Posted On 15. August 2016 By In Bücher, Crimemag, Kolumnen und Themen With 1977 Views

Sekundärliteratur: About Crime Fiction

About Crime Fiction

pick-handHinweise zur Sekundärliteratur von Thomas Przybilka
(Lieferung No. 63, Januar 2016 – Juni 2016)

Seit Jahren bibliografiert, archiviert und kommentiert der Ehrenglauser-Preisträger Thomas Przybilka in seinem BoKAS (= Bonner Krimi-Archiv Sekundärliteratur) wissenschaftliche und publizistische Arbeiten aus aller Welt, die sich mit den unendlichen Facetten von Kriminalliteratur befassen. In unregelmäßig regelmäßigen Abständen erscheinen dann seine unschätzbar wertvollen Zusammenfassungen der aktuellen Sekundärliteratur, die jeder zur Kenntnis nehmen muss, der sich auch nur ein bisschen über seine Lieblingsliteratur kundig machen möchte. Ein solcher „Newsletter“ hat leicht einmal 160 bis 200 Seiten; deswegen empfiehlt CrimeMag unregelmäßig ein paar Titel aus dieser Fülle, die uns besonders bemerkenswert erscheinen.


 

9783849810597_mlGewissheit und Zweifel

Kriminalliteratur ist auch in der Türkei beliebt. Bis zum Ende der 1980er-Jahre allerdings waren es meist Übersetzungen, mit denen sich der türkische Krimi-Fan zufrieden geben musste. Ahmet Ümit gebührt der Dank, mit seinen Politkrimis die Tür für einheimische Kriminalromane geöffnet zu haben. Die türkische Version des Hardboiled-Krimis wird durch Celil Oker vertreten, wohl einem der bekanntesten Krimiautoren seines Landes. Die Ermittlungsarbeit seines Privatdetektivs Remzi Ünal hat auch international Erfolge zu verzeichnen. Barbara Nadels Çetin Ikmen, Kamil Pasha von Jenny White oder die von Esmahan Aykol erdachte Kati Hirschel, feiern ebenfalls Erfolge auf dem Krimimarkt. Der bekannteste türkisch-stämmige Privatermittler dürfte allerdings Kayankaya des verstorbenen Jakob Arjouni sein. Und auch im TV kann sich eine Krimiserie, angesiedelt in Istanbul, beste Zuschauerquoten sichern: „Mordkommission Istanbul“, Adaptionen der Kommissar-Özakin-Kriminalromane der ZDF-Moderatorin Hülya Özkan, verfilmt mit deutschen, deutsch-türkischen und türkischen Schauspielern. Die kriminalliterarische Verortung des deutsch-türkischen Verhältnisses ist Thema der vorliegenden Essay-Sammlung „Gewissheit und Zweifel“: interkulturelle Perspektiven, narrative Fallstricke, Verständis des Fremden oder Kulturkonzepte sind nur einige Themen, die im Fokus von zwölf Kapiteln dieser interkulturellen Studie stehen.

Inhalt: Sandra Beck: Zwei Welten, im Verbrechen überbrückt? Interkulturelles Erzählen in der deutschsprachigen Kriminalliteratur der Gegenwart / Regine Zeller: „Türkischer“ Detektiv mit doppeltem Bewusstsein. „Happy birthday, Türke!“ und die stereotypen Bilder des Fremden / Sandra Čujić: Herkunftskonzepte und Identitätsinszenierung in Jakob Arjounis „Kismet“ / Sandro M. Moraldo: Fremdheit in der „Heymat“ als Zuschreibung, Faszinosum und Bedrohung. Ein Versuch über Jakob Arjounis „Bruder Kemal“ / Elke Sturm-Trigonakis: Kayankaya, Cheng und Weber-Tejedor als narrative Konfigurationen des Dritten / Ruth Neubauer-Petzoldt: Gegen alle Regeln? Eine deutsche Amateurdetektivin in Istanbul. Esmahan Aykols Kati Hirschel-Romane / Faye Stewart: The „Crime of Race“. Examining Germanness and Whiteness in Self-Published Feminist Mysteries / Johanna Schuster-Craig: Ciminalizing Honor: Syran Ateş and Thea Dorn tackle „Tatort“ / Katrin Schneider-Özbek: Inszenierung kultureller Zeichen als Indizien im deutsch-türkischen Kriminalroman. Eine Blütenlese / Katharina von Dungen: Verborgener Verdacht. Moderne Ängste gespiegelt im Gegen-Ich in Hilal Sezgins „Mihriban pfeift auf Gott“ / Müzeyyen Ege & Gerhard Spaney: Reise ins Dunkle. Der zweite Blick auf Istanbul in Christoph Peters‘ Roman „Das Tuch der Nacht“ / Mahmut Karakus: Auf der Spurensuche kultureller Vielfalt. Ahmet Ümits Roman „Kavim“.

Sandra Beck ist Akademische Rätin a.Z. am Seminar für Deutsche Philologie der Universität Mannheim. Forschungs- und Lehrschwerpunkte: Gattungsgeschichte und Gattungstheorie, Literatur im 20. und 21. Jahrhundert, Erzähltheorie und Interkulturalität. Veröffentlichungen zu den Themen Literatur und Terrorismus, kriminalliterarisches Erzählen, Erinnerungspolitik und expressionistische Lyrik.
Katrin Schneider-Özbek ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik: Literatur, Sprache, Medien am Karlsruher Institut für Technologie. Sie forscht zu Mehrsprachigkeit, Kulturökologie sowie Technik und Gender in der deutschsprachigen Literatur. Ihre Dissertation erschien 2010 unter dem Titel „‘Viele Philosophen sind des Dichters Tod‘. Elias Canetti und die abendländische Philosophie“. (tp)

Beck, Sandra / Schneider-Özbek, Katrin (Hg): Gewissheit und Zweifel. Interkulturelle Studien zum kriminalliterarischen Erzählen. 2015, 265 S., Aisthesis Verlag, 24,80 Euro.


 

DUWdL_Bd1_USVers153x229_Druck.inddTötungsarten und Ermittlungspraktiken

Mordarten gibt es seit jeher viele. Ebenso vielfältig stehen hinter diesen Kapitalverbrechen die Motive der Täter. Dies war im 18. und 19. Jahrhundert nicht anders als heute. Wie aber schlugen sich Mord und Totschlag und die entsprechenden Ermittlungen in der Literatur dieser Zeit nieder? Antworten darauf, und wie sich die Ermittlungstechniken dem sich stets veränderten Wissen der Zeit anpassten, geben die Essays in „Tötungsarten und Ermittlungspraktiken“. Mord war immer, Detektion aber veränderte sich ständig. Ein sich windender, komödiantisch angelegter Dorfrichter Adam kam in den Novellen von Droste-Hülshoff oder E.T.A. Hoffmann nicht mehr vor. Die Berichterstattung über das Kapitalverbrechen Mord und die jeweils zeitgemäßen Ermittlungs- und Aufklärungstechniken werden in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts in Form von Verbrechensliteratur, Vorläufer der Detektiv- und Kriminalliteratur, breit behandelt. Verwiesen wird im vorliegenden Buch aber auch auf den Stand der zeitgenössischen Technik der Kriminalermittlung (konkrete Fälle) und auf die Anfänge der Kriminalpsychologie. Leider verzichtet die Essaysammlung „Tötungsarten und Ermittlungspraktiken“ auf eine gesammelte Zusammenstellung weiterführender Literatur; diese muß der Leser aus den zahlreichen Fußnoten extrahieren.

Inhalt: Maximilian Bergengruen, Gideon Haut & Stephanie Langer: Einleitung / Christian Kirchmeier: Krise der Kritik. Zur Poetik von Kasus und Rätsel am Beispiel zweier Kriminalerzählungen von Jodokus D.H. Temme und Auguste Groner / Antonia Eder: Die Auferstehung von Indizien. Ermitteln und Erzählen in Friedrich Schillers „Geisterseher“ / Klara Schubenz: Tod im Wald. Zu Annette von Droste-Hülshoffs „Judenbuche“ / Gideon Haut: Der Fluch der bösen Tat. Der Kriminalfall in Theodor Fontanes „Ellernklipp“ / Michael Niehaus: Unwissen, Gerücht, Literatur. Der Giftmord in den Zeiten vor der Marshschen Probe / Harald Neumeyer: Von der „wahre[n] Kunst“ des Verbrechens und der „Ungewißheit“ der Ermittler. Giftmord in Wissenschaft und Kriminalliteratur 1730-1820 / Stehanie Langer: Giftmord und Herzstich. Zu E.T.A. Hoffmanns „Fräulein von Scuderi“ / Susanne Düwell: „Dunkle Gefühle entscheiden oft mehr, als deutlich gedachte Gründe“. Kriminalfälle in Kleins „Annalen der Rechtsgelehrsamkeit“ und die Schwierigkeiten einer Ermittlung der „inneren Handlung“ / Jill Bühler: Nachtseiten der Detektion. Zur Verschränkung von „Mordlust“ und „Fleischeslust“ in der Kriminalpsychologie um 1800 und in E.T.A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“ / Arne Höcker: Das Drama des Falls. The Making of „Woyzeck“ / Carsten Zelle: Vom „Beweggrund“ zum „Gehirn“. Tötungsarten und Detektion in den Fällen Zwanziger und Schlörr (1811/1871-1875).

Maximilian Bergengruen, geb. 1971, Prof. Dr., Lehrstuhlinhaber am Institut für Germanistik des KIT (Universität Karlsruhe). Forschungsschwerpunkte: Literatur und Wissen sowie Literatur und Recht von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne; Literaturtheorie.
Gideon Haut, geb. 1985, M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik des KIT (Universität Karlsruhe). Forschungsschwerkpunkte: Literatur und Wissen sowie Literatur und Kriminalistik; Literatur des 19. Jahrhunderts.
Stephanie Langer, gebt. 1986, Mag. Phil., Assistentin am Institut für Germanistik der Universität Wien. Forschungsschwerpunkte: Literatur und Wissen sowie Literatur und Forensik in der Moderne; Kulturgeschichte des toten Körpers. (tp)

Bergengruen, Maximilian / Haut, Gideo / Langer, Stephanie (Hg): Tötungsarten und Ermittlungspraktiken. Zum literarischen und kriminalistischen Wissen von Mord und Detektion. 2015, 290 S., Rombach Verlag (Das unsichere Wissen der Literatur. Bd. 1), 48,00 Euro.


 

Die kleinen grauen Zellen

Hercule Poirots schönste Zitate! Mit ungebrochenem Vertrauen in seine „kleinen grauen Zellen“ hat Agatha Christies beliebter Ermittler eins stets parat – einen treffsicheren Spruch. Wie etwa zur englischen Frau: „Eingebildet ist sie nicht; sie ist schlicht eine Engländerin.“ Oder zum Alter: „Niemand ist ganz bei sich, bevor er fünfundvierzig ist.“ Oder gar zum besten Detektiv der Welt: „Je suis un peu snob“. (vt)

Christie, Agatha: Die kleinen grauen Zellen. Die schönsten Sprüche von Poirot. 2015, 160 S., Atlantik Verlag, 10,00 Euro.


 

51k6MIfOqaL._SY346_Essays in Honor of Douglas G. Greene

Der Name Douglas G. Greene hat besonders in den USA, aber auch sonst im englischsprachigen Raum, einen ganz besonderen Klang. Douglas G. Greene, von Hause aus Historiker (Forschungs- und Lehrschwerpunkt die Tudor- und Stuart-Zeit) an der Old Dominion University in Norfolk/Virginia, war auch Herausgeber und Miteigentümer des (Krimi-)Verlages Crippen & Landru und renommierter Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zur Kriminalliteratur und zu Kriminalautoren. Für sein Engagement (für und zur Kriminalliteratur) wurde er mit renommierten US-Krimi-Preisen geehrt: 2001 The Ellery Queen Award, 2003 The Poirot Award, 2007 The George N. Dove Anward, 2016 The Malice Domestic Amelia Award. Eine besondere Würdigung erfuhr er 2014 zu seinem 70. Geburtstag. Der nicht weniger bekannte Dozent und Autor Curtis Evans gab die Festschrift „Mysteries Unlocked“ heraus mit 26 Beiträgen zur (internationalen) Kriminalliteratur von bekannten Autorinnen und Autoren, darunter zehn Edgar-Gewinner oder –Nominees! Diese äußerst interessante und lohnende Sammlung von Essays ist jedem Krimiinteressierten herzlich emfpohlen.

Inhalt: Steven Steinbock: Prologue – Meeting Doug Greene / Curtis Evans: Introduction – Douglas G. Greene: The Man Who Explained Detective Fiction. Teil 1 – Detection by Gaslight: William Ruehlmann: The Incandescent Claptrap of Hamilton Cleek / Mike Ashley: The Strange Case of Max Rittenberg / Roger Ellis: J.S. Fletcher – Man of Many Mysteries / Curtis Evans: From the Sublime to the Rediculous – The Fleming Stone Detective Novels of Carolyn Wells. Teil 2 – Classic English Crime: Michael Dirda: The Reader is Warned – Discovering John Dickson Carr and the Work of Douglas G. Greene / John Curran: Agatha Christie and the Impossible Crime / Martin Edwards: Anthony Berkeley’s Golden Age Gothic Follies / B.A. Pike: The Left Hand of Margery Allingham / Julia Jones: „Intuition’s Reckless Compass“ – Margery Allingham’s „The China Governess“ and a Problem of Literary Biography / David Whittle: And Carr Begat Crispin – A Meeting of Criminal Minds. Teil 3 – Classic American Crime and Intellectuals: Mauro Boncompagni: Patrick Quentin/Q. Patrick/Jonathan Stagge – A Phantasmagoria of Crime Writers / Steven Steinbock: Now You See It – Hake Talbot, Magic and Miracles / Curtis Evans: Murder in The Criterion – T.S. Eliot on Detective Fiction / Henrique Valle: An Intellectual and the Detective Story – The Problems of Fernando Pessoa.
Teil 4 – Tough Stuff: Curtis Evans: „The Amateur Detective Just Won’t Do“ – Raymond Chandler and British Detective Fiction / Jeffrey Marks: Dying Is Easy, Comedy Is Hard – Craig Rice, Mistress of Madcap Mystery / Jack Seabrook: A Deluge of Drunken Detectives – A (Strictly Sober) Look at Four Fredric Brown Novels / Tom Nolan: „Stella Maris“ – Poetry in Ross Macdonald’s „The Galton Case“. Teil 5 – Murder in Miniature, Death on the Air, Murder in Pastiche: Marvin Lachman: Douglas G. Greene – Savior of the Short Form Mystery / Jon L. Breen: Experimenters, Pioneers, Prodigies and Passers-By – Ten Detective Short Story Writers in Search of an Anthology / Sergio Angelini: Knife Chords – The Radio Mysteries of John Dickson Carr / Joseph Goodrich: Adventures in Radioland – Ellery Queen On (and Off) the Air / Helen Szamuely: Parody, Pastiche and Presentism in Mystery Fiction – Sherlock Holmes, Lord Peter Wimsey and the Immortal Jane / Patrick Ohl: „Parlez-Vous Francais?“ – The Riddles of Rene Reouven. Teil 6 – A Final Toast: Clubland: Peter Lovesey: The Secret Life of Erich the Skull – Dorothy L. Sayers and the Detection Club. – Boonchai Panjarattanakorn: Afterword – Prayers to Kuan Yin / Appendix One: Works on Mystery Fiction by Douglas G. Greene / Appendix Two: Short Crime Fiction Collections Published by Crippen & Landru / About the Contributors / Index.

Curtis Evans, Dozent und Buchhändler, hat zahlreiche Artikel und Aufsätze zur Kriminalliteratur publiziert. (tp)

Evans, Curtis (Hg): Mysteries Unlocked, Essays in Honor of Douglas G. Greene. 2014, 340 S., McFarland,  $ 45,00.


 

Download (2)Krimimagazin 2 – Crime & Money

„Money makes the world go round“ sang Liza Minnelli im Spielfilm „Cabaret“. Dass Geld nicht nur die globale Wirtschaft rund laufen lässt, wissen nicht nur Banken und Konsumenten, sondern vor allem auch zwielichtige Elemente. Und auf die trifft man nicht nur (immer wieder) im Bankgewerbe, sondern auch bei „Kleinkriminellen“ – Stichwort Banküberfälle und Geldautomatensprengungen – und, vor allem, im organisierten Verbrechen. Neben Krieg und Liebe war und ist Geld stets eines der Antriebsmomente, um schell zu Macht zu kommen. Krimiautoren nahmen und nehmen sich daher dankbar dieses Motives an, um ihre Sicht zu „Crime & Money“ spannend zu beschreiben.

Inhalt: Vorwort / Tobias Gohlis & Thomas Wörtche: Crime & Money / Charlie Stella: Die Mafia in Amerika – die perfekte Fressmaschine im perfekten Umfeld, oder: Verbrechen lohnt sich / Sam Hawken: Der Ein-Dollar-Cheeseburger / Giancarlo de Cataldo & Carlo Bonini: Das Goldene Kalb – „Suburra“ und „Mafia Capitale“ / Mike Nicol: Den Staat plündern / Alan Carter: Finstere Machenschaften in Eldorado / Petros Markaris: Griechenland, die Griechenlandkrise und meine Krisentetralogie / D.B. Blettenberg: Germoney – Über germanische Kriegsgewinnler und levantinische Europäer / Dominique Manotti: Logbuch zu einem Wirtschaftsthriller – die Recherchen zu „Letzte Schicht“ / Thomas Adcock: Die Unberührbaren / Martin Burckhardt: Cybercrime.

Tobias Gohlis, geboren 1950, ist Journalist, Literaturkritiker und Autor. Seit langem liegt sein publizistischer Schwerpunkt auf der Kriminalliteratur. Er ist Begründer und Sprecher der KrimiZEIT-Bestenliste.
Thomas Wörtche, geboren 1954, ist einer der profiliertesten deutschen Experten und Herausgeber für Kriminalliteratur. Seit 2010 ist er Co-Herausgeber des Online-Magazins „CulturMag“, im Deutschlandradio Kultur ist er regelmäßig mit Beiträgen zur Kriminalliteratur auf Sendung. Er war Jury-Mitglied der KrimiZEIT-Bestenliste, ist Juror des Deutschen Krimi Preises und des „Weltempfängers“. Im Suhrkamp Verlag gibt er ein eigenes Krimi-Programm heraus. (tp)

Gohlis, Tobias / Wörtche, Thomas (Hg): Krimimagazin 2 – Crime & Money. 2016, 240 S., Droemer Taschenbuch, 12,99 Euro.


 

61MtWKnQV0LTatort Germany. The Curious Case of German-Language Crime Fiction

Ich freue mich immer, wenn ich berichten kann, dass jenseits des großen Teiches einmal wieder über den Tellerrand geschaut wird. Dies haben Ende 2014 die beiden Herausgeber Kutch und Herzog getan, um über zeitgenössische deutschsprachige Kriminalliteratur (Deutschland und Österreich) zu berichten. Die Herausgeber und ihre Mitarbeiter an diesem Essayband haben sich dafür bisher noch nicht ins Englische übersetzter Kriminalromane angenommen. Ihr Blick auf fiktionale deutsch-österreichische Verbrechen wird hoffentlich dazu führen, dass sich der eine oder andere amerikanische Verlag für eine Publikation deutschprachiger Krimis in den USA erwärmen kann. Die vorliegende umfangreiche und interessante Analyse (die trotz des im Titel geführten „Tatort“ nichts mit der gleichnamigen TV-Serie zu tun hat) wurde äußerst praktisch in drei Teile gegliedert: „Place“, „History“ und „Identity“ weisen auf die aktuellen Tendenzen der deutschsprachigen Kriminalliteratur hin. Neben bekannten deutschen und österreichischen Autoren (Thea Dorn, Doris Gercke, Wolf Haas, Alfred Komarek, Volker Kutscher, Christine Lehmann, Rainer Gross, Eva Rossmann oder Gudrun Weitbrecht) werden auch die Publikationen einer Vielzahl weiterer Autoren mehr oder weniger ausführlich gestreift. Ein ehemaliger DDR-(Krimi)Autor, nämlich Erich Loest, wird für den Blick auf den DDR-Krimi herangezogen. Und natürlich werden die hier so populären „Regional-“ oder „Heimatkrimis“ und deren Vertreter gewürdigt. Ein ausführlicher Blick wird auch darauf geworfen, wie Vergangenheitsbewältigung im deutschen Kriminalroman thematisiert wird. Eine sehr umfangreiche Bibliographie zitierter Werke und weiterführender Literatur durfte erwartet werden, ebenso die stets ausführlichen Fußnoten. Passagen aus begutachteten Kriminalromanen werden im Original wiedergegeben, ergänzt durch eine englischsprachige Übersetzung. Auch für Leser aus Deutschland und Österreich dürften die Aufsätze in „Tatort Germany“ von großem Interesse sein, um zu erfahren, wie der deutschsprachige Kriminalroman in den USA wahrgenommen wird. Ich empfehle „Tatort Germany“ als Bereicherung für jede Sammlung von Sekundärliteratur zum Genre.

Inhalt: Lynn M. Kutch & Todd Herzog: Introduction (Crime Fiction: Archetypes and Iterations / German-Language Crime Fiction and International Trends / The Contradictory Nature of German-Language Crime Fiction / „Tatorte“: German-Language Crime Scenes / Regional Crime Fiction for a Global World / The Historical German Crime Novel: Past Crimes and Persistent Guilt / Transforming Identities / Making the Curious Case for German Crime Fiction). Part I. Place: Kyle Frackman: „Vor Ort“. The Functions and Early Roots of German Regional Crime Fiction. Sascha Gerhards: Krimi Quo Vadis: Literary and Televised Trends in the German Crime Genre (Terminology: „Krimi“, „Regiokrimi“, and the Problem of „Heimat“ / „Kriminalität und Klamauk“: Genre Life-Cycles in the „Krimi“ / Regionalism and the Avoidance of „Heimat“ / A Televised Trend: The „Weltkrimi“ / A Literary Trend: The „Verarbeitungskrimi“ / Volker Kutscher’s Gereon Rath Novels / Conclusion). Jon Sherman: Plurality and Alterity in Wolf Haas’s Detective Brenner Mysteries (Haas and the „Detektivroman“ / The Setting / Language and Linguistic Outsiders / Ethnicity / Gender Identity and Sexuality / Conclusion). Anita McChesney: The Case of the Austrian Regional Crime Novel (Defining the Regional Austrian Crime Novel / Defamiliarizing the „Weinviertel“: Alfred Komarek’s „Zwölf Mal Polt“ / Defamiliarizing Zell am See: Wolf Haas’s „Auferstehung der Toten“ / Defamiliarizing Neusiedler See: Gerhard Roth’s „Der See“ / Conclusion). Part II. History: Magdalena Waligórska: „Darkness at the Beginnen“: The Holocaust in Contemporary German Crime Fiction (Holocaust as Source of Suspense / Holocaust as Catalyst of Crime / Holocaust as Motive / Curse of the Past / Unmasking / Retributive Justice / Crime Fiction and „Vergangenheitsbewältigung“). Susanne C. Knittel: Case Histories: The Legacy of Nazi Euthanasia in Recent German „Heimatkrimis“ / „Heimat“ and the „Unheimlich“ / The Return of the Repressed / Lord Have Mercy / Stories and Histories). Carol Anne Costabile-Heming: „Der Fall Loest“: A Case Study of Crime Stories and the Public Sphere in the GDR. Traci S. O’Brien: What’s in Your Bag?: „Freudian Crimes“ and Austria’s Nazi Past in Eva Rossmann’s „Freudsche Verbrechen“. Part III. Identity: Angelika Baier: Layered Deviance: Intersexuality in Contemporary German Crime Fiction (Crime Fiction, Intersexuality, and the Layers of Reality / The Intersexed Body as a Palimpsest / The Intersexed’s Psyche as a Palimpsest / „Fremdkörper“ / „Tief im Wald und unter der Erde“ / „SchattenHaut“ / Reparative Readings? – A Conclusion). Faye Stewart: Girls in the Gay Bar: Performing and Policing Identity in Crime Fiction (Titillating Transgressions in Tom’s Bar: Thea Dorn’s „Berliner Aufklärung“ / Probing Politics and Pedophilia: Christine Lehmann’s „Harte Schule“ / Conclusion: Reading the Bar). Heike Henderson: Eva Rossmann’s Culinary Mysteries (Culinary Mysteries as a Subgenre of Crime Fiction / Rossmann’s Mira Valensky Series / Rossmann’s Critique of Working Conditions / The Role of the Culinary in These Mysteries / Narrative Devices / The Main Character Mira / Rossmann’s Multifaceted Representations of Women / The Role of Foreigners and Other Minorities in Rosssmann’s Mysteries / The Culinary Mysteries‘ Appeal to Female Readers). Works Cited / Contributors / Index.

Lynn M. Kutch ist Professorin für deutsche Sprache an der Kutztown University of Pennsylvania. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt unter anderem bei deutschen Comics.
Todd Herzog ist Lehrstuhlinhaber für German Studies an der University of Cincinnati und Direktor des dortigen Center for Film and Media Studies. (tp )

Kutch, Lynn M. / Herzog, Todd (Hg): Tatort Germany. The Curious Case of German-Language Crime Fiction. 2014, 263 S., Camden House (Studies in German Literature, Linguistics, and Culture),  £ 60,00.


 

41dym2DEkIL._SX363_BO1,204,203,200_Crime Fiction in and around the Eastern Mediterranean

Kriminalliteratur von Autoren aus der Türkei, Griechenland oder Algerien ist in Deutschland bekannt. Wie steht es aber mit der Kenntnis zur Kriminalliteratur aus Marokko, Syrien, Saudi-Arabien oder Ägypten? Am 11. Und 12. November 2011 fand ein Symposium des Department of Turkish and Middle East Studies der University of Cyprus in Nicosia statt, das sich mit dieser Frage beschäftigte. Die Vorträge zu verschiedensten Themen wurden durch eine „Nicosia Detective City Tour“ und Lesungen von Esmahan Aykol, Panagiotis Agapitos und Dror Mishani aufgelockert. Gleichzeitig waren diese Lesungen so Beispiele für die verschiedenen nationalen (Kriminal-)Literaturen. Turkologin Börte Sagaster und die Islamwissenschaftler Martin Strohmeier und Stephan Guth sammelten diese Beiträge und veröffentlichten sie im vorliegenden Reader. Im Mittelpunkt dieser Beiträge stand die Beschäftigung mit den verschiedenen Subgenres, der Terminologie und Literaturkritik der Kriminalliteratur des Nahen Osten und die Frage, wie Krimiautoren soziale und kulturelle Themen ihrer Länder in ihren Kriminalromanen darstellen. Ergänzt wird jeder Essay mit einer ausführlichen Bibliographie weiterführender Literatur, oftmals abgerundet mit Hinweisen zu entsprechenden Internet-Resourcen. „Crime Fiction in and around the Eastern Mediterranean“ ist somit eine hervorragende Ergänzung zu oben erwähnten Titel „Gewissheit und Zweifel. Interkulturelle Studien zum kriminalliterarischen Erzählen“ von Beck und Schneider-Özbek beziehungsweise vice versa.

Inhalt: Börte Sagaster & Martin Strohmeier: Introduction / Alessandro Bountempo: „Vertigo“ and „The Dove’s Necklace“ as Romans Noirs. A Hypothesis on Arabic Crime Fiction / Silvia Tellenbach: Law, Crime, and Society in the Middle East / Jonathan Smolin: Lies and Deceptions. „Saint Janjah“, Social Critique, and the New Arabic Police Novel / Roger Celestin: Post-Colonial Slumming Angels. Driss Chraïbi’s Inspector Ali and Yasmina Khadra’s Commissaire Llob / Stephan Guth: Thus Ruled the Court (Hukm al-‘adäla). A Collection of True Criminal Cases from Syria Turned into Narratives / Panagiotis Agapitos: Bloody metalanguage? Crime fiction in Greece, 1991-2011 / Wolfgang E. Scharlipp: Subgenres in Turkish Crime Fiction / Zeynep Tüfekçioğlu: Let’s Say a Little about What’s There. Contemporary Turkish Crime Fiction and Its Literary Criticism / Karin Schweißgut: Religious Themes in Contemporary Turkish Crime Literature / Börte Sagaster: Cyprus as A Crime Scene. Paris Aristides‘ „The Viper’s Kiss“ and Hasan Doğan’s „Murder on the Lost Island“.

Börte Sagaster, geboren 1962, studierte Islamwissenschaft, Turkologie und Germanistik. Nach ihrer Promotion arbeitete sie am Zentrum Moderner Orient in Berlin, später am Orient-Institut in Istanbul.
Martin Strohmeier ist Islamwissenschaftler, 1998 wurde er Ordentlicher Professor der University of Cyprus.
Stephan Guth studierte Islamwissenschft, Moderne Deutsche Literatur und Philosophie. Seit 2008 ist er Professor beim „Department of Cultural Studies and Oriental Languages“ an der Universität Oslo. (tp)

Sagaster, Börte / Strohmeier, Martin / Guth, Stephan (Hg): Crime Fiction in and around the Eastern Mediterranean. 2016, VIII/156 S., 2 s/w Abbildungen, Harrassowitz Verlag (Mîzân – Studien zur Literatur in der islamischen Welt, Bd. 23),  39 Euro.


 

51GZsmmGgvL._SY346_Swedish Cops. From Sjöwall & Wahlhöö to Stieg Larsson

Maj Sjöwall und Per Wahlöö haben mit ihrer Kommissar-Beck-Serie nicht nur „Kriminalgeschichte“ geschrieben, sondern haben mit ihrer Serie auch maßgebliche Wegweiser für die europäische Kriminalliteratur gegeben und nachhaltig verankert. Im Fokus ihrer Kriminalromane stand der seinerzeit hochgepriesene schwedische Sozialstaat. Sjöwall und Wahlöö beleuchteten äußerst kritisch die Politik des schwedischen Wohlfahrtstaates, und setzten damit Zeichen, wie Kriminalliteratur gleichzeitig auch kritische und politische Literatur sein kann. Einstellung und Handlungsweise von Kommissar Beck und seinen Kollegen wurden wegweisend für die Werke nachfolgender schwedischer Krimiautoren. Sjöwall und Wahlöö begründeten somit die Tradition eines neuen schwedischen wie westeuropäischen Kriminalromans: des „Sozio-Krimis“, der die Einstellungen der Autoren zu sozialen Fragen transportiert. In der Kriminalliteratur setzte damit eine soziologisch fundierte Gesellschaftskritik und somit eine Bewusstseinsveränderung ein. Kriminalromane maßgeblicher Autoren folgen diesem Modell bis heute. Micheal Tapper wirft in „Swedish Cops“ einen Blick auf die Entwicklung der schwedischen Kriminalliteratur in der Zeit von 1965 bis 2012. Und prüft so, ob die von Sjöwall und Wahlöö entworfene Blaupause des sozialkritischen Kriminalromans in den Krimis und Thrillern der wichtigsten schwedischen Autoren nachverfolgt und eingehalten wurde.

Inhalt: Introduction 1. The Crime Genre (Origins / Crime and the Law). 2. Enter the Police (A Genre is Born / The Police and the Welfare State / Backlash / „Dirty Harry“ / Crime and Civilization / Crime Dystopia – The Psychopath and the Serial Killer). 3. Crime Scene: Sweden (A Beginning / „Gemeinschaft“ and „Gesellschaft“ and the Nation / Crime and Nationality / The Young Savages of the Asphalt Jungles / The Hoodlum Film / The Politics of Crime / From Punishment to Reform and Back Again / Moral Panics and Crime Journalism / Print the Faction!). 4. The 1960s and 1970s: Sjöwall and Wahlöö (Liberal-Conservative Criticism of the Welfare State / Criticism from within the Labour Movement / New Left Criticism of the Welfare State / Eco-Humanist or Green Criticism of the Welfare State / Per Wahlöö and Maj Sjöwall / Before Sjöwall and Wahlöö / Story of a Crime – Sjöwall and Wahlöö from Freud to Marx / The Film Adaptions. 5. The 1980s: Leif G.W. Persson and Jan Guillou (Leif G.W. Persson / Jan Guillou. 6. The 1990s: Henning Mankell and Håkan Nesser (Hening Mankell / Håkan Nesser and the Eurocop from Neverland). 7. Millenium Cops (Crime and Punishment in the Age of the War on Terror / „Europudding“ Police / Son of „Dirty Harry“ – Beck and the Iconic Rise of Gunvald Larsson / Roslund and Hellström / Stieg Larsson / Leif G.W. Persson – Downfall of the Welfare State). 8. Into the Twilight (Cops and the „Gemeinschaft/Gesellschaft“ Dichotomy / The Vigilant Cop and the Right-wing Extremism / The Vigilant Cop and Fascism / The Challenge of Evil). References / Index: Names / Index: Titles of Works. (tp)

Tapper, Michael: Swedish Cops. From Sjöwall & Wahlhöö to Stieg Larsson. 2014, 335 S., 6 s/w Illustrationen, Intellect,  £ 25,00.


 

41Mz4+wKDXL._SX309_BO1,204,203,200_Lesebuch Frank Göhre

Als Frank Göhre 2013 seinen 70. Geburtstag feierte, präsentierten Freunde einen Sammelband mit Erinnerungen an Begegnungen mit dem Autor: „Frank Göhre. Ein Buch der Freunde“, herausgeben von Eva Breloer und Günther Butkus, erschien in einer kleinen, feinen und einmaligen Auflage von (nicht im Handel vertriebenen) 300 Exemplaren im Pendragon Verlag [siehe dazu KTS 60]. Der gelernte Buchhändler und Bibliotheksangestellte, seit 1973 freier Autor, ist nicht nur einer der bedeutendsten deutschen Kriminalschriftsteller, sondern er hat auch das Genre in Deutschland maßgeblich beeinflusst. Einen Kriminalroman von Frank Göhre nicht gelesen zu haben, verbietet sich für jeden Genre-Liebhaber automatisch! Nun legt der Literaturwissenschaftler Walter Gödden nach, und zwar mit einer Sammlung von Texten Göhres, die in verschiedenen Büchern und Magazinen der letzten Jahre (und Jahrzehnte) erschienen sind. Diese Texte und/oder Auszüge aus Texten Göhres, zeigen den Workaholic Göhre und geben auch einen kleinen Ausschnitt seiner ungemeinen Produktivität wieder [siehe zum Beispiel KTS 62, dort „Göhre/Mayer: Cops in the City. Ed McBain und das 87. Polizeirevier“]. Das „Lesebuch Frank Göhre“ lässt einen kleinen Blick in das Leben und Schaffen dieses einmaligen Autors zu.

Walter Gödden, Jahrgang 1955, ist Literaturwissenschaftler, Hochschullehrer an der Universität Paderborn, führt die Geschäfte der Literaturkommission für Westfalen und ist wissenschaftlicher Leiter des Museums für Westfälische Literatur Haus Nottbeck. (tp)

Walter Gödden, Walter (Hg): Lesebuch Frank Göhre. 2015, 158 S., 12 s/w Fotos, im Anhang: Nachwort von Walter Gödden, Aisthesis Verlag (Nylands Kleine Westfälische Bibliothek, Bd. 56),  8,50 Euro.


 

51oDFWoF+ML._SX339_BO1,204,203,200_Wien-Thriller bei Graham Greene und Josef Haflinger

Grundlage dieser Arbeit ist nicht die Betrachtung des Wien-Krimis als Lokalkrimi, sondern die Frage, ob „Der dritte Mann“ von Graham Greene und „Opernball“ von Josef Haflinger als Detektiv-/Kriminalroman oder als Thriller einzuordnen sind. Neben den (üblichen) Ausführungen zur Historie des Kriminalromans werden fast 50 Merkmale, unterteilt in drei Hauptkriterien (Handlungsmerkmale, Figurenmerkmale und Räume- & Gegenstandsmerkmale), zur Definition Detektiv-/Kriminalroman oder Thriller herangezogen. Auch die Betrachtung der Verfilmungen beider Thriller findet Eingang in Sandra Jankovics Untersuchung, die sich stark an Peter Nussers Standardwerk „Der Kriminalroman“ als wegweisende Fachliteratur orientiert.

Inhalt: 1: Einleitung. 2: Der Kriminalroman (Historischer Hintergrund / Allgemeine Definition / Trivialliteratur vs. Kriminalliteratur / Kriminalliteratur vs. Verbrechensliteratur – Eine Abgrenzung. 3: Detektivroman und Thriller (Der Detektivroman / Der Thriller / Definitorische Abgrenzung von Detektivroman und Thriller / Aufbau und Handlung / Handlungsstrukturen und Spannungsentwicklung / Figuren / Räume und Gegenstände). 4: Die beiden Wien-Thriller (Graham Greene – Der dritte Mann – Kurzinhalt / Josef Haslinger – Opernball – Kurzinhalt). 5: Allgemeine Thrillermerkmale in der Literatur – Ein Vergleich (Handlungsmerkmale / Figurenmerkmale / Räume- und Gegenstandsmerkmale). 6: Film vs. Literatur (Der Kriminalfilm / Der dritte Mann – Film – Kurzinhalt / Unterschiede zwischen Roman und Film / Opernball – Film – Kurzinhalt / Unterschiede zwischen Roman und Film / Orte, die den Mystifizierungsprozess verstärken). 7: Thrillermerkmale –Film. 8: Conclusio. 9: Literaturverzeichnis. 10: Anhang.

Sandra Martina Jankovic, geboren 1986, studierte in Wien auf Lehramt Deutsch und Geschichte. Seit 2009 ist sie Lehrerin in Schwechat. (tp)

Jankovic, Sandra: Fear – Crime – Thrill. Wien-Thriller bei Graham Greene und Josef Haflinger. 2014, 120 S., Omniscriptum (AV Akademikerverlag),  39,90 Euro.


 

51H4VFeDSXL._SX355_BO1,204,203,200_Le film noir français. Figures, mythologies, auteurs

Ein Nachschlagewerk zu den besten französischen Kriminalfilmen, welches der Verlag Gremese International 2015 zeitgleich in einer französisch- und einer italienischsprachigen Version veröffentlichte. Die Analyse verschiedener ausgesuchter Filme folgt nicht einer Chronologie, sondern ist nach Themen gegliedert. Die einzelnen Kapitel wurden jeweils von einem der Autoren geschrieben. Wer sich mit den Grundzügen und der Historie des französischen Kriminalfilms vertraut machen möchte, dem bietet „Le film noir français / Il cinema noir francese“ eine knappe wie gelungene Handreichung. (tp)

Bantcheva, Denitza / Chiesi, Roberto: Le film noir français. Figures, mythologies, auteurs. 2015, 160 S., 100 s/w und farbige Fotos. Gremese International,  19,50 Euro. (Auch als italienische Ausgabe.)


 

51EyQlExRMLUn soupçon de crime. Représentation et médiatisations de la violence

Die Popularität der Kriminalliteratur hat, selbstverständlich, nicht vor Radio, Film und Fernsehen haltgemacht. Es vergeht kein Tag, an dem man nicht Krimihörspiele und/oder Kriminalfilme in den Medien verfolgen kann. In „Un soupçon de crime“ hinterfragen die Herausgeber, unterstützt durch zahlreiche Essays, wie sich die Darstellung von Kriminalität und Gewalt auf das Auditorium auswirkt. Werden Kriminalität und Gewalt in den Medien nur als Schauspiel behandelt oder kann es durch die Darstellung auch zu einer Beeinflussung der öffentlichen Meinung kommen?

Inhalt: Suzanne Bray / Gérald Préher: Introduction / Isabelle-Rachel Casta: Spectacularisation du cime: Une propédeutique du mal? /Suzanne Bray: Le polar contre la tyrannie. „Les Origines du roman policier“ de Dorothy L. Sayers comme texte de propagande en temps de guerre / Véronique Elefteriou-Perrin: En marge de l’ordre social. La déjudaïsation de crime à l’écran / Caroline Caulier: „Do the Right Thing“. La violence comme moyen d’expression et de reconnaissance? / Julie Assouly: „Farog“, 1996/2014. „Regeneration through violence“ / Jean-Claude Mailhol: La tragédie domestique élisabéthaine, théâtre de multiples formes de violence / Erika Dupont: L’œuvre de Paul Nash (1889-1946) durant la Seconde Guerre mondiale. Art dégénéré ou art régénéré? / Catharine Vialle: Meurtre dans le camp assyrien. Judith et la décapitation d’Holopherne en perspective / Jérôme Roudier: Sinigaglia, le chef-d’œuvre du crime politique de César Borgia vu par Machiavel, témoin et relateur / Bochra Charnay: Les violences banales des contes traditionnels oraux. Du cannibalisme au meurtre à l’inceste / Gérald Préher: Une archéologie de la violence américain. L’exemple de Shirley Ann Grau / Ruth Fialho: „Monsters preying on weaker monsters“ ou le crime en question dans „The Real Cool Killers“ de Chester Himes / Françoise Clary: Les enjeux éthiques d’une philosophie de la violence criminelle. „Lord of Dark Places“ de Hal Bennett / Heta Rundgren: Des héroïnes violentes et du „normâle“ chez Stieg Larsson et Virginie Despentes / Cathy Leblanc: Considérations éthiques et politiques des récits de la déportation / Fabienne Portier-Le Cocq: La violence en milieu universitaire. (tp)

Bray, Suzanne / Préher, Gérald (Hg): Un soupçon de crime. Représentation et médiatisations de la violence. 2014, 316 S., L’Harmattan (Audiovisuel et communication),  32 Euro.


 

519+HZz4YpLTelevision’s Female Spies and Crimefighters

Karen A. Romanko legt mit „Television’s Female Spies and Crimefighters“ das erste Kompendium zu über 350 weiblichen Spionen, Ermittlerinnen, Polizistinnen, Privatdetektivinnen, FBI-Agentinnen und Superhelden vor, die seit den 1950er Jahren in (amerikanischen) Fernsehserien und –filmen agierten. Alphabetisch gegliedert nach Serien, gibt Romanko eine Kurzfassung des jeweiligen Films, des Plots sowie Kurzfassungen von wichtigen Kritiken. Ein kurzer Blick auf Entstehung und Entwicklung weiblicher Ermittler und Spione in TV-Filmen und –Serien führt in ihr Nachschlagewerk ein.

Inhalt: Preface: What’s in This Book / Introduction: A Brief History of Female Spies and Crimefighters on Television / Television’s Female Spies and Crimefighters by Character Name and Series Title / Appendix: The Most Rewatchable Televion Shows on DVD (Female Spies and Crimefighters Edition) / A Note on Sources / Index.

Karen A. Romano ist Bibliothekarin und schreibt unter anderem über Science Fiction Filme und TV-Serien für „Publishers Weekly“, „American Libraries“ und „Library Journal“. (tp)

Romanko, Karen A.: Television’s Female Spies and Crimefighters. 600 Characters and Shows, 1950s to the Present. 2016, 256 S., 22 Farbfotos, McFarland, $ 35,00.


 

Download (4)Top-Spione im Westen. Spitzenquellen der DDR-Aufklärung erinnern sich

Spionage gegen Freund und Feind gleichermaßen – das wissen wir heute – war und ist für die Regierungen der Welt und ihre Geheimdienste eine Selbstverständlichkeit. Auch im Kalten Krieg war sie ein probates Mittel, politische Interessen und damit das Mächtegleichgewicht zu wahren. Die Hauptverwaltung Aufklärung, kurz HV A – der Auslandsnachrichtendienst der DDR – positionierte etliche Spione in den Schaltstellen westdeutscher Politik  und Wirtschaft: BND, Auswärtiges Amt, Bundestag und Europa-Parlament, Verteidigungsministerium um NATO-Hauptquartier, selbst die Kernforschung war infiltriert. Viele dieser Agenten, von Haus aus zumeist in bürgerlichen Berufen fest etabliert, handelten aus Überzeugung. Für dieses Buch erzählen sie ihre Geschichte: Wurden sie rekrutiert oder gingen sie aus eigenem Antrieb zum Geheimdienst? Wie lebten sie als Spione? Welche zwischenmenschlichen, moralischen und emotionalen Schwierigkeiten brachte ihre Tätigkeit mit sich? Und was geschah nach ihrer Enttarnung bzw. nach dem Ende der DDR? Aspekte wie die Rekrutierung unter „fremder Flagge“, Nachrichtentechnik und die Verwachsungen zwischen Wirtschaft und Politik werden beleuchtet. …

In ihrem Vorwort singen zwei ehemalige, in der Hierarchie des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) weit oben angesiedelte Funktionäre und stellvertretende Minister, das hehre Lied der „Kundschafter des Friedens“. Dieser Euphemismus sollte den (Arbeits-)Unterschied gegenüber den „Agenten des Kapitalismus“ klar machen. In ihrem Vorwort zu den persönlichen Berichten über Antrieb, Motivation und Gemütslage dieser „Kundschafter des Friedens“ von Werner Großmann (Chef der HV A) und Wolfgang Schwanitz (Leiter des Amtes für Nationale Sicherheit), wird unter anderem argumentiert, dass diese Erinnerung „jene Generationen, die keine lebendige Erinnerung an die DDR haben, ein Bild von dieser ‚zweiten deutschen Diktatur‘ vermitteln sollen“. Natürlich ist diese „zweite deutsche Diktatur“ eine grundfalsche Darstellung, gegen die man ankämpfen muss, „deshalb legen wir Zeugnis ab, solange es geht, darum gibt es Bücher wie dieses“. Schillernde und bekannte „Kundschafter“ wie Klaus Kuron, Günter und Christel Guillaume oder „Topas“ Rainer Rupp und viele weitere legen hier ihre Erinnerungen dar resp. Bekenntnisse ab.

Inhalt: Vorwort von Werner Großmann und Wolfgan Schwanitz / Johanna Olbrich: Ich wurde Sonja Lüneburg / Ulrich Steinmann: Rüstungswettlauf / Hans-Joachim und Marianne Bamler: Die erste NATO-Residentur / Karl Gebauer: Projekt „Tenne“ / Rainer Rupp: NATO – mittendrin / „Harry“: Auch in der Haft nicht allein / Klaus von Raussendorff: Die Schlacht ist noch zu gewinnen / Heinz H. Werner: Die „Kunst“ des Dechiffrierens / Doris und George Pumphrey: Ein langer Weg zur DDR … / Alfred Spuhler: Ein Brief an die Familie und an die Freunde / Ludwig Spuhler: Peter und Florian – das Top-Team / Dr. Harald Gottfried: Unmittelbar am Reaktor / Dr. Johannes Koppe: Janusköpfige Atomforschung / Dieter Popp: Asriel und Aurikel – Primeln wachsen auch im Geheimen / Klaus Kuron: Vom BfV zur HV A / Inge und Heinz Baude: Zwei aus der „Aktion 100“ / Dieter W. Feuerstein: „Die Toten bleiben jung“ / Heinz D. Stuckmann: Die große Kaderschmiede / Hans Voelcker: … und wieder in Paris / Dr. Gabriele Gast: Isolationsfolter / Wolfgang Hartmann: Wolff war’s nicht, es war Wolf / Herbert Willner: Als Ghostwriter Verheugens / Peter Wolter: Agentenromantik? / Günter und Christel Guillaume: Im Dachstübchen des Olymp / Dieter Görsdorf: Von der Volksmarine zur Bundesmarine und zurück / Lorenz Betzing: Im Regierungsbunker / „Robert“: Ein Amerikaner in der BRD / „Loni“: Spur – hinterlassene Zeichen.

Klaus Eichner, geboren 1939, ist Diplom-Jurist und war von 1957 bis 1990 Mitarbeiter des MfS – zunächst in der Spionageabwehr, später in der HV A. Dort wirkte er seit 1974 als Analytiker, spezialisiert auf US-Geheimdienste. Ab 1987 Leiter des Bereichs C (Auswertung und Analyse) der Abteilung IX (Gegenspionage).

Gotthold Schramm, geboren 1932, ist Diplom-Jurist und war von 1952 bis 1990 Mitarbeiter des MfS, seit 1954 in der HV A (mit einem Intermezzo bei der Spionageabwehr 1963-1969). Ab 1969 verantwortlich für die Sicherheit der DDR-Auslandsvertretungen, zuletzt als Stellvertretender Leiter der Abteilung IX, ab 1986 Leiter der Abteilung XVIII (Zivile Verteidigung). (vt & tp)

Eichner, Klaus / Schramm, Gotthold (Hg): Top-Spione im Westen. Spitzenquellen der DDR-Aufklärung erinnern sich. 2016 (überarb. Neuausgabe), 399 S., Verlag Das Neue Berlin,  18,99 Euro.


 

Download (5)Glenny, Misha: Der König der Favelas

Seit 2011 sitzt Antônio Francisco Bonfim Lopes, in der Favela Rocina von Rio de Janeiro allgemein unter dem Namen Nem bekannt, im Gefängnis. Aus einem ehemals guten Schüler wurde einer der berüchtigtsten Drogenbosse Brasiliens. Sein Organisationstalent und seine Loyalität ließen den nach außen liebevollen Familienvater in der Hierarchie der Favela-Unterwelt so weit aufsteigen, dass er schließlich der Boss der Bosse der „Amigos dos Amigos“ wurde – der größten und berüchtigtsten Verbrecherorganisation Brasiliens. Mit seiner Verhaftung im November endete die Gangsterkarriere des Bosses der Bosse. Sein Versuch, sich dieser Verhaftung zu entziehen, wurde das Medienereignis in Brasilien. Neben seinen Recherchen, Gesprächen mit Bewohnern der Favela, Politikern und den Ermittlern und Fahndern hatte der Journalist Misha Glenny Gelegenheit, „Nem“ in insgesamt zehn Interviews im Gefängnis zu befragen. Aus diesen Recherchen und Befragungen ist ein aufschlussreicher Bericht über die schlagkräftige Unterwelt und Parallelgesellschaft Rio de Janeiros und die sozialen Knackpunkte und Ungerechtigkeiten des südamerikanischen Staates geworden. — Siehe auch den CrimeMag-Beitrag von Tobias Gohlis.

Misha Glenny, geboren 1958, ist Journalist, Autor mehrere Sachbücher und anerkannter Experte für das internationale organisierte Verbrechen. Er schreibt regelmäßig für den „Guardian“, den „Observer“ und die „New York Times“. Zudem fungiert er als informeller Berater für die Regierungen von England und den Vereinigten Staaten. (tp)

Glenny, Misha: Der König der Favelas. Brasilien zwischen Koks, Killern und Korruption. 2016, 409 S., 4 Karten, 25 Farbfotos auf Tafeln, im Anhang: Die Polizeikräfte von Rio de Janeiro / Glossar, (Nemesis. One Man and the Battle for Rio, Ü.v. Dieter Fuchs), Tropen Verlag (Klett-Cotta),  22,95 Euro.


 

Download (6)McDermid, Val: Anatomie des Verbrechens. Meilenstein der Forensik

Bestsellerautorin Val McDermid wagt sich aus ihrem angestammten Krimi- und Thriller-Terrain hinaus, um über reale Verbrechen zu berichten. Die schottische Autorin wirft einen Blick auf die Historie, Entwicklung und den aktuellen Stand der Forensik. Diese Gattung der Kriminologie scheint ihr eine Herzensangelegenheit zu sein. In einem Interview sagt sie: „Nur weil es die Anwendung der Wissenschaft zur Aufklärung von Verbrechen überhaupt gibt, kann ich einer gewinnbringenden Tätigkeit nachgehen.“ In zwölf höchst lesenswerten Kapiteln blättert Val McDermid in der Geschichte von gut 200 Jahren forensischer Wissenschaft. Zwar verfasste bereits 1247 ein chinesischer Beamter „Aufzeichnungen zur Tilgung von Ungerechtigkeit“, einen Aufsatz über den Umgang und die korrekte Untersuchung von Leichen, dennoch dauerte es bis zum 19. Jahrhundert, bis Beweismaterial gerichtsrelevant wurde. Und erst 1918 wurde das erste gerichtsmedizinische Institut in New York gegründet. Die oben erwähnten 12 Kapitel widmet Val McDermid den Spezialisten der Forensik und lässt diese zu Wort kommen. Es werden an Beispielen zahlreiche Fälle vorgestellt und in verständlicher Form die entsprechenden Methoden zur Erlangung gerichtsbelastbarer Ergebnisse dargelegt. Die Fallbeispiele werden mit, meist schwarz-weißen, Abbildungen und Fotos illustriert und mit entsprechenden Zitaten ergänzt. Eine Aufstellung ausgewählter wichtiger weiterführender Literatur schließt die „Anatomie des Verbrechens“ ab. Dass Val McDermid für ihren Ausflug in die Beschreibung der forensischen Wissenschaft sachkundige Hilfe benötigte, um dieses Buch so schreiben zu können, wie es jetzt vorliegt, lässt sie den Leser in ihrer Danksagung an u.a. die Rechercheure Anne Baker und Ned Pennant Rea wissen. Krimifans sei die „Anatomie des Verbrechens“ herzlich empfohlen, um gerichtsmedizinische Beschreibungen in fiktionalen Texten kritisch zu prüfen.

Inhalt: Einleitung / 1. Der Tatort / 2. Spurensicherung am Brandort / 3. Entomologie, Forensische Insektenkunde / 4. Pathologie / 5. Toxikologie / 6. Fingerabdrücke / 7. Blutspuren und DNA / 8. Anthropologie / 9. Gesichtsrekonstruktion / 10. Digitale Forensik / 11. Forensische Psychologie / 12. Vor Gericht / Schlussbermerkung / Dank / Ausgewählte Bibliografie / Bildnachweise.

Val McDermid, 1955 im schottischen Krikcaldy geboren, war als Dozentin für englische Literatur und als Journalistin tätig. Die Schriftstellerin zählt weltweit zu den größten Namen der Spannungsliteratur. Ihre Krimis und Thriller wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt. Für ihr Lebenswerk erhielt sie den „Diamond Dagger“, die höchste Auszeichnung für Kriminalliteratur in Großbritannien. (tp)

McDermid, Val: Anatomie des Verbrechens. Meilenstein der Forensik. 2016, 374 S., zahlreiche s/w Abbildungen und Fotos, 19 Farbfotos auf Tafeln, (Forensics – The Anatomy of Crime, Ü.v. Doris Styron), Knaus Verlag,  14,99 Euro.


 

Download (7)Mordsgifte. Ein Toxikologe berichtet

Rechtsmedizinische Institute in Deutschland sind in der Regel Teile der Medizinischen Fakultäten der Universitäten. Diese Rechtsmedizinischen Institute gliedern sich meist in drei große Abteilungen: Die Forensische Abteilung (Obduktionen, Histologie, Leichenschau, Einsätze bei Leichenfundorten, Untersuchung der Täter, medizinische Gutachten). Die Forensische Genetik ist eine weitere Abteilung (Begutachtung biologischer Tatortspuren, Identifizierung unbekannter Toter, aber auch Vaterschaftstests). In der dritten Abteilung, der Forensischen Toxikologie, arbeiten Naturwissenschaftler (Chemiker, Pharmazeuten, Lebensmitteltechniker und Biologen). Die Autoren Mußhoff und Heß geben in ihrem Buch einen aufschlussreichen Blick in ihre tägliche Arbeit. In ihrem ursprünglichen Arbeitsfeld, der Leichentoxikologie, arbeiten sie immer noch. Doch inzwischen ist der Arbeitsanteil mit der Untersuchung an Lebenden eindeutig der überwiegende Teil. „Suff, Sex, Gewalt und Drogen, damit verdienen wir unser Geld“ lautete die Arbeitsplatzbeschreibung eines Kollegen. Und es scheint, als ob diese „Arbeitsplatzbeschreibung“ ihre Berechtigung hat: Beeinflusst durch Alkohol, Drogen und/oder Medikamente, nimmt ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung am Straßenverkehr teil, andere wiederum begehen unter Einfluss der verschiedensten Substanzen Straftaten oder verabreichen anderen Substanzen, wie zum Beispiel K.O.-Tropfen, um sie gefügig zu machen. Die beiden Autoren geben in „Mordsgifte“ ein ausführliches und aufschlussreiches Bild ihrer täglichen forensischen Recherchen, deren Aufbereitung und schließlich der vor Gericht von ihnen zu vertretenden entsprechenden Gutachten als Sachverständige. Zu den einzelnen Kapiteln haben Mußhoff und Heß eine umfangreiche Auswahl weiterführender Literatur zusammengestellt.

Inhalt: Was macht ein forensischer Toxikologe? Eine persönliche Einleitung / Tödliche Chemie – Einige frühe Klassiker / Pflanzliche Gifte / Synthetische Gifte / Alkohol und giftige Gase / Medizinisches Personal – Sterbehilfe und Mord / K.-o.-Mittel und ihre Folgen / Politisch motivierte Giftanschläge / Epilog – Toxikologen im Wettlauf mit der Zeit / Literaturhinweise und Quellen.

Prof. Dr. rer. nat. Frank Mußhoff ist im In- und Ausland als Sachverständiger vornehmlich für Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte tätig. Er studierte Biologie in Düsseldorf, wo er 1990 in das dortige Institut für Rechtsmedizin eintrat und promovierte. 1996 übernahm er die Leitung der Forensischen Toxikologie am Institut für Rechtsmedizin in Bonn. Seit Januar 2013 ist er einer der beiden Leiter des Forensisch Toxikologischen Centrums München. Er ist Mitglied nationaler und internationaler Fachgesellschaften und Autor von mehr als 170 Fachaufsätzen, zahlreicher Buchbeiträge sowie Mitherausgeber von Fachbüchern rund um die Forensische Toxikologie.
Dr. rer. nat. Cornelius Heß ist seit 2013 Leiter der Abteilung Forensische Toxikologie am Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn. Nach dem Studium der Pharmazie in Bonn arbeitete er im Rahmen seiner Diplomarbeit am Institut für Biochemie und Dopinganalyse der Deutschen Sporthochschule Köln. Während seiner Promotion beschäftigte er sich mit dem Nachweis von Insulin – als Gift eingesetzt gilt dieses noch immer als schwer aufspürbar. (tp)

Mußhoff, Frank / Heß, Cornelius: Mordsgifte. Ein Toxikologe berichtet. 2014, 333 S., Bastei Lübbe Taschbuch 60803 (True Crime),  9,99 Euro.


 

51eavyme5lL._SX323_BO1,204,203,200_Tatort Bibliothek. Bücherklau und Seitenraub

Das Stehlen von Büchern aus Bibliotheken, Büchereien und Buchhandlungen ist so alltäglich wie das Amen in der Kirche. Ein beliebtes Klischee sieht als infrage kommende Täter gerne die Bibliotheksangestellten und, man höre und staune, ausgerechnet Jura-Studenten. Nun, dem ist nicht so. Selbstverständlich gibt es unter denen, die, man möchte sagen fast schon berufsmäßig, Bücher entwenden, auch Bibliothekare und Studenten. Die beiden Autorinnen haben deutschsprachige Presseberichte aus den Jahren 1990 bis 2012 ausgewertet und kommen zu dem Ergebnis, dass der typische Täter männlich ist, und während der Tatzeit zwischen 24 und 71 Jahren alt und gebildet ist. Er handelt meist allein. Banden, die sich auf Bücherklau spezialisiert haben, handeln meist im Auftrag. In insgesamt 6 Kapiteln werden recherchierte Diebstahlfälle geschildert. Die beiden Autorinnen haben dazu die entsprechenden Presseberichte systematisiert und liefern dazu auch noch die Geschichten hinter den Taten. Hervorragend erschlossen wird „Tatort Bibliothek“ durch umfangreiche Literatur- und Quellenverzeichnisse sowie Bibliographie und Verzeichnisse der Fälle. Im Anhang werden die ausgewerteten Medien, nebst deren URLs, aufgeführt. „Tatort Bibliothek“ dürfte durch die Fülle der dokumentierten Einzelfälle zu einem unverzichtbaren Handbuch für Bibliothekare und Bibliotheksmitarbeiter gehören.

Inhalt: Spurensuche Bibliotheksdiebstahl (1: Gestohlen, versteckt, verstellt? 2: Gezählt, verschätzt, vermutet? 3: Veröffentlicht?) / Tatszenarien (1: Diebstahl durch Kunden während der Öffnungszeit. 2: Seitenraub und Buchfledderei. 3: Einbuchdiebstahl. 4: Diebstahl durch Mitarbeiter während der Arbeitszeit) / Täterpfrofile (1: Täter Bibliothekar. 2: Täter Student. 3: Täter Historiker, Lehrer, Buchhalter … 4: Täter kriminelle Banden) / Tatopfer, Tatbeute, Tatmotive / Tatverfolgung (1: Entdeckt und gestellt. 2: Aufgeklärt und verurteilt) / Spannungsfeld Bibliotheksdiebstahl / Anmerkungen / Literatur- und Quellenverzeichnis / Bibliographie der Fälle (1: Verzeichnis der Fälle. 2: Verzeichnis der ausgewerteten Medien. 3: Verfasser-, Titel- und Ortsregister).

Prof. Dr. phil. Andrea Nikolaizig lehrt seit 1992 an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig als Professorin am Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft.
Conny Schwarzer ist seit Mai 2014 Bibliothekarin an der Erziehungswissenschaftlichen Zweigbibliothek der Universität Erlangen-Nürnberg mit zusätzlichen Tätigkeiten für die Schulgeschichtliche Sammlung der Universität. (tp)

Nikolaizig, Andrea / Schwarzer, Conny: Tatort Bibliothek. Bücherklau und Seitenraub. 2014, 203 S., BibSpider Verlag,  26,80 Euro.


 

Download (9)Die Woche bringt es an den Tag

Erstmals am 25. Juli 1968 erschien in Regensburg die Boulevardzeitung „Die Woche“, gern auch als die „Bildzeitung Regensburgs“ belächelt. Jedenfalls fand dieses Wochenblatt reißenden Absatz, man darf spekulieren, ob es an den leicht bekleideten Damen auf der ersten Seite lag, oder den recht reißerischen Aufmachern („Keuschheitsgürtel für Regensburg“, „Die Mordnacht im Freudenhaus“). Für zunächst 50 Pfennig (später dann 1,80 DM) pro Exemplar gab es Mord und Totschlag in dem Maße, wie es das brave Konkurrenzblatt „Mittelbayerische Zeitung“ nicht liefern konnte. Nach 30 Jahren war dann Schluss für die einzig wöchentlich erscheinende regionale Boulevardzeitung Deutschlands, die sich über Regensburg hinaus bis in die Oberpfalz und nach Niederbayern gut verkaufte. Der damalige Chefredakteur Josef Titz und sein langjähriger Mitarbeiter Manfred Rohm haben 100 der, ihrer Meinung nach, besten Geschichten ausgewählt, getreu nach ihrem Credo: „Vier Effekte muss eine Zeitung bedienen: Den Sensationseffekt, den Empörungs- und Mitleidseffekt und den Schmunzeleffekt.“

Manfred Rohm war schon zehn Jahre lang als Volontär und Redakteur unterwegs, als er 1980 zur „Woche“ kam. Heute arbeitet er als freier Autor und als ehrenamtlicher Öffentlichkeitsarbeiter in der Seniorenarbeit.
Josef „Jupp“ Titz war die „Woche“. Als jüngster Chefredakteur Deutschlands hat er 1968 die Zeitung mit 29 Jahren mitgegründet und sie fast bis zum Schluss geleitet. (tp)

Rohm, Manfred / Titz, Josef: Die Woche bringt es an den Tag. Die 100 besten Geschichten, Regensburger und Oberpfälzer Skandale aus 30 Jahren. 2015, 212 S., farbige Fotos, MZ Buchverlag (Gietl Verlage), 29,90 Euro.


 

Download (10)Die Bestie aus dem Wald

Fritz Haarmann (der „Schlächter von Hannover“), Peter Kürten (der „Vampir von Düsseldorf“), Karl Denke („Papa Denke“) oder Karl Großmann (die „Bestie vom Schlesischen Bahnhof“) sind die Namen, die jedem spontan einfallen, fragt man nach deutschen Serienmördern. Fast unbekannt aber ist Adolf Seefeld, genannt „Onkel Tick-Tack“, ein reisender Uhrmacher und Hausierer zur Zeit der Weimarer Republik. Mit seinem Auftauchen in der Gegend um Schwerin und um Berlin gehen ungeklärte Vermisstenfälle und Leichenfunde von Jungen einher. Seefeld hatte ganz offensichtlich die Gabe, äußerst vertrauensvoll auf Knaben zu wirken. Der Schweriner Staatsanwalt Beusch nimmt Kontakt zu Ernst Gennat, einem bekannten Berliner Kriminalisten und Ermittler auf. Ihm gelingt es, die Mordserie zu stoppen und Adolf Seefeld dingfest zu machen und der Taten zu überführen. Frank-Rainer Schurich und Michael Stricker haben Fallakten, Fachliteratur und Zeitungsberichte jener Zeit ausgewertet und präsentieren mit „Die Bestie aus dem Wald“ eine vollständige Darstellung der Mordserie in erzählerischer Form.

Inhalt: Vorwort / 1. In Schwerin geht die Angst um: Zwei Jungen werden vermisst / 2. Die Jagd nach dem Knabenmörder: Festnahme in Wutzetz / 3. Die Welt des Adolf Seefeld: Geheimnisse im Nebel / 4. Akribische Ermittlungen: Nur das Geständnis fehlt. / 5. Das Schwurgericht tagt: Todesstrafe für Adolf Seefeld / 6. Nach dem Urteil: Der Knabenmörder packt aus / Literatur.

Frank-Rainer Schurich, geboren 1947, lehrte als ordentlicher Professor für Kriminalistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 1994 ist er freier Autor und arbeitet regelmäßig bei der Berliner Kripo.
Michael Stricker studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Abschluss Diplom-Kriminalist. (tp)

Schurich, Frank-Rainer / Stricker, Michael: Die Bestie aus dem Wald. 2015, 134 S., zahlreiche s/w Abbildungen und Fotos, Karten, Verlag Dr. Köster (Historischer Kriminalfall, Bd. 1), 9,95 Euro.


 

51jgF+H-xiL._SX360_BO1,204,203,200_Der Serienmörder Adolf Seefeld und die moderne Kriminalistik

Eine wesentlich ausführlichere Darstellung der Mordserie des reisenden Uhrmachers Adolf Seefeld, ihrer Aufklärung und der gerichtlichen Würdigung.

Inhalt: Remo Kroll: Vorbemerkung / Vorwort. – Teil I: Die Bestie aus dem Wald (In Schwerin geht die Angst um: Zwei Jungen werden vermisst / Die Jagd nach dem Knabenmörder: Festnahme in Wutzetz / Die Welt des Adolf Seefeld: Geheimnisse im Nebel / Akribische Ermittlungen: Nur das Geständnis fehlt. / Das Schwurgericht tagt: Todesstrafe für Adolf Seefeld / Nach dem Urteil: Der Knabenmörder packt aus) – Teil II: Die Spurensuche geht weiter (Mordverdacht, aber keine Beweise, 1893-1930 / Das „Geständnis“, 1936 / Die Todesursachen – Legenden und Wahrheiten, 1933-2015 / Irrtümliche Verhaftungen, 1929-1930 / Taktische Fehler, 1935 / Anlockungen, 1928-1935 / „Sachverständige“ melden sich, 1935-1936 / Die „Systemzeit“ ist verantwortlich, 1936 / Andermanns Gegendarstellung, 1936). – Teil III: Gutachterliche Stellungnahmen (1. Lutz Belitz: Meinungsäußerung zur angefragten möglichen Beeinflussung zu einem wahrheitswidrigen Geständnis des Adolf Seefeld in Form der vorliegenden Abschrift vom 8. Mai 1936 / 2. Walter Katzung: Das Seefeld-Gift – Versuch einer Deutung). – Anhang: (Anlage 1: Urteil des Schwurgerichtes in Schwerin in der Strafsache gegen den Uhrmacher Adolf Seefeld aus Potsdam wegen Mordes vom 22. Februar 1936 / Anlage 2: Bericht des Oberstaatsanwaltes Beusch vom 21. April 1936 über eine Vernehmung von Adolf Seefeld / Anlage 3: Bericht des Oberstaatsanwaltes Beusch vom 24. April 1936 über eine Vernehmung von Adolf Seefeld / Anlage 4: Das Geständnis des Adolf Seefeld vom 8. Mai 1936 / Anlage 5: Bericht des Oberstaatsanwaltes Beusch über die zahlreichen Vernehmungen von Adolf Seefeld nach Beendigung des Gerichtsverfahrens und vor seiner Hinrichtung vom 8. Mai 1936 / Anlage 6: Bericht des Oberstaatsanwaltes Beusch über das Geständnis des Adolf Seefeld vom 6. August 1936 / Anlage 7: Zusammenfassender Bericht über die Krankheitserscheinungen an der Leiche des Adolf Seefeld) / Literatur.

Kurz-Bio der Autoren siehe oben. (tp)

Schurich, Frank-Rainer / Stricker, Michael: Der Serienmörder Adolf Seefeld und die moderne Kriminalistik. 2015, 396 S., zahlreiche s/w Abbildungen und Fotos, Verlag Dr. Köster ( Schriftenreihe Polizei, Historische Kriminalistik, Bd. 1), 3-89574-875-7 / 978-3-89574-875-2, EURO 24,95

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