redaktionssitzung, in der Volontäre traditionell die Klappe zu halten haben, zu Wort meldet und ein exklusives Interview mit dem allseits gefeierten Performancekünstler und Festivalkurator Lukas Moretti verspricht. Denn Moretti lehnt Interviews mit dem in seinen Augen reaktionären Blatt seit jeher ab, Kreutzer aber verweist darauf, dass er mit Moretti gemeinsam studiert habe und auf diesem persönlichen Kontakt aufbauen könne. Dass sich während
Read More Wie noch eigene Verantwortung übernehmen? Hazel Rosenstrauch reist mit Gaspard König in die Welt der Künstlichen Intelligenz Es führt kein Weg an der KI (AI) vorbei. Auf der Suche nach Aufklärung geriet ich an Gaspard Koenigs philosophische Reise zu “Wissenschaftlern, Politikern, Unternehmern, Investoren und Aktivisten” (und bin ein wenig befriedet, weil Texte über die technologische Zukunft nicht nur im Netz, sondern noch oft in Buchform erscheinen). Koenig ist Philosoph und Franzose, ebenso viel wie über Automatisierung und Superintelligenz erfährt man über philosophische Grundbegriffe und sehr viel ältere Auseinandersetzungen über den
Read More Die Art, sich zu geben Fritz W. Kramers klammheimliche Erkundung von Kunsthochschüler:innen verzichtet am Ende auf Feldforschung und Hochschullaborstudien. Der Wechsel in andere Textgenres als das ethnografische ist auffällig, unumgänglich – und eine Kunst für sich. – Von Bruno Arich-Gerz. Ort: Die Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg, das ‚Lerchenfeld‘. Zeit: 1989 bis 2007. Handlung: Fritz W. Kramer, ein akademisches Allroundtalent, wechselt seine Wissenschaftsdisziplin und den Wirkungskreis. Er kehrt von ethnologischen Studien bei den Nuba im Sudan heim in die Metropole, wird Professor und unterrichtet Kunsthochschüler:innen. Er begreift, die
Read More Run Get My Shotgun by Jessie Mae Hemphill I’m gonna blow my baby awayKeep messing up on me1990 gonna do something I got no business doingMe and my shotgun I said run get me my shotgunAnd me a box of shells If my baby keeps messing up on meI’m gonna send his soul to hell I had a little trouble Down on Ardmore Farm Went looking for my babySome no-good woman hid him and gone I tried to see my baby six feet in the groundAnd if he keeps messing up on
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