Neuer Thriller-Held, alter Populärmythos
Alf Mayer zum Thriller »The Mailman« von Andrew Welsh-Huggins

»Was passiert, wenn wir Rachel aus den Händen dieser Wahnsinnigen befreit haben, die uns umbringen wollten?«
»Ganz einfach«, sagte Carter. »Dann stelle ich meine Sendung zu.«
(Seite 100)
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Andrew Welsh-Huggins: The Mailman. Thriller. Aus dem amerikanischen Englisch von Werner Löcher-Lawrence. Hoffmann und Campe, Hamburg 2026. Klappenbroschur, 398 Seiten, 18 Euro.
Nennen Sie mich altmodisch, aber ich habe Faible und Hochachtung für ein Genre, das vom Aussterben bedroht ist: Es ist der gute alte Thriller. Präzise konstruiert wie ein teures Uhrwerk, Sonderanfertigung, in jedem Detail Maßarbeit und ertüftelt mit handwerklicher Meisterschaft. Mehrstufiges Getriebe, ineinander greifendes Räderwerk, mit Hemmung, Schwingsystem und Unruh, Schlag- und Spielwerk, Zeitschaltvorrichtung. Die Räder mit konstanter Winkelgeschwindigkeit im Vorwärtstrieb, die gespeicherte potentielle Energie fein kontrolliert abgegeben und in pure Bewegung umgesetzt. Taktgebung präzise, Antriebsenergie ohne Ermüdung, kurzum ein ordentliches Kaliber. (So werden nämlich Armbanduhrwerke auch genannt. Und wissen Sie, dass in den hochwertigen Getrieben Edelsteine als Lagersteine für die beweglichen Teile dienen?)
Der amtierende Weltmeister des (guten alten) Thrillers kommt derzeit aus Deutschland. Es ist Andreas Pflüger. Sein letzter, perfekt geschliffener Diamant heißt »Kälter«. Jetzt gibt es, wenn auch keine Konkurrenz für ihn, einen neuen Namen in der Stadt: Andrew Welsh-Huggins ist Amerikaner. Er hat zwar bereits zehn Kriminalromane und zwei Sachbücher geschrieben und eine Anthologie herausgegeben, bei uns aber ist er unbekannt. »The Mailman« ist sein erster Auftritt im deutschsprachigen Raum. Und was für einer. »Er liefert. Immer.«, verspricht der Untertitel des Romans.
Gemünzt ist das auf Mercury »Merc« Carter, den Mailman. Er stellt Pakete zu. Und er nimmt seine Arbeit ernst. Sendungen, die er ausliefert, werden grundsätzlich nur persönlich übergeben. Von dieser Regel gibt es keine Ausnahme. Auch dann nicht, als Carter am Zielort überraschend auf eine mörderische Bande stößt, die eine Frau als Geisel hält.
Aber wir greifen vor. Zugegeben, ich hatte etwas Angst, die Lektüre zu beginnen. Denn es gibt natürlich – welche Produktlinie irgendwo wäre davor sicher – jede Menge Convenience-Produkte auch im Thriller-Bereich. Aufgebrühtes Genrepulver, Standardzutaten. Maggi Fix. Belanglose Stangenware. Bei Andrew Welsh-Huggins aber war ich schon im ersten Kapitel der besten Dinge. (Dazu gleich eine persönliche Anmerkung.)
Ein Ehepaar am Küchentisch. Glenn nippt an seinem Whisky, wird dann für die Steaks zuständig sein, Rachel fängt schon an, den Salat zu machen. Restaurantwürdiges Essen, wie sie es gewohnt sind. Im Gespräch geht es um die Tochter, gerade Leistungsabfall im Semester. Weitere Spannungen schwingen mit. Ehealltag. Wochenstress. Da geht die Verandatür auf, vier schwarz maskierte Männer stehen im Raum. »Was zum Teufel…«, sagt Ehemann Glenn, wird niedergeschlagen. »Wer sind Sie?«, schreit die Ehefrau. »Raus! Raus hier!« Der dünnste der Vier zieht seine Maske vom Kopf. Rachel durchzuckt ein Elektroschock.
»Sie?«
»Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.«
Und das ist erst das erste Kapitel.
Bei Salatmachen und Ehegeplänkel blitzte mir eine Erinnerung hoch, wie man sich halt manchmal an Gesprächsfetzen erinnert. Es war 1992, als ich in der Wüste von Arizona den britischen Schriftsteller Elleston Trevor besuchte, der als Adam Hall die bis heute mit Abstand beste Thriller-Reihe je geschrieben hat. Mein Porträt gibt es bei uns online. Elleston Trevor (1925 – 1995) hatte sich bei der Verfilmung seines Romans »Der Flug des Phönix« in die Wüste verliebt und war in den USA geblieben, schrieb im Lauf von 30 Jahren 19 Romane mit dem stoischen Geheimagenten Quiller. Auf seiner Ranch an der Dynamite Road östlich von Scottsdale nahm er sich damals richtig viel Zeit für mich, beantwortete alle Fragen. Zum Ende sagte er einen seltsamen Satz, den ich nicht verstand und mir wohl deshalb in Erinnerung blieb. »Ich möchte einmal einen Roman mit ganz normalen Leuten beginnen, eine Alltagssituation. Ganz banal, aber so gut, wie nur ein Thriller das kann.«
Kapitel Zwei von »The Mailman« zeigt, was ein Thriller aus so etwas machen kann. Der Mann, der sich die Maske abzieht, will etwas von Rachel. Es geht um ein geschütztes Dokument, die Aussage einer gewissen Stella Wolford. Rachel ist Anwältin. Und sie schützt ihre Klienten. Der Mann ohne Maske gibt ihr eine Minute Zeit, das Dokument herzuschaffen, »oder wir werden Ihrem Mann die Finger abschneiden. Einen für jede Minute Verspätung.« Die Gartenschere macht dazu schnipp, schnipp, schnipp.
»Sagen Sie mir wenigstens, warum Sie es wollen.«
„Fünfundfünfzig Sekunden.«

Fünfunddreißig.
Dreißig.
Sie braucht den Laptop.
Als ihr die Kabelbinder durchgeschnitten werden, schreit sie auf.
Das Einloggen bereitet Probleme.
Jede Zeile macht mehr Adrenalin.
Sie wischt sich die Tränen weg.
Der Druck lässt nicht nach.
Sie hat das Dokument, online. Druckt es aus.
Der Mann liest es. »Was bedeutet Zweiundzwanzig-Sieben?«
Rachel weiß es nicht.
»Wo ist Stella Wolford?«
Rachel weiß es nicht.
Ihr Mann wird in den Keller geschleppt. Zum Foltern.
Auf dem Weg nach unten ruft er noch: »Warten Sie! Ich habe Geld! Jede Menge. Millionen. Alles, was Sie wollen.«

Rachel weiß nichts davon.
Dann klingelt der Zusteller an der Tür. Der Mailman.
Wir sind auf Seite 27.
Er klingelt drei Mal. Lässt sich nicht abweisen.
Er hat eine Sendung für Rachel Stanfield.
Die sei gerade nicht da, sagt der Mann an der Tür.
Er könne aber nur persönlich zustellen, sagt der Mailman. Dann warte er eben. Geht zu seinem Fahrzeug. Setzt sich rein.
Jetzt haben die vier Männer im Haus ein Problem. Sie wissen noch gar nicht, wie groß es ist. Sie kennen den Mailman nicht. Und wir, wir lernen ihn ja auch erst gerade kennen. Bei dem, was er tut. Und wie er es tut. Show, don’t tell. Altes Thriller-Rezept. Funktioniert Eins-A.
Auf Seite 67 explodiert das Haus.
Da haben wir schon einiges, aber längst nicht alles an Tricks mitbekommen, die der Mailman draufhat. Er ist eher klein, definitiv kein Jack Reacher. Er war tatsächlich einmal bei der Post, erfahren wir in Flashbacks. Heute ist er selbstständiger Kurier. Für besondere Zustellungen. Hat noch nie eine Sendung nicht zum Ziel gebracht. Deswegen jagt er jetzt der entführten Rachel Stanfield hinterher.

Davor war noch das mit dem »Buuuh« und dem Pfefferspray, das mit dem lebensgroßen Aufsteller neben dem Auto und mit dem Kupfer-Kochtopf, mit dem man den Funkzünder einer Bombe abschirmen kann. Den Ehemann im Keller musste er auch noch befreien. Dafür sind es jetzt nur noch drei Entführer. Und ein GPS-Tracker unter ihrem Fahrzeug.
Auf Einsatz warten noch ein Gartenschlauch und ein Klemmbrett. O.k., Edelstahl, die eine Kante geschärft und das Ganze mit Holzfolie getarnt. Richtig lachen musste ich bei dem Klingelton, den der Mailman dem Oberbösewicht irgendwann effektvoll aufs Handy programmiert hat.
»Merc« Carter, ist ein neuer Held in der Thriller-Stadt. Er ist ganz und gar unglamourös, hat nur Alltagsaustattung und eine sehr altmodische Auffassung von Arbeitsethik. Er erledigt immer seinen Job. Und bei ihm kann man zum Beispiel auch lernen: »Kastenwagen sind immer wichtig. Meiner Erfahrung nach.« Jetzt am 26. März 2026 ist in den USA Buch Nummer Zwei erschienen. Es heißt »The Delivery« (Die Zustellung). Mal sehen, wie schnell der deutsche Verlag liefern kann.
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Mittlerweile können wir uns ein wenig mit der Mythologie dieser Figur beschäftigen und buchstäbliche Hermeneutik betreiben. Andrew Welsh-Huggins hat seinen Zusteller »Merc« nach dem römischen Gott Merkur benannt, dem Schutzpatron der Kuriere (und der Händler und der Diebe). Im griechischen Olymp entspricht das dem Götterboten Hermes, einem der zwölf Unsterblichen. Er überbringt den Sterblichen die Botschaft der Götter und übersetzt sie auch. Es sind keine bloßen Mitteilungen, sie fordern Einsicht und Verständnis. Die Wissenschaft vom »Erklären und Verstehen« wird deshalb auch als Hermeneutik bezeichnet. (Als Buchtitel erstmals im 17. Jahrhundert vom Straßburger Philosophen und Theologen Johann Conrad Dannhauer verwendet: »Hermeneutica sacra«, 1654.) Der Zinnoberrote Merkur von 1856 ist übrigens, auf die Auflage bezogen, die seltenste Briefmarke Europas und die mit Abstand wertvollste Briefmarke Österreichs.
Hartnäckigkeit gehört seit je her zur Grundausstattung aller Ermittler, Polizisten, Privatdetektive und Thrillerhelden. Sie verschärft sich, wenn mit militärischen Tugenden gepaart wie etwa bei Jack Reacher. In all seinen bisher 30 Romanen mit diesem ehemaligen Militärpolizisten (sozusagen ein Kofferwort für Hartnäckigkeit, Stärke und Siegeswillen) hat Lee Child freilich noch nie erwähnt oder gar behandelt, dass es US-Militärpolizisten waren, die in Abu Graib gefoltert haben. Elf US-Soldaten wurden im Nachgang seit 2004 deshalb strafrechtlich verfolgt und verurteilt. Jack Reacher ist bekanntlich riesig. Wer Thriller schreibt, kommt an dieser Figur und dem weltweiten Bestseller-Phänomen (die vierte Amazon-Prime-Staffel abgedreht, wohl Ende 2026 im Streaming) nicht vorbei.
Wenn Andrew Welsh-Huggins seinen Merc Carter ab Seite 27 drei Mal an der Tür klingen lässt, steht da ein unscheinbarer Niemand: »Der Mann war klein, keine einsachtzig, hager und schmal gebaut. Eine Drahtgestellbrille, braune Augen und dazu, ausgerechnet, eine Baseballkappe der Rochester Red Wings. Sein Gesichtsausdruck lag irgendwo zwischen gelangweilt und selbstgefällig. Der Mann trug graue Nylon-Wanderschuhe, ausgeblichene beigefarbene Cargo-Shorts und ein schwarzes T-Shirt unter einer braunen Weste mit vielen aufgesetzten Taschen. In der linken Hand hielt er ein Klemmbrett mit einem einzelnen weißen Blatt Papier. Finn blickte an ihm vorbei und sah einen großen weißen SUV mit eingeschalteter Warnblinkanlage… «
Okay, viel Grau, aber dreimal geklingelt, Hartnäckigkeit etabliert. Weitere Eigenschaften werden sich noch finden. Aus dem Stand aber ist dieser graumäusige Merc Carter ein Teil von »Der Mann, der Mythos, die Legende«. Diesen Slogan gibt es als beliebten Spruch auf Geschenkartikeln wie T-Shirts, Kappen und Notizbüchern. Und auf Frauen-T-Shirts. Er bezieht sich auf die Zuverlässigkeit des Briefträgers, ist ein geflügeltes Wort. Eigentlich einst auf den Zirkusdirektor und Propagandisten P.T. Barnum gemünzt, den Erfinder des Showgeschäfts, dann auf den Baseballspieler Babe Ruth, der mit 714 Home Runs lange Zeit unangefochtene Rekordhalter war. Ansonsten hat spätestens im 20. Jahrhundert – wir lassen mal den heutigen Ärger mit den deregulierten Zustelldiensten beiseite – die Briefzustellung als Zivilisationstugend fast mythischen Rang erlangt.

»How the Post Office Created America. A History« erklärte die Historikerin Winifred Gallagher 2016 in einem vielbeachteten Sachbuch. Max Weber sprach vom Postdienst als »dem höchsten Ausdruck einer rationalen Institution«. Hierzulande haben wir die Geschichte des (ehemals lombardischen) Hauses Thurn und Taxis als Begründer des europäischen Postwesens. Es betrieb ab dem 14. Jahrhundert einen Stafettenreiter- und später auch Fuhrdienst zwischen zahlreichen europäischen Hauptstädten, woraus sich ab 1490 ein ein privates Postunternehmen und ab etwa 1600 die Kaiserliche Reichspost entwickelte. Ab 1615 waren die Familienoberhäupter Generalerbpostmeister des Reichs.
In den USA erlangte der im April 1860 gegründete Pony-Express mythische Qualität. Der als Reiterstafette organisierter Postbeförderungsdienst war die schnellste Postverbindung in Nordamerika. Die über 3200 km lange Route verlief von Saint Joseph (»Where the Pony Express started and Jesse James ended«) und den erschlossenen Siedlungsgebieten in Missouri durch die weitgehend menschenleeren Prärien und über die Rocky Mountains nach Sacramento in Kalifornien. Seine Reiter wurden Teil der Populärkultur, sie mussten jung, von geringem Gewicht und absolut draufgängerisch sein, außerdem etwas von Pferden verstehen. »Buffalo« Bill Cody verdiente sich hier seine ersten Sporen.
In der Western-Serie »Bonanza« wurde der Pony-Express in den Episoden 17 und 18 der siebten Staffel thematisiert, Little Joe Cartwright sattelt hier gegen den Willen seines Vaters die Expresspferde. Die Doppelfolge wurde 1966 zu einem Kinofilm geschnitten, der unter dem Titel »Die Männer von Bonanza, sie ritten wie der Wind« (Originaltitel: Ride the Wind) in deutschen Kinos lief. Anfang der 1990er Jahre entstand die Serie »The Young Riders« (dt. Titel: 7 für die Gerechtigkeit) mit Stephen Baldwin, Josh Brolin und anderen in den Hauptrollen (drei Staffeln, 63 Folgen). Sie befasste sich mit dem Alltag der Pony-Express-Reiter, thematisiert aber auch Sklaverei oder etwa Probleme der Kiowa-Indianer. Der Pony-Express wurde auch Gegenstand eines Lucky-Luke-Comics (der überhaupt, siehe das grandiose kleine Buch von Georg Seeßlen, den gesamten Westernfilm durchdekliniert).
1996 erschien der zwischen Satire und Mythos oszillierende Roman »The Legend of the Barefoot Mailman« von John Henry Fleming, der einen deutschen Exilanten namens Josef Steinmetz als Protagonisten hat. »Der Weltraumpostbote« von Guillaume Perreault hat in bisher vier Comics seine kosmischen Zustellabenteur zu bestehen. Und dann ist da noch das Big-Budget-Filmdesaster »The Postman« von 1997, mit Kevin Kostner als Regisseur und Hauptdarsteller. Der Film nimmt manche heutige US-Militia-Bewaffnung und die Nostalgia nach den Fahnen der Südstaaten vorweg und beruht auf dem gleichnamigen dystopischen Sciene-fiction-Roman von David Brin (deutscher Titel: »Gordons Berufung«, 1989). Sein Protagonist stolpert in einer von Atombomben zerstörten Welt über einen toten Briefträger und beschließt, dessen Briefe zuzustellen, was zu einem Wiederaufleben des Postdienstes führt und zum Neubeginn von Zusammengehörigkeit und Zivilisation. Der Postmann wird zum Retter und Erlöser – das nahm man Kevin Kostner damals übel. Die Romanfigur beruht auf einem Nebencharakter aus »Luzifers Hammer« von Jerry Pournelle und Larry Niven (1977).
Und der Cowboy und Autor Will Grant ist für sein Buch »The Last Ride of the Pony Express« (2023) die ganze damalige Strecke nachgeritten. Ich überquerte den Missouri nur einmal, lange her, den blitzeblauen Big Sky mit den vielen kleinen weißen Wölkchen habe ich nie vergessen.

Andrew Welsh-Huggins hat seinem Roman folgendes Motto vorangestellt:
»Der Pony-Express bestand noch etwa zwei weitere Jahre, zu deren Ende ein Telegrafendienst zwischen dem Atlantik und dem Pazifik eingerichtet wurde. Nur wenige erinnern sich an jene begeisternde, faszinierende Zeit. Die Gefahren, denen die reiter ausgesetzt waren, sind unbeschreiblich. Bemerkenswert waren sie nicht nur wegen ihres niedrigen Körpergewichts und ihrer Energie. Was sie taten, verlangte ständige Aufmerksamkeit, Mut und Gewandtheit. Unter ihnen waren erfahrene Führer, Scouts und Kuriere. Sie waren an die Abenteuer und Entbehrungen der Weiten gewöhnte Männer mit starkem Willen und wundervollem Durchhaltevermögen.« (Alexander Majors, 1814-1900, Seventy Years on the Frontier)
Da sind wir also, im Frühjahr 2026. Immer noch mythologisch an der Grenze. Beim Einzelkämpfer und Pionier. Auch wenn es nur der Postbote ist.
Alf Mayer
P.S. Andrew Welsh-Huggins ist zwar hierzulande ein Debütant, aber er ist Jahrgang 1961 und 64 Jahre alt. Als Journalist war er über 30 Jahre lang für die Associated Press vornehmlich in Ohio tätig, hat zwei bemerkenswerte Sachbücher geschrieben:
No Winners Here Tonight: Race, Politics, and Geography in One of the Country’s Busiest Death Penalty States (Ohio University Press, 2009). Es ist die bisher einzige Geschichte der Todesstrafe in Ohio, nach Texas der Bundesstaat mit den meisten Hinrichtungen im 20. Jahrhundert. Welsh-Huggins schaut sich die Fälle genauer an, was er findet, sind rassistische Vorurteile und eine klare Benachteiligung ärmerer Schichten.
Hatred at Home: Al-Qaida on Trial in the American Midwest (Swallow Press, 2011). 2002, in den Nachwehen des 11. Septembers, unterhielten sich drei Freunde – ein somalischer Immigrant, ein in Pakistan geborener US-Bürger und ein »hometown African American« – in einem Coffee Shop in Columbus, Ohio, über den Krieg in Afghanistan und über zivile Opfer. Es wurde einer der größten Terroristen-Prozesse nach 9/11 und machte klar, wie weit die US-Regierung zuhause im »Krieg gegen den Terror« zu gehen bereit war. Die Staatsanwaltschaft sprach von verhinderten Katastrophen, die Verteidigung davon, dass die Männer nichts mehr gemacht hatten als zu reden. Ein Musterprozess also in Sachen Sicherheitpolitik, freie Rede, Bürgerrechte und den Krieg zuhause.
Und dann schrieb Andrew Welsh-Huggins seit 2014 auch neun Kriminalromane. Acht davon mit dem Privatdetektiv Andy Hayes, Nummer 9 ein Thriller über einen Bankräuber, der aussteigen und sich zur Ruhe setzen will. Titel: »The End of the Road«. Da ist Andrew Welsh-Huggins gewiss noch nicht …
































