Geschrieben am 3. Oktober 2022 von für Crimemag, CrimeMag Oktober 2022

Bloody Chops – Kurzbesprechungen Oktober 2022

Kurzbesprechungen von Hanspeter Eggenberger (hpe), Joachim Feldmann (JF) und Alf Mayer (AM):

Wolfgang Bortlik: Basler Gleichstand
Frauke Buchholz: Blutrodeo
Maddalena Fingerle: Muttersprache
Marie Hermanson: Die Pestinsel
Karin Slaughter: Die Vergessene
Lavie Tidhar: Maror
Jürgen Tietz: Berliner Monster. 1947: Kommissar Adlers erster Fall

Wer je sein Brot mit Tränen aß

(AM) Welch ein Brett, dieser Staats-Noir mit dem Titel Maror. Das soeben in Großbritannien erschienene Magnum Opus des in einem Kibbuz geborenen Lavie Tidhar (Jahrgang 1976) ist ein Ausnahme-Buch, wird Wellen schlagen. Sein letztes hierzulande veröffentlichtes Werk war „Osama“ (Kein & Aber, 2013), in dem ein Privatdetektiv nach dem Autor einer Pulp-Reihe sucht, in der sich komplett fiktive bizarre Terrortaten ereignen wie Bomben in der Londoner U-Bahn oder Flugzeuge ins World Trade Center – Titel der Reihe: „Osama bin Laden: Vergelter“. Eh kein Verlag wagte sich bei uns an „A Man Lies Dreaming“, ermittelt hier doch ein „Wolf“ Hitler als Privatdetektiv in einem schäbigen London; er ist ein Nazi-Flüchtling aus einem Deutschland, in dem 1933 die Kommunisten an die Macht gelangten. Die Nazis werden verfolgt und verraten, auch von Figuren wie Mosley, Klaus Barbie oder Rudolf Hess. Das Ganze letztlich der Fiebertraum eines Pulpromane schreibenden KZ-Häftlings, der in Auschwitz nicht seinen Verstand verlieren will. 

Viele der rund ein Dutzend Bücher von Lavie Tidhar durchbrechen die Genres, schäumen von Phantasie – „punchdrunk“ dafür ein netter englischer Ausdruck. Die Arthus-Runde nahm er sich in „By Force Alone“ vor, den Mythos von Robin Hood in „The Hood“. In seinem „Unholy Land“ liegt Palästina in Ostafrika und baut gerade Mauern, um afrikanische Flüchtlinge draußen zu halten, in „Central Station“ wird ein Tel Aviv der Zukunft zur border town, in der Kulturen, reale und virtuelle, heftig aufeinanderprallen. Genregrenzen sind diesem Autor egal, man hat sich darauf eingestellt, ihn als Fantasy-Autor von Rang zu sehen. (Toll auch seine Herausgeberschaft von „The Best of World SF“, 26 Geschichten vor allem aus den Peripherien, demnächst von einer zweiten großen Lieferung ergänzt. Und nicht zu vergessen, zusammen mit dem ebenfalls innovativen Shimon Adaf: „Art and War: Poetry, Pulp and Politics in Israeli Fiction“.)

Nun also der Gründungsmythos Israels neu verhandelt, so etwas wie dessen Subgeschichte – „a true story, alles davon wahr“ – episch über vier Jahrzehnte erzählt. Nation building als lupenreiner Noir. Wer einen Staat baut, kommt an Opfern, Bomben und Verbrechen nicht vorbei, braucht auch Diebe, Prostituierte, Polizisten. Im Mittelpunkt zwei Cops, der eine korrupt und drogensüchtig, der andere, Inspector Cohen, so etwas wie der „Hohe Priester Israels“, gerne aus der Bibel zitierend. Beide bewegen sich in einer Unterwelt, in der Gier und Kontrollwut alle Ideologien übertrumpfen und Idealisten gar vielleicht die Schlimmsten sind. Selten, dass ein Buch mir Echos von Hammetts „Roter Ernte“ und Jerome Charyns Isaac Sidel zugleich evoziert. (Von Charyn erscheint gerade „The Big Red“, ein Roman über Orson Welles und Rita Hayworth.) Maror übrigens sind die bitteren Kräuter, die am Seder an Pessach gegessen werden. Sie symbolisieren die Bitterkeit der Sklaverei im alten Ägypten. „Und sie verbitterten ihr Leben mit harter Arbeit, mit Mörtel und mit Ziegeln“ (Exodus 1:14).

Lavie Tidhar: Maror. Head of Zeus, London 2022. Hardcover, 554 Seiten, 20 GBP. (Dt. nächstes Jahr in der TW-Edition bei Suhrkamp)

Kanada-Kennerin aus Aachen

(hpe) Die deutsche Autorin Frauke Buchholz kennt sich aus in der indigenen Welt Nordamerikas. Sie hat viel Zeit in Kanada und den USA verbracht und eine ganze Reihe von Reservaten besucht. Und sie hat über zeitgenössische Literatur indigener Autorinnen und Autoren in Nordamerika promoviert. Ihre Leidenschaft für Kanada und ihr Wissen über die nordamerikanischen Ureinwohner prägen die Kriminalromane der 61-Jährigen, die an einem Gymnasium in Aachen Sprachen unterrichtet. Letztes Jahr erschien ihr erster Roman »Frostmond«, in dem es um das ungeklärte Verschwinden von indigenen Mädchen und Frauen in Kanada ging. Im zweiten Krimi Blutrodeo geht es nun um den Mord an einem alten, im Sterben liegenden Mann in einem Spital. Nachdem Samantha Stern, jüngster Chief Superintendent der Royal Canadian Police in Calgary, in dem Fall nicht weitergekommen ist, drückt ihr der Chef den landesweit bekannten Profiler Ted Garner aufs Auge. Bald zeigt sich, dass der Mord nur einer in einer ganzen Reihe ist, bei der alten Männern die Kehle aufgeschlitzt wird.

Auch diese Geschichte führt die Ermittler in ein Reservat, in dem Erdölkonzerne Ölsand abbauen und damit die alten Indianerjagdgründe zerstören. Als «industriellen Genozid» bezeichnet dies eine Aktivistin. Auch wenn solche Passagen zuweilen etwas traktathaft wirken, liest sich der Roman insgesamt gut. Buchholz beherrscht das Erzählhandwerk und punktet auch mit trockenem Humor. Solcher ergibt sich immer wieder aus der zwangsweisen Zusammenarbeit zwischen der ehrgeizigen Polizistin und dem von sich ziemlich eingenommenen Profiler, der ihr gerne Zitate des deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer um die Ohren haut. Etwa: »Jede zufällige Begegnung ist eine Verabredung, jede Demütigung eine Busse, jeder Zusammenbruch ein geheimnisvoller Sieg, jeder Tod ein Selbstmord.«

Während die Ermittler sich noch Fragen, ob die Morde mit der Umweltzerstörung im Reservat zu tun haben oder mit Ereignissen während dem Vietnamkrieg, in dem die Getöteten kämpften, befürchtet der Profiler, dass sein Vater ein nächstes Opfer werden könnte. Nur so viel sei verraten: Die Geschichte, in der es auch um Familienverhältnisse und anderen Beziehungen geht, steuert unaufhaltsam auf einen gewalttätigen Showdown zu.

Frauke Buchholz: Blutrodeo. Pendragon, Bielefeld 2022. 264 Seiten, 18 Euro.

Literatur und Verbrechen

(JF) In Göteborg ist der Teufel  los. Und das nicht nur, weil die just eingeführten Verkehrspolizisten – wir befinden uns im Jahre 1925 – dem rabiaten Verhalten frischgebackener Autobesitzer nicht gewachsen sind. Ein mysteriöser Mord sorgt für Verwirrung bei den Kollegen von der Kriminalabteilung. Wie passt die teure Kleidung des Opfers zu seinen ärmlichen Wohnverhältnissen? Woher stammte das Geld für ein Boot und einen Luxuswagen? Kommissar Gunnarssons Ratlosigkeit nimmt zu, als er in einem Krimi die näheren Umstände des Verbrechens liest. Zumal sich der Autor des Werkes hinter einem Pseudonym versteckt. 

In ihrem neuen Roman Die Pestinsel spielt die schwedische Autorin Marie Hermanson ebenso gekonnt wie unaufgeregt mit typischen Elementen des Gruselkrimis. Vor allem der Zusammenhang von Literatur und Verbrechen, ein im Genre  ausgesprochen populäres Motiv, hat es ihr angetan. Dass die Mördersuche an einen abgeschiedenen Ort mit ganz eigenen, anachronistisch anmutenden Regeln führt, bewährt sich wieder einmal als probates Mittel der Spannungserzeugung. Neu ist all das natürlich nicht, aber immer wieder unterhaltsam. 

Marie Hermanson: Die Pestinsel (Pestön, 2021). Aus dem Schwedischen von Regine Elsässer. Insel Verlag, Berlin 2022. 329 Seiten, 16,95 Euro.

Die Sprache als Schauplatz

(AM) Keine Kriminalliteratur, aber ein Fest der Sprache. Das Romanmanuskript „Lingua madre“ der in Bozen geborenen Maddalena Fingerle gewann 2020 den renommierten Italo-Calvino-Preis für das beste unveröffentlichte italienische Debüt. Nach Erscheinen folgten zahlreiche Preise. Und das zu Recht. Der Ich-Erzähler Paolo Prescher, ein halbwüchsiger Schüler, ist besessen von Worten. Von sauberen. Die dreckigen sind giftig und auffällig wie gefährliche Pilze. (Jean-Paul Sartre lässt grüßen, seine Autobiographie „Die Wörter“ über die ersten zehn Lebensjahre erschien 1964.) 

Im Roman Muttersprache heißt es:  „Wörter sind im Prinzip sauber,  wenn sie das sagen, was sie sagen sollen, ohne zweideutig zu sein. Wie Nigger und Deutscher. Nigger und Deutscher sind sauberer als Mensch mit dunkler Hautfarbe oder Südtiroler deutscher Muttersprache.“ Fürs saubere Fluchen ist Italienisch viel besser als Deutsch, die Zweisprachigkeit Südtirols bekommt in diesem Roman eine zusätzliche Konnotation. Der Name Paolo Prescher ist ein Anagramm für „parole sporche“, dreckige Wörter. Luisa Prescher bedeutet auch „capire Husserl“, Husserl verstehen, Juliana Prescher „sprecherai lingua“, du wirst Sprache vergeuden, und Biagio Prescher für „crepai borghesi“, ich bin verreckt, ihr Spießer. Es ist eine Familie, in der die Worte ein Kriegs- und Bedeutungsschauplatz sind, die Schwester boshaft, die Mutter eine lustvolle Wortverschmutzerin, die Geburtsstadt Bozen mit ihrer behaupteten Zweisprachigkeit eine hohle Fassade. 

Heimatlos in der Sprache zu sein und sich eine saubere Sprache zu suchen, das durchzieht als Sehnsucht diesen coming-of-age-Roman der sehr besonderen Art. Das Buch eignet sich unglaublich gut fürs Vorlesen.

Maddalena Fingerle: Muttersprache (Lingua madre, 2021). Übersetzt von Maria Elisabeth Brunner. Folio Verlag, Bozen/ Wien 2022. 192 Seiten, Hardcover, 22 Euro.

Wenn Feigheit tödlich endet

(hpe) Andrea Oliver, die Protagonistin des 2018 erschienen Standalones »Pieces of Her« (Deutsch: »Ein Teil von ihr«) und der darauf basierenden neuen Netflix-Serie kehrt im neuen Thriller von Karin Slaughter zurück. In Die Vergessene hat sie eben ihre US-Marshal-Ausbildung abgeschlossen und wird zum Schutz einer betagten Bundesrichterin, die Morddrohungen erhalten hat, in eine Kleinstadt in Delaware beordert. Ihr Onkel, ein einflussreicher Senator, hat dafür ein paar Strippen gezogen. Während sie die Richterin bewacht, soll sie herausfinden, wer vor vierzig Jahren Emily, die 18-jährige Tochter der Richterin, umgebracht hat. Denn zu den Verdächtigen zählte damals Andreas leiblicher Vater, ein übler Psychopath und Sektenführer, der im Gefängnis sitzt. Und bald freikommen soll. Was die Familie verhindern will, indem man ihm den alten Mord nachweist. Die Ausgangslage im neuen Thriller der amerikanischen Bestsellerautorin ist also ziemlich komplex. Und ein paar weitere Verästelungen und Verwicklungen machen sie noch vielschichtiger. Es ist dennoch eine spannende und unterhaltsame Lektüre. 

Die Handlung springt hin und her zwischen der Jetztzeit mit Andrea und den frühen 1980er Jahre mit Emily. Und in beiden Teilen wird ermittelt. Emily wurde schwanger nach einer Vergewaltigung, die ihr im Drogenrausch angetan wurde und an die sie sich nicht erinnert. Sie wollte herausfinden, wer der Täter war. Wobei sie sich am Ermittlungsmodus von TV-Detektiv Columbo orientierte. Es musste ein Gleichaltriger aus der Clique, mit der sie herumhing, gewesen sein. Oder ein Lehrer. Einer der Gleichaltrigen wurde später Andreas leiblicher Vater. Die anderen Tatverdächtigen, lernt Andrea nun vor Ort kennen. Und einer davon ist höchstwahrscheinlich Emilys Mörder. 

Mindestens so sehr wie für die eigentliche Whodunit-Ebene interessiert sich Slaughter – übrigens kein Pseudonym, sondern ihr richtiger Name – dafür, was Emily von Seiten der Gleichaltringen, der Schule und vor allem auch ihrer Familie widerfuhr, nachdem sie schwanger geworden war. Sie wurde von den Mitschülern geächtet, von den Lehrern der Schule verwiesen. Ihrer Mutter ging es nur darum, für die anstehende Ernennung zur Bundesrichterin durch den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan gut dazustehen. »Ich erdulde nicht die Konsequenzen meines Handelns«, warf Emily ihrer Mutter vor, »ich erdulde die Konsequenzen deiner Feigheit.«

Die politische Stimmungslage in den USA der frühen Achtziger und das Leben in der geistigen Enge einer Kleinstadt bilden den Hintergrund der dramatischen Geschichte. Diese dreht sich neben dem Fall von Emily und den aktuellen Drohungen gegen die Richterin auch um schwierige Familienverhältnisse und um totalitäre Sekten. Das mag alles furchtbar ernst und schwer klingen. Karin Slaughter erzählt ihre Geschichte aber nicht nur engagiert, sondern auch gekonnt und immer wieder gewürzt mit Humor. Zum Beispiel in den Szenen mit Andreas erfahrenem Marshal-Kollegen Leonard »Catfish« Bible und dessen Frau, die gleichzeitig die Chefin der Marshals ist. Wie das Paar in Dialogen praktisch nahtlos von Privat zu Job und zurück wechselt, ist hochkomisch.

Karin Slaughter: Die Vergessene (Girl, Forgotten, 2022). Aus dem Englischen von Fred Kinzel. HarperCollins, Hamburg 2022. 526 Seiten, 24 Euro.

Genügend lose Fäden

(JF) Die Vergangenheit sei ein anderes Land, in dem andere Regeln gälten, heißt es in einem berühmten englischen Roman. Eine kluge Feststellung, die allerdings auf den historischen Kriminalroman, dessen Beliebtheit nicht abzuflauen scheint, nur bedingt zutrifft. Ermittelt wird nach klassischen Genreregeln, ganz gleich, wann die Handlung angesiedelt ist. Das gilt auch für Berliner Monster, den Auftaktband einer neuen Reihe um den kriegsversehrten Kommissar Hans Adler, der 1947 in den Trümmern der vormaligen Reichshauptstadt ermittelt. Gesucht wird ein Sexualmörder, der es auf kleine Jungen abgesehen hat. Von drei Opfern weiß man bereits, und der Druck auf Adler ist immens. Vor allem der Polizeipräsident, der aus seinen Sympathien für die sowjetische Besatzungsmacht keinen Hehl macht, setzt dem gepeinigten Kriminalisten zu. Dass die Nachforschungen in politisch brisantes Terrain führen und Adler in Lebensgefahr bringen, versteht sich von selbst. Dabei steht vor allem die Befindlichkeit des nicht nur physisch derangierten Helden im Fokus. Folgerichtig bleiben am Ende genügend lose Fäden, die in den geplanten Fortsetzungsbänden aufgegriffen werden können.

Jürgen Tietz, von Beruf Journalist und bislang mit einem unter Pseudonym veröffentlichten Syltkrimi hervorgetreten, erzählt streng personal, versteht sich auf atmosphärische Schilderungen und spart dabei nicht an Worten. Da fühlt sich der Protagonist schon mal, „wie die gelbgrüne Ölfarbe im Verhörzimmer“. Und ein einsetzender Nieselregen ist nicht nur kühl, sondern auch „fisselig“.

Wer sich an solcher Liebe zum Detail und dem einen oder anderen, offenbar schwer zu vermeidenden, Klischee nicht stört, wird diesen Kriminalroman ohne Reue lesen. 

Jürgen Tietz: Berliner Monster. 1947: Kommissar Adlers erster Fall. Kampa Verlag, Zürich 2022. 348 Seiten, 18,90 Euro.

Tausend tolle Teufel tanzen im Treibsand Tango

(hpe) Es war ein Zufallstreffer für die beiden rebellischen Gymnasiasten. Spät in der Nacht zum 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, stiessen sie auf einen Betrunkenen, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Sie erkannten ihn als Chef einer Basler Privatbank. Der kam vom traditionellen Nationalfeiertagsbesäufnis mit seinen Verbindungskumpeln. Kurz entschlossen packten sie ihn und verfrachteten ihn ihren Übungskeller. Mit dieser Entführung würden sie die Strafverfahren gegen Klimajugendliche, die Bankeingänge blockiert hatten, beenden, dachten sie in ihrem Übermut.

So beginnt der neue Kriminalroman des (in München geborenen) Schweizer Autors Wolfgang Bortlik. Der Titel Basler Gleichstand spielt auf das tödliche Unentschieden an, zu dem sich der etwas forcierte Bubenstreich auswächst. Der erste Tote, ein Grüner, der die Klimajugend unterstützte, wird erschossen am Rhein gefunden. Bei den beiden Entführern weicht die Euphorie rasch wachsendem Muffensausen. Sie deponieren ihr Opfer weitgehend unversehrt im Grünen. Doch als er gefunden wird, ist er tot. Erschossen. »1:1« ist bald auf Wände gesprayt zu lesen. »Es bedeutete möglicherweise tatsächlich, dass einer der Linken und einer der Rechten tot war. Ein Klimaschützer hinüber, ein Klimasünder ebenso. Unentschieden.«

Nicht nur die Aktionen der Klimajugend, sondern auch die Corona-Lockdown-Nachwehen sorgen für einen zeitgemäßsen Background der Geschichte, mit der sich Kriminalkommissär Gsöllpointner und sein Spezi Melchior Fischer herumschlagen. Diese bietet einen ordentlichen Whodunit-Plot, der die eine und andere unerwartete Wendung nimmt. Doch es ist nicht der eigentliche Fall um die beiden Leichen, der den Reiz dieses Romans ausmacht. Es ist zum einen der lustvolle Umgang mit der Sprache, der wesentlich zum Lesevergnügen beiträgt. Da wird an Gymnasiastenpartys »allerhand verhandelt, verbandelt und auch verschandelt«. Und in der 1.-August-Nacht würde es »fiepen, pfeifen, krawettern, krachen, knallen und satanen, als ob tausend tolle Teufel Tango im Treibsand tanzten«. Zum anderen sind es meist beiläufige Bezüge zu Politik und Popkultur. Der Autor ist belesen, historisch bewandert, kennt sich in Musik und Film auch abseits des Mainstreams aus. Und er teilt gerne Seitenhiebe aus. Etwa wenn Fischer einer Schmeißfliege mit einem Schweizer Roman zu Leibe rücken will: »Wobei diese Seelenergüsse bei knappen 148 Seiten ja immer zwischen dicke Umschlagpappe geklebt waren und daher zu wenig biegsam und flexibel waren für die Fliegenjagd. Zu nichts konnte man das Zeug gebrauchen.«

Wolfgang Bortlik: Basler Gleichstand. Gmeiner, Messkirch 2022. 251 Seiten, 14 Euro.

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