Posted On Februar 20, 2004 By In Bücher, Litmag

Franzobel: Santa Scala

Brillant-skandalöse Sprachorgie Mit allen Mitteln seiner Kunst entfacht der Sprachderwisch Franzobel in diesem Roman ein explosives Feuerwerk von ungeheuerlicher Bild- und Metapherngewalt. Es sei sofort gesagt: „Santa Scala“ bietet ein ganz aussergewöhnliches, ja exorbitantes Leseerlebnis. Mit allen Mitteln seiner Kunst entfacht der Sprachderwisch Franzobel in diesem Roman ein explosives Feuerwerk von ungeheuerlicher Bild- und Metapherngewalt – da wimmelt es von so schönen Worten wie „Himbeerdenken“ und „Mayonaisesonne“, da gründeln „Gedanken wie Seegurken durchs Wasser“ da bohrt sich die Mittagssonne fühlbar in ein Gesicht: „Au! Ein Einschnitt, dieses Licht, eine Besoffenheit,Read More
Variantenreiches Debüt In „Das blaue Labyrinth“ präsentiert uns der 1972 in den Niederlanden geborene und im niedersächsischen Celle aufgewachsene Martijn van Praagh sieben Erzählungen, die sich durch einen erstaunlichen stilistischen Reichtum und ihre imaginativen Bilderwelten auszeichnen. Mit einem bemerkenswerten Debutanten wartet der junge Göttinger Verlag Hainholz in diesem Winter auf: In „Das blaue Labyrinth“ präsentiert uns der 1972 in den Niederlanden geborene und im niedersächsischen Celle aufgewachsene Martijn van Praagh sieben Erzählungen, die sich durch einen erstaunlichen stilistischen Reichtum und ihre imaginativen Bilderwelten auszeichnen. In der Titelgeschichte erzählt Martin vanRead More

Posted On Februar 20, 2004 By In Bücher, Litmag

Tobias Hülswitt: Saga

Melancholisch-Lakonisches vom Ende der Jugend Unübersehbar autobiographisch angehaucht tastet Hülswitt sich vielmehr in die verborgenen Kammern der Kindheit vor und läßt das Alltägliche und Unscheinbare mit seinem ganzen heimlichen Zauber zutagetreten. „Das ist Betrug, das kann es nicht sein, daß keiner so lebt, wie er geboren wird, sondern daß alle ihre beschissenen Tricks entwickeln und daß am Ende jeder eine Existenz vorgibt, die vollkommen erlogen, aber nie mehr wieder loszuwerden ist“: In hin- und herpendelnden Bewegungen erzählt uns Tobias Hülswitt in seinem Debut melancholisch bis lakonisch gefärbte Geschichten von derRead More
Vollbluterzähler Mit einem breiten Spektrum von skurrilen Charakteren und sensiblen Alltagsbeobachtungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart schafft er hier einen funkelnden Erzählkosmos von großer atmosphärischer Dichte. Beim vorletzten Open Mike, der Berliner Talentbörse des deutschen Literaturbetriebs, wurde Jochen Schmidt von der Jury für seine Erzählung „Harnusch mäht als wärs ein Tanz“ mit dem Prädikat „Vollbluterzähler“ und einem der drei Preise ausgezeichnet. Prompt setzten sich daraufhin die Scouts der Verlage auf die Spuren des Talents und als Sieger des Rennens kann der Beck-Verlag nun einen gar nicht einmal so schmalen Erzählband präsentieren.Read More

Posted On Februar 20, 2004 By In Bücher

Thomas Tuma: Tödlicher Chat

Das Schweigen der Chatter Aus einem vielperspektivischen Szenen-Patchwork baut Thomas Tuma in „Tödlicher Chat“ einen verwickelten Psychothriller auf, in dem nichts mehr so ist, wie es zu sein scheint. Schon der erste Mord ist starker Tobak: In einem anonymen Münchener Hotelzimmer wird die verstümmelte Leiche einer jungen Frau gefunden. Über ihr an der Wand steht mit Blut geschmiert: „Öffne Dich“. Den nächsten Mord, eine Woche später, am anderen Ende der Republik und nach exakt dem selben „Schnittmuster“, erlebt der Leser dann live aus der Perspektive des Killers mit – undRead More