Geschrieben am 22. Februar 2012 von für Musikmag

Hanne Hukkelberg: Featherbrain

Hanne Hukkelberg: FeatherbrainSchönheit des Alltäglichen

– Wir befinden uns in einer norwegischen Küche. Der Mixer läuft auf Hochtouren, die Waschmaschine rumpelt vor sich hin und die Kaffeemaschine blubbert. Zwischen all diesen gewohnten alltäglichen Geräuschen taucht immer wieder eine Stimme auf. Eine bezaubernde Stimme. Eine weibliche Stimme.

Hanne Hukkelberg hat den Hörer ihren viertes Albums zu sich nach Hause eingeladen. Sie zeigt stolz die neue Küche, führt die Elektrogeräte vor und rundet die Hausführung mit dem Abwasch des Geschirrs ab.

So oder so ähnlich klingt zumindest ihr neues Album „Featherbrain“. Die Norwegerin bedient sich Klängen und Tönen, Geräuschen und Intervallen und vor allem ihrer zauberhaften Stimme. Die zehn Songs auf dem Werk der Musikerin spielen mit diesen Elementen. Nicht im Einklang, nicht gemeinsam und erst recht nicht gesamtkunstwerklich. Vielmehr ordnet Hukkelberg die Töne nebeneinander an. Sie setzt sie gekonnt konträr ein, verbindet scheinbar unmusikalische Geräusche mit Gesang und Rhythmen und schafft so ein Album, das durch seine Dissonanz beinahe wieder harmonisch wirkt. Hätten Hanne Hukkelbergs Songs eine Partitur, sie würde wohl aussehen wie ein „Punkte-Verbinden-Spiel“. Nichts will miteinander, alles will gegeneinander. Und doch entsteht eine kuriose Einheitlichkeit. Hukkelbergs Stimme ist das tragende Element. Sie setzt sich gegen jaulende Mixer und klappernde Kaffeemühlen durch und scheint mit Stolz ihren Haushalt zu zeigen.

Genau hier liegt die Krux. Ist „Featherbrain“ einerseits kein großartig herausstechendes Album, so muss man sich andererseits voll Ehrfurcht vor der Sängerin verbeugen. Sie schafft es, mit alltäglichen Geräuschen Lieder zu komponieren, bettet das Pfeifen eines Teekessels genauso in ihre Musik ein, wie das Rumpeln von Turnschuhen, die in der Waschmaschine Extrarunden drehen. Gesanglich erinnert Hukkelberg kurioserweise sehr an Dear Reader. Eine Verbindung, die sich nicht begreifen lassen will.

Hanne Hukkelberg hat mit ihrem vierten Album nicht die Welt verändert, doch sind die Arrangements und ihr Mut zur Schönheit des Alltäglichen mehr als bewundernswert.

Zu guter Letzt schwingt bei dieser Haushalts-Führung eine Leichtigkeit mit, die das Wäschewaschen zur entspannendsten Tätigkeit der Welt werden lässt, die Geschirrspülen zu einem reinen Vergnügen stilisiert und die die Liebe zum eigenen alltäglichen Haushalt wieder entflammen lässt. Danke Hanne.

Monique Schmiedl

Hanne Hukkelberg: Featherbrain. Propeller Recordings (Soulfood).

Tags :