Geschrieben am 7. September 2011 von für Musikmag

Little Barrie: King Of The Waves

Little Barrie: King Of The WavesDramatik mit simplen Mitteln

– Auf den Spuren der Rocktugenden:  Little Barrie sind zurück, und Tobi Kirsch ist von dieser modernen Gitarrenmusik begeistert.

Vier Jahre hat es gedauert, bis diese Band wieder etwas Neues auf den Markt gebracht hat. Ich war sehr gespannt, hatte der Vorgänger „Stand Your Ground“ mit seiner Mischung aus Soul, Rock, Blues und Mod doch einen tiefen Nachhall hinterlassen. Schön zu hören, dass die Jungs nicht stehen geblieben sind. Sie haben zwar mit Edwyn Collins den gleichen Koproduzenten wie 2007, ansonsten ist der gesamte Zugang aber deutlich rauher und mit mehr Punch versehen.

Das merkt man gleich beim Opener „Surf Hell“, wo mit dem ersten Riff die Marschrichtung vorgegeben wird. Der Song könnte auch von Jesus & Mary Chain stammen, die hätten sich wahrscheinlich den mehrstimmigen Vocalpart in der Bridge gespart. Ansonsten ist der Song aber rough und melodiös auf charmante Art. Die Single „How Come“ springt einem mit der Gitarre nicht ganz so ins Gesicht, treibt aber auch ordentlich nach vorne. Ein schöner Gitarrenpophit, der im Gedächtnis bleibt. Die dritte Nummer zeigt dann die musikalische Versiertheit der Band, die schon mit Primal Scream, besagtem Edwyn Collins und Paul Weller (wem sonst? – passt wie Arsch auf Eimer) gespielt haben. Spiritualized und die Chemical Brothers haben ihre Dienste auch schon in Anspruch genommen. Weiter geht’s mit „Precious Pressure“, einer etwas ruhigeren Nummer mit lässiger Attitüde. Hier werden Rocktugenden reanimiert, cool und dennoch nicht nervig wie etwa die schon immer überschätzten Gallagher-Brüder. Der Titelsong könnte sich in ein paar Jahren als echter Klassiker heraus stellen, er behandelt ein aktuelles Thema in Ohrwurmmanier.

Die Band sitzt auf dem Boden.

Mit dem sprachspielerischen Titel „Now We’re Nowhere“ zieht das Tempo wieder ordentlich an. Wieder wird die Kunst deutlich, Druck zu erzeugen und zugleich unglaublich groovy daher zu kommen. „Dream To Live“ ist eine schöne Ballade, bevor sich “ Tip It Over“ mit einer massiven Basslinie in den Vordergrund schiebt. Auch ein vergessenes Talent, das unter anderem auch Timber Timbre  beherrschen: Simple Mittel erzeugen einen großen Effekt – die Gegenbewegung zur Auto-Tune-Kasperei und vielen zu oft verwendeten Spielereien in am Computer erzeugten Hits. Die Nummer geht auf jeden Fall so richtig ab und könnte auf großen Rockbühnen den Leuten die Socken ausziehen. „I Can‘ Wait“ spielt mit schön kleinen perkussiven Einlagen am Schlagzeug, ist aber ansonsten recht konventionell ausgefallen.

So richtig zur Geltung kommen die Talente von Little Barrie aber auf Nummern wie „New Diamond Love“, wenn mit gedrosseltem Tempo und mehrstimmigem Refrain Dramatik erzeugt wird. Mit „Money In Paper“ wird der Kreis geschlossen, kräftiger Basssound wird mit zackigen Gitarrenlinien gebrochen, das Trio explodiert hier noch einmal richtig.

Insgesamt eine Platte, die Punkattitüde mit Soul, Blues und Rock mit Groove versöhnt. So sieht moderne Gitarrenmusik richtig gut aus.

Tobi Kirsch

Little Barrie: King Of The Waves. Bumpman (Groove Attack). Zur Homepage und zu MySpace.

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