Posted On März 13, 2004 By In Bücher, Litmag

Ulrike Draesner: Mitgift

Seitenwechsel Ulrike Draesner schafft es, schon auf den ersten Seiten, mit der bloßen Schilderung eines belanglosen Kindergeburtstages die Leser für sich zu gewinnen und Spannung aufzubauen. Und mit welcher fragilen Wucht (sic!) sie Magersucht in Prosa fasst, kann einem schier die Sprache verschlagen. „Bedingungslose Hingabe an ihren Freund ist Aloes Wunsch, aber Lukas, Astronom von Beruf, denkt in intergalaktischen Entfernungen, weniger in alltäglicher Nähe. Auch Aloe, so aufgeklärt sie ist, leidet unter den Heimlichkeiten ihrer Kindheit: Was verbirgt sich hinter der Schönheit ihrer Schwester?“ Mal ehrlich: Hätten Sie das Buch,Read More
Gaaaanz langsaaaam In Bonnés Roman herrscht die gepflegte Langeweile vor. Schade, dass der Autor die vielversprechende Ausgangssituation seiner Geschichte nicht zu nutzen wusste. Mirko Bonné wurde beim diesjährigen Ingeborg Bachmann-Wettbewerb für seine Erzählung „Auszeit“ mit dem Ernst Willner-Preis ausgezeichnet. Doch sein jüngster Roman vermag nicht gänzlich zu überzeugen. Beim Landeanflug auf einen türkischen Flughafen sieht Mario Ries auf dem Nachbarrollfeld ein verunglücktes Propellerflugzeug. In dieser Maschine hätte er sitzen sollen. Was wie der Beginn eines wiedergewonnenen Lebens scheint, ist jedoch nicht mehr als eine Station auf dem Weg nach unten,Read More

Posted On März 13, 2004 By In Bücher, Litmag

Frank Goosen: Pokorny lacht

Ansichten eines Clowns In seinem zweiten Roman kann Frank Goosen mühelos die hohen Erwartungen erfüllen, die sein erfolgreicher Erstling „Liegen lernen“ geweckt hat. Wieder einmal gelingt ihm die feine Balance zwischen Tragödie und Komödie mit einer Leichtigkeit, die im deutschen Sprachraum eher selten ist. Nachdem „Liegen lernen“ über weite Strecken an Figuren aus seinen Bühnenprogrammen angelehnt war, durfte man nun gespannt sein, wie sich Goosen vom Kabarett löst und auf dem weiten Feld der Fiktion bewährt. Eine definitive Antwort auf diese Frage bleibt jedoch auch der zweite Roman schuldig, dennRead More

Posted On März 13, 2004 By In Bücher, Litmag

Markus Orths: Lehrerzimmer

Kafka und Bernhard auf Klassenfahrt Markus Orths hat sich mit diesem Roman sowohl eine Eins verdient als auch einen Eintrag ins Klassenbuch wegen Störens. Dass ein junger Autor innerhalb kürzester Zeit mit gleich drei Büchern in das Programm eines renommierten Verlags aufgenommen wird, kommt nicht allzu häufig vor – allerhöchstens vielleicht im Umfeld der so genannten Pop-Literatur, die nicht zuletzt weitestgehend von ihrer Aktualität und ihrem Wiedererkennungswert lebt. Doch der in Karlsruhe lebende Markus Orths kann kaum dieser Gruppe zugerechnet werden. Nach dem Erzählungsband Wer geht wo hinterm Sarg? (2001)Read More

Posted On März 13, 2004 By In Bücher, Litmag

Peter Weber: Bahnhofsprosa

Magische Reise Webers Prosa glänzt mit ungewöhnlichen Bildern, erschafft eine magische Stimmung. Peter Weber, Jahrgang 68, nimmt uns in „Bahnhofsprosa“ auf eine zutiefst verstörende, magische Reise mit. Ausgangsort dieser Reise in 24 Prosa-Etappen ist eine prächtige Bahnhofshalle. Hier sitzt der Erzähler im „üppig aufwachsenden Gerede, das (…) die Decke entlangufert“. Er fühlt sich an die Sixtinische Kapelle erinnert, an eine nahezu heilige Stimmung, die vom sinnentleerten Gebrabbel der Massen gestört wird. Doch die „Stille in der Sixtinischen Kapelle ist heilig, während vollkommene Stille in der Bahnhofshalle heillos ist“. Der ErzählerRead More