Geschrieben am 1. Dezember 2022 von für Crimemag, CrimeMag Dezember 2022

Barosaurus lentus – ein künstlerisches Experiment

John Conway © Wiki-Commons

Markus Pohlmeyer zum Zusammenhang von Kunst und Evolution

Warum Dinosaurier? Darren Naish sammelt dafür vier Argumente: „[…] we like dinosaurs because, frankly, they’re neat-looking aninmals. […] we like dinosaurs because they’re super animals, above and beyond living creatures when it comes to mechanics, power, and abilities. […] a wilderness unspoilt by human action. […] Fourth, and finally, dinosaurs are the subject of all kinds of questions and controversies.“[1]

© Wiki-Commons

Das Bild BAROSAURUS, DIPLODOCUS AND DRYOSAURUS[2] von John Conway (2017, siehe oben) ist ein Statement. So, unter anderen, habe ich mir immer die Urzeit vorgestellt. Zwei optische Effekte beeindruckten mich hier besonders:

1. Die Dramaturgie der Größe. Im Vordergrund zweibeinige Minidinos. Farblich dunkel gehalten. Dann zwei Diplodoci (heller), ungefähr 20 m groß. Aber sie wirken einfach nur klein im Vergleich zu dem grau-schwarzen Barosaurus lentus (45 m?), der sich über zwei Seiten zu erstrecken scheint. Monumental.

2. Im Hintergrund ein Berg (in dunklerem Grün), der natürlich ungleich größer als der Barosaurus sein muss; aber durch eine fehlende Raumtiefe erscheinen Dinosaurier und Berg fast gleich groß. Die rechte Flanke verläuft fast parallel zum Schwanz des Riesen, dessen Hals die linke Flanke kreuzt, so dass der Kopf des Giganten in den Himmel dahinter ragt – überragend. Ein Dino wie ein Berg. Und alles statisch und doch voller Dynamik (… auch mit diesem dramatischen Himmel): Dinosaurier auf zwei und vier Beinen; Färbungen werden zart angedeutet; nach unten gebogen die Hälse, nach oben, und auch waagrecht.

Und dann Barosaurus (um den herum sich der Berg und die anderen Dinosaurier einrahmend gruppieren): grazil, schwungvoll, elegant – vollendete Architektur der Evolution. Unfassbar groß und doch irgendwie leicht. Eben ein Statement und ein Experiment des Künstlers, was mögliche Dimensionen von Sauropoden betrifft, wie der erklärende Bildtext erläutert, welcher dadurch sofort jeglichen naiven Realismus durchstreicht – im Sinne von Kann-sein-muss-aber-nicht. Aber auch das Bild selbst markiert dies durch seine inhärente Konstruktion, kein Abbild sein zu wollen, und macht dadurch jedoch eine wissenschaftliche Diskussion sichtbar.

Eben ein cooles Super-Tier in einer Welt ohne Menschen, was Stoff zu Kontroversen bietet.[3] Und nun ja, auch etwas zum Nachdenken, wie unser faszinierender Planet einmal ausgesehen haben könnte.

Und dass Kunst, Evolution und Sauropoden – noch größer als Barosaurus? – (fast) keine Grenzen kennen. 

Markus Pohlmeyer, Dichter und Essayist, lehrt an der Europa-Universität Flensburg. Seine Texte und Gedichte bei uns hier.


[1] D. Naish: Dinopedia, Princeton University Press 2021, VI-VII. (Ein grandioses Buch!)

[2] In S. White – D. Naish: Mesozoic Art, London u.a. 2022, 132 f.

[3] Siehe dazu R. Molina-Pérez – A. Larramendi: Dinosaur: Facts and Figures. The Sauropods and Other Sauropodmorphs,  Princeton University Press 2020, 36 f.

*****

Tags : ,