Posted On 15. Juni 2017 By In Crimemag, Film/Fernsehen With 101 Views

Film: Born to Be Blue

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Von Sonja Hartl

„It makes me happy“. Diese einfache, ehrliche Erklärung hat Chet Baker (Ethan Hawke) für seine Heroinsucht. Durch den Stoff wird er glücklich, gewinnt Selbstvertrauen und hat das Gefühl, er könne in jede Note, die er spielt, regelrecht hineinkriechen. Am Anfang von Born to Be Blue hat ihn seine Sucht in ein italienisches Gefängnis gebracht. Er liegt auf dem harten, kalten Betonboden und imaginiert eine Trompete, aus deren Schalltrichter eine große Spinne langsam hervorgekrochen kommt.

Dann wechselt der Film von Farbe zu Schwarzweiß, Chet erinnert sich an seinen Auftritt 1954 im Birdland in New York. Baker, der „James Dean des Jazz“, war zu der Zeit die Sensation im Jazz, der Weiße von der Westküste. Bei seinem Auftritt sitzen Dizzy Gillespie und Miles Davis im Publikum – und als er anschließend Davis nach seiner Meinung fragt, sagt dieser, es sei „sweet“ gewesen sei, „like candy“ und rät ihm, erst noch ein wenig zu leben, damit seine Musik Tiefe erreiche. Daraufhin stürzt sich Chet auf die Drogen – und es stellt sich heraus, dass diese Schwarzweiß-Bilder zu einem Film über Chets Leben gehören, der in dem Film gedreht werden soll. Er wäre für ihn abermals eine Chance, sein Leben in bessere Bahnen zu lenken und seiner Karriere neuen Schwung zu verleihen. Bei den Dreharbeiten lernt Chet zudem die Schauspielerin Jane (Carmen Ejogo, Selma) kennen, die seine Frau spielen soll. Als er mit ihr ausgeht, wird er von seiner Vergangenheit eingeholt: Wegen seiner Schulden wird er zusammengeschlagen und verliert dabei seine Zähne. Eigentlich bedeutet dies das Aus einer Karriere als Trompeter. Aber Chet übt wie ein Besessener. Er will es schaffen, er will wieder im Birdland auftreten – versucht sogar, mit Jane an seiner Seite clean zu bleiben.

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Die Einstellungen, in denen Chet in einer Badewanne sitzt, ihm das Blut aus dem Mund läuft und er immer wieder neu ansetzt, um einfachste Töne zu spielen, gehören zu den schmerzhaftesten des gesamten Films, der regelmäßig zwischen Schwarzweiß- und Farb-Sequenzen wechselt und der recht einfachen Struktur eines gefallenen Helden, der seinen Weg zurück in die Jazz-Welt schaffen will. Dabei erweist sich Chet Baker als besessener, egozentrischer und selbstzerstörerischer Mann, der nach eigener Überzeugung nur in einer Sache wirklich gut ist: Trompete spielen. Ethan Hawke ist redlich bemüht, diese Charaktereigenschaften auf die Leinwand zu bringen – aber obwohl er selbst seit 15 Jahren das Projekt verfolgt hat, einen Film über Chet Baker zu drehen, wirkt sein Trompetenspiel niemals born5überzeugend. Ihm gelingt nicht, was bei Don Cheadle in Miles Ahead so scheinbar mühelos wirkte: eine Jazz-Legende auf der Leinwand lebendig werden zu lassen. Trotz der bemerkenswerten äußerlichen Ähnlichkeit verschwindet Ethan Hawke niemals in der Rolle, sondern ist allzu präsent.

Darüber hinaus scheint Regisseur und Drehbuchautor Robert Budreau nicht genau zu wissen, ob er seinen Film als Biopic, Charakterstudie oder Jazz-Film anlegen will – und übersieht das größte Potential der Geschichte und der Erzählweise seines Films: Born to be blue hätte ein Film über Heroin und Jazz werden können, Charlie Parker und Miles Davis spielen ohnehin eine große Rolle in Chet Bakers Leben, hier hätte der Schwerpunkt nur weg von der Liebes- hin zu der Musikgeschichte gelegt werden müssen. Zumal der Film bereits gute Einblicke in das Musikgeschäft liefert – und die stärksten Szenen des Films diejenigen sind, in denen Bakers Musik zu hören ist. Stattdessen aber kondensiert der Film Chet Bakers Leben und Karriere in eine Comeback-Geschichte, verbunden mit einer vermeintlich tragischen Liebe und natürlich einem Vater-Sohn-Konflikt. Das ist einfach zu konventionell und zu schematisch, gerade in einem Film über Jazz.

Sonja Hartl

Dieser Beitrag erschien zuerst auf kino-zeit.de. Wer einen Überblick sucht, was sich im Kino lohnt und nicht nur Popcorn ist, ist dort bestens aufgehoben.


 

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