Geschrieben am 17. September 2009 von für Musikmag

HEALTH: Get Color

HEALTH: Get ColorUngesund

Diese Band aus Kalifornien hat das Zeug, dem Noise-Faktor in der täglichen Popmusik wieder zu mehr Recht zu verhelfen. Von Tina Manske

In der Schriftsprache gelten Versalien als Ausdrucks des lauten Sprechens oder SCHREIENS. Wie passend also, dass sich HEALTH in Versalien schreiben, denn leise Töne sucht man hier vergebens. Mit jeder Faser ihres Seins suchen die neun Songs auf ihrem neuen Album die Konfrontation und gehen aufs Ganze. Ja, das hier ist Noise-Rock, aber man sollte nicht den Fehler machen und diese Musik in irgendeiner Weise für stumpf halten. „DEATH+“ zum Beispiel macht zwar soviel Krach, dass es für einhundert Kinderzimmer reicht, doch lohnt es sich genauer hinzuhören, um im Hintergrund das Schimmern der Elektronik nicht zu verpassen. „BEFORE TIGERS“ kommt einzig und allein mit zwei Akkorden aus, die regelmäßig von Distortion-Gitarren zersägt werden, während darüber eine geisterhafte Stimme schwebt, und das abschließende, grandiose „IN VIOLET“ lebt vom Tremolo eines Trümmerschlagwerks. Jeder Song hat mindestens eine Komponente, die so konsequent ausgeführt und gleichzeitig niedergetrampelt wird, dass das Auge vor Schreck trocken bleibt.

Tatsächlich trauen sich HEALTH aber auf „Get Color“ wenigstens ansatzweise Harmonien zu erzeugen, mehr jedenfalls als auf ihrem krachmeiernden selbstbetitelten Debüt. Auch der Gesang bildet einen Gegenpol, weil er sich an Folk-Acts wie Fleet Foxes zu orientieren scheint (obwohl, glaubt man Zeugen, die Live-Shows der Band auch nicht ohne blutige Stimmbänder vonstatten gehen). Trotzdem bleiben solch arhythmische Drum-Berserkereien wie das eröffnende „IN HEAT“ das Hauptalleinstellungsmerkmal dieser Band.

Mehr als eine gute halbe Stunde hält man das alles natürlich nicht aus, weswegen „Get Color“ (wieso eigentlich kleingeschrieben?) auch nur eine gute halbe Stunde dauert. Als „Wu Tang Clan des Noise-Pops“ werden HEALTH im Promoschreiben betitelt. Das ist gar nicht mal so falsch, denn diese Band aus Kalifornien hat das Zeug, dem Noise-Faktor in der täglichen Popmusik wieder zu mehr Recht zu verhelfen, und davon profitieren wir und unser Tinnitus doch gern.

HEALTH live:
12. Oktober, Wien, Arena (w/ Pictureplane)
13. Oktober, München, Atomic Café
14. Oktober Leipzig, Conne Island (w/ Fuck Buttons, Pictureplane)
15. Oktober Hamburg, Prinzenbar (w/ Fuck Buttons, Pictureplane)
16. Oktober Berlin, Festsaal Kreuzberg (w/ Pictureplane)
17. Oktober Köln, Gebaeude 9 (w/ Pictureplane)
18. Oktober Heidelberg, Enjoy Jazz (w/ Pictureplane)

Tina Manske

HEALTH: Get Color. City Slang/Cooperative Music (Vertrieb: Universal).

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