Kosmopolitische Geschichten David Mitchells „Chaos.“ – voluminöse Story-Sammlung oder das Modell für die Literatur des 21. Jahrhunderts? Die englische Literatur ist reich gesegnet mit schreibenden Kosmopoliten und Wanderern zwischen den Kulturen wie Salman Rushdie oder Hanif Kureishi. Mit einem rund um den Globus führenden „Roman in neun Teilen“ gesellt sich nun der junge David Mitchell aus entgegengesetzter Richtung hinzu. Der 1969 in Lancaster geborene Mitchell lebt heute als Universitätsdozent in Hiroshima und so spielt auch die Auftaktgeschichte in seiner neuen japanischen Wahlheimat. Aus der Ich-Perspektive erleben wir einen japanischen Sektierer,
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Offensichtliche Magie Präzision und Understatement am Schlagzeug – das ist Ed Thigpen. Und Perfektion, die warm und lebendig daherkommt. Sein Scantet, das aus den skandinavischen Musikern Jens Winther (tp), Thomas Franck (ts), Kasper Villaume (p) und Jesper Bodilsen (dr) besteht, scheint nichts anderes im Sinn zu haben, als klangliche Wollust in diesem Sinn herzustellen. Perfektes Ensemblespiel, perfekte, unaufdringliche Arrangements und jede Menge blitzende Ideen (zum Beispiel das plötzliche nach-vorne-Spielen von Villaumes Piano). Großen Wert legen alle Beiteiligten (und die Produktion, natürlich) auf den natürlichen Klang der Instrumente: Warmes Metall, sattes
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Ihr gemeinen Wackelärsche Höfliches Plädoyer für das Fluchen. Da steht man unausgeschlafen mit Schädelbrummen auf. Sieht im Geiste schon wieder die Gesichter langweiliger Arbeitskollegen, wird an unbezahlte Rechnungen erinnert, hört im Frühstücksradio irgendeine drittklassige Berliner Charge über die Arbeitsmarktreform schwadronieren. Kaffee zu dünn, Hose zu eng, Hemd zu schmutzig. Reißt mißmutig die Haustür auf, blickt flüchtig im Vorbeigehen auf das Heck eines propperen Autos, entdeckt einen Aufkleber, liest ihn – und glaubt seinen Augen nicht: „Beginne den Tag mit einem Lächeln und behalte es den ganzen Tag“. Verflucht noch mal.
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Nichts wie hin zum Süden Schon immer war der Süden mehr als nur eine geographische Angabe der Himmelsrichtung. Mit der Metapher des Südens verbinden sich die ureigensten Sehnsüchte vor allem der im Norden lebenden Menschen. Dies haben viele Autoren erkannt, allen voran Iso Camartin, der in seinem Band „Jeder braucht seinen Süden“ viele Variationen der Süd-Metapher durchspielt. Sommerzeit. Reisezeit. Ab in den Norden. – Irgendwie paßt das nicht zusammen. Jüngst erhielt ich eine Postkarte von einem finnischen Freund. Seine Familie würde sich schon auf den Sommerurlaub im Süden freuen. Und
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Guru mit Stil Ein Nachruf auf den italienischen Journalisten, Polemiker und Weltmann Tiziano Terzani. Ende Juli ist im „toskanischen Himalaya“ bei Pistoa der italienische Journalist Tiziano Terzani gestorben. Auf den Medienseiten der deutschen Tageszeitungen wurde fast ausschließlich der große Asien-Reporter Terzani gewürdigt. Allen voran hat selbstverständlich der SPIEGEL, für den der Verstorbene jahrzehntelang als Korrespondent gearbeitet hat, die journalistischen Verdienste von Terzani hervorgehoben. In diesen Würdigungen ist aber fast immer auch der ‚andere Terzani‘ unterschlagen worden. In seinem Heimatland Italien war er zuletzt weniger als journalistischer Korrespondent und mehr als
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