All posts by Karsten Herrmann

Posted On April 6, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Cormac McCarthy: die straße

Packendes Endzeitdrama In seinem neuen Roman führt der große amerikanische Romancier Cormac McCarthy seine Leser auf eine Reise an das Ende aller Nächte: unerbittlich und unentrinnbar – und gewann damit zurecht den diesjährigen Pulitzerpreis. Ein Mann wandert mit seinem Sohn durch ein zerstörtes Amerika, durch eine versunkene Zivilisation. Mit einem quietschenden Einkaufswagen, der ihr ganzes Hab und Gut enthält, sind sie auf dem Weg aus dem eisigen Norden über steile Bergpässe an die Küste im Süden. Das Land liegt verbrannt, stumm und gottverlassen vor ihnen, es ist kahl gefressen, geplündertRead More

Posted On März 25, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

DBC Pierre: Bunny und Blair

Furioser Flop Nachdem DBC Pierre mit seinem Debüt „Jesus von Texas“ einen furiosen und mit wichtigen literarischen Preisen ausgezeichneten Überraschungscoup landete, legt er mit „Bunny und Blair“ nun einen ebenso furiosen Flop vor. DBC Pierre, dessen Lebenslauf als Spieler, Junkie, Schmuggler und Bankrotteur sich schon allein wie ein Roman anhört, erzählt in seinem zweiten Roman die Geschichte der siamesischen Zwillinge Bunny und Blair. Diese werden im Alter von 33 Jahren operativ voneinander getrennt und in ein freies, selbstständiges Leben in London entlassen: „Das Tempo, mit dem sie sich in dieRead More

Posted On März 8, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Marcor Wehr: Welche Farbe hat die Zeit?

Von der „Tugend des Staunens“ und dem „Anfängergeist“ „Warum heißt der Stuhl Stuhl?“, „Wo war ich, bevor ich geboren wurde“ oder „Wo bin ich, wen ich tot bin?“ – tagtäglich fragen Kinder ihren Eltern Löcher in den Bauch und führen sie nicht selten an den Rand ihrer Erkenntnis- und Erklärungsfähigkeit. In seinem Buch „Welche Farbe hat die Zeit?“ zeigt uns Marco Wehr anhand solcher nur scheinbar naiver Fragen, wie Kinder uns wieder neu zum Denken bringen und uns neue Horizonte eröffnen können. In einem lockeren Streifzug verbindet der Physiker, Philosoph,Read More

Posted On Februar 25, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher

William Boyd: Ruhelos

Sublime Hochspannung In die kalte und einsame Welt der Spionage, des Tarnens, Täuschens, Tricksens und Verratens führt der neue Roman des hierzulande noch immer unterschätzten britischen Erzählers William Boyd. Nach einem langen Leben in scheinbar völliger Normalität eröffnet die rüstige Seniorin Sally Gilmartin im heißen Sommer 1976 ihrer in Oxford promovierenden Tochter Ruth ein schockierendes Geheimnis: Ihr wahrer Name sei Eva Delektorskaja und sie sei 1939 in Paris als russische Emigrantin für den britischen Geheimdienst angeworben worden. In einem ständigen Zeitenwechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit eröffnet uns William Boyd inRead More

Posted On Februar 18, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher

Massimo Carlotto: Arrivederci more, ciao

Kalte Leere Zugleich faszinierend und abstoßend eröffnet Massimo Carlotto mit seinem zynischen Realismus tiefe Einblicke in das kalte Nichts und das Ende der Nacht. Mit hartem, schnellen Pulsschlag erzählt Massimo Carlotto in „Arrivederci amore, ciao“ die Geschichte des Exterroristen Giorgio. Nach zehnjähriger Flucht und einem Zwischenstopp in einem mittelamerikanischen Terroristen-Camp kommt er desillusioniert zurück nach Italien und schließt mit der Staatsanwaltschaft einen Deal als Kronzeuge und Spitzel. Alles, was für ihn jetzt noch zählt, ist der schnelle Aufstieg nach oben, der Weg zu Geld und Macht. Seine Mittel: Mord, Gewalt,Read More
Einblicke in den „Schweinestall“ Nicolás Gómez Dávila bietet in seinen Aphorismen vielfache Anregungen unser modernes Leben einmal radikal gegen den Strich zu bürsten. Zu seinen Lebzeiten blieb der Kolumbianer Nicolás Gómez Dávila fast ein Unbekannter, obwohl er ein literarisch-philosophisches Werk von mehreren tausend Seiten hinterließ. Erst nach seinem Tod im Jahre 1994 entwickelte sich der Autodidakt, der eine Bibliothek von 30.000 Bänden zusammen trug und sein Leben ganz dem Lesen und Schreiben widmete, zu einer Art Geheimtipp und wird schon als würdiger Nachfolger Schopenhauers und Nietzsches gehandelt. Provokante Einblicke inRead More

Posted On Januar 7, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Oscar A. H. Schmitz: Das wilde Leben der Boheme

Einsamkeit, Suchen, Irrtümer, Zweifel… Oscar A. Schmitz zeigt sich in diesem wunderschön aufgemachten Tagebuch-Band als ein aufschlussreicher Prototyp der Moderne, der diese explosionsartig hereinbrechende Epoche mit all ihren Hoffnungen, Ängsten und Neurosen auf geradezu klassische Weise verkörpert. Thomas Mann nannte den heute weithin vergessenen Oscar A.H. Schmitz einmal einen „hervorragend gescheiten Schriftsteller.“ Schmitz begann seine literarische Karriere an der Schwelle zum 20. Jahrhundert im „fin de siècle“ und verkehrte in München, Berlin, Paris und London mit vielen führenden Vertretern der Kunst- und Kulturszene wie Stefan George, Franziska Reventlow, Hugo vonRead More

Posted On Dezember 17, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Gary Shteyngart: Snack Daddys Abenteuerliche Reise

Apokalyptischer Multikulti-Cocktail Mit seinem neuen Roman sprengt der 34jährige Gary Shteyngart alle Geschwindigkeits- und Geschmacksgrenzen und jagt seine Leser mit infernalischem Witz durch ein globales Absurdistan. Shteyngarts Protagonist Mischa Vainberg ist ein durch und durch verwöhnter, schrankenloser und psychoanalytisch betreuter „tiefungläubiger Jude“ sowie Sohn des „1238.reichsten Mann Russlands“. Er steht mit seinem unglaublichen Körperumfang in literaturgeschichtlicher Analogie zu Gontscharows „Oblomow“ und bezeichnet sich wie Dostojewski seinen Fürsten Myschkin selbst als „eine Art tumbes Tier.“ Mischa, aufgrund seiner Rap-Begeisterung auch Snack Daddy genannt, hat sein Herz hoffnungslos an Amerika und NewRead More

Posted On November 26, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

André Kubiczek: Oben leuchten die Sterne

Trashiges Potpourri Rhapsodisch springt André Kubiczeks Prosa mitreißend dahin und erfasst die Zeit und ihre Wirklichkeit mit Bildern von großer Tiefenschärfe. André Kubiczeks Helden gehören zu einer alles andere als rund laufenden „Generation Golf“: Sie sind Anfang 30, lavieren sich am Rande der Gesellschaft zwischen Studium und Jobs durch das Leben und stolpern ohne Ziel und mit viel Alkoholgenuss nach vorn – und dabei mitten hinein in die „Abenteuer dieser Tage.“ So machen sich Kubiczeks Protagonisten Rock und Bender eines schäbigen Sommertages mit ihrem klapprigen T3 von Berlin aus aufRead More

Posted On November 12, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Dietmar Dath: Dirac

Quantenphysikalisches Phänomen Dietmar Dath führt den Leser mit seinem Roman „Dirac“ in ein ebenso faszinierendes wie irritierendes Spiegellabyrinth aus Physik, Philosophie, Poesie und dem ganz normalen Alltagsleben. Im Zentrum der Geschichte steht David Dalek, der versucht, einen Roman über den Physiker David Dirac zu schreiben. Dieser erhielt 1933 gemeinsam mit Erwin Schrödinger für seine Atomtheorie den Nobelpreis für Physik. Konsequent entwickelte er die Quantenphysik mit ihren weitreichenden philosophischen Implikationen weiter und entdeckte dabei in rein spekulativer mathematischer Beweisführung auch die Antimaterie. Je tiefer sich David Dalek mit diesem Vorzeige-Wissenschaftler, derRead More

Posted On Oktober 22, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Christoph Peters: Ein Zimmer im Haus des Krieges

Utopie und Terror Was geht in den Köpfen islamistischer (Selbstmord-) Attentäter vor, die die Welt seit den 90er Jahren in Angst und Schrecken versetzen? Dieser Frage geht Christoph Peters in seinem neuen Roman „Ein Zimmer im Haus des Krieges“ behutsam nach und verbindet sie mit den gescheiterten Utopien der 68er. Peters‘ Protagonist ist der junge Deutsche Jochen Sawatzky, der nach einer Kleinkriminellen- und Drogenkarriere zum Islam konvertierte und ein Gotteskrieger wurde. Er wird 1993 bei einem Anschlagversuch auf die Tempelanlage von Luxor nach einem heftigen Feuergefecht mit der ägyptischen PolizeiRead More

Posted On September 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Helmut Krausser: Eros

Literarischer Rohstoff Krausser erzählt in „Eros“ die Geschichte einer Obsession und versucht zugleich im Schnelldurchlauf ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte Revue passieren zu lassen. Mit Romanen wie „Der große Bogarazy“ oder zuletzt „UC“ hat sich Helmut Krausser in die erste Riege der deutschen Autoren geschrieben. Zehn, zwanzig Seiten lang lässt er auch im neuen Roman „Eros“ sein herausragendes literarisches Talent aufblitzen und macht Hoffnung auf ein wiederum großartiges Leseerlebnis. Doch dann liefert er mit einem literarischen Kunstgriff, der sich als Missgriff erweist, nur noch ungeschliffenen literarischen Rohstoff. Kraussers Ich-Erzähler, ein Romanautor,Read More

Posted On September 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

John Haskell: Amerikanisches Fegefeuer

Existentialistisches Roadmovie Romane wie dieses Debut von John Haskell sind ein seltenes Geschenk: Wie auf einer Feder schwebend wird der Leser in das Geschehen hineingezogen, um alsbald vollständig mit ihm zu verschmelzen. Im Stile eines Road-Movies erzählt „Amerikanisches Fegefeuer“ von der Suche des Protagonisten Jack nach seiner scheinbar spurlos an einer Tankstelle mit dem Auto verschwundenen Ehefrau Anne. Jack, der ein Meister darin ist, sich den Umständen anzupassen, versucht nach diesem Schock alles um die „Illusion von Normalität“ zu bewahren. Doch immer öfter bricht sich die Fratze der Angst undRead More

Posted On September 3, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Paul Verhaeghen: Omega Minor

Wüste barocke Collage Auf radikal-rasante Weise ringt der Flame Paul Verhaeghen in seiner wüsten und barock ausufernden Collage „Omega Minor“ mit den „Nachwehen des 20. Jahrhunderts“. Monolithisch ragt er damit aus der Flut der wenig wagemutigen und stromlinienförmigen Romane der internationalen Literaturszene. Enzyklopädisch ausgreifend erzählt der in New York kognitive Psychologie lehrende 41jährige von den Zäsuren und Wendepunkten in der jüngeren (deutschen) Geschichte. Aus verschiedenen Perspektiven rollt er den Nationalsozialismus, den 2. Weltkrieg und den Holocaust dabei ebenso auf wie Mauerbau und Mauerfall oder den erstarkenden Neofaschismus im Berlin derRead More

Posted On Juli 31, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Eduardo Belgrano Rawson: Rosas Stimme

Karibisches Mosaik In seinem neuen Roman beschreibt der gefeierte argentinische Schriftsteller Eduardo Belgrano Rawson die von der CIA gestützte Invasion von Exilkubanern gegen die Revolutionsregierung unter Fidel Castro in einem viel perspektivischen Mosaik. 17. April 1961: Juri Gagarin schwebt schwerelos durch das Weltall, Luis Rodriguez boxt gegen El Chicharo und Rosa von Radio Swan kündigt das Ende ihrer nächtlichen Sendung an – „Es war einer jener Momente, in denen man, mit Abstand betrachtet, hätte sagen können: Heute wird irgendetwas passieren.“ Und an eben diesem Tag startet die von der CIARead More

Posted On Juli 31, 2006By Karsten HerrmannIn Vermischtes

Die große Befreiung?

Eine Einführung in den Buddhismus Der Buddhismus boomt im Westen: Der Dalai Lama wird bei seinen öffentlichen Auftritten schon fast wie ein Pop-Star umjubelt, in den Supermärkten und Möbelgeschäften haben Buddha-Statuetten in allen Größen und Formen Einzug gehalten und allerorten sprießen kleine Zen-Gemeinden und Meditationszirkel aus dem Boden. Doch was bedeutet der Buddhismus, diese neben Christentum und Islam dritte große Weltreligion jenseits von Lifestyle und Pop? Bietet er den Sinn und Spiritualität suchenden Menschen im Westen, in einer von Medien, Werbung, Stress, Hektik und Zersplitterung geprägten Gesellschaft, tatsächlich eine alltagstauglicheRead More

Posted On Juli 9, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Chris Cleave: Lieber Osama

Brachialer Balanceakt Osama bin Laden ist das personifizierte Böse auf Erden, ein unnahbarer, entmenschlichter Stellvertreter oder gar Nachfolger des Teufels. Da erscheint es fast ein wenig despektierlich, wenn der junge britische Autor Chris Cleave seine Protagonistin ihm einen Brief mit folgenden Anfangszeilen schreiben lässt: „Lieber Osama, sie wollen dich tot oder lebendig, damit der Terror endlich aufhört. Obwohl, ich weiß nicht. Mit dem Rock’n’Roll war ja auch nicht Schluss, als Elvis auf dem Lokus starb.“ Ausgangspunkt der ganzen Geschichte ist ein bestialischer Terroranschlag beim Lokalderby von Arsenal gegen Chelsea London.Read More

Posted On Juni 12, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Benjamin Lebert: Kannst du

In der Sackgasse 1999 setzte der erst sechszehnjährige Benjamin Lebert mit dem mittlerweile in Deutschland über eine halbe Million mal verkauften und in 33 Sprachen übersetzten Roman „Crazy“ ein Initial für die neue deutsche (Pop-) Literatur. Sieben Jahre später folgt mit seinem neuen Roman „Kannst du“ eine erschreckende Bankrotterklärung. Benjamin Lebert erzählt in „Kannst du“ die Geschichte seines offensichtlich autobiographisch gefärbten Protagonisten Tim Gräter. Dieser ist Anfang 20, hat bereits einen literarischen Bestseller gelandet und steckt nun in einer Schaffenskrise. Hinter der Pose des abgeklärten Schriftstellers zerfleischen ihn die SelbstzweifelRead More

Posted On Mai 29, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Denis Johnson: Jesus Sohn

Geschichten wie Kometen Mit der Kurzgeschichten-Sammlung „Jesus’ Son“ begründete der heute zu den bedeutendsten amerikanischen Gegenwartsautoren zählende Denis Johnson Anfang der 90er seinen Kultstatus. Der unverwechselbare Sound dieser abgründig-halluzinatorischen Prosa, in der immer wieder unvermutet Elemente von Komik aufblitzen, sucht auch heute noch seinesgleichen. Johnsons Ich-Erzähler „Fuckhead“ ist ein typischer Looser der amerikanischen Gesellschaft, der sich mit kleinen krummen Geschäften und Fluchten über Wasser hält. Wie er sind auch alle andere Figuren dieser Geschichten „aus der Welt herausgeschnitten und zum Abfall geworfen.“ Ohnmächtig fühlen sie sich vom Schicksal verfolgt undRead More

Posted On Mai 15, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Elke Naters: Justyna

Ziellose Lebensgier Mit „Justyna“ hat Elke Naters, einstige deutsche Pop-Literatin par excellence, einen schnellen, harten und auch provokativen Roman vorgelegt, in dem nichts mehr vom einstigen Zauber der Pop-Kultur wiederzufinden ist. Es bleibt eine ziellose, verzweifelte Lebensgier. Naters erzählt – mit offensichtlichen autobiographischen Übereinstimmungen – die Lebensgeschichte ihrer Protagonistin Justyna. Mit sechszehn will diese sich das Leben nehmen, weil sie glaubt, sie wäre schwanger, mit siebzehn geht sie von der Schule ab, jobbt in einer Fabrik und fliegt nach Jamaika, wo sie einen halluzinatorischen, süß-bitteren Tropen-Trip erlebt. Zurück in DeutschlandRead More

Posted On Mai 8, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Truman Capote: Sommerdiebe

Elegant perlende und sprühende Prosa Truman Capote erlebt derzeit eine Renaissance: Mit dem Oscar-prämierten „Capote: A Biography“ von Bennet Miller und dem gerade abgedrehten „Infamous“ von Douglas McGrath widmen sich gleich zwei Kino-Großproduktionen dem literarischen Shootingstar der 40er Jahre. Parallel dazu ist mit „Sommerdiebe“ nun auch noch Capotes kürzlich bei einer Sotheby-Versteigerung entdecktes wahres Debüt erstmals auf den Markt gekommen und wird als literarische Sensation gehandelt – Anlass genug für den „Kein & Aber“-Verlag mit dieser Entdeckung eine komplett neu editierte und überarbeitete Capote-Werkausgabe zu starten. Truman Capote erzählt inRead More

Posted On April 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher

Sam Bourne: Die Gerechten

Wahnsinniges Komplott In seinem ersten Krimi bietet der Journalist und Kolumnist Sam Bourne einen verzwickten Fall, in dem es um nichts weniger geht als um das Ende der Welt. Bournes Protagonist Will Monroe ist Nachwuchsjournalist bei der altehrwürdigen New York Times, „ein ehrgeiziger junger Schreiber auf der Überholspur“. Als er eine kleine Standard-Meldung über den Mord an einem Brooklyner Zuhälter schreiben soll, wittert er seine Chance und recherchiert den Background. Er stößt auf weitere Mordfälle nach dem gleichen Muster und sticht ohne es zu wissen in ein Wespennest, in demRead More

Posted On März 29, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher

Harry G. Frankfurt: Bullshit

Zur Kultur des „Bullshittings“ „Bullshit“ ist ein schmales, kleinformatiges und in edles rotes Leinen gefasstes Buch, das erstmals schon vor zwanzig Jahren erschienen ist. Und doch ist es auch heute noch von erstaunlicher Sprengkraft und Virulenz. Gleich mit dem ersten Satz trifft Harry G. Frankfurt den Nerv unserer durch Medien, Werbung und Public Relation geprägten Zeit: „Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, dass es viel Bullshit gibt. Jeder kennt Bullshit. Und jeder trägt sein Scherflein dazu bei.“ Der 1929 geborene, heute als Philosoph in Princeton lehrende FrankfurtRead More

Posted On Februar 27, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Leonid Zypkin: Ein Sommer in Baden Baden

Aus Zeit und Raum gefallen Leonid Zypkin hat zu Lebzeiten keine einzige Zeile seiner zahlreichen Gedichte, Novellen oder Prosastücke veröffentlicht gesehen. Mit Inbrunst schrieb der 1926 als Kind russisch-jüdischer Eltern geborene Mediziner unter einem repressiven Regime unverdrossen für die Schublade. Jetzt ist sein Roman „Ein Sommer in Baden Baden“, den Susan Sontag zu den „schönsten, anregendsten und originellsten Werken des vergangenen Jahrhunderts“ zählt, erstmals ins Deutsche übersetzt worden. „Ein Sommer in Baden Baden“ erzählt die Geschichte des 1867 mit seiner Frau Anna Grigorjewna nach Deutschland reisenden Fjodor Dostojewski und auchRead More

Posted On Januar 19, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Georges Bataille: Nietzsche und der Wille zur Chance

Ein Brennen und Verzehren Georges Batailles 1944 geschriebenes Nietzsche-Buch ist bis heute eines der radikalsten und subjektivsten Annäherungen an jenen Philosophen, der mit seinem Diktum des „Gott ist tot“ ein neues Zeitalter des Denkens eröffnete. Bataille belässt es „In Nietzsche und der Wille zur Chance“ bei weitem nicht bei einer diskursiven Interpretation, sondern lässt uns Zuschauer bei dem Versuch werden, Nietzsches Philosophie konsequent zu leben, „bis zum Ende des Möglichen zu gehen, wozu sie auffordert“. Nietzsche und Bataille sind zunächst einmal in der zentralen Frage vereint, wie der Mensch zuRead More

Posted On Dezember 18, 2005By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Susanne Heinrich: In den Farben der Nacht

Rauschhafte Intensität In ihrem Debut „In den Farben der Nacht“ überzeugt die erst 20jährige Susanne Heinrich mit Erzählungen voller sinnlicher Poesie und schillernder Abgründe. Die Liebe und die Suche nach Liebe stehen dabei im Mittelpunkt. Susanne Heinrich lotet die sich ineinander schiebenden Grenzlinien von Freundschaft, Liebe, Fremdwerden, Betrug und Trennung in immer neuen Variationen aus. Ihre Protagonistinnen sind ruhelos Getriebene und Treibende, sind hin- und hergerissen und fürchten sich unausgesprochen vor dem tief im Inneren lauernden Abgrund des Nichts: „Wenn nichts lockt und nichts hält, denke ich, kann man dasRead More