Geschrieben am 31. August 2011 von für Musikmag

Beirut: The Rip Tide

Beirut: The Rip TideWeltmusik – im wahrsten Sinne

– Beiruts Zach Condon treibt es zurück in seine Heimat Amerika. Das hört sich von außen fröhlich an, lyrisch und  überhaupt bei näherer Betrachtung wird es intimer. Das neue Album „The Rip Tide“ bleibt dennoch vor allem eines: eine musikalische Reise durch die Welt, findet Janine Andert.

Der Weltreisende Zach Condon, Mastermind von Beirut, nimmt uns mit “The Rip Tide” zurück in seine Heimat Amerika. Aufgenommen in New York und Condons Heimatstädten Albuquereque und Santa Fe fügt sich das neue Album nahtlos in das bisherige Schaffen der Band ein. 2006, für „Gulag Orkestar“, scharrte Condon eine Band um sich. Auch Wunderkinder haben nur zwei Hände und können ein Superaufgebot an Instrumenten wie beispielsweise Mandoline, Trompete und Streicher nicht allein bedienen. Im Vordergrund stehen dennoch immer Condons persönliche Themen und die Musik, die er auf seinen Reisen entdeckt. So schufen Beirut mit zauberhafter Pop-Folklore und der wehmütigen Melancholie Osteuropas dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und dem „Rhineland“ ein Denkmal. Schnell feierten Musikpresse und Hörer die ungewöhnliche Soundcollage aus Balkan-Blasmusik und Indie-Pop. Das zweite Album „The Flying Club Cup“ spiegelte Condons Aufenthalt in Frankreich wider, indem das ohnehin schon pompöse Klangerlebnis um die Facette des Chansons bereichert wurde.

Immer wieder tauchen Reisestopps als Songtitel auf. Orte, die ihre Spuren lyrisch und musikalisch hinterlassen und im Herzen der Musik zum nächsten Ort mitgetragen werden. Beirut kreieren Weltmusik im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei grenzen sie sich vom herkömmlichen Multikultimusikprogramm ab. Der von Album zu Album freundlicher werdende Tenor hat so gar nichts mit Spartenmusik zu tun, sondern feiert die Vielfältigkeit des Lebens, vereint unterschiedliche kulturelle Wurzeln mit einem modernen Zeitgeist. Trotzdem vermitteln die herausstechenden Trompeten wie beim Opener „A Candle’s Fire“ etwas aus der Zeit Gefallenes. „Santa Fe“ markiert eine typische Ortsangabe, genauso wie der folgende Titel „East Harlem“. Und immer wieder die Bläserensembles. Allerdings sind das charmante Humpa-Humpa und die langgezogene Wehmut in den Hintergrund getreten, der französische Leierkasten fehlt. Stattdessen ist „The Rip Tide“ fröhlicher, heller und popaffiner als seine Vorgänger ausgefallen. Beirut bleibt seinem Sound treu. Wer die Band mag, den erwarten keine bösen Überraschungen, aber auch keine Neuheiten. Wenn schon zurück nach Amerika, wäre eine Mundharmonika doch ganz passend gewesen.

Janine Andert

Beirut: The Rip Tide. Pompeii Records/Forte (Indigo). Weiter zur Beirut Homepage, auf Facebook und myspace. Dazu das Album im Stream.

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