Ganz reale Sauereien fiktionalisiert – Massimo Carlotto ist immer dann gut, wenn er ganz nahe an der Realität bleibt und sich italienische Missstände vornimmt. Für die Realität sorgt „Mama Sabot“. Was es damit auf sich hat? Frank Rumpel erklärt es: Im Südosten Sardiniens liegt das militärische Sperrgebiet „Salto di Quirra“, das 116 Quadratkilometer groß ist und seinen Stützpunkt im Dorf Perdas de Fogu hat. Rechnet man die regelmäßig für Übungen gesperrte Meeresfläche hinzu, wächst es auf 28.000 Quadratkilometer an. Eine Fläche, die größer ist als die Insel selbst und das
Read More Noir-Fotografie aus dem Japan der 50er Jahre – Ein ganz besonderes Fotobuch haben der französische Verlag Éditions Xavier Barral und das Fotozentrum Le Bal in Paris im letzten Herbst herausgegeben. Ein Buch, dessen Publikationsgeschichte genauso ungewöhnlich ist wie die der Fotografien selbst und deren Wiederentdeckung ein knappes halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung. Eine Trouvaille von Susanna Mende. Von vorn: Am 13. Januar 1958 werden in einem Ölfass in der Nähe des Sembako-Sees in der Präfektur Ibaraki eine Nase, zwei Fingerkuppen und ein Penis gefunden. Am nächsten Tag entdeckt die Polizei
Read More Bloody Chops – kurz, auf den Punkt und schmerzhaft, wenn nötig. Heute choppen Judith Momo Henke (JMH) einen Roman von Ann Rosman, Thomas Wörtche (TW) eine Comic-Adaption von Christian De Metter nach Armitage Trail. Kirsten Reimers (KR) nimmt sich Christine Lehmann vor, Joachim Feldmann (JF) erfreut sich an Florian Scheibe. Ann Rosman: Die Tote auf dem Opferstein (JMH) Es wäre fast zu schön gewesen: Eine Kommissarin lebt auf ihrem Segelboot und ermittelt in der idyllischen Kulisse der schwedischen Schären. Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten ist sie frei wie ein
Read More Nightpiece by James Joyce Gaunt in gloom, The pale stars their torches, Enshrouded, wave. Ghostfires from heaven’s far verges faint illume, Arches on soaring arches, Night’s sindark nave. Seraphim, The lost hosts awaken To service till In moonless gloom each lapses muted, dim, Raised when she has and shaken Her thurible. And long and loud, To night’s nave upsoaring, A starknell tolls As the bleak incense surges, cloud on cloud, Voidward from the adoring Waste of souls. (1915)
Read More Posted On Juni 13, 2012By Peter MuenderIn Kunst, Litmag
Betender Boxermotor – Auf der Kasseler documenta 13 stellt Thomas Bayrle seine stark beachteten Motoreninstallationen aus: Da stampfen die Kolben, rotieren die Kurbelwellen, während aus den Lautsprechern liturgische Rituale ertönen. Was hat sich der Künstler dabei gedacht? Impressionen von einem Kurzbesuch. Von Peter Münder Es war wohl ein völlig idiotisches Timing, ausgerechnet am vergangenen Samstagmorgen um neun Uhr die artistische Riesenshow zu besichtigen, die zunächst vom Bundespräsidenten mit seinem Tross an Bodyguards, Bürokraten, hessischen Amtsträgern, BKA-Leuten und großem Polizeiaufgebot offiziell eröffnet wurde. Aber als rasender Reporter bzw. Durchreisender hat man
Read More Posted On Juni 13, 2012By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, willkommen zur Doppelausgabe von LitMag und MusikMag, zu Kunst, Literatur, Fußball, Musik und Anarchie: Los geht’s mit Kunst: Peter Münder war auf Kurzbesuch in Kassel auf der documenta 13 und hat sich die Maschinenwesen des Künstlers Thomas Bayrle angesehen; Christina Mohr hat für eine Sammelbesprechung vier neue Bücher und Kataloge aus Kunst und Mode betrachtet – und wir starten mit einer ganz besonderen Reihe: Michael Zeller besitzt einen großen Stapel von Kunstkarten, die er bei seinen Galerie- und Museumsbesuchen gesammelt hat. Jede Woche fischt er eine Karte heraus
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne, 1 Jahr lang bei Culturmag: Michael Zeller besitzt einen großen Stapel von Kunstkarten, die er bei seinen Galerie- und Museumsbesuchen angesammelt hat. Jede Woche fischt er eine Karte heraus und hängt sie sich in die Wohnung, wo der Blick immer wieder an ihr hängen bleibt. Was darauf zu sehen ist, welche Beziehung sich zwischen Werk und Autor entwickelt, darüber wird Michael Zeller ab sofort wöchentlich bei CULTurMAG berichten. Heute: Franz Radziwill: „Der Sturm und das Bürgerzimmer“. Aufbruch – Mit Schnaps oder ohne: Als wäre
Read More Frauen – Mode – Kunst: Eine Sammelbesprechung einschlägiger Bücher und Kataloge von Christina Mohr. Modeträume aus drei Jahrhunderten – Die 90-jährige New Yorkerin Iris Apfel ist eine Modeikone: 2005 widmete ihr das Metropolitan Museum of Art eine Ausstellung, seitdem kommt kaum ein Fashionblog ohne Fotos von der alten Dame aus, die fünfzig Jahre lang mit ihrem ebenfalls noch lebenden Gatten eine renommierte Innenausstattungsfirma führte und nicht weniger als neun amerikanischen Präsidenten das Weiße Haus wohnlich und geschmackvoll dekorierte. Was aber unterscheidet Iris Apfel von anderen Ladys, die auch viel Geld
Read More Die Lauterkeit des Herzens – Wer ein interessantes Leben führt, begegnet auch den entsprechenden Menschen. Diese Lebensweisheit wird durch die Lektüre der ersten beiden Tagebuchbände von Erich Mühsam bestätigt, findet Elfriede Müller. Dieses begegnungsreiche Leben musste aufgeschrieben werden, sonst wäre es sogar dem Akteur entgleitet, wie Mühsam feststellte. Er tat gut daran, die Dinge zu notieren, die er erlebte, und die Menschen zu beschreiben, mit denen er zu tun hatte. Das bereits überall gepriesene Herausgeberprojekt von 15 Tagebuchbänden, die nach und nach auch ins Netz gestellt und dort durch Register
Read More Kurzrezensionen – diesmal mit einer Haiku-Rezension von Friederike Moldenhauer zu Benjamin Maack und Anmerkungen zu Mathias Altenburg („Jan Seghers´ Geisterbahn. Tagebuch mit Toten”), HF Coltello („Einige Abenteuer und seltsame Begegnungen im Leben des stillen Kommandeurs“) und der Anthologie „Wodka für den Torwart. 11 Fußball-Geschichten aus der Ukraine“, kurzbesprochen von Frank Göhre (FG), Tina Manske (TM) und Jan Karsten (JK). (FM) Haiku-Rezension Magische Monster Wie normal ist dein Leben? Düsternis lauert Benjamin Maack: Monster. Mairisch 2012. 192 Seiten. 16,90 Euro. Zur Leseprobe (PDF). Von Tag zu Tag geplaudert (FG) Das ist ein
Read More Posted On Juni 13, 2012By Carl Wilhelm MackeIn Litmag
Die Spur des Vogels – Es beginnt schon bei den Titeln seiner Romane. Bei nur wenigen Gegenwartsautoren ist der Titel so bedeutend, auch so poetisch wie bei Hector Bianciotti. „Das extreme Leben einer unscheinbaren Frau“, „Über die Nacht der blauen Sterne“, „Was die Nacht dem Tag erzählt“, „Das langsame Fortschreiten der Liebe“,„Wie die Spur des Vogels in der Luft“. Das Rätsel dieser so elegisch klingenden Titel löst sich dann, auch das ist typisch für das Schreiben Bianciottis, erst ganz am Ende des Romans, ja sogar erst im allerletzten Satz. Bis
Read More Posted On Juni 13, 2012By Kerstin CarlstedtIn Litmag
Auf Anhieb auf die Longlist – Bereits seit einigen Wochen sind CULTurMAG und das Videoportal „Interview Lounge“ Partner. Nun freuen wir uns, Ihnen in den nächsten Wochen ganz exklusiv Gespräche zu zeigen, die Kerstin Carlstedt mit interessanten Autorinnen und Autoren geführt hat. Diesmal: Astrid Rosenfeld. Zum Dreh: Ein modernes Märchen, vom Leben selbst erfunden: Astrid Rosenfeld wusste lange Zeit nicht wirklich, was sie werden wollte – Abitur, abgebrochenes Schauspielstudium, anschließend arbeitete sie als Street-Casterin und suchte auf Bestellung von Regisseuren nach „Typen“, Laiendarstellern für Kinofilme. Nebenbei schrieb sie ihren ersten
Read More Interessante Literaturzeitschriften gibt es viele und in ihnen verstecken sich so manche Perlen. „Am Erker“-Redakteur Andreas Heckmann sorgt dafür, dass wir den Überblick behalten; er berichtet regelmäßig über spannende Hefte. Kultur & Gespenster 13 Die 13. Ausgabe von Kultur & Gespenster kommt wieder in altgewohnter Pracht daher. Größter Leckerbissen und der Reproduktionen wegen auch optisch ein Lesevergnügen ist eine Auswahl Briefe, die Theodor W. Adorno in den 60er Jahren mit alten Bekannten und Jugendfreunden, Studenten, Lesern und Rezensenten gewechselt hat. Da meldet sich eine 92-jährige Pädagogin, die den Professor noch
Read More Die Nacht der endlosen Gefilde 1 bild / 100 worte STELLA AN ALL: Mehrere Experimente hatten Belege für Neutrinos spontan wechselnd oder oszillierend, von einem Typ in einen anderen gesehen. Diese Schwingungen erwiesen, zu vieler Physiker Überraschung, dass die vermeintlich masselosen Teilchen dennoch fassen etwas unendlich Masse. Vielleicht eine Route zu erklären, warum mehr Materie als Antimaterie im Universum einschneit? OVER. (Und die Antwort, eingetroffen um 01:11) ALL AN STELLA: Sie geht in Schönheit wie die Nacht der endlosen Gefilde und Sternenhimmel. Das Beste von Dunkelheit und Licht grüßt sich
Read More Die Ballade vom Abseits Vor den brüllenden Kehlen auf glutheißen Rängen Rauf und runter, vor und zurück Springt über den flimmernden Rasen Der sonnenverblichene Ball. Dieser Stürmer, sein Schuss, eine göttliche Gnade: Durchs Trikot ragen schweißglänzende Flügel! Zwei Gegner am Mann, er zieht vorbei! Läuft, als ginge er nackt unter Wölfe, Als zöge er ackernd einen bleibende Furche! Drei lässt er stehen. Ausgespielt. Abseits, er merkt es nicht, dass er schon lange im Abseits steht. Der nächste Schuss, gezielt ins Eck! Wie Rosen regnete der tosende Beifall! Er gab einen
Read More Posted On Juni 13, 2012By Christina MohrIn Musikmag
Trotz Euro 2012 - Christina Mohr ist nach dem Public Viewing in die Disco gegangen und bringt für ihre Kolumne die neuesten Releases für den Dancefloor mit.
Read More Diese DVD+CD-Box sollte eigentlich schon vor einigen Wochen vorgestellt werden, als Mohr Music in den Mai tanzte, aber damals lag dieses Schätzchen noch nicht vor. Jetzt ist „SubBerlin“ draußen und wird hiermit allen empfohlen, die sich in den 1990er-Jahren nicht in Berlin aufhielten und/oder sich nicht für Techno interessierten.
Read More Posted On Juni 13, 2012By Tina ManskeIn Musikmag
Mein Verhältnis zu Pat Metheny ist nicht ungetrübt. Es muss Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts gewesen sein, als ich in Stuttgart auf Einladung meines Bruders ein Konzert des Amerikaners besuchte. Das Konzert war damals für mich (eine popverwöhnte Göre ohne Geduld) eine Tortur - eine Jazz-Improvisation an der anderen, gefühlte vier Stunden am Stück, ich langweilte mich zu Tode. Von Tina Manske
Read More Posted On Juni 13, 2012By Die RedaktionIn Musikmag
Neue Platten von und mit Conrad Schnitzler, Patti Smith, A Place To Bury Strangers und Maximo Park, gehört von Tina Manske (TM) und Christina Mohr (MO).
Read More Posted On Juni 6, 2012By Tina ManskeIn Musikmag
Der Himmel über Afrika – 25 Jahre ist das schon her?! Wie alt man selbst wird, merkt man an Kindern und an den guten Platten, die dann als Special Edition wieder neu auftauchen. So wie Paul Simons grandioses Album „Graceland“. Von Tina Manske Das Album, im Jahr 1986 erschienen, verkaufte sich mehr als 14 Millionen mal; 1987 gewann „Graceland“ den Grammy als „Album Of The Year“, ein Jahr später wurde das Titellied als „Song Of The Year“ ausgezeichnet. Es hatte auf Generationen von Musikern eine enorme Wirkung – die zuletzt sehr
Read More Posted On Juni 6, 2012By Christina MohrIn Musikmag
Schockierendes Geständnis von Christina Mohr: Sie besitzt keine einzige ABBA-Platte! Jedenfalls nicht bis vor kurzem - da sandte man ihr die neue "Essential Collection" zu. Es gibt einiges nachzuholen.
Read More Posted On Juni 6, 2012By Wolfgang BuchholzIn Musikmag
Herzensangelegenheiten aus Schottland und dem Pott – Wolfgang Buchholz hat sich zwei Konzerte angesehen: The Waterboys im Kölner Gloria und Tom Liwa im Literaturmuseum Haus Nottbeck, Oelde. Der in den 80er-Jahren mit Musik sozialisierte Hörer unterscheidet heute gerne vier Kategorien an Künstlern: 1. Diese Musik fand er in den frühen 80ern super, später mehr und mehr doof (Bsp. Simple Minds, obwohl … die spielen ja heute auch wieder ihren alten Kram). 2. Das fand er früher super, dann mal blöd, heute aber wieder gut (Bsp. Bruce Springsteen). 3. Die Bands
Read More Das Publikum lauschte gefesselt – Joe Paul Kroll über Michael Streissguths Buch „Johnny Cash At Folsom Prison”, das die Entstehungs- und Wirkgeschichte eines musikalischen Meilensteines erzählt. Durchschreitet man zu Museen umgewandelte Gefängnisse aus dem 19. Jahrhundert, kommt man schnell zum Schluss, der Strafvollzug habe sich inzwischen humanisiert – wohl aus keinem besseren Grund, als dass er sich einfach humanisiert haben muss. Das Bild vom Gefangenen, der mit einer Eisenkugel am Fußgelenk Steine klopft, gehört tatsächlich eher in „Lucky-Luke“-Comics denn in die heutige Wirklichkeit. Doch die schlichte Wahrheit bleibt, wie Adam
Read More Promi-Herberge mit Blick auf den Fluss „The Quiet American“ (1955 veröffentlicht) war Graham Greenes kritische Abrechnung mit französischen und amerikanischen Weltverbesserungs- und Großmachtfantasien, die sich in Vietnam als verheerende Realitätsverweigerung mit unberechenbarer Langzeitwirkung erwiesen. Mit dem Ich-Erzähler des Romans, dem Times-Korrespondenten Thomas Fowler, verlieh Greene einem zynisch-kritischen Reporter seine Stimme. Eindrücke aus Vietnam auf den Spuren von Graham Greene, Teil II (Hier geht es zu Teil I). Von Peter Münder. Den Charme der Sechsmillionen-Metropole kann man am besten abends auf der Dachterrasse des Hotel Majestic auskosten, wenn man beim frisch
Read More Posted On Juni 6, 2012By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, Diesmal bei uns: Joe Paul Kroll über Michael Streissguths Buch „Johnny Cash At Folsom Prison“, das die Entstehungs- und Wirkgeschichte eines musikalischen Meilensteins erzählt. Am Samstag begonnen, heute der 2. Teil: Peter Münder ist auf Graham Greenes Spuren durch Saigon unterwegs (zu Teil 1). Ist Ulrich Holbein Deutschlands unbekanntester Feminist? Tina Manske ist beeindruckt von seinen „Lebensbildern“ unangepasster Frauen, die er in „Heilige Närrinnen“ sprachspielerisch auffächert. Christiane Geldmacher schätzt im Prinzip Stephen Frys Witz und Schlagfertigkeit – allerdings entfaltet sich dessen Humor vor allem auf seinem Blog und
Read More Posted On Juni 6, 2012By Christiane GeldmacherIn Bücher, Litmag
Geniales Biest – Was haben Stephen Fry und Franz Kafka gemeinsam? Erstens: Sie sind beide Genies. Zweitens: Sie können beide keine Romane schreiben. Was ihrer Beliebtheit bei uns keinen Abbruch tut. Für eine kleine Literatur!, könnte man ihnen mit Gilles Deleuze und Félix Guattari zurufen – in Stephen Frys Fall hieße das: Ein Hoch auf sein Blog. Auf sein Twitter. Und auf das seiner Frau. Denn hier ist Fry das, was er am besten kann: ein Nomade, ein Zigeuner, ein Marodeur. Wie ein Vampir saugt er uns in seine Sprache und
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