J.G. Ballard war mit bizarren experimentellen Romanen wie "Crash" und "The Drowned World" als fantasievoller Erneuerer der Science Fiction bekannt geworden. Doch das plumpe Schubladen-Klischee SF lehnte er ebenso ab wie dogmatische Ideologien oder oberlehrerhafte Bildungsbürger-Huberei. Ihm ging es um die grotesk-surrealistischen Aspekte einer entfremdeten Gesellschaft und deren brüchige Wertsysteme. Der 1930 in Shanghai geborene Ballard starb am 19. April in London. Ein Nachruf von Peter Münder.
Read More Die riskante „Operation Victor“: Lavieren am Rande des Armageddon Der Thriller „Zarentod“ von Jörg H. Trauboth schwelgt in dramatischen Kriegs-Szenarien, die vom russischen Überfall auf die Ukraine und Putins größenwahnsinnigen Exzessen inspiriert sind. Eine internationale Brigade befreit Gefangene aus einem russischen Gefängnis, außerdem plant eine kleine Gruppe russischer Oligarchen einen Putsch, um den neuen „Zaren“ Ivan Pavlenko zu beseitigen und einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Ein ehemaliger CEO der Ostsee-Pipeline hingegen soll einen geheimen Regierungskontakt zu Pavlenko herstellen; auch in Washington ist Präsident Summerhill (POTUS) an diesem Kontakt interessiert. Doch Pavlenko
Read More Der Kämpfer gegen grenzenlose Gier und unmoralischen Hyper-Kapitalismus kommt aus Vermont Sein soeben veröffentlichtes Buch ist eine fulminante, kritische Bestandsaufnahme all der Defizite und Katastrophen, unter denen die USA bereits seit Jahrzehnten leiden. Bernie Sanders, Jahrgang 1941, zweifacher US-Präsidentschaftskandidat, vertritt seit 2007 den Bundesstaat Vermont im Senat und bringt die gigantische Misere mit dem griffigen Titel „Es ist Okay, wütend auf den Kapitalismus zu sein“ auf den Punkt. – Peter Münder hat seine Besprechung mit angezogener Handbremse geschrieben, da Bernie so überzeugend und kristallklar schreibt, dass die Rezension streckenweise zur Huldigung zu werden
Read More Ein krankes Land im Würgegriff der Mafia Über den 400 Seiten starken, historisch-analytischen Band „Geheimsache Italien“ von Guiliano Turone, Jahrgang 1940, ehemaliger Richter am Kassationsgerichtshof, Mailänder Professor für Investigationstechniken und Mitglied der Antimafia-Kommission. In seine Amtszeit fielen Entführungen durch die Roten Brigaden (Premier Aldo Moro, ermordet 1978 ), Bomben-Attentate von Neo-Faschisten (Bahnhof Bologna 1980, 80 Tote), Morde an Journalisten (Carmine Pecorelli 1979) und im kriminellen Mafia-Biotop der 1980er Jahre. Souverän durchleuchtet Turone dieses Geflecht von Mafia-Banden, korrupten Politikern und Finanziers sowie der Geheim-Loge P2. – Von Peter Münder. Zur Einstimmung beim Eintauchen
Read More Butler trifft es letztlich nicht so ganz, aber das ändert nichts an der Substanz Wie der britische Butler Kleptokraten und Oligarchen bei der Geldwäsche unterstützt: Der britische Investigativ-Journalist Oliver Bullough entlarvt in seinem Band „Der Welt zu Diensten“ (Textauszug bei uns hier) ein marodes Finanzsystem, dessen harmloses PG Wodehouse-Image Bestandteil eines korrupten, inkompetenten Systems sein soll. – Von Peter Münder. (Siehe auch unseren Textauszug und eine erste Besprechung in unserer Juni-Ausgabe.) Seit 2016 gibt es die Londoner „Kleptocracy Tour“, bei der man auf einer Busfahrt durch Knightsbridge, Kensington und Hampstead
Read More Der Faszination Motorrad auf der Spur Die technisch anspruchsvollsten, ungewöhnlichsten und seltensten hundert ultimativen Motorräder von 1894-2020 auf fast 1000 Seiten und mit faszinierenden Fotos präsentiert in zwei Bänden. – Eine Besprechung von Peter Münder. Charlotte & Peter Fiell: Ultimate Collector Motorcycles. Verlag Benedikt Taschen, Köln 2023. Format 37,59 x 11, 18 cm x 43,94 cm. Gewicht 11,1 kg. 2 Bände im Schuber, 940 Seiten, 250 Euro. (In englischer Sprache.) Für Sammler exotischer und exklusiver Vehikel seien Motorräder über etliche Jahrzehnte als eher zweitklassige Mobile betrachtet worden, konstatiert der kalifornische Museumsbetreiber und Talkmaster Jay Leno
Read More Nicht nur für Shopper, Schlemmer, Cocktail-Spezialisten Die prächtigen Fotos dieses Bandes von Sara Santini und Andrea Di Filippo suggerieren zwar unübersehbar, dass hier Instagram-Fans bedient und informiert werden sollen, die ihre Technik und Sichtweise, die Beeinflussung von Trends, die Suche nach starker Authentizität und die Darstellung origineller und einmaliger Londoner Locations erläutern wollen. Aber die Foto-Infos werden neben Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten, Geschäfte, Hotels und Restaurants und historische Hintergründe inklusive Landkarten und vielen Hintergrund-Infos vermittelt – wie im klassischen Reiseführer. „London wie es keiner kennt“ ist also ein Tool für Multi-Tasker, die Abenteuersuche in der Metropole
Read More Hybris und Terror, imperialistische Ambitionen und unersättliche Oligarchen-Gier Über das umfassende „Putin-Schwarzbuch“ von Galia Ackerman und Stéphane Courtois – von Peter Münder Dieser aus 24 Kapiteln und dem abschließenden Ausblick „Wohin steuert Russland?“ bestehende Band mit Beiträgen von 15 Autorinnen und Autoren stellt schon in der Einleitung brisante Fragen, entwickelt eine kritisch-analytische Perspektive und fasziniert mit der Erörterung sprunghafter politischer Entwicklungsphasen – etwa zur Lage in Georgien (von Thornike Gordadze) und Tschechenien (von Mairbek Watschagajew) oder zum leichtfertigen Umgang mit dem Faschismus-Begriff (von Claus Leggewie). Vor allem, wenn die Diskussion über Putins
Read More Als Thomas Mann Drehbücher in Hollywood schreiben wollte Der Band „Weimar unter Palmen“ von Thomas Blubacher zeigt exilierte Kulturgrößen wie Feuchtwanger, Thomas Mann, Döblin, Brecht und viele andere, die sich in Kalifornien eine neue Existenz – meistens als Drehbuchschreiber – aufbauen wollten. – Von Peter Münder. Als Thomas Mann im Februar 1933 nach Amsterdam zum großen Wagner-Kongress fuhr, um dort seinen stark beachteten Vortrag zu halten, ahnte er noch nicht, dass er nun aufgrund der Anfeindungen durch das Nazi-Regime nicht mehr zurück ins Reich kehren konnte. Wie viele andere deutschsprachige Autoren und
Read More „Huch! Da fehlen ja 1,9 Milliarden in der Bilanz! Und der Chef ist auch verschwunden!“ Dan McCrum, der englische Enthüller des Wirecard-Skandals beschreibt in seinem Buch „House of Wirecard“ den gigantischen Finanzbetrug und die Täuschungsmanöver des ehemaligen DAX-Konzerns. McCrums Frustrationen angesichts der deutschen Bürokraten und Juristen, die den „Financial Times“-Aufklärer zum kriminellen Hedgefond-Gangster stilisieren wollten, sind absolut verständlich. – Von Peter Münder. Der „Financial Times“-Reporter Dan McCrum, 43, beschreibt hier nicht nur die betrügerischen Machenschaften der ehemaligen Wirecard-Chefs Jan Marsalek (zur Zeit wohl irgendwo im Osten zwischen Moskau und Minsk
Read More Im Stadium permanenter Überwachheit Immer weitergehen – wie damals schon Luther, Seume, Carl Philip Moritz. Peter Münder über das Buch von Willi Winkler „Gehen ist hier nur gepanzert gegen das Unverständnis der Autofahrer möglich.“ (Willi Winkler, „Herbstlicht“) Jedem Schritt des Wanderers wohnt offenbar ein Zauber inne: Wie sonst wäre erklärbar, dass sich Filmregisseur Werner Herzog Ende November 1974 auf den Weg von München nach Paris machte, um in einem dreiwöchigen Fußmarsch bei Schnee und Eis die schwerkranke, verehrte Schauspielerin Lotte Eisner noch rechtzeitig zu sprechen und sie so zu retten? Sein
Read More Antons ultimative Herausforderung: Als Einzelkämpfer in Kasachstan einen Stahlkonzern aufbauen Nach seinen Moskauer Jahren als Rohstoffhändler zur Zeit des kollabierenden Sowjet-Systems von Jelzin und Konsorten schickt Norris von Schirach seinen „blassen“ Helden Anton nun nach Kasachstan, wo ihm der exotische Hedonismus und das üppige Moskauer Kulturleben fehlt. Ein mit brutalen Täuschungsmanövern und raffinierten Intrigen vertrautes einheimisches junges Team unterstützt ihn trotz aller konfliktreichen Probleme – auch wenn das rustikale Geschäftsgebaren in Almata so brutal ist wie im Wilden Westen. Anton will sich jedoch von plumpen Gewaltexzessen distanzieren und die Steppendeppen gelegentlich mit abgeklärter Attitüde
Read More Samuel Pepys ermittelt in Portsmouth Kriminelle Machenschaften, Umsturzpläne, Korruption – Was ist los bei der Marine? Im Thriller des Londoner Autors und Filmregisseurs Jack Jewers ermittelt der legendäre Tagebuchschreiber und Admiralitäts-Sekretär Samuel Pepys (1633-1703) in Portsmouth, um zusammen mit seinem Assistenten William Hewer undurchsichtige Vorgänge bei der englischen Marine aufzuklären. Pepys beschreibt seine Aktivitäten aus der Ich-Perspektive: Wir befinden uns im Jahr 1669 und werden mit dramatischen Ereignissen konfrontiert. „The Lost Diary of Samuel Pepys“ beleuchtet politische Intrigen, Putschversuche und sogar Attentate militanter feministischer Gruppen, die dem Patriarchat den Kampf ansagen. – Von Peter
Read More Kritischer Analytiker des Dörrzeugs aus dem humanistischen Herbarium Über Christian Schultz-Gersteins Reportagen, Porträts und Glossen im Band „Rasende Mitläufer, Kritische Opportunisten“ – von Peter Münder Er hatte in Hamburg und Tübingen Germanistik und Theologie studiert, als er sich vorzustellen versuchte, wie es mit ihm weitergehen sollte: die absehbaren Stationen „Lehrer, Pension, Tod“ nach dem Staatsexamen erschienen dem 25jährigen Christian Schultz-Gerstein (1945-1987) jedenfalls so unattraktiv, dass er sein Studium abbrach und 1970 als Freier Autor für die „Zeit“ zu schreiben begann. Sein erster Beitrag war eine Kurzrezension über eine Gottfried-Keller-Klassikerausgabe, danach kaprizierte
Read More Bitte nicht in Platons Höhle fotografieren! Schon mit der Erfindung der ersten Kameras begannen die kritischen Diskussionen und Spekulationen über Fotografie: Würden diese neuartigen Fotos der klassischen Malerei den Rang ablaufen und die bildende Kunst vielleicht obsolet werden lassen? Würden die in Großserien billig produzierten Kameras – „wie eine Räuberwaffe angepriesen, automatisiert und stets einsatzbereit“, polemisierte Susan Sontag 1977 in ihrem Essay „On Photography“ – uns zumüllen mit einer Bilderwelt, die kaum noch abgespeichert werden kann? Dienen Familienfotos, Reisefotos, Jubiläumsbilder nur der Bestätigung eines melodramatischen Nostalgie-Effekts? Können Kriegs-Fotos abschreckend oder aufklärend
Read More In Flammen oder zerrissen, manisch-depressiv oder Zocker? Paul Auster versucht in seinem monumentalen Band „In Flammen“ das Stephen Crane-Enigma zu entschlüsseln Er wurde mit seinem 1895 veröffentlichten Bürgerkriegs-Roman „The Red Badge of Courage“ bekannt , dann auch mit Gedichten und Novellen und war als Kriegsreporter in Kuba und Griechenland im Einsatz. Stephen Crane (1871-1900) stammte aus einer großen Methodisten-Familie, deren Wertsystem er nicht akzeptieren konnte. Das New Yorker Rotlicht-Milieu interessierte ihn mehr als die Uni, Abenteuer in Mexiko und Kuba lieferten ihm ideale Vorlagen für Gedichte und Novellen. Paul Auster, 75,
Read More Verfallen, verdrängt, vergessen: Sowjetische Kasernen in der DDR Der Bildband „Kulturerbe“ von Stefan Neubauer holt mit beeindruckenden Fotos die Epoche sowjetischer Besatzungstruppen in der DDR ins kollektive Gedächtnis zurück: Wandmalereien im Stil des sozialistischen Realismus verherrlichen militante Kämpfer, Raketen und Astronauten, während die verfallenen Ruinen an das Ende einer Großmacht erinnern. – Von Peter Münder. Rund 500.000 Soldaten der sowjetischen Besatzungsmacht bezogen gemäß den Vereinbarungen der Aliierten Streitkräfte ab Mai 1945 ihre Stellungen in der damaligen „Sowjetisch Besetzten Zone“ Deutschlands. Sie verließen das Gebiet der DDR während der von Gorbatschow eingeleiteten Tauwetter-Phase
Read More „Ich könnte das Stück jetzt noch zehn Jahre probieren, bis ich ins Irrenhaus komme, da würde ich dann weiter proben“ Über den Theater-Roman „Sein oder Nicht Sein“ von Klaus Pohl Als Regisseur Peter Zadek 1999 mit „Hamlet“ einen weiteren Triumph nach dem Bochumer Sonnenblumen-Hamlet mit Ulrich Wildgruber von 1977 feiern wollte, hatte er zwar wieder berühmte Schauspieler wie Wildgruber, Hermann Lause, Otto Sander und Klaus Pohl engagiert, doch Wildgruber sollte nun den Hofschranzen Polonius spielen, während Angela Winkler vom Meister als Hamlet auserkoren war. Der Schauspieler, Romancier und Dramatiker Klaus Pohl, Jahrgang 1952,
Read More Mehr Bomben, mehr Truppen, mehr Dollar-Milliarden, mehr Lügen – aber wer ist der Feind? Krieg gegen den Terror oder „Nation Building“? Der „Washington Post“-Journalist Craig Whitlock präsentiert in „The Afghanistan Papers“ eine vernichtende Bilanz des 20jährigen desaströsen US-Einsatzes in Afghanistan. – Von Peter Münder. „After the war, the Soviet general staff analyzed the reason for the deafeat , the deaths of nearly 15 000 soldiers and the wounding of another 50 000 .They focused on the nature of guerilla tactics that had been used against them. That report might have been
Read More Eintauchen in Bilderbuch-Dimensionen mit prickelndem Tiefgang Drei Bände, vierzehn Kilogramm, zweitausend Seiten, sechstausend Abbildungen: Die gigantischen Kölner Könemann-Bände zur deutschen Kultur und Landschaft sind perfekte Crossover zwischen Lexikon, Geschichtsatlas, Bildband und Reiseführer durch 63 Regionen – Von Peter Münder. Im Hamburg-Teil des 1.Bandes gibt es neben Exkursen über Hafen, Reeperbahn, Udo Lindenberg, Helmut Schmidt, Brahms, die Flutkatastrophe und Blankenese auch die Testfrage, die wohl von den meisten auswärtigen Besuchern und Hamburgern nur selten richtig beantwortet wird: „Weißt du denn auch, wo das älteste Gebäude Hamburgs steht?“ Es ist der Leuchtturm
Read More Horror- und Glückmomente von unterwegs In Kuba will er „Fischen wie Hemingway“, in Kolumbien zieht er mit bewaffneten FARC-Guerilleros durch den Dschungel, auf dem Jakobsweg erlebt er anrührende Episoden, den Transsibirien-Trip erträgt er als hochprozentiges Kammerspiel: In seinem Reportage-Band „Glück ist kein Ort“ präsentiert Juan Moreno, der den SPIEGEL-Hochstapler Relotius 2019 in „Tausend Zeilen Lüge“ entlarvte, ebenso spannende wie berührende Impressionen mit analytischem Tiefgang. – Von Peter Münder „Wie hoch ist der weltweite Idiotenanteil ?“, fragt sich Juan Moreno, 49, während seiner Weltreise auf einem Zwischenstopp in Vietnam. Er hat gerade den Kanadier
Read More Theater-Zauberer und Grenzgänger zwischen Wirklichkeit und Traum In ihrem grandiosen Bildband über den Theater-Regisseur Max Reinhardt (1873-1943) präsentiert Sibylle Zehle einen genialen Visionär, Entdecker junger Talente und umtriebigen Bühnen-Unternehmer. Sie geht rätselhaften Facetten in seiner Biographie nach und lässt uns eintauchen in ein mondän-turbulentes „Leben als Festspiel“, das in Reinhardts letzten Exil-Jahren in Hollywood zum hoffnungslosen privaten Trauerspiel kulminierte. – Von Peter Münder. Das Wiener Burgtheater war für den 1873 in Baden bei Wien geborenen Max Reinhardt eine Art Universität: Er war dort in eine faszinierende Welt eingetaucht, die ihn begeisterte
Read More Heikle Versuche, die Vergangenheit zu bewältigungen, in Triest Zu den verhassten „neurotischen Komplexitäten“ Triests, wo Veit Heinichen seit 25 Jahren lebt, zählte sein Kommissar Proteo Laurenti vor allem Rache-Aktionen, die auf politische Konflikte während des 2. Weltkriegs zurückführen. Sein neuer Krimi „Entfernte Verwandte“ kreist ebenfalls um Verbrechen, die vor etlichen Jahrzehnten begangen wurden. Auch hier lautet Heinichens Leitmotiv mal wieder – wie schon der Titel seines vierten Triest-Krimis verkündete: „Der Tod wirft lange Schatten“. – Von Peter Münder Für überraschende Erzählperspektiven und Plots war der auf den Schauplatz Triest fokussierte Autor Veit Heinichen,
Read More Jenseits der Instagram-Idylle Der „Dark Tourism“ als dissonanter Mix aus Erinnerungskultur, Voyeurismus und Informationsbedürfnis In seiner umfassenden „Dark Tourism“-Studie geht der Tourismus-Forscher Albrecht Steinecke auf das breite Spektrum ein, das vom Genozid-, Schlachtfeld-und KZ-Tourismus bis zur Slum-, Friedhofs- und Gefängnis-Exkursion reicht. Neben den ökonomischen Auswirkungen der Besichtigung von Besuchermagneten wie dem September-11-Memorial in New York, der KZ-Gedenkstätte Auschwitz oder dem Peace Memorial in Hiroshima geht die Studie auch den Motiven der „Dark Tourists“ nach, die Karl Kraus in seiner berühmten „Fackel“-Polemik von 1921 ja als Dumpfbacken-Voyeure beschimpfte, die ihren Schlachtfeld-Voyeurismus nach dem 1. Weltkrieg
Read More Wahn, Wirklichkeit, Wiederholungszwang Der 1967 in Yorkshire geborene David Peace macht keine Kompromisse: Sein Intimfeind ist der gefällige Mainstream, der dem Leser nur noch bekannte Erzählmuster mit berechenbaren Figuren serviert. Wie seine grandiosen Fußball-Dramen/ Biographien über die englischen Trainer Bill Shankley („Red or Dead“) und Brian Clough („The Damned United“) sowie das Bergarbeiter-Epos „GB 84“ demonstrierten, konzentriert er sich auf manische Charaktere, düstere Yorkshire-Ripper-Szenarien („The Red Riding Quartet“) und Verhaltensmuster, die Therapeuten wegen ihrer Zwanghaftigkeit begeistern dürften. Auch als Zahnarzt wäre David Peace extrem erfolgreich: Denn er bohrt und bohrt und bohrt
Read More Der Thrill der Sammler auf der Jagd nach rasanten Raritäten Ein grandioses zweibändiges Werk führt durch eine hundertjährige Automobilgeschichte. In „Ultimate Collector Cars“ erzählen betörende Bilder röhrender Renn-Boliden, kurvenreich-verspielter Art-Deco-Sportwagen und ultramoderner Hi-Tech-Speedster die Geschichten faszinierender Raritäten. Die beiden Design-und Kunstexperten Charlotte und Peter Fiell (die an die 60 Bücher veröffentlicht haben) liefern aber nicht nur Hintergrund-Geschichten zu einhundert Sport- und Rennwagen vom 40 PS-Mercedes Simplex (1903) bis zum 1036 PS starken McLaren-Karbonfaser Super-Renner (2020) mit fünf Cockpit-Bildschirmen. In Interviews mit Kuratoren, Sammlern, Veranstaltern, Juroren und Auktionatoren versuchen sie auch, die Jäger-Mentalität
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