Posted On Februar 21, 2004 By In Bücher, Litmag

Tom Wolfe: Ein ganzer Kerl

Pralles Sittengemälde des tiefen amerikanischen Südens Elf Jahre nach seinem Welterfolg „Fegefeuer der Eitelkeiten“ hat Tom Wolfe wieder einen Roman vorgelegt, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen unwiderstehlichen Erzählsog zieht. Der notorische Dandy im weißen Anzug, der seit Jahren auf den reflexiv-experimentierfreudigen „magersüchtigen Roman“ schimpft, erweist sich hier als der Prototyp des realistischen amerikanischen Erzählers. Charlie Croker ist in einer nüchtern kalkulierenden, technokratischen Welt das letzte Exemplar einer aussterbenden Menschengattung: „Er war ein Spieler, ein Spekulant, ein Hasardeur, der den hohen Einsatz mehr liebte alsRead More

Posted On Februar 21, 2004 By In Bücher, Litmag

Geoff Dyer: Paris XTC

Das Glück im Hier und Jetzt Geoff Dyers „Paris XTC“ unterscheidet sich wohltuend von den flachen Life-Style-Erzeugnissen einer boomenden Pop-Literatur und hat das Zeug zu einem wahren Kultbuch. Auf den Spuren von Ernest Hemingway und Henry Miller treibt es den jungen Engländer Luke in das Paris der Neunziger, um „ein Buch zu schreiben“. Er bezieht im 1. Arrondissement eine häßliche, stickige Wohnung und streift einsam durch die Strassen und Kinos der mythenumwehten Seine-Metropole. Sehnsüchtig wartet Luke „auf das Glück, das die Stadt ihm verhieß“ – und erhascht es nur inRead More
Zwischen Meeresblick und Mafiasumpf Veit Heinichen war einst Mitbegründer des Berlin-Verlages und hat ihn bis zu seinem Ausscheiden 1999 zu einer der ersten Adressen für gute Literatur in Deutschland gemacht. Nun hat er selber seinen ersten (Kriminal-) Roman geschrieben – und auch das ist ihm wunderbar gelungen. „Gib jedem seinen eigenen Tod“ spielt im hochsommerlichen Triest, der Wahlheimat Veit Heinichens, und führt mitten hinein in einen Mafia-Sumpf aus Prostitution, illegalem Menschenschmuggel und Korruption. Der eigentliche Fall beginnt mit dem mysteriösen Verschwinden des zwielichtigen Geschäftsmannes Bruno de Kopfersberg und hat eineRead More
Pfiffiges Spiel Peter Jacobi hat mit „Mein Leben als Buch“ einen höchst vergnüglichen und grotesken Roman geschrieben, der durch seine reichen literarischen Bezüge zu einem wahren Schmankerl für alle Bibliophilen wird. Stellen Sie sich vor, Sie wachen eine Morgens als Buch auf und es macht Ihnen rein gar nichts aus – und genau dies widerfährt dem „Büchertonnen“-Antiquar Dietrich Oger alias „Diogenes“. Die seltsame und Franz Kafkas „Verwandlung“ kolportierende Metamorphose schützt den fanatischen Büchernarr vor den banalen Zumutungen des alltäglichen Lebens. Statt sich mit seiner Frau Gisela und den Finanzproblemen seinerRead More

Posted On Februar 21, 2004 By In Bücher

Jakob Arjouni: Kismet

Comeback einer schnoddrigen Kultfigur Kemal Kayankaya is back! Seit dem durchschlagenden und von Dorris Dörrie verfilmten Debut „Happy Birthday, Türke“ genießt Jakob Arjounis eigenwilliger Frankfurter Detektiv unter den deutschen Krimi-Freunden unbestrittenen Kultstatus. Ein ganzes Jahrzehnt mussten sie jetzt nach dem mit dem „Deutschen Krimipreis“ ausgezeichneten „Ein Mann, ein Mord“ auf den neuen und damit vierten Fall für Kayankaya warten. Mit Vollgas und deftigen Slapstick-Elementen steigt Jakob Arjouni in seinen neuen Roman „Kismet“ ein: Kayankaya und sein alter Spezi Slibulsky hocken im Geschirrschrank des Lokals „Sausade“ und warten auf zwei Schutzgelderpresser.Read More