Existentialistisches Roadmovie Romane wie dieses Debut von John Haskell sind ein seltenes Geschenk: Wie auf einer Feder schwebend wird der Leser in das Geschehen hineingezogen, um alsbald vollständig mit ihm zu verschmelzen. Im Stile eines Road-Movies erzählt „Amerikanisches Fegefeuer“ von der Suche des Protagonisten Jack nach seiner scheinbar spurlos an einer Tankstelle mit dem Auto verschwundenen Ehefrau Anne. Jack, der ein Meister darin ist, sich den Umständen anzupassen, versucht nach diesem Schock alles um die „Illusion von Normalität“ zu bewahren. Doch immer öfter bricht sich die Fratze der Angst und
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Wüste barocke Collage Auf radikal-rasante Weise ringt der Flame Paul Verhaeghen in seiner wüsten und barock ausufernden Collage „Omega Minor“ mit den „Nachwehen des 20. Jahrhunderts“. Monolithisch ragt er damit aus der Flut der wenig wagemutigen und stromlinienförmigen Romane der internationalen Literaturszene. Enzyklopädisch ausgreifend erzählt der in New York kognitive Psychologie lehrende 41jährige von den Zäsuren und Wendepunkten in der jüngeren (deutschen) Geschichte. Aus verschiedenen Perspektiven rollt er den Nationalsozialismus, den 2. Weltkrieg und den Holocaust dabei ebenso auf wie Mauerbau und Mauerfall oder den erstarkenden Neofaschismus im Berlin der
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Braunes Allerlei Viele Deutsche meinen über das Dritte Reich schon alles zu wissen. Weit gefehlt. Wer das in Listen, Chroniken und Schautafeln aufbereitete Quellenmaterial des Historiker-Ehepaars Wohlfromm sichtet, wird sicher viel Neues, aber leider auch viel Unkommentiertes entdecken. Wussten Sie, dass die Deutsche Wehrmacht mit Coca-Cola-Reklame an den Mannschaftswagen in den Zweiten Weltkrieg zog? Oder das Reichsmarschall Hermann Göring einen sagenhaften IQ von 138 hatte. Mit solchen „Neuigkeiten“ kann demnächst glänzen, wer das Nazi-Sammelsurium „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“ aus dem Eichborn Verlag gelesen oder einfach nur flüchtig durchgeblättert hat.
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Höllentrip zur Freiheit Juri Andruchowytschs Roman „Moscoviada“ ist ein vielstimmiger Abgesang auf den einstigen Vielvölkerstaat Sowjetunion und zugleich eine Ode an die nationale Wiedergeburt der Ukraine. Mit wilden Amouren, Prügeleien und Besäufnissen bekämpft Andruchowytschs literarisches Alter ego den patriotischen Wehmut und kehrt zerschunden in die Heimat zurück. Nationalismus drückt sich oft in aggressiver Abgrenzung vom Nachbarn aus. Patriotismus wird erst daraus, wenn das eigene Land um seiner selbst willen geliebt wird. In Andruchowytschs ukrainischem Antihelden schlägt das nationalistische Herz mindestens genauso stark wie das patriotische. Er schimpft auf die „Kloake
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Schmerz und Leidenschaft Eine barocke Hymne auf das Leben. Schon in der den Roman einleitenden Widmung wird dem scheinbar nur Trostlosigkeit und Depression verheißenden Titel ein anderer Ton entgegengesetzt. Ugo Riccarelli zitiert einen Satz von Carlo Emilio Gadda, einem der Großen der literarischen Moderne Italiens: „Gadda ist nicht barock. Barock ist die Welt.“ Es erwartet den Leser also kein Trauerbuch, sondern eine barocke Hymne auf das Leben, aber auf ein Leben, in dem der Schmerz immer gegenwärtig ist. Leidenschaft und Gewalt, Liebe, Geburt und Tod. Versuchen wir in wenigen Worten
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