Geld regiert diese Welt Wolfgang Hilbigs zweiter Roman „Das Provisorium“ ist kein literarisches Vergnügen und mutet über weite Strecken wie eine schon fast anachronistische Kultur- und Konsumkritik an. Der Schriftsteller C. aus Leipzig reist in den späten achtziger Jahren mit einem Visum in den Westen und fühlt sich schon bald „überhaupt keiner Welt mehr zugehörig“. Sein Leben ist aus den Schienen gelaufen und hat unter der unentscheidbaren Frage „Wohin soll ich gehen“ nurmehr provisorischen Charakter. In endlosen Monologen sinniert C. über die verachtete, vergiftende DDR auf der einen und dieRead More
Blasser Traum Jakob Hein erweist sich in seinem schmalen Roman als ein ganz und gar unspektakulärer Erzähler, der seine ruhig dahinströmende Prosa mit sublimen Witz und einer angenehmen Selbstironie grundiert. Jakob hat einen großen Traum: New York. Jakob hat aber auch ein großes Problem: Er lebt in der DDR und die verlockende Stadt mit der Freiheitsstatue scheint für ihn frühestens im Rentenalter erreichbar. So bleibt der Traum fern, wird aber emsig mit geheimen Lektüren unter der Bettdecke, einem Pullover mit dem Aufdruck „n.y.c.“ sowie englischen Wörtern genährt, die er lutschtRead More

Posted On Februar 21, 2004 By In Bücher, Litmag

Maxim Biller: Die Tochter

Radikal und provozierend Kurz nach dem Erscheinen seines ersten Romans „Die Tochter“ hat Maxim Biller auf einem Autorentreffen in Tutzing dem deutschen Literatur- und Intellektuellenbetrieb eine schallende Ohrfeige verpasst und damit eine heftige Debatte ausgelöst. „Feige das Land, schlapp die Literatur“ betitelte er seine grandiose Schmährede wider die „fast schmerzhafte provinzielle Bedeutungslosigkeit“ und „vollkommene Morallosigkeit“ unserer gegenwärtigen Kultur. Der scharfzüngige Kolumnist charakterisierte die Deutschen in seiner Rede als ein „Volk von selbstsüchtigen, neurotischen Feiglingen“ in einem „Kartenhaus aus Besitzstandswahrungslügen“. An die Stelle von utopischen oder moralischen Kategorien sei einzig undRead More

Posted On Februar 21, 2004 By In Bücher, Crimemag

Georg Klein: Barbar Rosa

Bizarrer Kunst-Krimi Georg Klein, der schon 1998 mit seinem Agenten-Roman „Libidissi“ aufhorchen ließ und im vergangenen Jahr für einen Auszug aus „Barbar Rosa“ mit dem Ingeborg Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, ist ein einzigartiges Phänomen in der deutschen Gegenwartsliteratur. Mühler ist ein wahrhaft skurriler Held: Er leidet nicht nur an einer unappetitlichen Bläschenallergie und trägt einen grünen Anzug, der genau drei Tage älter ist als er selber, sondern ist zudem auch noch mit einem „Hang zum Zaudern“ und einer „stupenden Blödigkeit“ geschlagen. Nichtsdestotrotz wird dieser Mühler regelmäßig von einer geheimnisvollen Firma engagiert,Read More

Posted On Februar 21, 2004 By In Bücher, Litmag

Frédéric Beigbeder: 39,90

„Revoluzzer in Gucci“ Frédéric Beigbeder hat ein wütendes und provozierendes Buch über eine Welt geschrieben, in der nur noch das Marketing und der Gewinn zählen. „39,90“ kann in dieser Welt ebenso als ein kritischer Gegenangriff wie auch als ein genialer Schachzug zur Selbstvermarktung gelesen werden – denn „Die Revolte gehört zum Spiel“, heißt es gleich zu Beginn des allemal lesenwerten Romans. „Ich bin der Typ, der Ihnen Scheiße verkauft. Der sie von Sachen träumen lässt, die Sie nie haben werden“ – mit starken Sprüchen, grellen Überzeichnungen und Provokationen am laufendenRead More