Geschrieben am 1. Juli 2022 von für Crimemag, CrimeMag Juli 2022, News

Fachtagung: Zur Ästhetik des Kriminalromans

Wasserschloss im Holzwickeder Ortsteil Opherdicke © Wiki-Commons

Öffentlichkeit trifft Literatur trifft Wissenschaft. Unter diesem Motto will Europas größtes internationales Festival für Kriminalliteratur „Mord am Hellweg“ anlässlich seines 10. Jubiläums im Herbst 2022 neue Akzente im Diskurs um den Kriminalroman setzen. 2002 als Biennale gegründet, hat das Festival von Beginn an neue Maßstäbe in der Interaktion mit diesem literarischen Genre gesetzt. Um dieser Vorreiterfunktion weiterhin gerecht zu werden, will das Festival vom 30. September bis 02. Oktober 2022 mit einer (öffentlich zugänglichen) Fachtagung zum Thema „Zur Ästhetik des Kriminalromans“ die Diskussion über die Qualität der Gattung, ihre Anerkennung und/oder mindestens (stärkere) Rezeption in der Wissenschaft und ihren Platz in der Literaturwelt entfachen bzw. antreiben.
Kuratoren: Oliver Bottini und Thomas Wörtche.

Zur Ästhetik des Kriminalromans
Öffentliche Fachtagung, 30. September bis 02. Oktober 2022

Haus Opherdicke Holzwickede (Kreis Unna)
Tagungshotel: Katharinen Hof, Ringhotel Unna
Lesungen (im Rahmen der Tagung): u.a. Rohrmeisterei Schwerte, Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Ringhotel Katharinenhof 

Warum eine Tagung zur „Ästhetik“ des Kriminalromans?

Trotz der prinzipiell anhaltenden hohen Konjunktur des Genres und erheblicher ästhetischer Qualitäten wird der „Krimi“ wegen seiner (angeblichen?) Klischeebehaftung und dem unterstellten Fehlen von literarischem „Niveau“ in Deutschland oft genug „von oben herab“ angeschaut, und zwar sowohl vom Feuilleton und der Literaturkritik als auch von der Literaturwissenschaft, die ihn – cum grano salis – eher als „Stiefkind“ behandelt, nicht differenzierend hin- oder gar ganz wegschaut.

Mit seiner Fachtagung möchte „Mord am Hellweg“ eine Debatte darüber auslösen, was, wenn es diesen indifferenten Zustand tatsächlich gibt, getan werden kann, ihn zu ändern, sowohl von der (kreativen) Produktions- als auch von der fachspezifischen Rezeptionsseite her. Sie möchte den teilnehmenden Fachleuten zudem Anstöße geben, in Seminaren, Bibliotheken, in Zeitungen und Hörfunksendern die Frage nach der „Ästhetik des Kriminalromans“ weiter zu verfolgen und auszudifferenzieren, um gegebenenfalls zu detaillierteren, vorwärtsweisenden Antworten zu kommen.

Die Veranstaltung richtet sich dabei selbstverständlich an Autor*innen, aber in erster Linie auch an Germanist*innen, vergleichende Literaturwissenschaftler*innen, Lektor*innen und Verleger*innen, an Literaturredakteur*innen diverser Medien, an Blogger*innen, Buchhändler*innen, Fach(krimi)- sowie allgemeine Literaturkritiker*innen und Feuilletonist*innen. Zugleich soll sie für ein krimiaffines, auch an (wissenschaftlicher) Literaturkritik interessiertes Publikum zugänglich sein. Außerdem soll die Tagung durch Lesungen und Gespräche mit nationalen und internationalen Autor*innen auf öffentlichen Abendveranstaltungen ergänzt werden, um so die ästhetische Diversität der Gattung Kriminalroman zu demonstrieren.

Hochkarätige Gäste werden erwartet. Zugesagt haben als Autor*innen Bernhard Aichner (Österreich), Petros Markaris (Griechenland), Garry Disher (Australien), Sara Gran (USA), Denise Mina (UK), Dror Mishani (Israel), Friedrich AniElisabeth Herrmann und Merle Kröger aus Deutschland. Ebenso haben folgende Literaturwissenschaftler*innen, -kritiker*innen und Lektor*innen ihre Teilnahme bestätigt: Prof. Dr. Urszula BonterDr. Wolfgang BryllaThekla DannenbergJoachim FeldmannTobias GohlisDr. Nele HoffmannProf. Thomas Kniesche, Elmar Krekeler und Tatjana MichaelisAntje DeistlerAndrea GerkSonja HartlRebecca Link und Ulrich Noller werden Panels moderieren. Für die verschiedenen Panels sollen außerdem Teilnehmer aus der Literaturwissenschaft, den Verlagen, Bibliotheken und dem Buchhandel und natürlich der Literatur- bzw. Krimikritik gewonnen werden.

Vor, zwischen und nach den Diskussionen wird es beim Come-together, beim Mittagsimbiss, beim Kaffeetrinken oder beim „Après-Crime“ an der Hotelbar viel Zeit und Möglichkeiten geben, untereinander und mit unseren Gästen ins Gespräch zu kommen. Ist die Zukunft des Krimis nicht jede Minute wert, dass über sie und ihn geredet wird?

Die Panels werden dank mehrerer Simultandolmetscher*innen in den Sprachen Deutsch und Englisch über die Bühne gehen. Die Zuhörer*innen können den Übersetzungen über Kopfhörer folgen. Zögern Sie nicht, denn die Plätze sind begrenzt: Bereichern Sie die Tagung, indem Sie sich zügig anmelden!

Derzeit geplanter Zeitrahmen

Freitag, 30.09.

12.30 Uhr (Hotel Check-in)

14.00 Uhr (Transfer zum Tagungsort)

Programm
Ab 14.30 Uhr „Come-together“ am Tagungsort

15.30-16.00 Uhr: Begrüßung durch den stellv. Landrat des Kreises Unna, Martin Wiggermann, sowie den Kuratoren Oliver Bottini und Thomas Wörtche

16.00-17.30 Uhr: 
Immer das Gleiche – oder geht’s auch anders?
mit Friedrich AniTobias GohlisSara Gran und Dror Mishani
„Kennste einen, kennste alle“ – so heißt ein alter Spruch über Krimis. Die Unterstellung, der Kriminalroman sei die „Wiederkehr des Immergleichen“, übersieht die ästhetischen Unterschiede, die verschiedenen Phasen der Innovation, die unterschiedlichen theoretischen Ansätze, die Auseinandersetzung mit Traditionen, die Rolle, die allgemeine Phänomene wie Moderne und Post-Moderne auf die Kriminalliteratur haben, obwohl es – anscheinend? – keine konsensfähige „Theorie“ des Kriminalromans gibt. Was also rufen die Autor*innen von zeitgenössischer Kriminalliteratur ab, und inwieweit braucht sie eine theoretische Fundierung?
Mod.: Andrea Gerk

18.00-19.30 Uhr:
Kann Unterhaltung gut sein – und tötet Anspruch den Erfolg?
mit Bernhard AichnerElisabeth Herrmann, Elmar Krekeler, Tatjana Michaelis
Autor*innen von Bestsellerware betonen oft, sie wollten ja „nur unterhalten“. Aber gibt es so etwas wie „reine Unterhaltung“ überhaupt? Ist Erfolg schon ein Qualitätskriterium? Publikumsgeschmack und kritische Einschätzung liegen oft Welten auseinander. Wem obliegt so etwas wie „Qualitätskontrolle“? Oder gibt es objektivierbare Kriterien? Ist alles nur „Meinung“, bei der Kompetenz und Expertise keine Rolle mehr spielen? So gesehen droht die Gefahr, dass sich im Genre eine neue E/U-Schere öffnet, die die Kriminalliteratur in ihrem Verhältnis zur Literatur im Allgemeinen einmal aufheben wollte.
Mod.: Antje Deistler

Anschließend 20.30 Uhr Kriminacht mit Denise Mina, Garry Disher, Merle Kröger und Alexa Christ (Moderation) in der Rohrmeisterei Schwerte, Ruhrstraße 2, Schwerte (mit Möglichkeit Transfer) sowie „Après-Crime“ an der Bar des Ringhotels Katharinen Hof, Unna

Samstag, 01.10. 2022

Programm

11.00-12.30 Uhr: 
Der Kriminalroman – das Stiefkind der Literaturwissenschaft?
mit Wolfgang BryllaNele Hoffmann, Thomas Kniesche
Biedere Magisterarbeiten und Promotionen über „Krimis“ sind inzwischen normal, auch wenn sie meistens außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung laufen. Habilitationen findet man dagegen selten. Kriminalliteratur ist forschungsstrategisch an Universitäten immer noch „exzentrisch“. Mit diesem Panel soll der Status quo der (fehlenden?) Auseinandersetzung der deutschsprachigen Literaturwissenschaft mit dem Kriminalroman diskutiert werden. Es geht darum, methodische Ansätze und Analyseinstrumentarien aufzuzeigen, um den künftigen Dialog und Diskurs von Kritikern, Wissenschaftlern und Externen über Inhalte, Form und insbesondere die Ästhetik (des aktuellen) Kriminalromans anzuregen. Dabei könnte gerade die Narratologie, die sich selten mit Kriminalliteratur auseinandersetzt, eine besondere Rolle einnehmen.
Mod.: Sonja Hartl

12.30 Uhr: Mittagspause

13.30-15.00 Uhr:
Themen und Trends – funktionieren Krimis über Inhalte?
mit Thekla DannenbergGarry DisherJoachim Feldmann, Denise Mina 
Die meisten Kriminalromane werden als „Krimis über …“ charakterisiert. Besonders beliebt ist dabei der Hinweis auf „heiße Eisen“, also Themen, die die Gesellschaft gerade beschäftigen: Gewalt gegen Frauen, innerfamiliäre Gewalt, Kindesmissbrauch etc. Solche Romane könnte man auch rein soziologisch betrachten. Sie fügen sich in größere Zusammenhänge ein, werden Teil der allgemeinen „Gegenwartsliteratur“. Wie aber hängen Themen mit bestimmten Schreibweisen zusammen? Entstehen so Genre-Hybride? Welche Dominanten definieren dann die Zugehörigkeit eines Romans zum Genre „Kriminalroman“?
Mod.: Rebecca Link

15.00 Uhr: Kaffeepause

15.45-17.45 Uhr: 
Global Crime – Krimi überall gleich Krimi?
mit Urszula BonterPetros MarkarisMerle Kröger
Kriminalliteratur von hoher Qualität gibt es auf allen Kontinenten. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Position im literarischen Feld überall die gleiche ist. Kriminalliteratur kann also verschiedene Funktionen in verschiedenen Gesellschaften haben – in patriarchalisch strukturierten, in autoritären und vor allem in Umbruchgesellschaften. Außerdem befindet sie sich immer im interkulturellen Dialog mit ihren „westlichen“ Traditionen. Können Einzelphilologien mit dieser Extension umgehen? Kulturwissenschaftliche Ansätze und auch solche, die sich auf „serielles Erzählen“ spezialisieren, kommen um die Frage nicht herum, ob es tatsächlich einen gemeinsamen „Global Code“ für Kriminalliteratur gibt.
Mod.: Ulrich Noller

Anschließend 19.30 Uhr Kriminacht mit Sara Gran, Dror Mishani, Friedrich Ani, Elisabeth Herrmann und Margarete von Schwarzkopf (Moderation) im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, Hansastr. 3, Dortmund (mit Möglichkeit Transfer) sowie „Après-Crime“ an der Bar des Ringhotels Katharinen Hof, Unna 

Am Sonntag, 02.10., 11:45 Uhr findet zum Abschluss der Tagung ein Krimi-Kater-Brunch im Ringhotel Katharinen Hof in Unna statt.
Brunch-Krimimatinee mit Bernhard Aichner im Ringhotel Katharinen Hof, Unna
Bitte beachten Sie, dass der Krimi-Kater-Brunch aktuell nur in Verbindung mit einer der anderen Tagungskategorien als Zusatzprodukt gebucht werden kann.


Anmelde- und Teilnahmebedingungen

Teilnahmemodelle und Kosten