Zwischen Schuld, Rache und Gerechtigkeit Auf den ersten Blick ist Billy McGrath ein typischer „hard boiled“ Detective bei der Mordkommission Los Angeles – genauer in dem Strandviertel Venice, das ziemlich „klein, glitzernd, abgefahren und fies“ daherkommt. An diesem McGrath perlen die unzähligen Toten und zerstörten Schicksale seines Reviers ab wie Regentropfen an einer Öljacke – zu verdanken hat der Detective, der einst Philosophie studierte, dies einem ebenso praktischen wie gefährlichen „Parasiten im Herzen“: „Er frisst die Gefühle auf, bevor sie Zeit haben, ins Hirn zu gelangen. Allerdings stellt sich letztlich
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Pop und Poesie aus Fernost Noch immer stellen wir uns die Chinesen als ein mao-maus-graues und bienenfleißiges Völkchen mit konfuzianischer Prinzipientreue vor – doch dass auch hier der Kapitalismus und mit ihm die Pop- und Subkultur längst Einzug gehalten hat, beweist Mianmian mit ihrem bei chinesischen Jugendlichen schon Kultstatus genießenden Debut „Lalala“. In vier autobiographisch grundierten Erzählungen taucht Mianmian – „ich bin eine Frau der Spontaneität, der Hoffnungslosigkeit und der wilden Begeisterung“ – in die von westlichen Insignien gezeichneten Jugend- und Boheme-Szenen der Millionenstädte Shanghai und Peking ab. Schonungslos schildert
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Grandiose Meisterwerke Denis Johnson geht direkt ins Mark: Er erschüttert, verstört, bannt und begeistert mit seiner halluzinativen Prosa, mit eingedampften Sätzen von radikaler Härte und trunkener Traurigkeit. „Unter Wolken wie großen grauen Hirnen“ ziehen seine geschlagenen Helden bis zur schicksalhaften Auslöschung durch „einsame, schmerzende Landschaften“. Nachdem im Frühjahr Denis Johnson aktuellster Roman „Schon tot“ auf Deutsch erschienen ist, liegen jetzt mit „Engel“ und „Jesus Sohn“ zwei frühe – und um es vorwegzunehmen: sensationelle – Werke des amerikanischen Autors vor. Mit ihnen dürfte er auch hierzulande bald den Kultstatus erreichen, den
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„Nichts ist wahr – alles ist erlaubt“ „Nichts ist wahr – alles ist erlaubt“ – dieser von Friedrich Nietzsche und William S. Burroughs schon gerne benutzte und die Postmoderne antizipierende Wahlspruch führt auch mitten hinein in die (surrealen) Untiefen von Denis Johnsons „Schon tot“: Die Wirklichkeit ist hier keine feste Größe mehr und öffnet ihre Türen in die faszinierend-bedrohlichen Räume des Traumes, der Psychose, des Drogenrausches und der Spiritualität. Entsprechend setzt sich das reichhaltige Personal von „Schon tot“ auch aus ziemlich merkwürdigen Existenzen zusammen: Alt-Hippies und LSD-Freaks, New Age-Verkünder, Selbstmordkandidaten
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Vergeblicher Ausbruch Eigentlich verlangt Bill Morrow ja gar nicht viel vom Leben: „Er wollte die Welt sehen, viele Bierchen trinken, viele Lucky Strikes rauchen und viele hübsche Körper streicheln.“ Aber auch diese bescheidenen Wünsche liegen für den jungen Sohn griechischer Einwohner in weiter Ferne: Wie von einem klebrigen grauen Kokon ist Bill Morrows Leben in dem Provinzstädtchen South Bend von Langeweile und Hoffnungslosigkeit eingesponnen. Hier, in der Heimat des legendären Studebakers, gibt es nur Autos und noch mal Autos und hin und wieder einen sehnsüchtig klagenden Song von Chet Baker
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